Fehlersuche und Qualitätssicherung im Softwarelabor
der Daimler-Forschung
Wenn’s brennt, ruft man die Feuerwehr. Die ist meist schnell zu Stelle und freut sich, wenn der Brand gelöscht ist. Noch lieber freilich wäre es den Feuerwehrleuten, sie würden nicht zum Löschen, sondern viel früher, nämlich schon zum Brandschutz gerufen. Stefan Schmerler und Bernhard Hohlfeld geht es oft ähnlich – sie und ihre Mitarbeiter werden meist erst dann gerufen, wenn es schon „brennt“.
Die beiden Softwarespezialisten der Daimler-Forschung kommen mit ihren Teams häufig dann zum Einsatz, wenn es in der Entwicklung eines neuen Fahrzeugmodells unerwartete Probleme mit der Software von elektronischen Steuergeräten gibt. Und weil in einem modernen Pkw heute je nach Modell und Ausstattung 40 bis 60 Steuergeräte stecken, von denen jedes mit einem spezifischen Quellcode gefüttert ist, sehen sich die Experten aus dem von Klaus Grimm geführten Softwarelabor immer wieder neuen Herausforderungen gegenüber. Stefan Schmerler leitet die in Böblingen angesiedelte Abteilung „Methoden und Werkzeuge“, sein Kollege Bernhard Hohlfeld die im DaimlerForschungszentrum Ulm beheimatete Abteilung „Software-Strukturen“.
Die „elektronischen Brandherde“, zu denen die beiden Manager und ihre Mitarbeiter aus der Vorentwicklung gerufen werden, können „harmlose“ Störungen im Steuergerät eines Telematiksystems sein, dessen Bildschirm sich im Navigationsmodus nur in Zeitlupe Zeile für Zeile aufbaut oder beim Aktivieren des Telefons plötzlich ganz ausfällt. Es können aber auch gravierende Fehler auftreten, die unter Umständen die Motorsteuerung oder das Getriebemanagement beeinflussen.
Gut gefüllte Lastenhefte
Würde man die Anforderungsprofile aller Steuergeräte eines Autos ausdrucken, erhielte man ein Lastenheft, das bis zu 500 gut gefüllte Ordner umfassen würde. Bedenkt man zudem, dass fast alle Steuergeräte oder Controller in irgendeiner Form miteinander kommunizieren, wird rasch klar, dass in der Entwicklungsphase eines Fahrzeugs immer wieder Unstimmigkeiten auftreten können. „Die meisten Steuergeräte werden zusammen mit der Software von spezialisierten Zulieferern nach Vorgaben der Automobilhersteller entwickelt und produziert“, erläutert Stefan Schmerler. „Bei besonders wettbewerbskritischer Software, wie zum Beispiel beim Lkw-Antriebsstrang, entwickelt Daimler die entsprechenden Quellcodes allerdings selbst.“