Juwelen aus Rennsport und Markengeschichte: Mercedes-Benz Classic beim Pebble Beach Concours d’Elegance 2012
Stuttgart
19.07.2012
  • Sportlichkeit in den Genen: 60 Jahre Mercedes-Benz SL
  • Daimler Reitwagen: Wegbereiter des Motorrads
  • Zeitloser Luxus: Mercedes-Benz Typ SS aus dem Besitz des Maharadscha von Kaschmir
Stuttgart – Mercedes-Benz Classic setzt gleich mehrere Glanzlichter beim diesjährigen Pebble Beach Concours d’Elegance in den USA. Die Veranstaltung am 18. Grün des Golfplatzes „Pebble Beach Golf Links“ in Kalifornien gehört international zu den renommiertesten Treffen historischer Automobile. Im Mittelpunkt der Markenpräsenz steht der 60. Geburtstag des 300 SL Rennsportwagens (W 194) von 1952. Außerdem trägt die Stuttgarter Marke mit weiteren historischen Fahrzeugen aus der eigenen Fahrzeugsammlung zu den Themenschwerpunkten „Cars of the Maharajas“ und „German Motorcycles“ bei.
Der Pebble Beach Concours d’Elegance findet traditionell am dritten Sonntag im August statt, in diesem Jahr dem 19. August 2012. Dieser Termin markiert den Höhepunkt eines Wochenendes, das sich über zahlreiche Programmpunkte bis hin zu Ausfahrt und Auktion ganz und gar den elegantesten und herausragendsten Automobilen verschrieben hat. Mit dieser intensiven Begeisterung für feinste Fahrzeuge hat sich Pebble Beach auf der ganzen Welt einen unvergleichlichen Ruf unter Liebhabern klassischer Automobile geschaffen. Die seit 1950 bestehende Veranstaltung zieht deshalb jedes Jahr von neuem das intensive Interesse der Enthusiasten, Experten und Sammler aus aller Welt auf sich.
Automobile der Marke Mercedes-Benz haben dabei einen herausragenden Stammplatz auf dem dichten Golfrasen: Zu der langen Liste von Erfolgen, die Mercedes-Benz Fahrzeuge seit 1950 in Pebble Beach errungen haben, zählen mehrere Gesamtsiege mit dem Titel „Best of Show“ sowie mehr als 120 Klassensiege und Spezialpreise.
2012 steht für Mercedes-Benz Classic in Pebble Beach der 60. Geburtstag des 300 SL Rennsportwagens (W 194) im Mittelpunkt. Diese Fahrzeuge begründen 1952 mit herausragenden Siegen die Renaissance von Mercedes-Benz im Motorsport nach dem Zweiten Weltkrieg und begründen zugleich den Mythos SL. Für die Erfolge der Epoche steht beim Concours d’Elegance ein originales Fahrzeug – der älteste existierende SL überhaupt, der W 194 mit der Chassisnummer 0002. Das Potenzial für die Weiterentwicklung des Rennsportwagens markiert der für 1953 entwickelte Rennsport-Prototyp mit der Chassisnummer 0011, den Mercedes-Benz Classic ebenfalls nach Pebble Beach bringt.
Ebenfalls mit der Typenbezeichnung 300 SL stehen die Seriensportwagen der Baureihe W 198, die legendären „Flügeltürer“ oder auch „Gullwing“, ab 1954 für den käuflich zu erwerbenden SL als konsequente Weiterentwicklung des Rennsportwagens. Dieses Erfolgskapitel von Mercedes-Benz ist eng mit den Vereinigten Staaten von Amerika verbunden. Denn angeregt wurde die Entwicklung des 300 SL Serienfahrzeugs durch den amerikanischen Mercedes-Benz Importeur Maximilian E. Hoffman. Auch waren die Vereinigten Staaten von Beginn an einer der wichtigsten Märkte für den leistungsfähigen Sportwagen.
An den Anfang der Automobilgeschichte erinnert Mercedes-Benz Classic hingegen mit dem Daimler Reitwagen. Diesen Versuchsträger für die Entwicklung des Automobils und gleichzeitig Vorläufer aller modernen Motorräder statteten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach 1885 mit ihrem Viertaktmotor aus, um dessen Eignung als Antrieb von Fahrzeugen zu testen.
Bei einer Versuchsfahrt im Herbst 1885 von Cannstatt nach Untertürkheim beweist das Fahrzeug seine Eignung. In Serie geht das mit Stützrädern versehene Motorrad dennoch nicht, es bleibt bei einem einzigen Exemplar.
Der heute in der Sammlung von Mercedes-Benz Classic bewahrte Reitwagen entsteht 1906 als authentischer Nachbau des Originals, welches durch einen Brand des Werks in Cannstatt im Jahr 1903 zerstört wurde. Das Fahrzeug ist im Rahmen des Themenschwerpunkts „German Motorcycles“ in Pebble Beach zu sehen.
Die exotische Faszination einer großen Epoche der indischen Automobilgeschichte spiegelt wiederum das Feature „Cars of the Maharajas“ wider. Zu diesem Thema bringt Mercedes-Benz Classic einen Typ SS nach Pebble Beach. Der Tourensportwagen mit Kompressormotor wurde 1930 für den Maharadscha von Kaschmir gebaut – mit feinster Ausstattung und aufwendigsten Details.
Der Maharadscha gehört im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu jenen indischen Automobil-Enthusiasten, die sich die schönsten und teuersten Wagen ihrer Zeit zulegten – oft mit exquisit ausgeführten Sonderkarosserien ausgestattet. Beim Pebble Beach Concours d’Elegance 2012 mit seinem hochrangigen Feld feinster Klassiker würde sich der Maharadscha ganz sicher ausgesprochen wohl fühlen.
Die Fahrzeuge von Mercedes-Benz Classic beim Pebble Beach Concours d’Elegance 2012
Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen (W 194), 1952
Mercedes-Benz greift nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1952 mit dem 300 SL Rennsportwagen (W 194) wieder in den internationalen Motorsport ein. Basis des Fahrzeugs ist ein extrem leichter, aber dennoch sehr verwindungssteifer Gitterrohrrahmen, über den sich eine elegant geschwungene Leichtmetallkarosserie aus Aluminium-Magnesium-Blech wölbt. Weil der Gitterrohrrahmen an den Seiten aus Gründen der Steifigkeit vergleichsweise hoch ansetzt, kann der W 194 nicht mit herkömmlichen Türen versehen werden; so kommt der Rennsportwagen zu den charakteristischen Flügeltüren, die am Dach angeschlagen sind. Dieses Detail wird 1954 der Seriensportwagen 300 SL (W 198) übernehmen und bringt den Fahrzeugen schnell den Beinamen „Gullwing“ ein.
Als Antrieb des W 194 dient der 170 PS (125 kW) starke Reihensechszylindermotor M 194 mit 2.996 Kubikzentimeter Hubraum. Seine Rennsport-Premiere erlebt der im März 1952 präsentierte 300 SL bei der Mille Miglia im Mai 1952. Zu den großen Erfolgen des W 194 gehören in seiner ersten und einzigen Rennsaison der Dreifachsieg im Preis von Bern, die spektakulären Doppelsiege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und bei der 3. Carrera Panamericana in Mexiko sowie der Sieg beim großen Jubiläumspreis vom Nürburgring.
Unmittelbar nach 1945 besaß die damalige Daimler-Benz AG weder die Mittel noch die Kapazität, um einen Formel-1-Rennwagen grundlegend neu zu entwickeln und zu bauen, zumal mit einer unmittelbar bevorstehenden Änderung der Formel zu rechnen war. Deshalb beschloss man in Stuttgart, auf das Vorhandene zurückzugreifen und einen Sportwagen zu entwickeln. Zurückgegriffen werden konnte 1952 auf den Motor des Mercedes-Benz 300, der als „Adenauer-Wagen“ bekannt wurde. Entsprechend modifiziert, leistungsoptimiert und in den neuentwickelten Gitterrohrrahmen eingesetzt, trieb er nun auch den 300 SL an. Karossiert war der Rennsportwagen entweder als geschlossener Flügeltürer oder wahlweise für bestimmte Renneinsätze als Roadster.
Mercedes-Benz 300 SL (W 198), 1954 bis 1957
Auf Anregung von Maximilian E. Hoffman, dem USA-Importeur der Marke, entwickelt Mercedes-Benz 1954 den 300 SL Rennsportwagen zu einem Seriensportwagen weiter. So entsteht der legendäre 300 SL Flügeltürer (W 198), der vom Wettbewerbsfahrzeug unter anderem den leichten und stabilen Gitterrohrrahmen übernimmt.
Der W 198 wird im Februar 1954 auf der „International Motor Sports Show“ in New York präsentiert. Wegen der am Dach angeschlagenen Flügeltüren erhält der Sportwagen im englischen Sprachraum schnell den Beinamen „Gullwing“ (Möwenschwinge).
Als weltweit erster Serien-Pkw mit Viertaktmotor ist der 300 SL mit einer leistungs- und effizienzsteigernden Benzineinspritzung ausgerüstet. Sie ermöglicht eine Leistungssteigerung von 40 PS (29 kW) gegenüber der vergaserbestückten Rennsport-Ausführung auf 215 PS (158 kW). Der Motor ist zur Seite geneigt eingebaut, sodass ein besonders flacher und strömungsgünstiger Vorderwagen realisiert werden kann. Gleichzeitig beträgt das Gewicht des fahrfertigen Fahrzeugs nur 1.295 Kilogramm – inklusive Reserverad, Werkzeug und Brennstoff. Die Kombination aus Motorleistung, Aerodynamik und konsequentem Leichtbau sorgt für Aufsehen erregende Fahrleistungen: Je nach Hinterachsübersetzung erreicht der 300 SL eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 235 km/h und 250 km/h.
Daimler Reitwagen, 1885
1885 haben Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach die Entwicklung des Viertaktmotors für den Fahrzeugantrieb weit vorangetrieben. Gegenüber dem Motor von Nikolaus August Otto ist die Motordrehzahl deutlich erhöht, Größe und Gewicht des Aggregats haben die Automobil-Pioniere hingegen stark reduzieren können. Nun gilt es, den Motor mit stehendem Zylinder, wegen seines charakteristischen Aussehens „Standuhr“ genannt, in einem Fahrzeug zu erproben. Die Wahl fällt auf ein Zweirad mit hölzernem Rahmen und hölzernen Rädern.
So entsteht der Daimler Reitwagen, der von einem Einzylindermotor mit 264 Kubikzentimeter Hubraum und 0,5 PS Leistung (0,37 kW) bei 600/min angetrieben wird. Die Kraftübertragung übernimmt ein Lederriemen, der im Stand auf zwei verschieden große Riemenscheiben gelegt werden kann – eine einfache Form der Zweigangschaltung.
Am 29. August 1885 lässt sich Daimler seinen „Reitwagen“ mit einer „Gas- oder Petroleum-Kraftmaschine“ patentrechtlich schützen (DRP 36423). Im November unternimmt Daimlers jüngerer Sohn Adolf die erste Fahrt von Cannstatt nach Untertürkheim, wobei er Geschwindigkeiten bis zu 12 km/h erreicht.
Mercedes-Benz Typ SS, 1928 bis 1934
Nach dem Erfolg des per Kompressor aufgeladenen Rennsport-Tourenwagens Typ S aus dem Jahr 1927 stellt Mercedes-Benz 1928 den Typ Super-Sport (SS) vor. Wichtigster Unterschied zum Wagen des Jahrgangs 1927 ist der neue Motor M 06, der später auch in den Typen SSK und SSKL eingesetzt wird. Aus 7,1 Liter Hubraum mobilisiert die Maschine zunächst 140 PS (103 kW) ohne Kompressor (von 1930 an sind es 160 PS/118 kW) und 200 PS (147 kW) bei 3300/min mit mechanischem Lader.
Der Typ SS ist ausgesprochen erfolgreich auf der Rennstrecke. Zu den wichtigsten Siegen für Mercedes-Benz mit diesem Fahrzeug gehört der Dreifachsieg beim Großen Preis von Deutschland am 15. Juli 1928 auf dem Nürburgring.
Von Oktober 1928 an ist der Typ SS auch für sportlich ambitionierte Privatfahrer im offiziellen Verkaufsprogramm von Mercedes-Benz erhältlich. Der Kompressor-Tourenwagen mit dem leistungsgesteigerten Motor überzeugt eine kaufkräftige und anspruchsvolle Klientel als Gran Turismo mit Rennsport-Genen. Unter anderem hat er eine höhere Karosserielinie als der Typ S und wird in mehreren Karosserievarianten angeboten. Zunächst gibt es neben dem Fahrgestell einen Sportviersitzer, ab Ende 1929 ergänzt ein viersitziges Spezial-Cabriolet zu einem Preis von 44.000 RM das Angebot. Im September 1932 kommt noch ein zweisitziges Spezial-Cabriolet hinzu, das auf Wunsch auch als Roadster ausgeführt wird.
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