Pressemappe: Die CL-Klasse von Mercedes-Benz
Stuttgart
01.07.2010
Die Baureihen W 111/W 112 (1961 bis 1971)
  • Ein viersitziges großes Coupé im S-Klasse-Format
  • Zahlreiche Motorvarianten bis hin zum V8-Aggregat
Im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Daimler-Benz Museums in Untertürkheim am 24. Februar 1961 wird das neue Mercedes-Benz 220 SEb Coupé präsentiert. Die elegante und repräsentative Neukonstruktion tritt die Nachfolge des bereits seit Oktober 1960 nicht mehr produzierten Coupés der Baureihe 128 an. Konstruktiv und stilistisch orientiert sich das neue Modell an der im August 1959 vorgestellten Limousine vom Typ 220 SEb; es ist daher ebenfalls der Baureihe 111 zugeordnet.
Im Gegensatz zum Vorgängermodell basiert das Coupé auf der ungekürzten Rahmenboden-Anlage der zugehörigen Limousine und ist somit ein vollwertiger Viersitzer. Obwohl die Heckflossen, die bei der Präsentation der Typen 220b und
220 SEb für viel Aufsehen gesorgt haben, beim neuen Coupé nur noch in rudimentärer Form in Erscheinung treten, haben Coupé und Limousine auch stilistisch zahlreiche Gemeinsamkeiten. Umso mehr überrascht, dass von den Rohbauteilen des Viertürers nicht ein einziges für das Coupé verwendet werden kann.
Motor und Fahrwerk stammen ohne nennenswerte Änderungen von der Limousine. Der einzige wesentliche Unterschied ist zugleich eine technische Besonderheit: Der Typ 220 SEb Coupé hat als erster Serien-Personenwagen der Marke Mercedes-Benz Scheibenbremsen an den Vorderrädern.
Im August 1961 wird eine Cabriolet-Variante vom Typ 220 SEb vorgestellt, die bis auf das Faltdach und die erforderlichen Karosserieversteifungen in allen Einzelheiten dem Coupé entspricht.
Zuwachs mit Dreiliter-Motor
Ein halbes Jahr später debütieren auf dem Genfer Automobil-Salon die Typen 300 SE Coupé und 300 SE Cabriolet, die gewissermaßen durch einen Griff in den Baukasten entstanden sind. Die Karosserie der entsprechenden 220 SEb-Varianten sind mit zusätzlichen Zierelementen versehen und mit der Technik des Typ 300 SE kombiniert. Dementsprechend sind die neuen Exklusivmodelle, die wie die zugrundeliegende Limousine der Baureihe 112 angehören, mit einer ganzen Reihe technischer Besonderheiten ausgestattet. Zur Grundausstattung gehören ein Leichtmetallmotor mit drei Liter Hubraum, ein Viergang-Automatikgetriebe, Servolenkung, Luftfederung sowie eine Zweikreisbremsanlage mit Scheibenbremsen an den Vorder- und Hinterrädern. Der zusätzliche Chromschmuck besteht aus einer von den Scheinwerfern bis zu den Heckleuchten durchgehende Chromleiste in der Längssicke sowie einer ausgeprägten Zierleiste an den vorderen und hinteren Radläufen.
Zum Design heißt es in einem Prospekt aus dem Jahr 1953: „Ganz gleich, von welcher Seite Sie diesen Wagen auch betrachten, immer fällt die rassige Eleganz, die ästhetische Ausgewogenheit der stilistischen Elemente auf. Es ist die souveräne Erscheinung dieses Wagens, die – modern, aber fern jeder modischen Spielerei – den Beschauer immer wieder in den Bann zieht.
Ab März 1963 sind die Typen 300 SE Coupé und Cabriolet sowie die Limousine auf Wunsch auch mit Viergang-Schaltgetriebe lieferbar; der Listenpreis reduziert sich in diesem Fall um 1400 DM. Im Januar 1964 wird die Motorleistung auf 125 kW erhöht, was bessere Fahrleistungen bringt. Ein Umstellen der Einspritzanlage auf eine Sechsstempel-Einspritzpumpe ermöglicht diese Leistungssteigerung.
Ein Einzelstück für den Entwicklungsvorstand
Eine Sonderausführung vom Typ 300 SE Coupé entsteht 1962 als Einzelanfertigung in der Versuchsabteilung. Der hintere Dachabschluss mit der Heckscheibe wird entfernt und durch ein versenkbares Klappverdeck ersetzt. Das Resultat dieser Änderung ist ein Landaulet, das von Entwicklungsvorstand Fritz Nallinger einige Jahre gefahren wird. Über den Verbleib und das weitere Schicksal dieses interessanten Einzelstücks ist leider nichts bekannt.
Als im August 1965 die „Heckflossen“-Limousinen der Typen 220 Sb, 220 SEb und 300 SE von einer neu konstruierten Modellgeneration abgelöst werden, bleiben die Coupé- und Cabriolet-Varianten zunächst im Verkaufsprogramm. Die seit vier Jahren produzierten Exklusivmodelle wirken auch neben den Limousinen der neuen Generation keineswegs überholt, so dass eine kostspielige stilistische Überarbeitung oder gar Neuentwicklung der Kleinserien-Varianten nicht nötig ist. Und der Prospekt verspricht: „Sie werden erfahren, dass Mercedes-Benz Personenwagen Ihnen etwas zurückgeben, was im Straßenverkehr sehr selten geworden ist: ihre Freiheit und Gelassenheit.“
Einige Neuerungen, die man bei den neuen Limousinen eingeführt hatte, kommen nun allerdings auch den Coupés und Cabriolets zugute. Die beiden 2,2-Liter-Modelle erhalten den 110 kW starken 2,5-Liter-Motor des Typ 250 SE und damit auch die entsprechende Typenbezeichnung. Darüber hinaus werden sie, wie auch die Dreiliter-Modelle, mit größeren Rädern (Durchmesser: 35,5 Zentimeter) und den größer dimensionierten Scheibenbremsen der Oberklasse-Baureihe W 108 ausgerüstet. Neu ist außerdem die hydropneumatische Ausgleichfeder an der Hinterachse, die bei den 2,5-Liter-Typen anstelle der bisherigen Schraubenfeder montiert ist und das Niveau des Aufbaus unabhängig von der Beladung konstant hält.
Im Januar 1968 debütiert der Typ 280 SE, der einen neu entwickelten 2,8-Liter-Sechszylinder mit 118 kW hat und die Nachfolge des Typ 250 SE antritt. Dieser Generationswechsel betrifft sowohl die Limousine als auch die beiden zweitürigen Varianten. Abgesehen vom neuen Motor sind bei Coupé und Cabriolet nur Detailänderungen zu verzeichnen; beide erhalten flachere einteilige Radzierblenden mit integrierter Radkappe, wie bei der Limousine. Zum gleichen Zeitpunkt wie die
2,5-Liter-Modelle werden auch die Typen 300 SE Coupé und Cabriolet aus der Produktion genommen. Ein direkter Nachfolger ist zunächst nicht vorgesehen, erweist sich aber auch als nicht unbedingt notwendig, nachdem der 2,8-Liter-Motor in seiner Leistung nur wenig (um 7,4 kW) zurückliegt und wegen seines erheblich geringeren Gewichts durchaus vergleichbare Fahrleistungen ermöglicht.
Völlig neu entwickelter V8-Motor
Im September 1969 werden die deutlich leistungsstärkeren Versionen Typen
280 SE 3.5 Coupé und Cabriolet vorgestellt. Der völlig neu entwickelte 3,5-Liter-Motor in V8-Bauweise mit einer Leistung von 147 kW zeichnet sich durch besondere Laufruhe aus und ermöglicht sportwagenähnliche Fahrleistungen. Die neuen Modelle präsentieren sich stilistisch leicht überarbeitet, wie auch die weiterhin angebotenen 2,8-Liter-Varianten mit Sechszylindermotor: Die Kühlermaske ist niedriger und breiter, dementsprechend ist die Motorhaube vorn abgeflacht. Aufgrund dieses charakteristischen Merkmals werden die modellgepflegten Coupés und Cabriolets von Insidern oft als „Flachkühler“-Modelle bezeichnet. Eine weitere Änderung betrifft die Stoßstangen, die nun, wie bei den Limousinen, mit Gummileisten versehen sind. Äußerlich sind die Achtzylindermodelle von den modellgepflegten Sechszylindertypen nicht zu unterscheiden.
Im Mai 1971 endet die Produktion der Sechszylinder-Coupés und -Cabriolets. Als zwei Monate später auch die Fertigung der Achtzylinder-Varianten eingestellt wird, geht die mehr als zehn Jahre währende Ära der Coupés und Cabriolets der Baureihen 111 und 112 zu Ende. Insgesamt sind im Werk Sindelfingen 28 918 Coupés und 7013 Cabriolets entstanden. Die höchste Produktionsstückzahl innerhalb der Modellfamilie erreicht der Typ 220 SEb Coupé mit 14 173 Einheiten.
Die Coupés der Baureihen 111 und 112 erhalten keinen direkten Nachfolger auf Basis der Oberklassen-Limousine. Stattdessen bietet Mercedes-Benz in den Jahren 1971 bis 1981 die SLC-Coupés der Baureihe C 107 an, die konstruktiv auf den Roadstern der SL-Baureihe R 107 basieren.
Die Baureihen 111 und 112 in der Presse
Auto, Motor und Sport, Deutschland, Heft 7/1962, über das Mercedes-Benz 300 SE Coupé: „In diesem Jahr gibt es in Genf Neues zu sehen – zwar keine Sensationen, aber doch immerhin Überraschungen. Dazu gehören auch Coupé und Cabriolet des Typs Mercedes-Benz 300 SE – eine Kombination von Motor und Fahrgestell des 300 SE mit der Karosserie des 220 SE Coupés bzw. Cabriolets. Mit dem 160 PS Dreiliter-Einspritzmotor, der Getriebe-Automatik, der Servo-Lenkung, dem Fahrwerk mit Luftfederung, Scheibenbremsen an allen vier Rädern und Sperrdifferential und der exklusiven Ausstattung ist dieses Fahrzeug zweifellos ein non-plus-ultra des modernen Automobilbaus.“
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