Planziel Ergonomie: Prävention in der Produktion
Ergonomische Arbeitssystem-Beurteilung
Dafür gibt es nicht nur den elektronischen Dummy zur Simulation ergonomisch bedenklicher Bewegungen. Ein anderes Instrument ist das systematische Screening von Arbeitsvorgängen anhand sechs ergonomischer Schlüsselfragen sowie – bei Bedarf – eine tiefergehende Analyse mithilfe des „EAB-Verfahrens (Ergonomische Arbeitssystem-Beurteilung)“. Dabei wird detailliert erfasst, ob ein Mitarbeiter steht, kniet, sitzt oder hockt, welche Lasten er trägt, ob er statische oder dynamische Körperhaltungen einnimmt, wie stark er sich beugen oder drehen muss, ob er Überkopfarbeit verrichtet, welche Kräfte er ausübt. Auf diese Weise entsteht eine „Ergonomie-Landkarte“, und zwar für jeden einzelnen der vielen tausend Arbeitsvorgänge, die notwendig sind, um ein Fahrzeug zu montieren.
Ob ein Werker eine Mantelrohrmanschette befestigt oder eine Türdichtung einpasst, ob er eine Anhängerkupplung aus einer Kiste hebt oder eine Verkleidung anschraubt: Für jeden Handgriff gibt die Ergonomie-Landkarte durch eine eingängige Ampeloptik in den Farben Grün, Gelb und Rot Auskunft darüber, welche körperliche Belastung dem Werker abverlangt wird. „Rot bedeutet nicht, dass der Arbeitsgang nicht ausgeführt werden kann, aber es besteht abhängig von der Dauer ein gesundheitliches Risiko. Es muss unser Ziel sein, möglichst alle ‚roten‘ Stellen zu beseitigen“, sagt Dr. Manfred Beck, Werksarzt in Sindelfingen und Koordinator Ergonomie bei Health & Safety.
Ergonomische Arbeitssystem-Beurteilung (EAB)
Ergibt die Analyse anhand der sechs Leitfragen zu den verschiedenen Körperhaltungen (s.u.) ein zu großes ergonomisches Risiko, kann ein Arbeitsvorgang durch das sogenannte EAB-Verfahren (Ergonomische Arbeitssystem-Beurteilung) detaillierter untersucht werden. Auf diese Weise entsteht eine „Ergonomie-Landkarte“, welche die ergonomischen Risiken von vielen tausend Arbeitsvorgängen in den Ampelfarben „Rot“, „Gelb“ und „Grün“ abbildet.
Kriterien
– Körperhaltung
– Handhaben von Lasten (Umsetzen/Halten bzw. Ziehen/Schieben)
– Aktionskräfte
– sonstige Ausführungsbedingungen (z.B. eingeschränkter Bewegungsraum)
Beurteilungsergebnis als Ampelschema
– Prozess in Ordnung
– Prozess nicht optimal
– Prozess nicht in Ordnung
– Bandbereich nicht belegt/nicht vorhanden
Körperhaltungen / System zur Analyse von Körperhaltungen (SAK)
In einem vorgeschalteten Analyseschritt zur ergonomischen Risikoabschätzung, dem Screening-Verfahren ESC, wird ein Arbeitsvorgang anhand von sechs Leitfragen beurteilt:
1. ungünstige statische Körperhaltung
2. Umsetzen bzw. Halten von Lasten
3. Tragen bzw. Ziehen oder Schieben von Lasten
4. kraftbetonte manuelle Tätigkeiten
5. repetitive, hochfrequente Tätigkeiten
6. zusätzliche ungünstige Ausführungsbedingungen
stehen
– normal
– gebeugt
– stark gebeugt
– Überkopfarbeit
Sitzen
– normal gebeugt
– Überkopfarbeit
Hocken
– normal
– Überkopfarbeit
Knien
– normal
– gebeugt
Überkopfarbeit
– Rückenlage
– normal
Zusatzinformationen online
Die mit (*) gekennzeichneten Artikel sind web-exklusive Zusatzinformationen
© 2008 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten.