Was heißt das? Ökonomische, ökologische und soziale Ziele müssen
miteinander im Einklang stehen. Denn wirtschaftlicher Erfolg ist auf Dauer nur möglich, wenn er nicht zulasten ökologischer und sozialer Belange geht. Was langfristig droht, wenn man geschäftliche Ziele ohne Rücksicht auf Risiken und Nebenwirkungen verfolgt, lässt sich an der Finanzkrise und deren Folgen ablesen. Auf der anderen Seite können wir als Unternehmen nur wenig für die Umwelt oder die Gesellschaft tun, wenn wir geschäftlich nicht wettbewerbsfähig sind. Alle drei Dimensionen bedingen sich also gegenseitig. Das gilt auch – und vielleicht sogar gerade – in schwierigen Zeiten.
Exemplarisch zeigt sich das an der technologischen Wende, vor der die Automobilindustrie heute steht: Unsere Gesellschaft ist im Übergang zu einem Zeitalter postfossiler Mobilität. Wurden Automobile bisher nahezu ausschließlich auf der Basis von Erdöl betrieben, so werden elektrische Antriebskomponenten in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Ökologische und ökonomische Ziele gehen damit eine Symbiose ein: Nur was umweltschonend ist, wird langfristig auch profitabel sein.
Entsprechend intensiv arbeiten wir daran, unsere Autos noch „grüner“ zu machen. Die neue E-Klasse verbraucht beispielsweise als CDI-Diesel lediglich 5,3 Liter auf 100 km und emittiert dabei nur 139 Gramm CO2 pro Kilometer. Das sind großartige Werte für ein Fahrzeug dieser Klasse. Vor allem aber belegen sie, dass moderne Verbrennungsmotoren noch lange nicht ausgedient haben! Im Gegenteil: Mittelfristig sind sie der wirksamste Hebel zur Verbesserung der CO2 -Bilanz im Straßenverkehr.
2009 markiert für Daimler auch den Beginn unserer Hybridisierungsoffensive. Den Anfang macht im Herbst der Mercedes-Benz S 400 BlueHYBRID – die CO2-ärmste Luxuslimousine der Welt. Zugleich ist sie das weltweit erste Serienfahrzeug mit Lithium-Ionen-Batterie, einer Schlüsseltechnologie in Sachen Elektromobilität. Generell machen wir auf dem Weg zum emissionsfreien Fahren gute Fortschritte: In mehreren europäischen Städten sind unsere „e-mobility“-Projekte bereits angelaufen. Dabei bringen wir gemeinsam mit Energieunternehmen Elektrofahrzeuge in Kundenhand und bauen gleichzeitig die notwendige Infrastruktur auf. Auch die ersten Brennstoffzellenfahrzeuge gehen bei Mercedes-Benz noch in diesem Jahr in Kleinserie.
Der eigentliche Kreativmotor hinter all diesen Neuerungen sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Fähigkeiten und ihre Motivation sind letztlich die Basis unseres Erfolgs. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass Leistung keine Frage von Herkunft, Alter oder Geschlecht ist. Und je vielfältiger unsere Kundschaft wird, desto mehr sollte das auch für unsere Belegschaft gelten. Unter dem Oberbegriff „Diversity-Management“ engagieren wir uns deshalb systematisch für Vielfalt und Chancengleichheit im Unternehmen.
Insbesondere können wir es uns nicht leisten, auf den weiblichen Teil der Leistungsbesten zu verzichten. Bis zum Jahr 2020 wollen wir deshalb den Anteil von Frauen in Führungspositionen auf 20 Prozent erhöhen. Entsprechend unterstützen wir weibliche High Potentials mithilfe von Mentoring-Programmen und sprechen mit unserem Trainee-Programm „CAReer“ gezielt weibliche Hochschulabsolventen an. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist uns wichtig. Inzwischen haben wir in unseren „sternchen“-Kinderkrippen fast 600 Betreuungsplätze geschaffen.
Dass wir als Unternehmen verantwortlich mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen, ist auch die Grundlage dafür, dass wir auch umgekehrt von diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortliches Handeln erwarten. Wer bei oder im Namen von Daimler tätig ist, hat sich ohne Wenn und Aber an die geltenden gesetzlichen Bestimmungen und an die ethischen Grundsätze zu halten, zu denen wir uns – etwa im Rahmen des „Global Compact“ der Vereinten Nationen – freiwillig verpflichtet haben. Das gilt jederzeit und überall. Wer trotzdem gegen geltendes Recht oder interne Daimler-Regeln verstößt, muss mit entsprechenden Disziplinarmaßnahmen rechnen: „Null Toleranz“ ist hier das Prinzip.
Wir haben dazu eine effektive Compliance-Organisation aufgebaut, die einerseits die Einhaltung der Regeln überwacht und andererseits unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend schult und unterstützt. Und Compliance endet nicht am Werkstor. Im vergangenen Jahr haben wir eine weltweit gültige „Nachhaltigkeitsrichtlinie“ für Zulieferer formuliert. Auch von deren Lieferanten erwarten wir, dass sie unseren Standards genügen.
Das alles zeigt: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Prinzip unserer Unternehmenskultur. Deshalb haben wir es im letzten Jahr auch institutionell auf Vorstandsebene verankert – mit dem Corporate Sustainability Board, das unsere bestehenden Managementprozesse zu Nachhaltigkeitsfragen bündelt.
Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal auf den Anfangsgedanken zurückkommen: Nachhaltigkeit hängt nicht davon ab, ob die Wirtschaft boomt oder in der Rezession steckt. Es ist ein ethisches Gebot, aber eben auch ein Grundsatz legitimen unternehmerischen Eigeninteresses. Dieser Grundsatz hat vor allem mit gesamtverantwortlichem, zukunftsorientiertem Handeln zu tun – und er gilt jeden Tag, überall, „360 Grad“.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!