Wir bleiben auf Kurs!
 
 
Innovationen in Zeiten des Umbruchs: Ein Interview mit Thomas Weber, im Vorstand
der Daimler AG für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung verantwortlich.
HighTechReport: Daimler steht für Innovationen im Fahrzeugbau. In der aktuellen Situation müssen alle sparen, auch und vor allem die Automobilindustrie. Bedeutet dies, dass Daimler künftig weniger innovativ sein wird?
Thomas Weber: Eindeutig nicht. Daimler stand immer für Innovation, Sicherheit und Komfort. Und auch in Zukunft wird Daimler für diese Merkmale ein Synonym sein. Als Erfinder des Automobils haben wir seit jeher Meilensteine bei Sicherheits- und Assistenzsystemen gesetzt. Diesem Anspruch werden wir auch künftig Rechnung tragen. Wir sind Vorreiter bei der Forschung und Entwicklung von alternativen Antriebssystemen – nicht nur bei Pkw, sondern auch bei den Nutzfahrzeugen. So bringen wir zum Beispiel täglich weltweit Tausende von Menschen sicher und umweltfreundlich mit unseren Hybridbussen ans Ziel. Und auch bei Mobilitätskonzepten für die Zukunft gehen wir neue Wege, nehmen Sie hier unser Projekt car2go in Ulm und Austin, USA. Wir werden auch weiterhin innovativ sein, müssen aber in diesen Zeiten die zur Verfügung stehenden Mittel dafür umso zielgerichteter und effizienter verwenden.
HighTechReport: Lassen sich die hohen Ansprüche, die an die Forschung und Entwicklung gestellt werden, angesichts notwendiger Einsparungen überhaupt einlösen?
Thomas Weber: Lassen Sie mich das deutlich sagen: Wir bleiben auf Kurs! Vor allem in dieser Zeit gilt es, die für die Zukunft des Unternehmens erfolgsentscheidenden Strategien konsequent weiter zu verfolgen. Für uns im Ressort Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung bedeutet das vor allem: weitere Forcierung grüner Technologien, die Umsetzung der Vision vom unfallfreien Fahren und die Entwicklung faszinierender, innovativer Fahrzeuge in hervorragender Qualität. Wir werden nicht an unserer Zukunftsfähigkeit sparen – wir geben weiter Gas.
HighTechReport: Aber für derart hochgesteckte Ziele benötigt man doch finanzielle Spielräume, oder?
Thomas Weber: Richtig. Ein Weg dahin führt zum Beispiel über Kostensenkungen durch noch höhere Effizienz. So haben wir gerade alle unsere Entwicklungs- und Forschungsaktivitäten zur elektrischen Mobilität in einer neuen Forschungsdirektion „E-Drive & Future Mobility“ zusammengefasst. Das ermöglicht uns eine einheitliche Modulentwicklung nach dem „Ein-Quellen-Prinzip“. Damit werden innovative Technologien im Kontext der elektrischen Mobilität nicht nur schneller, sondern auch kosteneffizienter auf die Straße gebracht. Und davon profitieren alle Geschäftsfelder von Daimler, neben den Pkw auch die Vans, der Truck- und Bus-Bereich.
HighTechReport: Sie sprechen von E-Drive und nachhaltiger Mobilität der Zukunft. Können Sie den Weg dorthin skizzieren?
Thomas Weber: Die Automobilindustrie steht vor einem Paradigmenwechsel. Eine Etappe auf dem Weg zur nachhaltigen Mobilität ist die konsequente Weiterentwicklung unserer hocheffizienten Verbrennungsmotoren. Nehmen Sie unseren neuen 4-Zylinder-Dieselmotor, den OM651, der etwa in der neuen E-Klasse zum Einsatz kommt und dort Verbräuche von nur noch rund fünf Litern auf 100 Kilometer ermöglicht. Durch intelligente und modulare Hybridisierung lassen sich solche Hightech-Motoren dann noch effizienter machen. Dies ist ein weiterer Schritt, den wir konsequent gehen. Mit dem Mercedes- Benz S 400 HYBRID haben wir ein faszinierendes Fahrzeug, das Umweltbewusstsein, Sicherheit und Komfort vereint. Auf lange Sicht ist und bleibt unser Ziel das emissionsfreie Fahren mit batterieelektrischem Antrieb oder Brennstoffzelle. Lassen Sie mich jedoch betonen: Batterie- oder Brennstoffzellenantriebe stellen keine Alternativentwicklung dar. Beide Technologien ergänzen sich nicht nur im Hinblick auf ihre Reichweite. Bei beiden geht es um das Fahren auf der Basis von Elektroantrieben. Genau deshalb setzen wir auch bei Elektrofahrzeugen auf einen modularen Systembaukasten. Unser Concept Blue- ZERO zeigt dies eindrucksvoll.
HighTechReport: Sie haben zwar die Lithium-Ionen-Batterie bereits in ein Fahrzeug integriert, aber reicht das Unternehmens- Know-how für diese Schlüsseltechnologie aus?
Thomas Weber: Mehr als das. Zusammen mit Evonik haben wir die Deutsche Accumotive GmbH in Nabern gegründet und können als einziger Automobilhersteller weltweit eigene Lithium-Ionen-Batterien entwickeln, produzieren und vertreiben. Mit unserer jüngsten strategischen Beteiligung an Tesla Motors haben wir einen weiteren wichtigen Schritt getan, um die weltweite Kommerzia - lisierung von Elektroantrieben zu beschleunigen.
HighTechReport: Also steht dem emissionsfreien Fahren mit Elektrofahrzeugen nichts mehr im Wege, oder?
Thomas Weber: Vor falschen Erwartungen möchte ich ausdrücklich warnen: Elektromobilität für alle wird es kurzfristig nicht geben. Aber wir arbeiten mit Hochdruck daran. Noch sprechen wir bei der Produktion vollelektrischer Fahrzeuge in allen Fällen von Kleinserien. Emissionsfreies Fahren in großen Stückzahlen und zu bezahlbaren Preisen wird nicht über Nacht Realität werden. Denn wesentliche Bausteine für die Alltagstauglichkeit von Elektromobilität sind Reichweite, Infrastruktur, Ladedauer und auch einheit liche Standards bei der Betankung. Hier setzt sich Daimler ein und treibt den Aufbau der notwendigen Kooperationen systematisch voran, etwa mit Energieversorgern wie RWE, Vattenfall oder Enel sowie mit Mineralölkonzernen wie Shell oder Total. 
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Interview Thomas Weber: Wir bleiben auf Kurs!
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