Begegnungen – die Frauen des Sterns
Stuttgart
30.11.2011
Interview mit Daimler-Vorstand Dr. Christine Hohmann-Dennhardt
Überzeugung. Mehr Selbstbewusstsein.
Ganz oben gibt es nur wenige wie sie. Dr. Christine Hohmann-Dennhardt zählt zu der kleinen Gruppe von Frauen im Vorstand der Automobilindustrie. Seit Februar 2011 ist die promovierte Juristin Vorstandsmitglied der Daimler AG und verantwortet das neu geschaffene Ressort Integrität und Recht. Ein Gespräch über Frauen in männlich geprägten Chefetagen, über Regeln und Überzeugungskraft.
Sie sind in der 125-jährigen Unternehmensgeschichte von Daimler die erste Frau im Vorstand und eine der wenigen Frauen überhaupt im Vorstand von DAX-Unternehmen. Wie geht es Ihnen dabei?
Sehr gut, der Umgang ist freundlich und offen. Außerdem ist die Situation für mich als Frau nicht neu, in einem von Männern dominierten Umfeld zu arbeiten. Bereits während meines Jurastudiums in Tübingen waren wir unter 180 Studienanfängern nur eine Handvoll Frauen. Dies setzte sich auch im Berufsleben fort, zum Beispiel als Ministerin der Justiz in Hessen oder als Richterin am Bundesverfassungsgericht.
Sind Sie zufrieden mit der Frauenförderung bei Daimler?
Ich war hocherfreut zu erfahren, welche Maßnahmen es im Konzern zur Förderung von Frauen schon gibt. Mentoringprogramme, Teilzeitarbeit und Kinderbetreuung sind feste Angebote bei Daimler, um das selbst gesteckte Ziel, ein Frauenanteil von 20 Prozent in leitenden Führungspositionen weltweit bis 2020, zu erreichen. Das ist in einem Unternehmen mit vielen technischen Berufen, in denen schon im Studium Männer überproportional vertreten sind, ein sehr ambitioniertes Ziel. Vom Erreichen dieses Ziels hängen für leitende Führungskräfte ihre Bewertung und ihr Bonus ab. Das ist ein klarer Ansporn.
Was raten Sie jungen Frauen für ihren Karriereweg? Welche Eigenschaften müssen sie mitbringen?
Grundsätzlich gilt für Frauen dasselbe Erfolgsrezept wie für Männer. Wer mit seinen fachlichen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit überzeugt, hat die besten Voraussetzungen, erfolgreich zu sein. Zielstrebigkeit ist meiner Ansicht nach ebenfalls ausschlaggebend. Insbesondere für Frauen möchte ich noch hinzufügen: mehr Selbstbewusstsein! Wer überzeugt davon ist, dass er seine Ziele erreichen kann, wird auch andere überzeugen können.
Hatten beziehungsweise haben Sie weibliche Vorbilder?
Mir imponieren erfolgreiche Frauen wie Jutta Limbach, die sich selbst treu geblieben sind, sich durch Geradlinigkeit auszeichnen, ihre Fraulichkeit nicht verleugnen und sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter starkmachen.
Bei Daimler verantworten Sie jetzt das neue Ressort Integrität und Recht. Was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Gesetze und interne Regeln eingehalten werden, und dies nicht gezwungenermaßen, sondern aus Überzeugung. Mir liegt am Herzen, dass Regeln nicht nur einfach befolgt werden, zum Beispiel aus Angst vor Sanktionen, sondern aus einer inneren Haltung heraus, das Richtige tun zu wollen. Regeln sind nicht nur begrenzend, sondern schaffen auch Freiräume, innerhalb dieser Grenzen agieren zu können. Regeln sind Voraussetzung für ein faires Miteinander –
im Privat- wie im Geschäftsleben.
Was sind Prinzipien, die Ihnen persönlich wichtig sind? Wonach richten Sie sich aus?
Grundprinzipien sind für mich: die Achtung der Persönlichkeit eines jeden Menschen sowie Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Darüber hinaus halte ich Selbstverantwortlichkeit, Ehrgeiz, Geradlinigkeit und eine soziale Einstellung für sehr wichtig.
Welche Bedeutung hat das Thema „Compliance“ für ein internationales Unternehmen wie die Daimler AG?
Nachhaltiger geschäftlicher Erfolg und Geschäftsethik sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir sind überzeugt davon, dass Wertegemeinschaften auch die besseren Wertschöpfungsgemeinschaften sind. Global operierende Unternehmen brauchen angesichts unterschiedlicher nationaler Gesetzgebung universell gültige Werte und Verhaltensstandards.
Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Auffassungen im Hinblick auf Integrität und Geschäftsethik beziehungsweise Rechtsvorgaben in Europa, den USA und Asien um? Wie kann ein weltweit agierendes Unternehmen diese unter einen Hut bringen?
Ein wichtiger Grundpfeiler im Tagesgeschäft ist unsere Unternehmenskultur. Sie schafft eine gemeinsame Wertebasis und fördert bei unseren Mitarbeitern ein gemeinsames Verständnis von Richtig und Falsch. Nur, wer das Thema Geschäftsethik systematisch angeht, wird im heutigen globalen Wettbewerb bestehen. Und selbstverständlich gilt, dass wir uns an alle jeweils gültigen nationalen und internationalen Gesetze und Richtlinien halten.
Interessieren Sie sich für Autos? Was war Ihr erstes eigenes Auto? Und was fahren Sie jetzt?
Aber klar, ich bin immer schon gern Auto gefahren. Mein erstes war ein Käfer, dem viele andere, darunter auch welche von Mercedes, folgten. Zuletzt fuhr ich bekanntermaßen einen roten BMW. Und nun bin ich wieder in ein Auto von Daimler eingestiegen, eine S-Klasse. Sie ist nicht nur sehr komfortabel, es bereitet mir auch sehr viel Vergnügen, mit ihr zu fahren.
Kurzporträt von Dr. Christine Hohmann-Dennhardt
Dr. Christine Hohmann-Dennhardt wurde im April 1950 in Leipzig geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften in Tübingen und begann ihre juristische Laufbahn 1975 als Lehrbeauftragte für Sozialrecht an der Universität Hamburg. 1977 wechselte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo sie 1979 promovierte.
In den 1980er-Jahren war Hohmann-Dennhardt Richterin an verschiedenen Sozialgerichten in Hessen sowie Dezernentin für Soziales, Jugend und Wohnungswesen der Stadt Frankfurt. 1991 ging sie in die hessische Landespolitik, zunächst als Justizministerin und ab 1995 als Ministerin für Wissenschaft und Kunst. 1999 wurde sie zur Richterin am Bundesverfassungsgericht ernannt und hat bis 2011 eine Vielzahl bedeutsamer Verfahren zu einer Entscheidung gebracht. Dazu zählen beispielsweise die Gleichwertigkeit von Familien- und Erwerbsarbeit, das Lebenspartnerschaftsgesetz, der „Heimliche Vaterschaftstest“, der Anspruch lediger Mütter auf Betreuungsunterhalt und das Transsexuellengesetz. Christine Hohmann-Dennhardt ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Ihr Presse-Kontakt
Tobias
Müller
Marken-, Lifestyle- und Social-Media Kommunikation Mercedes-Benz Cars
Tel.: +49 711 17-77368
Fax: +49 711 17790-95378
Melanie
Graf
Marken-Kommunikation Mercedes-Benz Cars sowie Lifestyle-Kommunikation Maybach, AMG und Mercedes-Benz Design
Tel.: +49 711 17-76876
Fax: +49 711 17790-51944
Valerie
Dollinger
Human Resources/Diversity, Demografie
Tel.: +49 711 17-40654
Fax: +49 711 17790-80471
Download gesamter Text
Weitere Dokumente
Aktionen
© 2014 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten. Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen