Das Experimental-Sicherheits-Fahrzeug ESF 2009
Stuttgart, 8. Juni 2009
2009 ist das Jahr der Sicherheitsjubiläen bei Mercedes-Benz: Im August 1939 nahm Sicherheitspionier Béla Barényi seine Arbeit in Sindelfingen auf. Er erfand unter anderem das Prinzip der Knautschzone, das 1959 bei Mercedes-Benz als bahnbrechende Innovation in Serie ging. Mit Hilfe der firmeneigenen Unfallforschung, die 1969 gegründet wurde, entwickelten Mercedes-Ingenieure in den Folgejahren zahlreiche Meilensteine der Pkw-Sicherheit. Zeit für einen Blick hinter die Kulissen: Im Jubiläumsjahr verrät Mercedes-Benz anhand des Forschungsfahrzeugs ESF 2009, woran die Sicherheitsexperten momentan forschen und konkret arbeiten – mit einem Zeithorizont, der oft viele Jahre in die Zukunft weist.
Das ESF 2009 ist das erste Experimental-Sicherheits-Fahrzeug von Mercedes-Benz seit 1974. Wie seine historischen Vorgänger fasst es wegweisende Innovationen auf dem Gebiet der Sicherheit anschaulich zusammen und macht den Fortschritt so erlebbar. Zu den verblüffenden, aber keineswegs verrückten Ideen zählen unter anderem aufblasbare Metallstrukturen, die Strukturbauteilen in Sekundenbruchteilen mehr Stabilität geben, sowie der so genannte „Braking Bag“. Dieser im Fahrzeugboden untergebrachte Airbag entfaltet sich kurz vor einer als sicher prognostizierten Kollision und stützt das Fahrzeug über einen Reibbelag gegen die Fahrbahn ab. Seine Premiere feiert das ESF 2009 am 15. Juni 2009 bei der 21. Internationalen Fahrzeug-Sicherheitskonferenz (ESV - Enhanced Safety of Vehicles Conference) in Stuttgart.
„Sicherheit ist ein zentrales Element der Marke Mercedes-Benz. Seit fast 70 Jahren geben wir hier im Markt die Schlagzahl vor. Zum Nutzen unserer Kunden und der Verkehrsteilnehmer insgesamt. Das ESF 2009 zeigt, dass wir noch viele Ideen haben und den absoluten Willen, auch künftig die Automobilindustrie in diesem Feld anzuführen“, erläutert Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter des Geschäftsfeldes Mercedes-Benz Cars.
Entwickelt und realisiert wurde das ESF 2009 komplett in der Versuchsfahrzeug-Werkstatt in Sindelfingen. Das Sicherheits-Experimental-Fahrzeug auf Basis eines Mercedes S 400 HYBRID zeigt über ein Dutzend Sicherheitsinnovationen, von denen die meisten in einem Demonstrationsmodus funktionsfähig sind. „Mit dem ESF 2009 setzen wir gerade jetzt ein klares Zeichen für die Innovationskraft von Daimler. Wer sich mit dem ESF 2009 befasst, erkennt zudem, dass mehr Sicherheit und verbesserte energetische Effizienz nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Auf beiden Feldern wollen wir mit neuen Ideen den Fortschritt treiben“, so Dr. Thomas Weber, Daimler-Vorstand für Konzernforschung und Entwicklung Mercedes-Benz Cars.
Zu den Highlights des ESF 2009 auf Basis eines S 400 Hybrid zählen diese fünf Innovationen:
  • PRE-SAFE® Structure: Diese aufblasbaren Metallstrukturen sparen Gewicht oder erhöhen die Stabilität von Strukturbauteilen. Im Ruhezustand ist das Metallprofil platzsparend gefaltet. Wird seine schützende Wirkung benötigt, sorgt ein Gasgenerator in Sekundenbruchteilen für einen Innendruck von 10 bis 20 bar, das Profil wird entfaltet und erhält deutlich mehr Stabilität.
  • Braking Bag: Diese im Fahrzeugboden untergebrachte Zusatzbremse ist eine neuartige Komponente. Wird ein Aufprall von Sensorik und Steuer-gerät als sicher prognostiziert, entfaltet sich der „Braking Bag“ kurz vor der Kollision und stützt das Fahrzeug über einen Reibbelag gegen die Fahrbahn ab. Die Vertikalbeschleunigung des Fahrzeuges erhöht die Reibung und bremst es bis zum Aufprall zusätzlich ab.
  • Interactive Vehicle Communication: Das ESF 2009 kann mit anderen Fahrzeugen direkt oder über Relaisstationen kommunizieren. Über „Ad hoc“-Netzwerke und WLAN-Funktechnik kann es beispielsweise Schlechtwetter- oder Hinderniswarnungen empfangen und senden.
  • PRE-SAFE® Pulse: Diese PRE-SAFE®-Weiterentwicklung kann die Oberkörperbelastung der Insassen beim Seitencrash um rund ein Drittel reduzieren, indem diese vorher präventiv um bis zu 50 Millimeter zur Fahr-zeugmitte bewegt werden. Das voranstoßende Rückhaltesystem nutzt dazu Luftkammern in den Seitenwangen der Rückenlehnen der Sitze.
  • Spotlight-Lichtfunktion: Das partielle LED-Fernlicht strahlt hier poten-zielle Gefahrenstellen an. Erkennt die Infrarot-Kamera des Nachtsicht-Assistenten PLUS beispielsweise Wild in der Ferne oder Personen auf der Fahrbahn, können diese wie mit einem Richtscheinwerfer über den ausgeleuchteten Fernlichtbereich hinaus kurz angestrahlt werden.
Ebenfalls auf der 21. ESV-Konferenz präsentiert Mercedes-Benz einen neuartigen PRE-SAFE-Simulator. Dieser verwendet erstmalig für diesen Zweck einen Linearmotor, um die Fahrzeugkabine innerhalb von vier Metern auf bis zu 16 km/h zu beschleunigen, bevor der Aufprall erfolgt. Der Linearantrieb, ähnlich dem des Zugsystems Transrapid, ist frei programmierbar und funktioniert auch in Gegenrichtung. So können verschiedene Beschleunigungsprofile und auch ein Heckaufprall demonstriert werden. Der Clou des Systems: Die Probanden erleben live die Wirkung von PRE-SAFE-Funktionen wie Gurtvorspannung, NECK-PRO und aufblasbare Seitenwangen der Sitze. Mit diesem Simulator entwickeln Mercedes-Ingenieure auch Systeme zur Verbesserung der Aufprallsituation durch die Analyse der simulierten Vorunfallphase.

Mit dem ESF 2009 greift Mercedes-Benz eine langjährige Tradition auf: Für die ESV-Sicherheitskonferenzen der Jahre 1971 bis 1975 bauten die Stuttgarter Sicherheitsexperten über 30 Versuchsfahrzeuge und erprobten sie bei Crashtests, um die seit jeher visionären Sicherheitsanforderungen von Mercedes-Benz zu erreichen. Vier dieser ESF (Experimental-Sicherheits-Fahrzeug) wurden der Öffentlichkeit vorgestellt, viele der revolutionären Ideen wie ABS oder Airbag gingen in den folgenden Jahren dann bei Mercedes-Benz als erstem Hersteller in Serie.
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