Traktionsreiche Geschichte: Die Mercedes-Benz Allradfahrzeuge
Stuttgart
02.08.2011
Allradwagen der Daimler-Motoren-Gesellschaft
  • 1903 beginnt die Allrad-Geschichte der Daimler AG
  • Vor allem Nutzfahrzeuge erhalten den Allradantrieb
  • Die Erfahrung mit den ersten vierradgetriebenen Nutzfahrzeugen führt zum Dernburg-Wagen von 1907
Die Allrad-Geschichte der Daimler AG beginnt um die Wende zum 20. Jahrhundert. Bereits während seiner Zeit als Technischer Leiter der Österreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft in Wiener Neustadt legt Paul Daimler „im Jahre 1903 […] die Grundlagen für die Konstruktion mit Vierräderantrieb“, wie die „Illustrirte Zeitung“ in ihrer Ausgabe 3846 aus dem Jahr 1917 berichtet. Wie häufig bei technischen Entwicklungen gibt das Militär die Anstöße. Konstruiert wird zunächst ein Panzerspähwagen mit Allradantrieb, der 1905 erfolgreich erprobt wird und dann an die österreichische Armee geht. Im gleichen Jahr folgt ein Militärzugwagen mit Vierradantrieb. Er hat eine Bodenfreiheit von 335 Millimetern, die Steigfähigkeit wird mit 18 Prozent angegeben. Für den Antrieb sorgt ein 8,5-Liter-Vierzylindermotor, der 50 PS (37 kW) bei 1000/min entwickelt.
1905/06 entstehen Panzerautomobile mit Allradantrieb. „Diese Fahrzeuge erhielten einen 30pferdigen Motor und haben bei voller Ausrüstung, wie die Versuche ergeben haben, bedeutende Steigungen, auch in weglosem Gelände überwunden“, schreibt die „Illustrirte Zeitung“. „Sie sind befähigt, sich auch unter stark wechselnden Bodenverhältnissen mit beträchtlicher Schnelligkeit zu bewegen.“ Zusätzlich zum Allradantrieb haben die Fahrzeuge eine Winde, um sich über Weghindernisse zu ziehen.
Nach diesen ersten Fahrzeugen erwirbt die Preußische Heeresverwaltung 1907 bei der DMG zwei Lastwagen mit Vierradantrieb für einen Eignungstest. Sie haben einen Sechszylindermotor vom Typ F 6, der aus 12,7 Liter Hubraum bei 820/min 70 PS (51 kW) entwickelt. Gerade diese Fahrzeuge bewähren sich während einer Prüfungsfahrt auf der Strecke Berlin–Glatz–Berlin im Vergleich zu Pendants mit Hinterradantrieb. Steigungen und auch ungünstige Wegverhältnisse seien kein Problem gewesen, heißt es in Berichten. Die Steigfähigkeit wird ohne Last mit 25 Prozent und mit zwei Anhängern mit 12 Prozent angegeben. Die eisernen Reifen (auf Holzspeichenfelgen) haben allerdings den Nachteil, dass sie sich bei längerem Gebrauch aufwalzen. Trotz der überwiegend guten Ergebnisse verbleiben diese frühen Allradmobile nicht beim Militär, wohl vor allem deshalb, weil die Heeresleitung immer noch stark auf Pferdekutschen setzt; die beiden Lastwagen werden an die Krupp AG verkauft. Doch in den Folgejahren setzen sich beim Militär langsam, aber sicher für besondere Verwendungen allradgetriebene Fahrzeuge durch. Es entstehen Zugwagen, Plattformwagen oder auch Ambulanzfahrzeuge.
Mit dieser Erfahrung baut die DMG 1907 den „Dernburg-Wagen“, einen Personen-Allradwagen mit Allradlenkung. Auch Nutzfahrzeuge mit vier angetriebenen Rädern entstehen für die Verwendung in den Kolonien, beispielsweise im Jahr 1908 ein Zugwagen für den Einsatz in Portugiesisch-Südafrika, der unbelastet eine äußerst gute Steigfähigkeit von 45 Prozent hat, belastet sind es immer noch 20 Prozent.
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