Klimaschutz:
Interview mit Dr. Thomas Weber
"Automobile Faszination und Verantwortung verbinden"

Dr. Thomas Weber, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für das Ressort Konzernforschung und Entwicklung Mercedes-Benz Cars
Hat Daimler die passende Modellpalette für eine Mobilität, die beim Kunden als "umweltpolitisch korrekt" ankommt?
Ich bin davon überzeugt, dass ökologische Vernunft und erfahrbare Faszination im Automobilbau kein Widerspruch sein müssen. Darüber hinaus wissen wir: Unsere Kunden wollen keine "Verzichtautos" fahren. Faszination und Mobilität müssen und werden auch in Zukunft miteinander vereinbar sein. Und das bei "umweltpolitisch korrekten" Parametern, wie Sie es nennen. Wir haben hier einiges zu bieten.
Was heißt das konkret?
Daimler hat bereits heute 15 Modelle mit einem Verbrauch von unter 6,5 Litern pro 100 Kilometer auf dem Markt. Und alle sind faszinierende Produkte. Lassen Sie mich Beispiele nennen: Darunter ist der neue smart fortwo cdi, der CO2-Weltmeister. Ebenso der E 320 BLUETEC, der zum
"World Green Car of the Year" gekürt wurde. In diesem Jahr bringen wir den BLUETEC E 300 als weltweit saubersten Euro-5-Diesel-Pkw der Oberklasse nach Europa. Und das ist erst der Anfang. Schauen Sie auf
unser Programm "Road to the Future": Wir haben auf der IAA in Frankfurt
19 konkrete Beispiele von Mercedes-Benz für nachhaltige und faszinierende Mobilität aufgezeigt. Darunter sind bereits heute oder in naher Zukunft erhältliche Serienfahrzeuge. Ich denke, unsere Botschaft ist eindeutig: mit kundenorientierten Innovationen die Herausforderungen der Zukunft konsequent angehen. Weitere Innovationen werden daher von unserer Seite für eine umweltfreundlichere Mobilität folgen.
Wie wollen Sie als Premiumhersteller den Spagat zwischen dem Kundenwunsch nach mehr Ökologie und realem Kaufverhalten schaffen?
Wir werden alle Innovationen in Topqualität zu den definierten, anspruchsvollen Terminen in Serie bringen – und dabei selbstverständlich
die Kosten für diese hochwertigen Technologien nicht aus den Augen verlieren. Daher setzen wir auf flexible Modulkonzepte, die maßgeschneiderte
Lösungen für mehrere Baureihen ermöglichen. Nur so schaffen wir diesen anspruchsvollen Spagat. Nachhaltige Mobilität zu attraktiven Preisen
muss sich nicht ausschließen. Wir dürfen hierbei aber eines nicht ver-
gessen: Wir wollen auch in Zukunft Premiumprodukte mit Toptechnologie-
lösungen für eine umweltfreundliche Mobilität anbieten.
... und Ihre Kunden wissen dies auch beim Preis zu würdigen?
Ja, denn sie schätzen genau das: Premiumprodukte mit Premium-
lösungen für mehr Umweltfreundlichkeit. Und unsere Kunden wissen auch: Jeder kann einen Beitrag leisten, nämlich durch eine umweltfreundliche Fahrweise. 20 Prozent Spritersparnis sind durchaus möglich. Es lohnt sich also: für unsere Kunden und die Umwelt! Deshalb bieten wir unseren Kunden seit vielen Jahren zusätzlich Eco-Fahrtrainings an.
Stichwort Gesetzgebung: Was bedeutet die EU-Vorgabe von 120 g/km
CO2-Emissionen im Durchschnitt für die Fahrzeugflotte von
Mercedes-Benz Cars?
Wir haben den CO2-Ausstoß unserer Mercedes-Benz-Cars-Fahrzeugflotte seit 1995 um 20 Prozent gesenkt. Wir sind damit innerhalb der deutschen Automobilindustrie Spitzenreiter. Grundsätzlich akzeptieren wir die sehr ambitionierten Ziele in Europa und nehmen als Hersteller die Heraus-
forderung an. Wir werden allerdings durch die Fahrzeugtechnik allein das
Ziel von 120 g nicht erreichen können. Wichtig ist es daher, dass über den sogenannten Integrated Approach auch die Mineralölindustrie, die Autofahrer sowie die Politik einen Beitrag leisten – beispielsweise durch alternative Kraftstoffe, durch verbrauchsoptimiertes Autofahren oder über eine verbesserte Infrastruktur. Zur Diskussion der Grenzwerte will ich aber auch sagen: Die Forderung nach pauschalen Grenzwerten oder starren Ein-
heitsvorgaben sind nicht zielführend. Wir setzen uns dafür ein, dass die unterschiedlichen Produktportfolios der Hersteller berücksichtigt werden.
Kann man Ihren Anspruch, in allen Fahrzeugdisziplinen "Klassenbester"
zu sein, als Aufforderung für mehr Wettbewerb verstehen?
Nur die, die nach dem scheinbar Unmöglichen streben, kommen voran … heißt es bekanntlich. Und Mercedes-Benz hat als Erfinder des Automobils von Beginn an Bestmarken im Automobilbau gesetzt – wie beim Sport. Wir werden diese Pionierleistung und Tradition künftig fortsetzen und somit auch unweigerlich für mehr Wettbewerb sorgen.
Gleicht das nicht dem Wunsch, Gold im Kugelstoßen wie im Sprint
zu holen?
Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir verfügen über die Erfahrung,
das Know-how, die Kreativität und den Pioniergeist. Vor allem haben wir hoch qualifizierte und motivierte Teams, um diese ehrgeizigen Ziele umzusetzen. Lassen Sie uns bei Ihrem Beispiel bleiben: Ich bin überzeugt, dass wir automobile Faszination und Verantwortung – beim Kugelstoßen wie im
100-Meter-Sprint – erzielen werden, und dies gemessen am weltweiten Wettbewerbsumfeld.