Pressemappe: 100 Jahre an einem Standort: Mercedes-Benz Mannheim – Ein Werk der Daimler AG
Stuttgart
13.05.2008
Von der Fusion bis zum Zweiten Weltkrieg
  • Die Marke Mercedes-Benz vereint das Beste aus zwei Unternehmen
  • Einschnitt durch den Weltkrieg
  • Das Werk Mannheim behält seine feste Bedeutung
Am 28./29. Juni 1926 wird die Fusion zwischen der DMG und Benz & Cie. vollzogen. Eine Anzeige wirbt zu diesem Anlass für die gemeinsame Kraft der neuen Marke, die aus den beiden traditionsreichen Firmen geschmiedet wird: „Die beiden ältesten und größten Automobilwerke Deutschlands haben sich zusammengeschlossen, damit sie, gestützt auf ihre mehr als 40jährigen Erfahrungen im Automobilbau, ihren gemeinsamen Einkauf der Rohstoffe und des Fabrikationsmaterials und eine großzügige Außenorganisation ihren über die ganze Welt verbreiteten Abnehmern Personen- und Nutzfahrzeuge in unübertrefflicher Güte darbieten können.“
Benz & Cie. bringt in die Hochzeit zwei Standorte ein: Die Aktiengesellschaft Benz & Cie., Rheinische Automobil- und Motorenfabrik, Mannheim, sowie die Benzwerke Gaggenau. Die DMG führt die Werke Untertürkheim, Marienfelde und Sindelfingen in das neue Unternehmen über.
Die Typbereinigung der beiden Modellprogramme gehört zu den ersten Maßnahmen nach dem Zusammenschluss. Das wirkt sich auch auf die Produktion im Werk Mannheim aus. Hier werden unter dem Markennamen Mercedes-Benz weiterhin die Personenwagen 10/30 PS und 16/50 PS aus dem alten Programm gebaut, später lösen die neuen Typen Mercedes-Benz Mannheim und Mercedes-Benz Nürburg die aus der Benz-Epoche stammenden Wagen ab. Das Konstruktionsbüro für Personenwagen und die entsprechende Versuchsstation werden aus Mannheim in die neue Unternehmenszentrale nach Untertürkheim verlagert.
Auch die in Mannheim gebauten Traktoren tragen den neuen Namen: Im Mai 1928 rollen die ersten Exemplare des neuen Mercedes-Benz Dieselschleppers Typ OE aus dem Werk Mannheim. Das als Straßen- und Ackerschlepper angebotene Fahrzeug hat einen wassergekühlten, liegend eingebauten Einzylinder-Dieselmotor, der nach dem Vorkammerverfahren arbeitet. Die Leistung des großvolumigen Einzylinders mit dem beachtlichen Hubraum von 4,2 Litern beträgt 26 PS (19 kW), die bereits bei 800/min erreicht werden.
Zu den Kunden des Mannheimer Werks gehört in dieser Zeit auch McLaren aus Leeds. Der Traktorbauer (nicht zu verwechseln mit dem renommierten Rennstall, dessen Wurzeln in Neuseeland liegen) geht bereits 1926 eine Kooperation mit Benz ein und bewirbt seine Traktormotoren als „McLaren-Benz lightweight, high-speed diesel oil engines“ („McLaren-Benz leichte Hochgeschwindigkeits-Dieselmotoren“).
Ist das Werk von der Schließung bedroht?
Trotz der Aufnahme neuer Modelle in die Produktion gerät das Werk Mannheim in Zeiten der Weltwirtschaftskrise um 1930 in eine schwierige Phase. Erste Gerüchte um eine mögliche Schließung gibt es bereits 1929. Dazu schreibt die „Frankfurter Zeitung“: „Zu der von anderer Seite gebrachten Meldung über eine geplante Stilllegung des Mannheimer Betriebes hört unser dortiger Berichterstatter, dass nach Besprechungen zwischen der Gesellschaft und der Stadt Mannheim eine solche nicht in Frage kommt. Mit der Beschäftigung sei man zufrieden. Ob eine Stilllegung in Mannheim oder Zusammenziehung des Betriebes in Stuttgart im Laufe späterer Jahre einmal akut wird, hänge von der Entwicklung der Verhältnisse in der Autoindustrie und von der Entwicklung der Löhne an beiden Produktionsstätten ab.“
An der Berliner Börse sorgt das Gerücht zwar dafür, dass die Aktien von Daimler-Benz zeitweilig steigen, weil die Investoren sich eine Verbilligung der Produktion erhoffen. In Mannheim dagegen geht die Angst um: Wird das Werk geschlossen? Die „Motor-Post“ berichtet im Februar 1930 noch, dass die Zahl der Arbeiter im Werk Mannheim von 2800 (1928) auf 2900 (1929) gestiegen sei. Aber die „Neue Badische Landeszeitung“ verkündet bereits im Mai 1930, dass es 250 Entlassungen geben wird. Tatsächlich sinkt die Zahl der Mitarbeiter vom Höchststand des Jahres 1929 (3009) bis 1930 um mehr als ein Drittel auf 1786. Im Wirtschaftskrisen-Jahr 1931 arbeiten gar nur noch 603 Menschen im Mannheimer Werk, der Tiefststand ist 1932 mit 374 Mitarbeitern erreicht. Das ist nur wenig mehr als ein Zehntel der Belegschaft von 1929.
Ebenso stark sinkt in dieser Zeit der Weltwirtschaftskrise die Zahl der in Mannheim gebauten Personenwagen: Von 1955 Wagen im Jahr 1929 geht die Produktion auf 1221 (1930), 515 (1931) und 315 (1932) zurück. Der völligen Schließung entgeht das Werk immerhin. Die „Berliner Börsenzeitung“ meldet am 1. Oktober 1932: „Vorläufig keine Stillegung der Daimler-Benz-Betriebe in Mannheim.“ Eine Verlegung der Produktion nach Untertürkheim ist wohl angedacht, aber das Badische Innenministerium interveniert erfolgreich. Die Gießerei wird allerdings in der Krise geschlossen und erst 1933 wieder eröffnet.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 wird die Automobilindustrie von der Politik massiv unterstützt. Das führt innerhalb kurzer Zeit auch zur Erholung der Beschäftigungssituation im Werk Mannheim: Noch 1933 erreicht der Standort wieder Vollbeschäftigung beim Bau der beiden
Mercedes-Benz Typen Mannheim und Nürburg. Außerdem kommt ein 1,5-Tonnen-Lieferwagen neu ins Programm. Dazu spielen Motoren für Nutzfahrzeuge, Boote, Lokomotiven und Traktoren weiterhin eine Rolle in der Produktion des Werks. 1937 nimmt das Werk Mannheim schließlich auch noch die Lkw-Produktion auf.
Zweiter Weltkrieg
Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1939 streicht die wichtige Rolle des Werks im Verbund der Mercedes-Benz Produktion heraus: „Im Hinblick auf seine hervorragenden technischen Einrichtungen hat das Mannheimer Werk im Produktionsprozess der Daimler-Benz AG eine besondere bedeutsame Aufgabe zugewiesen erhalten. Unter Fortsetzung der alten Benz-Tradition werden in Mannheim die Dieselmotoren für gewerbliche Zwecke, und ferner mittelgroße Personenwagen und Lastkraftwagen hergestellt. Eines der wichtigsten Arbeitsgebiete des Mannheimer Werkes ist jedoch die Versorgung aller Werke der Daimler-Benz AG mit Grau-Guss durch die vorbildliche, mit den modernsten Einrichtungen arbeitende leistungsfähige Grau-Guss-Gießerei.“
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verändert die Lage im Mannheimer Werk vollkommen. Die Wehrmacht setzt durch, dass der Betrieb auf den Nachbau des Dreitonner-Lkw von Opel umgestellt wird. Die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen in den Kriegsjahren ist extrem hoch. So wächst die Belegschaft von 3231 (1939) auf 4601 (1944). Unter den Arbeitern sind auch 448 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern sowie 1249 zivile Fremdarbeiter. 1944 erreicht die Zahl der Zwangs- und Fremdarbeiter ihren Höchststand. Diese Menschen kommen aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Italien, Polen, Russland, Tschechoslowakei, Dänemark, Kroatien, Griechenland, Litauen, Luxemburg, Serbien, Spanien und Ungarn.
Der Zweite Weltkrieg endet für das Werk Mannheim am 23. März 1945, als es amerikanische Truppen besetzen. Durch Fliegerangriffe sind bis zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Prozent aller Einrichtungen zerstört, knapp 25 Prozent der Fläche ist von Bomben getroffen. Nach der Einnahme des Werks wird ein großes Areal des Südteils für die Bedürfnisse des amerikanischen Besatzungsheeres beschlagnahmt.
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