Forschungsfahrzeug:
Alles über den innovativen F 700
Luxuriöse Reiselimousine verbindet hohe Umweltfreundlichkeit mit guter Fahrleistung und exzellentem Komfort
Mit dem F 700 zeigt Mercedes-Benz, wie die große Reiselimousine der Zukunft aussieht. Sie bietet umweltgerechte Mobilität mit höchstem Komfort und einem souveränen Antrieb.“ So beschreibt Herbert Kohler – in der Konzernforschung und Vorentwicklung verantwortlich für den Bereich Fahrzeugaufbau und Antrieb – das jüngste Kind aus der Familie der Mercedes-Benz-Forschungsfahrzeuge.
Der F 700 zeigt neue Wege zu einer ressourcenschonenden Mobilität und erfüllt zugleich die wachsenden Anforderungen an ein Automobil der Oberklasse. Auf den ersten Blick scheinen große Limousinen sowie niedriger Verbrauch und geringer CO2-Ausstoß nicht zusammenzupassen. Dass dies trotzdem möglich ist, zeigt der auf der IAA in Frankfurt präsentierte F 700.
Dessen Kernstück ist das völlig neuartige DIESOTTO-Antriebskonzept, das die Vorzüge des emissionsarmen Ottomotors mit den Verbrauchsvorteilen des Dieselaggregats verbindet (siehe Kasten DIESOTTO, S. 19). Zum geringen Verbrauch tragen auch speziell entwickelte Reifen von Michelin bei, deren Rollwiderstand rund 17 Prozent niedriger ist als bei herkömmlichen Pneus.
Vorausschauendes Fahrwerk
Große Fortschritte erzielt der F 700 auch beim Fahrkomfort. Das Active-Body-Control-Fahrwerk wurde weiterentwickelt und setzt nun neue Maßstäbe in Sachen Komfort, Fahrsicherheit und Dynamik. „Der F 700 zeigt hier einen wichtigen Schritt in die Zukunft, denn sein aktives Fahrwerk tastet die Straße mit einem Laserscanner ab. Das Fahrzeug reagiert deshalb nicht nur höchst sensibel auf Unebenheiten in der Fahrbahn, es agiert vielmehr schon vorausschauend“, erläutert Hans-Georg Metzler, in der Konzernforschung verantwortlich für Assistance Systems und Chassis (siehe Kasten PRE-SCAN, S. 22). Auch die Fahrertür „beobachtet“ übrigens ihre Umgebung: Im linken Außenspiegel sitzt ein Laserscanner, der den Schwenkbereich der Tür überprüft. Droht diese beim Öffnen gegen ein Hindernis zu schlagen, wird sie automatisch arretiert.
Im F 700 verkörpern DIESOTTO und PRE-SCAN-Fahrwerk die inneren Werte. Ergänzt werden sie durch ein Design, das die Effizienz des Fahrzeugs auf den ersten Blick erkennen lässt.
Das Mercedes-Benz Advanced Design Studio in Irvine (Kalifornien) hat sich konsequent für eine weiche, fließende Formensprache entschieden, die es als „Aqua Dynamic“ bezeichnet. „Mit ihr ,übersetzen‘ wir die effiziente Strömungsdynamik bei Fischen in das Design eines verbrauchsarmen Automobils“, erklärt Peter Pfeiffer, Chefdesigner der Mercedes-Benz Cars. Als direktes Zitat für die Inspiration aus der Natur sitzt auf dem Dach eine elegante „Rückenfinne“, in der Antennen, eine Rückfahrkamera und das dritte Bremslicht eingebaut sind.
Zugleich lässt das Design auf einen Blick erkennen, dass der F 700 seinen Passagieren besonders viel Platz bietet. So ist die Seitenansicht von den stark gespannten Bogen der Dachkontur und der Schulterlinie geprägt, die zusammen mit den markanten vorderen Radhäusern Geräumigkeit signalisieren. Auch zwei große Glasflächen im Dach und der lange Radstand deuten auf das großzügige und flexible Innenraumkonzept hin. Die dort eingesetzten Materialien wie Leder und Kork sowie die Farbharmonie aus Braun- und Beigetönen lassen das Interieur elegant, leicht und zugleich hochwertig erscheinen.
Ergonomisches Bedienkonzept
Der F 700 beeindruckt zudem mit einem neuen Anzeige- und Bedienkonzept, das auf dem bewährten COMAND-System und einer Reihe zukunftsweisender Innovationen beruht. Auffällig ist das Anzeigefeld des SERVO-HMI. Diese Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine (Human Machine Interface, HMI) haben die Daimler-Forscher als Beitrag zur Konditionssicherheit von Fahrern entwickelt. Durch den besonders auf Langstrecken häufigen Blickwechsel zwischen Nah- und Fernbereich, also zwischen Kombiinstrument und Straße, ermüden die Augen.
Beim SERVO-HMI liegt das Display mit der Instrumentenanzeige waagrecht im Armaturenbrett. Ein Spiegel lenkt die Lichtstrahlen des Displaybilds auf den unteren Rand der Frontscheibe; von dort aus gelangen sie zum Fahrer. Dadurch verlängert sich der Betrachtungsabstand und die Augen müssen sich nicht mehr so stark zwischen Nah- und Fernsicht umstellen. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Fahrer so weniger ermüden.
Sichere Sprachbedienung 
Die Bedienung von Navigation, Kommunikation und Telefon sowie Audio und Entertainment erfolgt mit dem COMAND-Bedienkonzept, das um eine Schiebefunktion erweitert wurde. Bei komplexen Eingabevorgängen hilft ein elektronischer Assistent, der als virtuelle Person – in der Computersprache auch „Avatar“ genannt – auf dem SERVO-HMI-Display erscheint.
Im F 700 tritt eine weibliche Stimme in Dialog mit dem Fahrer. So fragt sie zum Beispiel im Navigationsmenü nach dem gewünschten Ziel und bestätigt die Spracheingabe. Ähnlich funktioniert die Suche aus dem Telefonbuch oder des gewünschten Radiosenders. Diese Dialogform durch Spracherkennung vereinfacht die Bedienung für den Fahrer. Zudem lässt sich die Zahl an Dialogassistenzfunktionen noch stark erweitern. So könnte der Sprachassistent über eine Internetverbindung aus dem Fahrzeug auf Online-Datenbanken zugreifen, den Terminkalender des Fahrers ergänzen oder wichtige E-Mails vorlesen. Durch Sprachbedienung bleibt die Ablenkung des Fahrers auf ein Minimum beschränkt – schließlich steht bei Mercedes-Benz die Fahrsicherheit immer im Vordergrund. Dieser Vorgabe entsprechend haben die Ingenieure die Bedienelemente im F 700 so weit wie möglich vereinfacht und reduziert. So werden Licht, Scheibenwischer, Heckscheibenheizung und die Defrost-Funktion der Klimaautomatik mithilfe von Sensoren vollautomatisch gesteuert.
Variabler Rücksitz
Für den rechten Fondsitz haben sich die geistigen Väter des F 700 etwas komplett Neues einfallen lassen – den REVERSE-Sitz. Er bricht mit der üblichen Sitzordnung konventioneller Limousinen. Stattdessen erlaubt er dem Fahrgast im Fond individuelle Sitz- und Ruhepositionen, und zwar sowohl in Fahrt- wie auch in Gegenrichtung. Ist der Beifahrersitz frei, lässt sich der REVERSE-Sitz auf Knopfdruck in die Relax-Position bringen. Dazu fährt der Beifahrersitz ganz nach vorn, wobei sich seine Lehne ein Stück weit ins Cockpit versenkt. Dem Fahrgast steht nun ernorm viel Fußraum zur Verfügung. Zudem kann man eine Fußstütze ausfahren und den kompletten Sitz in eine bequeme Liegeposition bringen.
Der REVERSE-Sitz lässt sich aber auch so verändern, dass die betreffende Person rückwärts zur Fahrtrichtung sitzt. Dazu gleitet er gleichzeitig mit dem Beifahrersitz um 60 Zentimeter nach vorn und vollzieht dabei eine halbe Rolle rückwärts: Die vorherige Rückenlehne schiebt sich in die Waagrechte und wird so zur Sitzfläche; die ursprüngliche Sitzfläche richtet sich auf und verwandelt sich nun zur Lehne.
Diese Wandlungsfähigkeit erfordert diverse konstruktive Kunststücke, denn bei einem Fahrzeugsitz ist die Lehne stets deutlich länger als das Sitzkissen. Beim REVERSE-Sitz dagegen sind Lehne und Sitzfläche identisch und bestehen jeweils aus fünf Elementen, die flexibel miteinander verbunden sind. Eine ausgeklügelte Mechanik schiebt diese Segmente auseinander, sobald sie als Lehne genutzt werden, wobei das äußere Segment dann als Kopfstütze dient. Umgekehrt zieht ein Elektromotor die Segmente wieder zu einer geschlossenen Fläche zusammen, sobald sie als Sitzkissen genutzt werden.
Im Fond des F 700 findet sich ein einzigartiges Entertainment-System: Auf Wunsch gleitet ein Flachbildschirm mit einer Diagonalen von 51 Zentimetern aus der Trennwand zum Gepäckraum hervor. Mit 3-D-Darstellung holt er den Betrachter mitten ins Geschehen, lässt die Szenerie zum Greifen nah erscheinen. Ein Surround-Sound-System liefert den raumfüllenden Ton dazu und schafft Kino-Feeling. Gute Reise im F 700!
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