Pressemappe: Die Mercedes-Benz Heckmotor-Fahrzeuge der 1930er Jahre
Stuttgart
12.02.2010
Mercedes-Benz 150 Sport-Limousine (Baureihe W 30, 1934)
  • Ein Zweisitziges Coupé mit Mittelmotor
  • Konstruiert für den Einsatz bei Sportveranstaltungen
  • Die Stromlinienkarosserie reflektiert Zeitströmungen mit Geschwindigkeit als Prinzip
Max Wagner legt im November 1933 in einer technischen Sitzung der Daimler-Benz AG den Vorständen Hans Nibel und Otto Hoppe sowie einigen Direktoren den Vorschlag eines Mittelmotorsportwagens vor. Das Fahrzeug ist speziell für Sportveranstaltungen konzipiert und soll als erstes 1934 bei der Fahrt „2000 Km durch Deutschland“ eingesetzt werden. Das Protokoll vermerkt: „Bei der Besprechung des Heckantriebswagens selbst legte Herr Wagner einen gesamten Entwurf eines Heckantriebs-Sportwagens vor, der, wie allgemein anerkannt, das zukünftige deutsche Sportfahrzeug für die breiten Schichten werden könnte. Es ist ein 2-sitziges Stromlinienfahrzeug, bei dem jedoch der Motor nicht hinter, sondern vor der Hinterachskonstruktion liegt.“
Der vorgelegte Entwurf sieht eine zweisitzige so genannte Sport-Limousine – heute würde man sie als Coupé oder Sport-Coupé bezeichnen – mit einer für die damalige Zeit strömungsgünstigen Form vor. Das fertige Fahrzeug erinnert an die späteren
VW Käfer der Nachkriegszeit. Markant im Heckbereich sind die Hutzen in der Dachpartie sowie die zahlreichen Lufteinlässe für die Frischluftversorgung des Motors. Der Mercedes-Stern steht frei auf der vorderen Haube.
Der Clou an dieser Konstruktion gegenüber dem Mercedes-Benz 130 ist die Anwendung des Mittelmotorkonzepts, das bis heute bei Sportwagen und auch in der Formel 1 Anwendung findet. Zur besseren Achslastverteilung ist das Antriebspaket von Motor und Getriebe um 180 Grad gedreht. Der Motor befindet sich vor der Hinterachse, das Getriebe dahinter.
Hier sieht Wagner eine Chance, das von ihm wegweisend schon ein Jahrzehnt zuvor am Benz-Tropfenrennwagen umgesetzte Konzept des Mittelmotorwagens auch bei Daimler-Benz einzuführen. Ferdinand Porsche, der diese Pläne ja aus seiner Zeit als Chefingenieur bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft und der Daimler-Benz AG kennt, ist ungefähr zur gleichen Zeit dabei, eben dieses Konzept in die Tat umzusetzen, unter anderem an seiner Konstruktion des Auto Union
P-Rennwagens.
Eine weitgehende Neukonstruktion ist der Vierzylinder-Reihenmotor. Er hat einen Hubraum von 1,5 Litern, entsprechend dem Sportgesetz für die avisierte Teilnahmeklasse, einen Doppelvergaser und eine oben liegenden Nockenwelle, die durch Stirnräder angetrieben wird. Diese Bauform ist im Rennmotorenbau bei Daimler-Benz damals durchaus Stand der Dinge. Im Gebrauchsfahrzeug dominieren hingegen Motoren mit unten liegenden Nockenwellen und Steigstromvergasern, eine nicht gerade leistungs- und verbrauchsfördernde Konstruktion, die sich allerdings durch Laufruhe und Zuverlässigkeit auszeichnet.
Sportfahrzeug mit Hochleistungsmotor
Die Summe der Maßnahmen holt aus dem Vierzylinderaggregat eine Leistung von
40 kW – für einen 1,5-Liter-Motor ein beachtlicher Wert, der Zugleich den Fortschritt im Motorenbau markiert. Zum Vergleich: Der Vierzylindermotor des Typ 130 bietet 19 kW, die Sechszylindertypen 170 und 200 liegen bei 24 kW und 29 kW. Auf der Antriebsseite sind für den Typ 150 zwei Antriebsachsübersetzungen und unterschiedliche Getriebeübersetzungen der Gänge 3 und 4 vorgesehen. Mit der längsten Übersetzung wird eine Höchstgeschwindigkeit von 131 km/h errechnet. Gegenüber dem Typ 130 ist der Radstand um 100 Millimeter verlängert und die vordere Spurweite um 30 Millimeter verbreitert. Dieser Sportmotor kommt im Übrigen auch in einigen Geländesportwagen der 1930er Jahre vom Typ 150 zum Einsatz, dort allerdings in Frontposition.
Die Bedenken, dass die zur Homologation für die Teilnahme erforderlichen 50 Fahrzeuge innerhalb von sechs Monaten nicht gebaut werden können, zerstreut Fritz Nallinger mit Hinweis auf die weitgehende Verwendung von Serienteilen aus dem Typ 130 – das Unternehmen darf mit dem neuen Fahrzeug an der Zuverlässigkeitsfahrt teilnehmen.
Vom Typ 150 als Sport-Limousine werden für den Einsatz bei der 2000-Kilometer-Fahrt, die vom 21. bis 27. Juni 1934 stattfindet, sechs Stück gebaut und eingesetzt. Bei ihrem Debüt sind sie eine Sensation. So schreibt ein ungenannter Kommentator in der Fachzeitschrift „Motor und Sport“: „Man erlebte höchst interessante Überraschungen technischer Art in Baden-Baden[, dem Start-Ort der Fernfahrt], denn es erschienen erstmalig viele neue im geheimen entwickelte Wagenmodelle. Daimler-Benz kam mit einer Sensation in Gestalt eines neuen Heckmotorwagens mit kopfgesteuertem
1 1/2-Liter Motor heraus. Dadurch, dass der Motor vor der Achse liegt geht zwar nutzbarer Innenraum verloren, aber die Fahreigenschaften dürften in hohem Maße gewonnen haben. Interessant ist an diesem Sportwagen die völlig geschlossene Form, die stromlinienförmig verläuft. Die neue Anordnung des Heckmotors ermöglicht eine besonders zweckmäßige Formgebung des Hinterteils des Wagens.“
Daimler-Benz schickt neben den Fahrzeugen vom Typ 150 unter anderem auch noch ein Mercedes-Benz 500 K Stromliniencoupé, ein Vorläufer des späteren „Autobahnkurier“, auf die „2000 Km durch Deutschland“. Die Stromlinien-Karosserieform reflektiert die Zeitumstände: Die Massenmotorisierung schreitet in den 1920er und vor allem in den 1930er Jahren voran. Autobahnen werden gebaut, das Auto gewinnt somit in seiner Rolle als Fernreisemittel an Bedeutung. Dass Geschwindigkeit hier begleitend zum Prinzip erhoben wird, ist verständlich – die Stromlinienkarosserien sorgen nicht nur aufgrund der besseren Aerodynamik für ein höheres Tempo, sie spiegeln es auch wider und verkörpern zugleich Modernität.
Zwei der sechs eingesetzten Teams auf Mercedes-Benz 150 scheiden aus. Die anderen vier erhalten Goldmedaillen, eins davon mit dem späteren Rennfahrer Hermann Lang am Volant. Eine Goldmedaille erhält, wer die Strecke in der vorgegebenen Sollzeit absolviert, denn die 2000-Kilometer-Fahrt ist kein Straßenrennen, bei dem es um die Bestzeit geht. Zugleich ist sie der größte Einsatz des Mercedes-Benz 150.
Sein bedeutendster Erfolg aber kommt kurze Zeit später und ist aber relativ unbekannt: Bei der Fernfahrt Lüttich – Rom – Lüttich Ende August 1934 erringt Hans-Joachim Bernet den Sonderpreis für den bestplatzierten geschlossenen Wagen, nachdem er das Gesamtfeld zwischen Rom und Pisa angeführt und das Ziel ohne Strafpunkte erreicht hatte.
Der Verbleib der sechs Sport-Limousinen ist unbekannt.
Mercedes-Benz 150 Sport-Limousine (Baureihe W 30)
Zylinder: 4 (Reihe)
Hubraum: 1498 cm³
Leistung: 40 kW bei 4600/min
Höchstgeschwindigkeit: 131 km/h
Produktionszeitraum: 1934
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René
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