Unternehmensgeschichte der Daimler AG
Stuttgart
29.08.2011
Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft
  • Aus Erfindern werden Unternehmensgründer
  • Starker Einfluss der Kapitalgeber

Gottlieb Daimler und Carl Benz erfinden im Jahr 1886 unabhängig voneinander das Automobil. Aber auch in ihrer Rolle als Unternehmer gibt es Parallelen. So hatten beide Erfinder beispielsweise Probleme mit ihren Geldgebern: Die Gründer verlassen die Unternehmen, die ihren Namen tragen, weil sich ihre Geschäftspartner zu sehr einmischen oder gar intrigieren.
Der 1844 geborene Carl Benz ist nicht gerade auf Rosen gebettet. Er ist zwei Jahre alt, als sein Vater stirbt. Trotz der knappen Finanzmittel legt seine Mutter jedoch Wert auf eine gute Ausbildung des Sohnes. Nach verschiedenen Anstellungen wagt der Ingenieur 1871 mit dem „Mechanikus“ August Ritter den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnet eine Werkstatt in Mannheim. Allerdings ist Ritter nicht gerade das, was man einen zuverlässigen Partner nennt: Nur mithilfe der Mitgift seiner Braut Bertha Ringer, die Carl Benz 1872 heiratet, kann das junge Unternehmen überleben. Die Geschäfte laufen weiterhin schlecht, sodass sich der Autopionier neue Geldgeber sucht und sie in den Brüdern Bühler sowie den Banken findet. Doch wer Geld investiert, will auch am Geschäftserfolg teilhaben: So wird die Gasmotoren-Fabrik Mannheim 1882 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Carl Benz hält nur 5 Prozent der Aktien, und weil seine Teilhaber versuchen auf seine Konstruktionen Einfluss auszuüben, verlässt der Tüftler das Unternehmen bereits wieder ein Jahr später.
Noch im gleichen Jahr findet Benz neue Teilhaber und gründet am 1. Oktober 1883 mit dem Kaufmann Max Kaspar Rose und dem Handelsvertreter Friedrich Wilhelm Eßlinger die Benz & Co. Rheinische Gasmotoren-Fabrik, Mannheim, als offene Handelsgesellschaft. Die Gasmotoren verkaufen sich gut, und Benz kann nun endlich finanziell abgesichert weiter an den Wagenmotoren forschen: 1886 stellt er seinen ersten Patent-Motorwagen vor. 1890 treten die beiden neuen Gesellschafter Friedrich von Fischer und Julius Ganß in das Unternehmen ein und Benz & Co. wächst bis zur Jahrhundertwende zum weltweit führenden Autohersteller heran.
1899 wird die Gasmotoren-Fabrik in die Aktiengesellschaft namens Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik umgewandelt. Neben Carl Benz wird Julius Ganß Vorstandsmitglied. Während 1890 rund 50 Arbeiter für den Wagenbau ausgereicht haben, sind nun 430 Menschen bei Benz beschäftigt. Weil die Umsätze nach dem Erscheinen des Konkurrenzprodukts Mercedes im Jahr 1901 dramatisch einbrechen und Carl Benz sich weigert, neuen Modellen und Konstruktionsprinzipien zuzustimmen, kommt es zum Zerwürfnis: Carl Benz beendet seine aktive Tätigkeit in der Firma. Die Geschäftsleitung holt den französischen Konstrukteur Marius Barbarou ins Mannheimer Werk, um der Konkurrenz von Daimler etwas entgegenzusetzen.
Allerdings verbessert die vom Konstrukteur eingeführte neue Baureihe die Situation der Firma nicht wesentlich, und so scheiden Ganß und Barbarou 1904 aus dem Unternehmen aus. Benz kehrt daraufhin zurück in den Aufsichtsrat. Der neue Gesellschafter Georg Diehl sowie Fritz Erle in seiner Funktion als Betriebsleiter lassen vom jetzigen Konstrukteur Hans Nibel die Modellpalette gründlich überarbeiten und sorgen 1905 wieder für wirtschaftlichen Erfolg, vor allem mit Fahrzeugen der Ober- und Luxusklasse. Aber auch die Renn- und Rekordfahrzeuge werden weltberühmt, etwa der „Blitzen-Benz“ aus dem Jahr 1909. Benz selbst gründet 1906 in Ladenburg die Firma C. Benz Söhne. Das Unternehmen stellt bis 1923/24 ebenfalls Automobile her und ist danach als Automobilzulieferer tätig.
Bis 1927 gehört Benz dem Aufsichtsrat der Benz & Cie. und später der Daimler-Benz AG an. Als Dr. h.c. Carl Benz am 4. April 1929 im Alter von 84 Jahren stirbt, ist die Daimler-Benz AG längst zu einem international agierenden Topunternehmen der Automobilbranche geworden. Der Exportanteil beträgt 1929 bereits 15 Prozent am Gesamtabsatz, und die knapp 15.000 Beschäftigten fertigen jährlich weit mehr als 11.000 Automobile.
Der Erfinder wird ausgebootet: Gottlieb Daimler
Der 1834 geborene Ingenieur Gottlieb Daimler arbeitet 1862 zunächst als Konstrukteur für die Metallwarenfabrik Straub in Geislingen an der Steige. 1865 wird ihm die Leitung der Maschinenfabrik eines Bruderhaus-Waisenheims in Reutlingen übertragen, dort trifft er zum ersten Mal mit Wilhelm Maybach zusammen – ein kongeniales Team der Automobilgeschichte hat sich gefunden. 1869 übernimmt Daimler den Vorstand der Werkstätten der Karlsruher Maschinenbaugesellschaft und nimmt Maybach als Technischen Zeichner mit. Nach drei Jahren wechseln die beiden zur Gasmotorenfabrik Deutz, wo Daimler von Nikolaus Otto die Leitung der Fabrikation übertragen bekommt und neben Otto einer der beiden Direktoren ist. Das Unternehmen ist damals die größte Fabrik für Stationär-Gasmotoren.1872 bringen Daimler und Maybach den Ottomotor zur Serienreife.
Nach einem Streit mit Otto verlässt Daimler 1882 die Firma Deutz und nutzt seine Abfindung, um eine Villa mit großem Garten in Cannstatt zu kaufen und im Gewächshaus eine Versuchswerkstatt einzurichten. Er will kleine, schnell laufende Verbrennungsmotoren entwickeln, die Fahrzeuge aller Art zu Lande und zu Wasser antreiben können. 1883 meldet er zusammen mit dem bei ihm angestellten Maybach den gemeinsam entwickelten revolutionär verbesserten Einzylinder-Viertaktmotor zum Patent an.
Doch das Privatkapital ist bei mittlerweile rund 25 Angestellten schnell aufgezehrt, und so muss sich Daimler finanzkräftige Partner suchen: Im November 1890 gründet er mit Max von Duttenhofer und Wilhelm Lorenz die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG). Die Fäden im Hintergrund zieht dabei der Bankier Kilian Steiner von der Württembergischen Vereinsbank. Doch von Anfang an gibt es Ärger: Die Vertragsmodalitäten sind für den als technischen Direktor vorgesehenen Daimler-Vertrauten Maybach unannehmbar, sodass er bereits am 11. Februar 1891 aus dem Unternehmen ausscheidet. Und Daimler wird immer unglücklicher mit der Geschäftspolitik seiner Partner: Während Duttenhofer stationäre Motoren produzieren will, liegt Daimler die Fahrzeugproduktion am Herzen. Letztlich einigt man sich auf den Kompromiss, dass Daimler unabhängig von der DMG mit Maybach weiter forschen darf.
Allerdings wird das Verhältnis zwischen Daimler und seinen DMG-Geschäftspartnern immer angespannter, und schließlich werfen Duttenhofer und Lorenz den Erfinder ganz aus dem Geschäft. Nach einigem Machtgeplänkel veräußert er ihnen 1894 sein Aktienpaket und die Rechte an seinen Erfindungen für 66.666 Reichsmark. Ganz sicher nicht freiwillig: Seine Geschäftspartner drohen ihm mit Konkurs, denn die Württembergische Vereinsbank würde bei seinem Bleiben die Verbindlichkeiten einfordern. Gottlieb Daimler scheidet aus dem Unternehmen, das seinen Namen trägt, und widmet sich gemeinsam mit Wilhelm Maybach vorübergehend im Hotel Hermann in Cannstatt der Weiterentwicklung des Automobils.
Nicht betroffen von der Abtretung sind allerdings die Patente und deren Verwertung in Frankreich, das hat sich Daimler bereits 1890 bestätigen lassen. Daimlers gute Beziehungen zu europäischen Mitstreitern stellen letztlich seinen Ruf wieder her: Der Brite Frederick Richard Simms, der Daimler und seine Motoren 1890 kennenlernt und sich die Verwertungsrechte für das gesamte britische Empire reservieren lässt, findet ein finanzkräftiges Konsortium, das 1895 die Daimler-Patente kaufen würde. Allerdings ist ihm klar, dass sie ohne die Autopioniere Daimler und Maybach nicht viel Geld wert wären, und so setzt er die DMG unter Druck: Daimler erhält seine 178 Aktien zurück – das entspricht 19,8 Prozent des Grundkapitals – sowie 5 Prozent vom jährlichen Gewinn der DMG. Maybach wird technischer Vorstand und bekommt 30 Aktien. Duttenhofer und Lorenz finanzieren eine Kapitalerhöhung.
Allerdings gehen die Querelen weiter: Duttenhofer und Lorenz gründen 1898 an Daimler vorbei die Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin (MMB). Dort bauen sie ebenfalls nach Daimler-Lizenzen Automobile, vor allem Lastwagen, vielfach von Elektromotoren angetrieben. Als Gottlieb Daimler im März 1900 stirbt, werden seine Erben entmachtet: ihnen bleibt lediglich der Status einflussloser Kleinaktionäre. Zwei Jahre später verschmelzen das Cannstatter und das Berliner Unternehmen unter dem seit 1890 bestehenden Namen Daimler-Motoren-Gesellschaft zu einer Gesellschaft, und in Berlin entwickelt sich der Betrieb zum Nutzfahrzeugwerk der DMG.
Ihr Presse-Kontakt
Birgit
Pillkahn
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
Tel.: +49 711 17-49049
Fax: +49 711 1790-97310
Download gesamter Text
Aktionen
© 2014 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten. Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen