Begegnungen – die Frauen des Sterns
Stuttgart
30.11.2011
Mercedes-Rennfahrerin Susie Wolff
Liebe. Die PS-Lust der Ladys.
Frauen und Rennsport: Diese Liaison ist fast so alt wie das Automobil selbst. Lange bevor in den 1960er-Jahren die Grid Girls in die Fahrerlager einzogen, heizten motorsportbegeisterte Ladys den Männern als Konkurrentinnen bei Straßenrallyes, Grand-Prix- und auch Formel-1-Rennen ein. „Adrenalin und Wettkampfgeist kennen kein Geschlecht“, sagt Mercedes-Rennfahrerin Susie Wolff. Sie ist eine von zwei Frauen in der DTM. Die blonde Powerfrau ist fest davon überzeugt, dass in Zukunft auch wieder eine Frau in der Formel 1 fahren wird. Vielleicht sogar sie selbst.
Susie Wolff, geborene Stoddart, ist Rennfahrerin mit Leib und Seele. „Ich bin quasi im Fahrerlager aufgewachsen“, sagt die 28-jährige Schottin. Ihr Vater und ihr Großvater mütterlicherseits fuhren Motorradrennen. Folglich ist auch ihre Mutter ein großer Rennsportfan. Im Alter von acht Jahren absolvierte Susie im Kartsport ihr erstes Rennen. Mit 14 war sie Kartfahrerin des Jahres 1996 in Großbritannien. Ein Titel, den sie sich auch in den drei darauffolgenden Jahren sicherte.
2001 feierte die speedverrückte Susie, wie sie sich selbst bezeichnet, in der Formel-Renault-Winterserie ihr Rennwagendebüt. Nach insgesamt fünf Jahren in der Britischen Formel Renault und der Britischen Formel 3 holte sie Mercedes-Benz 2006 in die hochklassige internationale Tourenwagenserie DTM. „Der Tag, an dem die Mercedes-Benz Familie mich aufgenommen hat, war der größte in meiner Karriere“, verrät sie. Denn für diese Marke mit ihrer legendären Motorsportgeschichte Rennen zu fahren, ist für Susie Wolff „der beste Job der Welt“.
„Ich bin Rennfahrer, keine Frau in einer Männerwelt“
In der DTM verschaffte sich die zierliche, 52 Kilo leichte Schottin mit Platz zehn auf Anhieb Respekt. Mit ihrer rund 500 PS starken AMG Mercedes C-Klasse fuhr sie 2011 gegen 16 Männer und eine Frau, Audi-Fahrerin Rahel Frey. Dabei musste sie sich unter anderem gegen die ehemaligen Formel-1-Piloten Ralf Schumacher und David Coulthard durchsetzen, die ebenfalls eine AMG Mercedes C-Klasse fuhren. 2010 hatte sie sich ihre ersten vier DTM‑Punkte geholt und stand in der Meisterschaftswertung vor den beiden F1‑„Veteranen“.
Willens- und durchsetzungsstark fühlt sich Susie Wolff jedoch nicht als Frau in einer Männerwelt. „Ich sehe mich als Rennfahrer wie alle anderen auch. Ich bin eine von ihnen und will auch als solche akzeptiert werden“, sagt die stets gut gelaunte Wahl-Schweizerin, die in Ermatingen am Schweizer Bodensee-Ufer lebt. Dies hat sie inzwischen geschafft. „Natürlich war es nicht einfach. Aber ich habe viel Unterstützung von Mercedes-Benz bekommen und mir durch Leistung und Können den Respekt meiner Kollegen erworben.“
Lange Tradition erfolgreicher Rennfahrerinnen
Susie Wolff liebt das Adrenalin, den Wettkampf und die Entschlossenheit, die man zum Siegen braucht. Damit steht sie in einer langen Tradition ambitionierter und erfolgreicher Rennfahrerinnen. Bereits in den 1920er-Jahren haben Frauen Rennsportgeschichte geschrieben. 1926 gewann die Pragerin Elisabeth Junek mit einem Bugatti das Bergrennen Königsaal-Jilowischt und ein Jahr später den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring in der Dreiliter-Sportwagenklasse – beides mit einem neuen Streckenrekord. Zur gleichen Zeit machte Ernes Merck dem legendären Mercedes-Rennfahrer Rudolf Caracciola Konkurrenz. Beim waghalsigen Klausenpass-Rennen in der Schweiz belegte sie mit ihrem Mercedes im
August 1927 knapp hinter ihm den zweiten Platz. Die Tochter eines Darmstädter Industriellen war damals die einzige Frau, die den Rennsport als Profi betrieb. Sie war Werksfahrerin bei Mercedes.
Die erste Frau in der Formel 1 war 1958 die Neapolitanerin Maria Teresa de Filippis. Beim Großen Preis von Belgien kam sie mit ihrem Maserati auf den zehnten Rang. 17 Jahre später machte Lella Lombardi beim Großen Preis von Spanien die Sensation perfekt. Als bislang einzige Frau fuhr die Italienerin in die Punkteränge der „Königsklasse“. Sie erzielte Platz sechs und erhielt 0,5 WM-Punkte.
In der DTM sorgte in den 1990er-Jahren Ellen Lohr für Aufsehen. Die Mercedes-Pilotin gewann 1992 auf dem Hockenheimring als erste Frau ein DTM-Rennen. Auch im Rallye-Sport wirbelten die Ladys kräftig Staub auf. 1962 gewann Ewy Rosqvist mit ihrem Mercedes 220 SE den Gran Premio Argentino, das härteste Straßenrennen der Welt. Die Schwedin hängte zusammen mit ihrer Beifahrerin Ursula Wirth auf allen sechs Etappen der insgesamt 4.624 Kilometer langen Strecke die männliche Konkurrenz ab. Die beiden waren das einzige Damenteam. Und nicht zuletzt siegte Jutta Kleinschmidt 2001 in einem Mitsubishi bei der legendären Rallye Dakar. Dies sind nur einige Beispiele von erfolgreichen Renn- und Rallyefahrerinnen.
„Ich will als zweite Frau ein DTM-Rennen gewinnen“
In diesen Fußstapfen bewegt sich Susie Wolff. „Ich möchte nach Ellen Lohr die zweite Frau werden, die ein DTM-Rennen gewinnt“, sagt die ehrgeizige Mercedes-Pilotin mit einem selbstbewussten Lächeln auf den Lippen. Dafür trainiert sie hart – und für das Ziel, bald in einem Silberpfeil Formel-1-Testrunden zu drehen. In der Formel 1 zu fahren, ist ihr größter Traum. „Es ist aber nicht so, dass ich jede Nacht von der F1 träume“, gesteht sie. „Zunächst will ich mein Ziel in der DTM erreichen.“
Unabhängig von ihrer eigenen Person ist sich Susie Wolff sicher, dass es wieder eine Frau in die „Königsklasse“ des Motorsports schaffen wird. „Wenn Frauen im Topmotorsport wie DTM oder GP2 erfolgreich sein können, dann werden die F1-Teams irgendwann nicht mehr an ihnen vorbeikommen“, sagt sie und fügt hinzu: „Eine Frau in der Formel 1 zu haben, würde den Motorsport insgesamt weitaus attraktiver für junge Mädchen machen.“ Denn dann hätten sie ein Vorbild, zu dem sie aufschauen könnten – so wie Jungs zu Nico Rosberg und Michael Schumacher.
Modebewusst mit Handtaschentick
Zielstrebig verfolgt die fröhliche und eher zurückhaltende Susie Wolff ihre Karriere. Ihr Motto lautet: Gib niemals auf! Sie will durch Leistung überzeugen und alles aus eigener Kraft schaffen. Ihr Ehemann Toto Wolff, Anteilseigner des Williams-Formel-1-Rennstalls und ehemaliger österreichischer Rennfahrer, steht dabei voll und ganz hinter ihr. „Er ist ein harter Kritiker und gibt mir als erfahrener Rennfahrer schon mal Tipps.“
Sobald sie den Helm aufsetzt, muss sie Stärke zeigen, aggressiv sein, um jede Tausendstelsekunde kämpfen. „Privat bin ich dagegen ganz feminin und mag es, mich schick anzuziehen“, so die modebewusste DTM-Pilotin, die eine besondere Schwäche für Handtaschen hat. Entspannung findet sie beim Lesen und beim Sport. Wasserski, Schwimmen, Laufen und Skifahren sind ihre Leidenschaften abseits der Rennstrecke.
Obwohl Susie Wolff Benzin im Blut hat, geht die Rennfahrerin im Straßenverkehr nie mit ihr durch. „Ich lebe in der Schweiz, da muss man stets besonnen fahren, sonst wird’s ziemlich teuer“, sagt sie lachend. Und wenn sie mit ihrem Mann unterwegs ist, gibt sie meist freiwillig das Steuer aus der Hand. „Das ist entspannter für uns beide, weil Toto ein absolut schlechter Beifahrer ist“, verrät sie. Die beiden haben im Oktober 2011 kurz vor dem Saisonfinale in Hockenheim geheiratet. Es war eine kleine kirchliche Trauung und Susie war eine Braut ganz in Weiß.
Die Grandes Dames des Mercedes-Motorsports
Schon früh hat Mercedes-Benz im Motorsport auf Frauen gesetzt – als Werks- und Rennfahrerinnen. Vor allem drei Frauen haben für Mercedes-Benz Rennsportgeschichte geschrieben.
Ernes Merck
Sie verkörperte die moderne, reiche Frau der zwanziger Jahre – abenteuerlustig und automobilbegeistert. Ernes Merck stammte aus einer Darmstädter Industriellenfamilie und war mit dem ebenfalls rennsportbegeisterten Fabrikanten Wilhelm Merck verheiratet. Die Werksfahrerin von Mercedes brachte bei vielen Wettbewerben so manchem stolzen Rennfahrer eine Niederlage bei. 1927 startete die damals 29-Jährige zum Beispiel zweimal beim Klausenrennen. Im nationalen Wettbewerb fuhr sie mit ihrem 180 PS starken Mercedes auf den zweiten Rang und im internationalen Rennen auf den dritten Platz.
Ewy Rosqvist
Die gebürtige Schwedin aus Ystad war von 1959 bis 1961 dreimal in Folge Europameisterin im Damen-Rallyesport. 1962 nahm sie mit ihrer Beifahrerin Ursula Wirth als einziges Damenteam beim Großen Straßenpreis von Argentinien teil, der damals als härtestes Straßenrennen der Welt galt. Vor dem Start, so schrieb Ewy Rosqvist später in ihrem Buch „Fahrt durch die Hölle“, wollten ihre männlichen Mitstreiter sie überreden, nicht teilzunehmen: „Das hier ist ein Rennen, bei dem selbst harte Männer weich werden können. Habt ihr euch nicht etwas zu viel zugemutet?“ Doch die Damen zeigten den Herren auf allen sechs Etappen die Bremslichter ihres Mercedes 220 SE und fuhren einen grandiosen Gesamtsieg ein.
Ellen Lohr
Die gebürtige Mönchengladbacherin kam über Kartsport und Formel 3 zur DTM. Von 1990 bis 1995 fuhr sie erfolgreich für das AMG-Mercedes-Team in der DTM. So gewann sie 1992 auf dem Hockenheimring als erste Frau in der DTM-Geschichte ein Rennen. Nach ihrer Tourenwagenkarriere nahm die heute 46-Jährige auf Mercedes-Benz Fahrzeugen bei verschiedenen Truck-Rennserien und Rallyes teil.
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