Im Bereich „Health & Safety“ von Daimler zählt die ergonomische Optimierung von Arbeitsplätzen in der Produktion zu den Kernaufgaben. Der Prozess der präventiven Ergonomischen Arbeitssystem-Bewertung in den Werken setzt bereits in der frühen Planungsphase einer neuen Fahrzeug-Generation ein.
Der Mann ist nicht zu beneiden. Wieder und wieder muss er seinen Oberkörper tief in die Karosserie beugen, wo er mit ausgestreckten Armen an einer schwer zugänglichen und kaum einsehbaren Stelle eine Schraube fixieren soll. Wäre der Mann aus Fleisch und Blut, würde ihm jeder abnehmen, dass ihm oft der Rücken und die Handgelenke schmerzen. Doch der Montagewerker ist nur eine virtuelle Figur auf dem Bildschirm, eine Art „elektronischer Dummy“ – garantiert schmerzunempfindlich und doch empfindsam: Wann immer seine Bewegungen zuvor programmierte Belastungswerte überschreiten, leuchten sein Rücken, sein Nacken, seine Handgelenke oder Schultern knallrot auf. Und das bedeutet, dass an dieser simulierten Arbeitsstation dringender Handlungsbedarf besteht.
In der „digitalen Fabrik“
Im Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen ist der elektronische Dummy in der so genannten „digitalen Fabrik“ nur eines von mehreren Instrumenten, um ergonomische Risiken der Mitarbeiter, vor allem jener in der Montage, frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Schon Jahre bevor ein neues Modell vom Band rollt, können die planenden Ingenieure die spätere Produktion am Bildschirm in einer Computersimulation Schritt für Schritt untersuchen. Sie stoßen dabei auch auf Arbeitsvorgänge, die den Werkern aus ergonomischen Gründen später besser erspart bleiben. „Wir verfolgen einen stark präventiven Ansatz und warten nicht, bis ein Attest vom Orthopäden ein gravierendes Gesundheitsproblem offenbart“, sagt Dr. Ralf Franke, Leiter des Bereichs Health & Safety (H&S) bei Daimler.
Unter dem Dach und unter der Regie von H&S sind sämtliche Funktionen des Gesundheitsmanagements im Unternehmen zusammengefasst. Das Angebot reicht von der medizinischen Versorgung bis zur Sozialberatung und von der betrieblichen Gesundheitsförderung bis zum Arbeitsschutz. Immer wichtiger wird das Thema Ergonomie, also die möglichst belastungsarme Gestaltung der Arbeitsprozesse. „Dabei arbeiten wir intensiv mit Entwicklern und Planern zusammen, um schon in der Konzeptionsphase eines Fahrzeugs ergonomische Aspekte zu berücksichtigen“, sagt Franke. Allein 2007 wurden mehr als 500 Arbeitsplätze mit den dort anfallenden Arbeitsschritten ergonomisch unter die Lupe genommen.