„Der Schlüssel heißt Kooperation“
Für die BLUETEC-Entwicklung mussten die Ingenieure von Mercedes-Benz Cars nicht nur technologisches Neuland beschreiten, sondern auch die klassische Route der Aufgabenverteilung in der Fahrzeugentwicklung verlassen. Bernd Lindemann erinnert sich an die Anfänge: „Als wir mit BLUETEC aus der Forschung und der Vorentwicklung kamen, stand zwar das Konzept, aber wir wussten um die sehr vielen Probleme im Detail.“ Der klassische Gang der Dinge wäre gewesen, jedes Einzelthema separat von der dafür verantwortlichen Fachabteilung der Fahrzeugentwicklung abarbeiten zu lassen. Das hätte bedeutet, dass jede Abteilung unabhängig von allen anderen an den Stellschrauben dreht, die sie gemäß ihrer Funktion und Zierichtung im Blick haben muss.
Der eine Motorenentwickler sucht beispielsweise nach Lösungen, die Rohemissionen des Verbrennungsvorgangs weiter zu senken. Sein Kollege hat dagegen den Dieselverbrauch im Blick und sucht nach Wegen, möglichst sparsam mit dem Kraftstoff umzugehen. Die Abteilung Abgasnachbehandlung optimiert wiederum ihre Systeme. Das Problem dabei: Jeder für sich erreicht durchaus spürbare Fortschritte. Aber im Zusammenspiel im Motor gehen diese im Labor der Abteilung erzielten Vorteile auch schnell wieder verloren.
Bernd Lindemann erläutert an einem Beispiel, wie stark Zielkonflikte die Motorenentwicklung beherrschen, und zwar selbst innerhalb einer Abteilung. So hat der Entwickler des NOx-Speicherkats andere Anforderungen an den Motorenentwickler als sein Kollege, der am Nachbartisch derselben Abteilung für die effiziente Arbeit des Rußfilters verantwortlich ist. „Der eine braucht eine möglichst hohe Abgastemperatur, der andere favorisiert eine möglichst geringe. Der eine fordert vom Motorenbauer also möglichst viel Abgasrückführung, der andere drängt dagegen auf eine möglichst geringe Abgasrückführung.“
Dem Vorentwicklerteam war schnell klar, dass eine abteilungsübergreifende Projektmannschaft zusammengestellt werden musste, in der alle wesentlichen Kompetenzen gebündelt waren. Für dieses BLUETEC-Projektteam übernahm Bernd Lindemann die Leitung. „Der Schlüssel zu BLUETEC heißt Kooperation“, so meint er heute, „entscheidend war, dass es uns gelang, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Grenzen verschmolzen sind und jeder mit Blick auf die Kollegen geschaut hat, wo und wie er ihnen mit seiner Lösung entgegenkommen kann. Es ging darum, den anderen Luft oder Spielraum für ihre Zwänge und Lösungsansätze zu geben.“
Dieses kooperative Klima stellte sich durchaus nicht von allein ein. Dazu bedurfte es auch einer zeitintensiven Kommunikation. „Wer den Kollegen eine schwierige Anforderung in den Weg stellte, musste ihnen ja genau erklären, weshalb dieser Punkt für seine Arbeit von überragender Bedeutung ist.“ Am Ende des Gesprächs gerät Bernd Lindemann sogar ins Schwärmen: „Das Schöne an dem Projekt war, dass wir schnell verinnerlicht haben, dass wir ein gemeinsames Ziel haben, das wir auch nur gemeinsam erreichen können.“
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