Zugleich Wind- und Wetterkanal und Rollenprüfstand
Aufwendige Technik ist notwendig, um die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit der neuen Klima-Windkanäle von Mercedes-Benz zu ermöglichen. Etwa zwei Drittel des neuen 18 Meter hohen Gebäudes in Sindelfingen mit 70 x 60 Meter Grundfläche beanspruchen die beiden Prüfstände mit ihren Nebenräumen, zu denen auch die Messkabine gehört. Durch sehr gut isolierte großflächige Scheiben können hier die Techniker jeden Versuch genau verfolgen und Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Windgeschwindigkeiten und andere Einstellungen regeln. Während eines Versuchs übermitteln die Sensoren der Messgeräte ihre Daten an Computer, die diese auf Monitoren sichtbar machen.
Zur Simulation der Fahrbahn treiben in jedem Kanal kraftvolle Elektromotoren vier äußerst präzise gefertigte Rollen mit je fast zwei Meter Durchmesser an. Dadurch können auch allradgetriebene Fahrzeuge unter realistischen Bedingungen erprobt werden. Überdies sind die neuen Klima-Windkanäle so ausgelegt, dass sie Mercedes-Benz für eine breite Palette von Fahrzeugmodellen nutzen kann – vom smart bis zum Sprinter.
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Die Gesamtleistung des Prüfstands ist mit 600 kW konzipiert; bei Überlast stehen kurzfristig sogar 780 kW zur Verfügung. Damit sind Höchstgeschwindigkeiten bis 265 km/h möglich. Die maximale Zugkraft des Rollenprüfstands beträgt 12 000 N pro Achse, bei Überlast 20 000 N (anders ausgedrückt: eine Kraft von 20 000 N reicht zum Beispiel aus, 1000 Kilogramm innerhalb einer Sekunde auf 72 km/h zu beschleunigen; die Beschleunigung beträgt dann 20 m/s2; die Schwerkraft schafft vergleichsweise eine Erdbeschleunigung von 9,81 m/s2 für den freien Fall). |
Bei Bremsversuchen produzieren die Rollen eine vergleichbar hohe negative Leistung, sodass sich zum Beispiel lange Passabfahrten bei hochsommerlichen Temperaturen simulieren lassen, um die Bremsen weit mehr zu strapazieren, als in der Praxis denkbar.
Bewegt das Versuchsfahrzeug seine Räder mit der eigenen Motorkraft, so wandelt der Rollenprüfstand die vom Fahrzeugmotor aufgebrachte Leistung wie ein Generator in elektrischen Strom um und speist diesen ins Netz. Der Prüfstand erzeugt dann beim Messen Strom und reduziert den Energieverbrauch.