Fahrzeugdesign – Auf der kreativen Insel
Hardware und Handarbeit
Zur Umsetzung verwendet das Design-Studio eine Mischung aus präziser Handarbeit und moderner Computertechnik. Schwarzweiß- und Farbskizzen entstehen nach wie vor mit Stiften und Markern auf Papier. Eingescannt lassen sie sich dann am Rechner mit einem elektronischen Griffel verfeinern und verändern, bevor die Zeichnungen der Front-, Rück- und Seitenansicht an die Modelleure gehen. Ein Team von vier „Bildhauern“ macht sich anschließend im Erdgeschoss ans Werk, um ein Tonmodell im Maßstab 1:4 zu gestalten.
„Jede gute Idee fängt bei mir mit einem Wegwerfkuli und einem leeren Blatt Papier an. Dann lasse ich meinen Ideen freien Lauf.“ - Designer-Denken sog Nicolas Garfias bereits als Kind in sich auf – und das nicht irgendwo: Als Schulbub spielte er am liebsten am Schreibtisch seiner Mutter. Und der stand im legendären Designbüro von Charles und Ray Eames. Heute ist Garfias stolz, für die Erfüllung seines Kindheitstraumes auch noch ein Gehalt zu bekommen.
Dabei bedienen sich die Modelleure eines groben Rohlings, der von einem Scanner abgetastet wird. Mit den so gewonnenen rund zwei Millionen Daten-Dreiecken der Fahrzeuggeometrie lässt sich eine detaillierte, polygonale Oberfläche vom Kühlergrill bis zur Heckleuchte berechnen. Diese Messdaten nutzt eine Computerfräse, um die Feinheiten des Entwurfes freizulegen. „Digitale Technik hat uns viel Spielraum gegeben, um Dinge schneller umzusetzen und Daten durchzurechnen, die sich die Design-Studios weltweit zuspielen“, sagt David Slaughter, der dienstälteste Senior Design Sculptor in Irvine. „Aber letztlich kann die digitale Welt ein körperliches Modell nicht komplett ersetzen“, gibt er zu bedenken. „Eine wohlproportionierte Linie, die atmet und den Geist der Marke Mercedes-Benz vermittelt, zieht man immer noch am besten mit der Hand.“ Gleichwohl arbeiten Slaughter und seine Kollegen bereits seit Jahren mit komplett im Computer erzeugten Modellen. Das gilt ­insbesondere für sogenannte Advanced Concept Cars oder Show Cars, die für Ausstellungen konzipiert sind oder auf Designmessen präsentiert werden sollen wie etwa der Flüssigmetall-Flitzer Silverflow.
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