Die neue Mercedes-Benz GLK-Klasse
Stuttgart
15.07.2008
Fahrwerk und Antrieb: Auf der Straße ein Star, im Gelände überzeugend
Mit ihrem AGILITY CONTROL-Fahrwerk beweist die GLK-Klasse hohe Flexibilität und kann den in der SUV-Klasse vorhandenen Zielkonflikt bei der Fahrwerkkonzeption auflösen: Fahrwerkingenieure wollen einerseits ein ebenso sportlich-agiles wie komfortabel-sanftes und gleichzeitig geländegängiges Fahrzeug auf die Räder stellen. Steht das sportlich-fahraktive Handling im Vordergrund, müssen neben der Federung vor allem die Stoßdämpfer eine gewisse Härte zeigen. Dies wiederum verwehrt den Zugang zum gewünschten, markentypischen Federungskomfort und beschränkt die Möglichkeiten im Gelände. Wird das Fahrzeug mit weicheren Dämpfern konsequent auf Fahrwerkkomfort und Geländegängigkeit getrimmt, leidet naturgemäß die Fahrdynamik. Den Ausweg bildet die „amplitudenabhängige Dämpfung“: Die besänftigenden Kräfte des Stoßdämpfers werden nicht starr, sondern flexibel ausgelegt. Bei normaler Fahrt über mäßig konturierte Straßen oder bei langsamen Geländetouren spricht das System weich an und fördert so das Wohlbefinden der Insassen und die Geländegängigkeit. Damit dieses Wohlbefinden auch bei forscher Gangart oder bei abrupten Ausweichmanövern erhalten bleibt, leisten in diesen Fahrsituationen die Dämpfer härtere Arbeit und sorgen für hohe Fahrstabilität.
Die Lenksysteme im GLK
Dabei wird der Fahrer von der in den V6-Zylinder-Modellen serienmäßigen Parameterlenkung unterstützt, die je nach Fahrsituation die optimale Lenkkraftunterstützung gewährt. Parkmanöver oder Rangierfahrten im Gelände werden zu einer leichten Übung, weil die maximale Servohilfe zur Verfügung steht. Bei höherem Tempo reduziert sich die Unterstützung zugunsten größerer Fahrstabilität. Im Modell GLK 220 CDI 4MATIC kommt die zielgenaue elektrohydraulische Lenkung zum Einsatz. Durch aufwendige Detailarbeit wurde in beiden Lenkungsvarianten der Lenkungskomfort weiter gesteigert. So haben die Ingenieure z. B. das Airbagmodul im Lenkrad schwingungstechnisch entkoppelt. Durch diese Reduzierung der ungefederten Massen im Lenksystem konnte der Lenkkomfort weiter verbessert werden.
17-Zoll-Räder und Reifendruckverlust-Warnung serienmäßig
Serienmäßig stehen alle GLK-Modelle auf Mischbereifung, die im Zusammenspiel mit dem AGILITY CONTROL-Fahrwerk und der asymmetrischen Antriebsmomentenverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse den Grundstein für eine perfekte Kraftübertragung zwischen Reifen und Fahrbahn legen. Und je besser diese Kraftübertragung ist, umso weniger müssen die elektronischen Regelsysteme eingreifen.
Zwei Fahrwerkabstimmungen stehen zur Auswahl. Bei Ausrüstung mit dem „Offroad-Styling-Paket“ ist der GLK zur Optimierung der Fahreigenschaften abseits befestigter Wege mit größeren Federwegen und einer vergleichsweise weicheren Grundabstimmung ausgestattet. Entscheidet sich der Kunde für das „Sport-Paket Exterieur“, erhält er ein um 20 Millimeter tiefergelegtes Sportfahrwerk mit kürzeren Federn, straffer abgestimmten Dämpfern und stärkeren Querstabilisatoren. Dadurch erhöht sich die Fahrdynamik bei sportlicher Fahrweise, ohne den ausgewogenen Komfort entscheidend zu beeinträchtigen.
Bei der straßenorientierten Ausstattungsvariante „Sport-Paket Exterieur“ sind an der Vorderachse Leichtmetallräder im Format 7,5 J x 19 mit Reifen der Dimension 235/50 R 19 verbaut; die Hinterachse trägt Räder im Format 8,5 J x 19 mit Reifen der Dimension 255/45 R 19. Ist das Fahrzeug mit dem „Offroad-Styling-Paket“ ausgerüstet, kommen vorne Leichtmetallräder im Format 7,5 J x 17 mit Reifen der Dimension 235/60 R 17 zum Einsatz; die Hinterachse trägt Räder im Format 8,0 J x 17 mit Reifen der Dimension 255/55 R 17. Auf Wunsch sind speziell auf den GLK abgestimmte All-Terrain-Geländereifen als Zubehör lieferbar. Alle Modelle sind zur Behebung von Reifenschäden mit einem TIREFIT-System ausgestattet. Alternativ ist auf Wunsch ein Notrad an Bord, das sowohl an der Vorder- wie an der Hinterachse zum Einsatz kommen kann.
Damit mögliche Reifenschäden ohne Folgen bleiben, verfügen alle GLK-Modelle über eine Reifendruckverlust-Warnung. Das System erkennt plötzlich auftretende Druckverluste in einem Reifen und signalisiert dies mit einer Warnmeldung im Kombi-Instrument. Auf Wunsch erweitert die Reifendruckkontrolle RDK die Sicherheit. Ein falscher Reifenfülldruck oder „schleichende“ Druckverluste werden mit der Warnmeldung „Reifen überprüfen“ angezeigt, bei schnellem Druckverlust erscheint die Anzeige „Achtung Reifendefekt“. Neu montierte Reifen oder Räder werden vom RDK-System automatisch erkannt.
ADAPTIVE BRAKE: Modernes Bremsregelsystem mit neuen Zusatzfunktionen
Das neu entwickelte Bremsregelsystem ADAPTIVE BRAKE beinhaltet die Grundfunktionen Antiblockiersystem ABS, Antriebsschlupfregelung ASRund
die Giermomentregelung GMR. ABS und ASR erfassen und regeln dabei den Fahrzustand längsdynamisch, die GMR die Querdynamik. Diagnostiziert ADAPTIVE BRAKE kritische Fahrzustände, wird im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten durch gezielte Bremseneingriffe und Regelung der Antriebsmomente Traktion und Fahrstabilität erhalten oder wiederhergestellt.
Neue Brems-Zusatzfunktionen machen ADAPTIVE BRAKE sicherer und komfortabler. Die Berganfahrhilfe (Hill-Start-Assist) verhindert das Anrollen des Fahrzeugs entgegen der vom Fahrer gewünschten Fahrtrichtung. Zum erweiterten Funktionsumfang gehört auch das sogenannte Vorfüllen. Nimmt der Fahrer schnell den Fuß vom Gaspedal, bereitet das System eine mögliche Panikbremsung vor, indem es mit geringem Druck die Bremsbeläge an die Bremsscheiben anlegt.
Dadurch verkürzt sich bei einer tatsächlichen Vollbremsung durch den unmittelbaren Druckaufbau bei Betätigung des Bremspedals der Anhalteweg deutlich. Durch die Fähigkeit von ADAPTIVE BRAKE, auch kleinste Bremsdrücke präzise zu erzeugen, ist es möglich, den sich bei Nässe auf den Bremsscheiben bildenden Wasserfilm durch kurzzeitige, leichte Bremseneingriffe zu entfernen. Dadurch wird die Ansprechzeit der Bremse bei Nässe und damit der Anhalteweg weiter reduziert. Der Eingriff erfolgt automatisch, sobald eine bestimmte Anzahl von Wischzyklen der Scheibenwischer erreicht ist und der Fahrer zwischenzeitlich nicht selbst gebremst hat.
Serienmäßig erhält der GLK das adaptive Bremslicht. Dieses System zeigt dem nachfolgenden Verkehr eine Gefahrenbremsung an, indem das Bremslicht bei starken Fahrzeugverzögerungen blinkt und bei Notbremsungen aus über 70 km/h bei Fahrzeugstillstand die Warnblinkanlage automatisch einschaltet.
4MATIC: Leistungsfähiger Allradantrieb mit modernsten Regelsystemen
Der 4MATIC-Antriebsstrang der GLK-Klasse gehört zu den leistungsfähigsten Allradantrieben; die Regelsysteme gelten als wegweisend. Durch die kompakte, leichte und reibleistungsoptimierte Grundkonzeption mit längs liegendem Motor und verblocktem Haupt- und Verteilergetriebe ergeben sich Vorteile gegenüber anderen Systemen mit quer verbauter Antriebseinheit. So liegt der Kraftstoffverbrauch auf dem Niveau eines vergleichbaren, konventionell angetriebenen Fahrzeugs. Der Schwingungs- und Geräuschkomfort erreicht ein Niveau, das
bis dato höhere Fahrzeugklassen auszeichnet.
Die Grundverteilung des Antriebsmomentes von 45 zu 55 Prozent zwischen
Vorder- und Hinterachse sorgt in Kooperation mit den Fahrdynamikregelungen ESP®, ASR und 4ETS für ein souveränes und eindeutig berechenbares Fahrverhal-ten. Bei der Abstimmung der Regelsysteme haben die Ingenieure des Mercedes-Benz Technology Center (MTC) besonderen Wert auf ein definiert untersteuerndes Eigenlenkverhalten gelegt. Diese Auslegung zeigen alle GLK‑Modelle auch unter den verschiedensten Fahrbahnbedingungen, sei es auf trockener Straße, bei Regen, Schnee, Eis oder auf unbefestigten Pisten.
Die neu entwickelte Lamellenkupplung im Zentraldifferenzial unterstützt das System bei besonders niedrigen Reibwerten zwischen Reifen und Fahrbahn, beispielsweise auf Schnee oder Eis. Eine Grundsperrung von 50 Newtonmetern zwischen Vorder- und Hinterachse bewirkt eine signifikante Erhöhung der Traktion, die den Benchmark bei Fahrzeugen ohne zusätzliche Differenzialsperren bei unverändert hoher Fahrstabilität darstellt.
„Offroad-Technik-Paket“ ermöglicht Bestleistungen im Gelände
Der sogenannte Offroad-Taster in der Mittelkonsole erhöht bei der Ausstattungsvariante mit „Offroad-Technik-Paket“ das Durchsetzungsvermögen des GLK im unwegsamen Gelände. Auf Knopfdruck wird ein spezielles Fahrprogramm aktiv, das die Schaltpunkte der 7G-TRONIC variiert, die Gaspedalkennlinie „weicher“ abstimmt und die Offroad-Funktionen des ESP® mit Gelände-ABS und einem speziellen Gelände-4ETS aktiviert. Grundsätzlich erfolgen dann weniger Eingriffe in die Motorregelung, das System lässt zusätzlich höhere Radschlupfwerte zu. Diese Regelstrategie verbessert das Traktionsverhalten im Gelände besonders auf niedrigen Reibwerten wie Sand, Kies oder Geröll. Das Gelände-ABS des GLKkam erstmals in der aktuellen M-Klasse zum Einsatz und erkennt durch einen permanenten Vergleich der Radschlupfmodelle unterschiedlichste Bodenverhältnisse. Daraus ergeben sich die bestmöglichen Verzögerungsstrategien für Offroad-Touren auf Fels, Sand, Geröll, Schotter oder Matsch.
In dieser Ausstattungsvariante mit „Offroad-Technik-Paket“ verfügt die Getriebeautomatik neben dem Komfort- (C-) und Sport- (S-)Modus über ein manuelles Fahrprogramm (M), die einzelnen Gänge können dann über Schaltpaddles am Multifunktionslenkrad gewählt werden. Dieser Betriebs- modus garantiert ein Höchstmaß an Fahrspaß im Geländebetrieb.
Ein weiterer Schalter aktiviert die Bergabfahrhilfe DSR, die auf steilen Gefällstrecken eine vorgewählte Geschwindigkeit zwischen 4 und 18 km/h automatisch einhält. Dabei kann der GLK-Pilot die Geschwindigkeit über den Tempomat-Hebel jederzeit variieren. Dieses für Geländefahrten wichtige Ausstattungsdetail bietet Mercedes-Benz exklusiv. Herkömmliche Systeme der Wettbewerber können nur die bei der Aktivierung anliegende Geschwindigkeit einhalten, eine Tempo-veränderung im Regelprozess ist nicht möglich. Ein hoch belastbarer und gewichtsoptimierter Unterfahr- und Unterbodenschutz ergänzt die Schlechtwege-Ausrüstung des GLK mit „Offroad-Technik-Paket“.
Bei Ausrüstung mit dem COMAND APS-System verfügt das Navigationssystem über ein besonders für Offroad-Fahrzeuge sinnvolles Zusatzfeature. Beim Verlassen digitalisierter Gebiete kann der Fahrer die Trackaufzeichnung aktivieren, die zurückgelegte Strecke wird dann automatisch gespeichert. Anschließend findet er jederzeit nach dem Prinzip des Ariadne-Fadens zurück zum Ausgangsort.
Die geländespezifischen Karosseriedaten überzeugen ebenfalls. Bedingt durch die Bodenfreiheit von 201 Millimetern und die geringen Karosserieüberhänge (vorn 816 mm, hinten 957 mm) liegen die Böschungswinkel bei 23 Grad vorn und 25 Grad hinten, der Rampenwinkel beträgt 19 Grad. Steigungen bewältigt der GLK bis 70 Prozent, die maximale Schräglage liegt bei 35 Grad. Zusammen mit dem relativ kompakten Radstand von 2755 Millimetern und dem in SUV-Kreisen vergleichsweise geringen Fahrzeuggewicht von 1830 Kilogramm kann sich der GLK so auch im topografisch anspruchsvollen Gelände in Szene setzen.
Das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP® beinhaltet neben einer Reifendruck-verlust-Warnung serienmäßig eine Gespannstabilisierung, die durch gezielten Bremseneingriff kritische Fahrzustände mit Anhänger in der Entstehungsphase entschärfen kann. Die Anhängelast beträgt maximal 2000 Kilogramm.
Fahrzeugentwicklung unter extremen Bedingungen
Die Abstimmung der Fahrdynamiksysteme gehört zu den größeren Herausforderungen in der Entwicklungsphase eines SUV. Im Vergleich zu konventionellen Pkw muss diese Fahrzeuggattung ein noch breiteres Leistungsspektrum abdecken: Die aktive Sicherheit, der Fahrkomfort und der Fahrspaß sollen nicht nur auf befestigten Straßen gewährleistet werden, sondern auch abseits auf Pisten, unbefestigten Wegen oder im anspruchsvollen Gelände. Darüber hinaus müssen die Systeme unter allen möglichen (und unmöglichen) meteorologischen Verhältnissen in allen Klimazonen der Erde zuverlässig arbeiten. Deshalb wählen die Testingenieure die weltweit härtesten Bedingungen aus, um SUVs wie den GLK bis an die Grenzen der physikalischen Belastbarkeit zu bringen und so sicherzustellen, das die späteren Serienfahrzeuge – unter welchen Betriebs- und Umweltbedingungen auch immer – über einen langen Zeitraum zuverlässig funktionieren.
So erfolgen Entwicklungsfahrten unter brutalen Wüstenbedingungen in der glühend heißen Namib-Wüste, gleichzeitig absolvieren die GLK-Prototypen Mess- und Erprobungsfahrten unter arktischen Bedingungen am Nordpolarkreis.
Ein ständiger Abgleich zwischen „Fire & Ice“ garantiert, dass die gewonnenen Erkenntnisse sich nicht gegenseitig negativ beeinflussen können. Nach dem gleichen Abstimmungsprinzip erfolgt die Optimierung des GLK auch bei anderen Zielkonflikten, etwa bei dem Entwicklungsprogramm „Climb & Speed“: Zeigt sich der GLK bei der Fahrwerkabstimmung auf einer Rennstrecke bei hohen Geschwindigkeiten fahrstabil und sicher? Wird gleichzeitig der Mercedes-typische Fahrkomfort auf Komfort-Marterstrecken erreicht? Überzeugt die Abstimmung auch beim Klettern im Gelände? Insgesamt legten die Entwickler weltweit rund 4,5 Millionen Testkilometer zurück. Ergänzt werden die Praxistests mit Prototypen durch umfangreiche Messprogramme auf unterschiedlichsten Prüfständen und detaillierten Simulationsprogrammen im Rahmen des digitalen Prototypen. In der Entwicklungsphase testeten die Experten rund 1.000 verschiedene Fahrzeugvarianten virtuell und führten dabei über 220.000 Fahrmanöver durch.
Die Abstimmung von Regelsystemen wie ESP®, 4ETS, ASR, ABSerfolgt zwar nach objektiven Messkriterien auf höchstem technologischen Niveau, das Feingefühl und die Erfahrung der Testingenieure spielt aber nach wie vor eine entscheidende Rolle. So konnten die Entwickler des MTC beispielsweise die Regelgüte und das Zusammenwirken der einzelnen Systeme so optimieren, dass der Wirkungsgrad im Antriebsstrang erheblich gesteigert wurde. Zu Beginn der Entwicklungsfahrten hatten sich die einzelnen Regelsysteme in bestimmten Fahrsituationen noch so beeinflusst, dass ein Teil des Antriebsdrehmomentes, beispielsweise bei anspruchsvoller Offroad-Fahrt, ungenutzt blieb. Nach Abschluss der Abstimmungsfahrten waren die Systeme so harmonisch miteinander vernetzt, dass die Räder ein zusätzliches Moment von rund 40 Newtonmetern für den Vortrieb nutzen konnten.
Einen besonderen Einblick in die Entwicklungsarbeit der Ingenieure geben zwei Interviews, die anlässlich der „Fire & Ice“ getauften Abstimmungsfahrten am winterlichen Polarkreis und unter Wüstenbedingungen im südlichen Afrika geführt wurden. Zuerst äußert sich Thomas Merker, verantwortlicher Entwicklungsleiter der Mercedes-Benz Baureihen M-, GL- und GLK-Klasse, anlässlich der Hitze-Erprobung in der Namib-Wüste:
Wieso kommen Sie zu Testfahrten nach Namibia? Welche besonderen Herausforderungen bestehen hier für den GLK?
Namibia deckt in unserem globalen Entwicklungsprozess einen Teil der Herausforderungen ab, die wir mit unserem GLK erfüllen wollen. Besonders in der Namibherrschen exakt jene Bedingungen, die wir uns für das Marterprogramm unter extremen Wüstenbedingungen wünschen. Hier herrschen einerseits extreme Temperaturen. Die Luft erhitzt sich auf 50 Grad Celsius, die Oberflächentemperaturen können 80 Grad erreichen. Dazu kommen extrem feiner Sand, die berüchtigten Wellblechpisten oder Tracks durch unwegsames Felsgelände. Was sich hier bewährt, bewährt sich in allen Wüstengebieten weltweit. Natürlich stehen die in der Namib gewonnenen Erkenntnisse immer im Kontext zu unseren Testergebnissen unter anderen Bedingungen. Die Optimierungen müssen natürlich auch völlig gegensätzlichen Anforderungen entsprechen und in der klirrenden Kälte der Arktis, den feuchtheißen Tropen oder dem ganz normalen mitteleuropäischen Alltagsbetrieb funktionieren.
Welche Tests führen Sie hier durch?
Wir überprüfen einerseits die thermische Stabilität des Gesamtfahrzeugs
und checken, ob beispielsweise das AGILITY CONTROL-Fahrwerk oder die elektronischen Regelsysteme unter den extremen Umwelt- und Pistenbedingungen optimal arbeiten. Außerdem führen wir die sogenannte Sanderprobung durch, ein besonderer Härtetest für den GLK.
Ist es überhaupt nötig, den GLK solch extremen Bedingungen auszusetzen? Das Fahrzeug wird doch meistens unter normalen Straßenbedingungen in westlichen Ländern bewegt.
Der GLK ist innerhalb der Mercedes-Benz SUV- und Geländewagen mit G-, GL- und M-Klasse die mit Sicherheit am meisten straßenorientierte Modellreihe. Trotzdem legen wir hohen Wert auf das Leistungsvermögen abseits befestigter Wege auch unter extremsten Bedingungen. Das gehört zur SUV-Philosophie von Mercedes-Benz: Auch wenn wenig Kunden ins Gelände gehen, müssen wir trotzdem das Fahrzeug für diese Fälle abstimmen und ein bestimmtes Leistungsniveau absichern.
Zusätzlich gilt es natürlich, die Automobilmärkte in Ländern mit ebenso außerge-wöhnlichen Bedingungen abzusichern, wie zum Beispiel in Russland oder den Staaten des Mittleren Ostens. Hinzu kommen die Anforderungen in jungen Auto-mobilmärkten wie Indien oder China. Letztendlich profitieren natürlich auch unsere Kunden in Europa von diesen Entwicklungen. Denn es gibt keinen Unterschied zwischen Fahrzeugen für die unterschiedlichsten Märkte.
Gibt es gegensätzliche Anforderungen? Welche Zielkonflikte muss man lösen, damit der GLK sowohl im arktischen Umfeld bei Temperaturen bis –30 Grad als auch im Wüstenklima mit +45 Grad alle Mercedes-Anforderungen erfüllt?
Wir müssen natürlich sicherstellen, dass wir mit der Optimierung eines Parameters zur Absicherung hoher Umgebungstemperaturen nicht die Leistungsfähigkeit unter arktischen Bedingungen beeinträchtigen. Ein Beispiel: Wenn wir die Kühlluftzuführung des Motors ausschließlich für extreme Hitze optimieren würden, gäbe es Probleme mit der Aufwärmphase bei tiefen Temperaturen und umgekehrt. Hier ist akribische Detailarbeit nötig, um alle Bereiche abzudecken. Das gilt für nahezu alle Entwicklungsbereiche. Spricht die Heizung bei –30 Grad schnell an, kühlt die THERMOTRONIC zügig den Innenraum bei höchster Sonneneinstrahlung und +45 Grad? Funktioniert die Kraftstoffversorgung des Motors: Bleibt Dieselkraftstoff bei Tiefsttemperaturen flüssig, wird die Dampfblasenbildung bei Ottomotoren unter Höchsttemperaturen verhindert? Arbeiten die Filtersysteme für Motor und Innenraum zuverlässig, erfüllen die verschiedensten Dichtungssysteme ihre Aufgaben?
Sind andererseits Parallelen in den Belastungen erkennbar, wenn der GLK unter den genannten Extremen unterwegs ist?
So unglaublich das klingt, aber es gibt tatsächlich Parallelen. So sind zum Beispiel die Belastungen bei Dünen- oder Tiefsandfahrten durchaus ähnlich mit den Anforderungen beim Fahren auf tief verschneiten Straßen oder Alpenpässen. Ähnlich verhalten sich auch Pulverschnee oder Wüstenstaub. Wir kennen das alle von Fahrten in einer Kolonne: Im Winter fährt man bei schneebedeckter Fahrbahn hinter dem Vordermann in einer feinen Schneewolke, im Sommer auf trockener Piste in einer Staubwolke. In beiden Fällen müssen wir eine Ansaugung der feinen Partikel und ein mögliches Zusetzen der Filteranlagen etwa von Motor oder Innenraumbelüftung zuverlässig vermeiden.
Im zweiten Interview nimmt Wolfgang Keller, Versuchsleiter Gesamtfahrzeug der Mercedes-Benz Baureihen M-, GL- und GLK-Klasse, Stellung zu den besonderen Testanforderungen unter arktischen Bedingungen:
Nach den zurückliegenden Versuchsreihen in der Namib-Wüste stehen nun Tests im arktischen Umfeld nahe des Polarkreises an. Gegensätzlicher könnten die Bedingungen nicht sein. Welche besonderen Erkenntnisse ziehen Sie aus diesem extremen Klimawechsel?
Die Testfahrten am Polarkreis gehören wie die Abstimmungsfahrten in der Namib zu unserer Abnahmeprozedur vor dem Serienanlauf. Wir haben in beiden Fällen dieselben Versuchsfahrzeuge am Start und können so absichern, dass die hohen Mercedes-Anforderungen von den späteren Kundenfahrzeugen erfüllt werden. Unsere Kunden werden ihren GLK zwar weniger in der Namib und gleichzeitig am Polarkreis zum Einsatz bringen. Aber wer seinen GLK intensiv nutzt – zum Beispiel beim Wintersport in den Alpen und beim Badeurlaub in Spanien –, kommt den von uns simulierten Bedingungen nahe.
Werden solche Eigenschaften nicht bereits in einer früheren Entwicklungsphase abgeprüft?
Natürlich überprüfen wir alle Fahrzeugkomponenten bereits in den früheren Ent-wicklungsstadien, sowohl in speziellen Versuchsfahrzeugen wie auf Prüfständen oder in der Simulation im Rahmen unserer digitalen Prototypen. Jedoch muss ein Fahrzeug gegen Ende seines Entwicklungsprozesses, wenn alle Baugruppen an dem von uns geforderten Optimum arbeiten, genau abgestimmt werden. Damit auch das Gesamtsystem perfekt harmoniert und unter allen Bedingungen optimal und zuverlässig arbeitet. Das ist durchaus vergleichbar mit dem Bau eines Konzertflügels: Auch hier werden die einzelnen Komponenten mit höchster Sorgfalt entwickelt und präzise hergestellt. Nach der Montage muss das Instrument jedoch mit minutiöser Detailarbeit gestimmt werden, damit sich ein optimaler Klang ergibt. Auch wir wollen unseren Kunden den bestmöglichen „Klang“ bieten!
Welche grundlegenden Unterschiede müssen die fahrdynamischen Regel-systeme in Namibia und in Schweden überbrücken?
In Namibia herrscht sowohl auf den Sandpisten wie in den Dünen ein niedriges, aber relativ konstantes Gripniveau. Hier kommt es darauf an, das Antriebs- oder Bremsmoment gleichmäßig auf alle vier Räder zu verteilen und damit eine maximale Traktion bei hoher Fahrstabilität zu erreichen. Die Anforderungen am Polarkreis sind erheblich anspruchsvoller. Hier haben wir es mit stark unterschiedlichen Reibwerten zu tun: Innerhalb weniger Meter können sich lockerer oder festgefahrener Schnee, blankes Eis und freie Teerstellen abwechseln. Die Fahrstabilität und damit die Fahrsicherheit sowohl beim Beschleunigen, Bremsen oder bei Kurvenfahrt muss absolut gewährleistet sein. Der Vortrieb spielt hier eine untergeordnete Rolle.
Gibt es weitere Herausforderungen für die Abstimmung der Regelsysteme unter arktischen Bedingungen?
Besonders unter winterlichen Straßenbedingungen ist es wichtig, dass die Regelsysteme ESP®, ASR und 4ETS effektiv, aber auch sanft regeln. Ein sanftes, harmonisches Eingreifen ist unter dem Aspekt der Konditionssicherheit besonders wichtig. Hektische und unharmonische Regeleingriffe würden den Fahrer zwar unterstützen, aber gleichzeitig vom Verkehrsgeschehen ablenken und auf die Dauer ermüden. Wir signalisieren kritische Fahrzustände mit der ESP®-Warnlampe, die zu einer verhaltenen Fahrweise auffordert.
Welche Vorteile bietet der moderne 4MATIC-Antriebsstrang bei Eis und Schnee?
Wir bieten mit der neuesten 4MATIC-Generation die optimalen Voraussetzungen für Fahrten auf winterlichen Straßen. Durch die reibungsoptimierte Konstruktion haben wir erheblich weniger Verluste im Antriebsstrang als andere Systeme etwa mit quer eingebauten Motoren. Die Grundverteilung des Antriebsmoments fördert das Traktionsverhalten und die Agilität. Zusätzlich ermöglicht die Grundsperr-wirkung im Verteilergetriebe ein problemloses Anfahren selbst auf komplett vereisten Untergründen.
Das GLK-Fahrwerk gilt als wegweisend in der SUV-Welt. Welche spezifischen Vorteile ergeben sich unter arktischen Bedingungen?
Durch die amplitudenabhängige Dämpfung unseres AGILITY CONTROL-
Fahrwerks gewährleisten wir den optimalen Bodenkontakt der Reifen unter allen Bedingungen, auch bei Schnee- oder Eisglätte. Längs- und Querkräfte können so gut übertragen werden. Und je besser die Kraftübertragung zwischen Reifen und glatter Fahrbahn ist, umso weniger müssen die elektronischen Regelsysteme eingreifen. AGILITY CONTROL legt sozusagen den Grundstein für die überragende Fahrdynamik und Fahrsicherheit. Gleichzeitig sichert es den Mercedes-typischen, hohen Fahrkomfort.
Komplette Diesel- und Benzinmotorenpalette
Die moderne Motorenpalette ermöglicht in allen Modellen der GLK-Klasse höchsten Antriebskomfort und ansprechende Fahrleistungen bei im Klassenvergleich günstigen Verbrauchs- und Emissionswerten. Die Kunden können zwischen vier Motorisierungen wählen: Wer Dieselmotorisierungen bevorzugt, wird die Modelle GLK 220 CDI BlueEFFICIENCY und GLK 320 CDI favorisieren. Alternativ stehen die V6-Benzinversionen GLK 280 und GLK350 zur Wahl.
Im GLK 220 CDI4MATIC BlueEFFICIENCY garantiert eine völlig neue Dieselmotoren-Generation Bestwerte hinsichtlich Leistung, Drehmoment, Abgasverhalten und Sparsamkeit. Beeindruckend auch die Umweltbilanz
des Selbstzünders, der wie alle Pkw-Diesel-Aggregate serienmäßig mit Abgasrückführung, Oxidationskatalysator und wartungsfreiem Dieselpartikelfilter ausgestattet ist. Der laufruhige Vierzylinder begnügt sich mit 6,9 Liter Diesel je hundert Kilometer und emittiert 183 Gramm CO2 pro Kilometer. Außerdem ist es den Ingenieuren von Mercedes-Benz gelungen, die Roh-emissionen noch weiter abzusenken. Sogar ohne aktive Denoxierung erfüllt der neue Diesel-Vierzylinder bereits die künftige Abgasnorm EU 5. Das moderne Aggregat macht den GLK 220 CDI4MATIC 205 km/h schnell, der Sprint von null auf 100 km/h ist in 8,8 Sekunden erledigt.
Um diese Bestwerte zu erzielen, nutzten die Motorkonstrukteure innovative Technik. Die wichtigsten Merkmale des neuen Mercedes-Dieselmotors:
  • Die zweistufige Aufladung sorgt für hohe Leistung und optimalen Drehmomentverlauf.
  • Die Common-Rail-Technik der vierten Generation mit um 400 auf 2.000 bar gesteigertem Raildruck sowie einem neuen Piezo-Injektorkonzept mit direkter Düsennadelsteuerung schafft die Voraussetzung für höhere Flexibilität im Einspritztiming und damit weicheren Motorlauf.
  • Der maximale Zünddruck beträgt 200 bar und trägt ebenfalls zur hohen Leistung bei.
  • Die Ölspritzdüsen sowie die Wasserpumpe werden bedarfsgerecht geschaltet, um Energie zu sparen.
  • Der Nockenwellenantrieb liegt hinten, um den Laufkomfort zu steigern und hohe Anforderungen an den Fußgängerschutz zu erzielen.
  • Der Motorblock besteht aus Grauguss, der Zylinderkopf aus Aluminium.
  • Zwei Wassermäntel sorgen für maximale Kühlung auch dort, wo höchste
  • Wärmestrahlung auftritt; damit werden 200 bar Zünddruck und hohe spezifische Leistung möglich.
  • Die Kolben aus Aluminium laufen reibungsoptimiert in Grauguss-Bahnen.
  • Die Pleuel bestehen aus geschmiedetem Stahl. Ihr Gewicht haben die Mercedes-Ingenieure optimiert.
  • Die geschmiedete Kurbelwelle mit acht Gegengewichten rotiert in fünf Lagern – eine Maßnahme im Interesse des Schwingungskomforts. Die Radien der Hubzapfen sind gewalzt und zeichnen sich durch hohe Festigkeit aus.
  • Die freien Schwingungsmomente, die bei einem Vierzylinder-Reihenmotor prinzipbedingt auftreten, kompensieren zwei unten im Motorblock angeordnete Lanchester-Ausgleichswellen, die reibungsarm in Wälzlagern statt herkömmlich in Gleitlagern laufen.
Das neue Triebwerk mit 125 kW/170 PS wirkt kraftvoll und reagiert agil, es glänzt mit hoher Durchzugskraft und überzeugt mit einer für ein Vierzylinder-Aggregat mustergültigen Laufruhe. Außer hervorragenden Leistungsdaten bietet das neue Aggregat einen fulminanten Drehmomentaufbau aus niedrigen Drehzahlen und die beste Drehmomentcharakteristik seiner Hubraumklasse: Das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern liegt über einen weiten Drehzahlbereich von 1.400 bis 2.800 U/min an. In alltäglichen Fahrsituationen kann deshalb mit niedrigen Drehzahlen sehr verbrauchsarm gefahren werden.
Überragend: Sechszylinder-Komfort in der kompakten SUV-Klasse
Das Dieselangebot wird durch den bewährten V6-Diesel im GLK 320 CDI ergänzt, der 165 kW/224 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 540 Newtonmetern zur Verfügung stellt. Er verhilft dem GLK zu noch eindrucksvolleren Fahrleistungen: Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 220 km/h erreicht, beim Spurt von null auf 100 km/h vergehen nur 7,5 Sekunden. Der V6-Motor ist ebenfalls mit Abgasrückführung, Oxidationskatalysator und wartungsfreiem Dieselpartikelfilter ausgestattet, benötigt 7,9 Liter Diesel auf hundert Kilometer und erfüllt die EU-4-Norm.
Die beiden laufruhigen V6-Benzinmodelle GLK 280 4MATIC und GLK 350 4MATIC leisten 170 kW/231 PS bzw. 200 KW/272 PS. Sie zeichnen sich durch ebenso forsche Fahrleistungen wie moderate Verbrauchswerte aus. Besonders der 3,5‑Liter-V6 im GLK350 4MATIC überzeugt mit Sportwagen-ähnlichen Werten:
Das Spitzentempo beträgt 230 km/h, im Spurt sind 100 km/h nach 7,1 Sekunden erreicht. Beide Motoren erfüllen die Euro-4-Grenzwerte und konsumieren 10,4 bzw. 10,6 Liter je hundert Kilometer.
Siebenstufenautomatik 7G-TRONIC serienmäßig
Alle Motorisierungsvarianten sind serienmäßig mit dem siebenstufigen Automatikgetriebe 7G-TRONIC ausgerüstet, das einen Komfort- (C-) und Sport- (S-)Schaltmodus erhält. Im Fahrprogramm C stehen Antriebskomfort
und Wirtschaftlichkeit bei hohen Leistungsreserven im Mittelpunkt. Mit dem Fahrprogramm S wird eine deutlich sportlichere Auslegung mit angepasster Fahrstrategie und Fahrpedalcharakteristik gewählt. Im optionalen Ausstattungspaket „Offroad Technik“ verfügt die Getriebeautomatik über ein manuelles Fahrprogramm (M) mit Schaltpaddles am Multifunktionslenkrad.
Die 7G-TRONIC ist mit einer „Standabkopplung“ ausgerüstet. Dieses Technikdetail reduziert das Getriebeaufnahmemoment mit eingelegter Fahrstufe im Fahrzeugstillstand. Daraus resultiert eine geringere Motorbelastung, was einen reduzierten Kraftstoffverbrauch, eine bessere Fahrzeugakustik, einen verbesserten Stillstandkomfort und eine bessere Leerlaufqualität zur Folge hat. Die schlupfgeregelte Kupplung wird geschlossen, sobald der Fahrer die Betriebsbremse löst. Somit wird der Anfahrvorgang ohne Qualitätseinbuße und verzögerungsfrei sichergestellt. Realisiert wird dieser Betriebszustand, indem eine Schaltkupplung auf ein definiertes Schlupfniveau geregelt wird. Diese Kupplung wurde konstruktiv auf Dauerschlupfbetrieb ausgelegt.
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