Augen auf! Was läuft falsch, wenn es an der Kreuzung kracht?
Ein aufwändiges Projekt zur Unfallanalyse verspricht Aufklärung – und Abhilfe.
Ein sonniger Frühlingstag, eine idyllische Vorstadtstraße: Gemächlich rollt der Verkehr, Kandidat Nummer 7 sitzt am Steuer einer S-Klasse und genießt die Fahrt. Irgendwo bellt ein Hund, am Gehweg gegenüber gehen Menschen spazieren. Plötzlich taucht von rechts, aus einer Seitenstraße, ein Kleinwagen auf, will schnell die Straße queren. Schrecksekunde – bremsen – Aufprall. Ein kapitaler Unfall. Mit zittrigen Knien und Schweißperlen auf der Stirn steigt Nummer 7 aus dem Auto.
Unfallverteilung nach Unfalltyp (Statistik 2006)
Erhebungen des Deutschen Statistischen Bundesamts zeigen deutlich: Auffällig viele Unfälle mit Personenschaden geschehen an Kreuzungen und Einmündungen, davon rund 80 Prozent innerhalb einer Ortschaft. |
Ein Glück nur: Die Szene spielt sich nicht wirklich auf der Straße ab, sondern in einem Berliner Fahrsimulator, dem Hightechlabor für Virtual Reality von Daimler. Der Hintergrund: Auf Grundlage tatsächlicher Unfallgeschehnisse fahnden Forscherteams nach den menschlichen Ursachen für bestimmte Unfalltypen und prüfen, ob innovative Assistenzsysteme diese Karambolagen vermeiden oder wenigstens mildern könnten.
Für dieses Projekt ist Know-how aus vielen Bereichen des Daimler-Konzerns gefragt. Eine der tragenden Rollen spielt jene Forschungsabteilung, die sich am Daimler-Standort Böblingen mit dem Faktor Mensch, mit messbarer Ergonomie und Wahrnehmungsforschung auseinandersetzt: Hier wertet das Human-Factors-Team von Peter Frank die Berliner Simulatorversuche dahin gehend aus, wie und wann die Unfallkandidaten in der kritischen Situation reagiert haben – und wie sie den drohenden Aufprall womöglich hätten vermeiden oder mildern können. Den technischen Part trägt Helmut Schittenhelm bei, der in der benachbarten Forschungsabteilung Assistenz- und Sicherheitssysteme mit der Konzeption neuer integrierter Sicherheitssysteme befasst ist. Und selbstverständlich fließt auch die praktisch-detektivische Expertise der Mercedes-Benz- Unfallforschung mit in das Projekt ein.