Pressemappe: 100 Jahre an einem Standort: Mercedes-Benz Mannheim – Ein Werk der Daimler AG
Stuttgart
13.05.2008
Wiederaufbau und neue Schwerpunkte
  • Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
  • Innovative Methoden im Omnibusbau
  • Bereits 1960: Größtes Nutzfahrzeugwerk Europas
Mannheim ist das erste Werk der Daimler-Benz AG, das am Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten besetzt wird. Am 23. März 1945 rückt die amerikanische Armee im Werk ein, das zu fast 25 Prozent zerstört ist. Einen Teil des Südwerks besetzt die US Army für eigene Zwecke, das Areal wird 1955 wieder freigegeben.
Bereits im Juni 1945 läuft die Produktion des Dreitonner-Lastwagens Typ L 701 im Werk Mannheim wieder an. Damit ist Mannheim der erste Standort der Daimler-Benz AG, an dem die Nachkriegsproduktion aufgenommen wird. Parallel zur Herstellung dieser Lizenzversion des Opel Blitz läuft der Wiederaufbau des Werks. Zu den Hilfen für die Mitarbeiter während dieser Zeit gehört unter anderem der Anbau von Gemüse auf dem Werksgelände, um die Belegschaft zu versorgen. Immerhin: „Das Herz des Betriebs ist noch arbeitsfähig, es ist zwar schwer beschädigt, aber die mechanische Abteilung und die Montagehallen stehen“, berichtet die „Rhein-Neckar-Zeitung“ 1946.
Rückkehr zum eigenen Programm
Die Nachfrage für die zunächst 20 Lastwagen am Tag ist groß: Weil Eisenbahn und Schifffahrt die Versorgung der Städte mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Verbrauchsgütern nicht leisten können, werden Nutzfahrzeuge dringend benötigt.
Mercedes-Benz will wieder selbst entwickelte Typen in Mannheim bauen. Doch die Mangeljahre nach dem Zweiten Weltkrieg machen Produktion und Neuentwicklung schwer. Besonders die Zeit von Ende November 1946 bis Ende Februar 1947 ist von Kohle- und Strommangel geprägt. Daher läuft zunächst der Bau des Opel-Lizenzmodells weiter.
Im Sommer 1949 hat dann aber der neue Mercedes-Benz Lastwagen L 3250 sein Debüt. Das ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Entwicklung des modernen Nutzfahrzeugprogramms von Mercedes-Benz: Der L 3250 gilt als Wegbereiter für den Aufstieg von Mercedes-Benz zum europäischen Marktführer bei Lastwagen der mittleren Gewichtsklasse.
Weil in Mannheim besonders früh wieder produziert wird, erholt sich der Umsatz des Werks schneller als jener der gesamten Daimler-Benz AG. Das spiegelt sich besonders in den relativen Zahlen: Von Mai 1945 bis ins Jahr 1948 hinein sorgt Mannheim für rund ein Viertel des Gesamtumsatzes der Daimler-Benz AG. Auch die absoluten Zahlen sprechen für die schneller Erholung: 1949 liegt das Werk Mannheim (48 Millionen Mark) bereits über dem Stand von 1936 (27 Millionen Reichsmark), während der Gesamtumsatz der Daimler-Benz AG noch 199 Millionen Mark gegenüber 295 Millionen Reichsmark beträgt.
Der erste Omnibus der Nachkriegszeit
Es ist ein Weihnachtsgeschenkt der besonderen Art: Am 24. Dezember 1949 entsteht der erste Omnibus der Mannheimer Nachkriegsproduktion, ein Fahrzeug vom Typ O 3500. Damit übernimmt Mannheim einen Teil der Busfertigung aus Sindelfingen. Der Motor des Busses, ein OM 312, gehört zu der im selben Jahr in Mannheim angelaufenen neuen Motorenbaureihe 300.
Im Mai 1949 ist der neue Omnibus noch als Typ O 3250 präsentiert worden, weil er auf dem entsprechenden Lkw-Modell basiert: Im klassischen Verfahren wird dabei auf das Lkw-Fahrgestell ein Omnibus-Aufbau montiert. 1950 kommt der Bus dann unter der Bezeichnung O 3500 auf den Markt.
Im März 1951 konzentriert Mercedes-Benz schließlich die Omnibusproduktion ganz in Mannheim: Der Bau des O 5000 in Sindelfingen läuft aus, und die Fertigung des O 6600 wird nach Mannheim verlegt. Hier entstehen aber auch weiterhin mittelschwere Lastwagen, so zum Beispiel der Typ L 4500, der im März 1953 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt sein Debüt hat. Dieser 4,5-Tonner ergänzt den bewährten 3,5-Tonner L 3500 im Mannheimer Programm.
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ beschreibt 1953 in einer Reportage eindrücklich, wie die Nutzfahrzeuge in Mannheim gebaut werden: Die Arbeit mit Ölsand in der Kernmacherei, die Putzerei mit ihrem Ruß und Metallstaub, aber auch die blitzblanke, große Montagehalle: „Wie klein wirkt der Mensch in dieser Riesenhalle, in der es schabt und kratzt und quietscht und surrt.“
Neue Methode im Omnibusbau
In Mannheim entsteht 1954 der erste Omnibus nach völlig neuer Konzeption, der O 321 H. Bei diesem Fahrzeug wird die Rahmenbodenanlage mit der Karosserie zu einer selbsttragenden Einheit verschweißt – analog zum Pkw-Bau. Als „Emanzipation vom Lkw“ würdigt Hans Pohl in seiner Biografie der Mercedes-Benz Omnibusse diesen Schritt der Konstrukteure. Im Gegensatz zur alten Methode der Verbindung von Fahrgestell und Bus-Aufbau bietet die sogenannte Semi-Integral-Bauweise aus hochfester Bodenrahmengruppe und damit verschweißtem Aufbau mehr Stabilität und Raum.
Im gleichen Jahr führt das Werk Mannheim das betriebliche Vorschlagswesen ein. Der Standort am Neckar ist nach Sindelfingen das zweite Werk von Mercedes-Benz in Deutschland, das den Mitarbeitern auf diese Weise eine Möglichkeit bietet, ihre Innovationskraft einzubringen.
Mannheim gilt bereits 1955 als größtes Omnibuswerk Europas. Zu dieser Zeit bauen hier rund 8500 Mitarbeiter Busse, Lastwagen und Motoren. Der Fokus im Fahrzeugbau verschiebt sich dabei immer stärker hin zum Omnibus. 1965 schließlich entscheidet
Mercedes-Benz, die Lkw-Produktion ganz aus Mannheim nach Wörth zu verlegen. Bereits 1960 kauft die Daimler-Benz AG in Wörth bei Karlsruhe ein 1,5 Millionen Quadratmeter großes Industriegelände, um das neue Lkw-Montagewerk zu errichten. 1962 folgt der erste Spatenstich, der erste Lkw – ein LP 608 – läuft hier im Juli 1965 vom Band.
Zur Erfolgsgeschichte der Mannheimer Omnibusse trägt die Vorstellung des ersten modernen Großraumbusses von Mercedes-Benz bei: Der O 317 hat auf der IAA 1957 Premiere, im Mai 1958 läuft die Produktion des zwölf Meter langen Fahrzeugs an. Der O 317 bietet 120 Passagieren Platz und ist besonders für den Linienverkehr konzipiert. Von 1958 an ist der O 317 auch Basis des ersten Gelenkomnibusses von Mercedes-Benz. Diese Konstruktion ist die Antwort auf die Verbote für den Einsatz von Sattelschleppern und Anhängern im Omnibusbetrieb.
Das größte Nutzfahrzeugwerk des Kontinents
50 Jahre nach der Eröffnung des Werks in Mannheim-Waldhof ist aus der Benz-Fabrik ein internationales Kompetenzzentrum für Nutzfahrzeuge geworden. Das streicht die Daimler-Benz AG 1960 in einer Pressemitteilung anlässlich der Auslieferung des 200 000. Lastkraftwagens, der seit 1949 gebaut worden ist, hervor: Mannheim gilt zu diesem Zeitpunkt als „größtes Nutzfahrzeugwerk des Kontinents“. In Hallen von rund 200 000 Quadratmeter Grundfläche entstehen hier Anfang der 1960er Jahre Lastwagen und Omnibusse, die in aller Welt als hochwertige, leistungsfähige und zuverlässige Helfer in Wirtschaft und Verkehr geschätzt werden.
Ein neuer Baustein in diesem Vorzeigewerk ist die Gießerei, die Mercedes-Benz 1965 in Mannheim eröffnet. Baubeginn ist 1962, bei ihrer Eröffnung gilt die Gießerei als modernste Anlage ihrer Art in ganz Europa. Die Tageskapazität von 300 Tonnen Guss macht es möglich, in Mannheim Kurbelgehäuse und Zylinderköpfe der Nutzfahrzeugmotoren zu produzieren und auch einen Teil des Motorenbedarfs für Untertürkheim zu decken.
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