Unternehmensgeschichte der Daimler AG – Kurzfassung –
Stuttgart
31.08.2011
  • Zurückreichend bis zur Erfindung des Automobils im Jahr 1886
  • Äußerst vielfältig und spannend durch alle Jahrzehnte
Stuttgart – Die Geschichte der Daimler AG reicht zurück bis ins Jahr 1886: Damals erfinden Carl Benz und Gottlieb Daimler unabhängig voneinander das Automobil. Benz baut in Mannheim den Patent-Motorwagen, Daimler in Stuttgart die Daimler-Motorkutsche. Sie gründen ihre Unternehmen, Benz & Cie. sowie die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG), und werden in Konkurrenz zueinander zu international führenden Automobilherstellern. Gottlieb Daimler stirbt bereits 1900 kurz vor seinem 66. Geburtstag. Carl Benz ist mehr Zeit vergönnt, den Erfolgszug des Automobils zu verfolgen – er stirbt 1929 im Alter von 84 Jahren.
Die Daimler-Benz AG
Die Idee, das Know-how der beiden Automobilhersteller zu bündeln, taucht bereits während des Ersten Weltkriegs auf. Doch es kommt erst im Jahr 1924 zum Vertrag einer Interessengemeinschaft (IG), in dem sich die DMG und Benz & Cie. „unter Wahrung ihrer rechtlichen Selbständigkeit“ zusammenschließen. Zweck der IG ist vor allem ein gemeinsamer Vertrieb. Im Juni 1926 entsteht schließlich die Daimler-Benz AG (DBAG) durch Fusion der Unternehmen Benz & Cie. und Daimler-Motoren-Gesellschaft. Mit dieser Fusion entsteht gleichzeitig auch die Automobilmarke Mercedes-Benz.
Weltwirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre wird auch bei Daimler-Benz gespart. Die Modellpolitik ändert sich in dieser Zeit notgedrungen grundlegend: Mercedes-Benz bringt entsprechend einem allgemeinen Trend einen verhältnismäßig kleinen Pkw auf den Markt. Der Mercedes-Benz 170 mit 1,7-Liter-Motor wird im Herbst 1931 vorgestellt und ist mit 4.400 RM etwa ein Viertel billiger als das bis dahin preisgünstigste Modell der Marke. Mit insgesamt 90.000 Exemplaren wird der Vierzylindertyp Mercedes-Benz 170 V der erfolgreichste Mercedes-Benz vor dem Zweiten Weltkrieg.
Die deutsche Automobilindustrie spürt bereits Ende 1932 erste Belebungstendenzen und schaut wieder optimistischer in die Zukunft. Im Folgejahr kommen die Nationalsozialisten (NS) an die Macht. Reichskanzler Adolf Hitler sieht schon früh die „Volksmotorisierung“ als entscheidend für den „Technischen Krieg“ der Zukunft, und es folgen schnell nach der Machtübernahme Erleichterungen rund um das Auto. Von 1937 an produziert die Daimler-Benz AG verstärkt Fahrzeuge für militärische Zwecke sowie Flug- und Großmotoren, weil die NS-Machthaber danach verlangen. Bis Kriegsbeginn nimmt der Anteil der Rüstungsproduktion am Unternehmensumsatz stetig zu. Wichtigstes Geschäftsfeld ist die Produktion von Lastwagen, während die Pkw-Fertigung – seit Kriegsbeginn ohnehin auf den militärischen Bedarf beschränkt – zurückgeht und bis Ende 1942 praktisch ganz eingestellt wird. Das Unternehmen forciert nun die Herstellung und Montage von militärischen Komponenten für das Heer, die Luftwaffe und die Marine. Für die gesteigerte Rüstungsproduktion werden neue Arbeitskräfte benötigt, weil zahlreiche Arbeiter als Soldaten an der Front kämpfen. Zunächst stellt das Unternehmen Frauen ein, um die geforderten Stückzahlen herstellen zu können. Da diese Arbeitskräfte jedoch nicht ausreichen, kommen auch bei Daimler-Benz Zwangsarbeiter zum Einsatz. Diese Kriegsgefangenen, verschleppten Zivilisten oder Häftlinge aus Konzentrationslagern (KZ) werden in der Nähe der Werke untergebracht: Zwangsarbeiter aus Westeuropa wohnen in Gasthöfen, Privatquartieren oder Schulen. „Ostarbeiter“ und Kriegsgefangene sind unter schlechten Haftbedingungen in Barackenlagern interniert. KZ-Häftlinge bewacht die Schutzstaffel (SS) unter menschenverachtenden Bedingungen. Sie werden gegen Entgelt an Unternehmen „ausgeliehen“. 1944 ist fast jeder Zweite der 63.610 Daimler-Benz-Mitarbeiter ein ziviler Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener oder KZ-Häftling.
Nach dem Krieg bekennt sich Daimler-Benz zu seinen Verstrickungen in das NS-Regime und engagiert sich auch in der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die u. a. humanitäre Leistungen für ehemalige Zwangsarbeiter erbringt.
Neuer Glanz im „Wirtschaftswunder“
Die Ausgangssituation der Daimler-Benz AG nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Einführung der D-Mark bezeichnet der damalige Vorstand als „völligen Niederbruch und andererseits die Anfänge ihres Wiedererstehens“. Denn nach der Besetzung der Werke durch die Siegermächte hatte die Gesellschaft „praktisch aufgehört zu existieren“. Doch die Alliierten im Westen lassen die Produktionsbänder bald wieder laufen, damit Daimler-Benz beim wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes helfen kann: Am 20. Mai 1945 wird das Werk Untertürkheim provisorisch wiedereröffnet, 1947 nimmt auch das Werk Sindelfingen wieder eine Produktion auf. Vor allem der Bedarf an Nutzfahrzeugen, die für den Wiederaufbau Deutschlands benötigt werden, ist enorm – wenn auch für den Hersteller alles andere als rentabel: Die Fahrzeuge werden dem Abnehmer mit Bezugsschein zugeteilt, die Preise sind festgelegt.
Mit neuen Personen- und Lastwagenmodellen knüpft das Unternehmen ab 1949 mit seiner Marke Mercedes-Benz wieder an den Vorkriegserfolg an – es konsolidiert sich und bewältigt die Jahre des Wiederaufbaus. Während des sogenannten Wirtschaftswunders erstrahlt die Marke Mercedes-Benz erneut zu Glanz, das Unternehmen kommt wieder zur Blüte und damit auch zu Expansionsplänen. Und das nicht nur in Europa: Bereits 1949 knüpft Daimler-Benz zum Beispiel erste Kontakte nach Brasilien, wo bald darauf die lokale Fertigung erfolgt. Auch in Argentinien und Indien investiert Daimler in den frühen 1950er-Jahren in Produktionsstätten.
Wachstum und Expansion
Im Inland ist nach dem Zweiten Weltkrieg die erste bedeutende Akqui-sition 1958 die Mehrheitsbeteiligung von Daimler-Benz an der 1931 gegründeten Auto Union GmbH in Ingolstadt, wo von 1959 an der DKW Junior gebaut wird. 1964 verkauft Daimler-Benz die Auto Union an Volkswagen weiter und baut mit dem Erlös das Lkw-Werk in Wörth. Mit dem Erwerb der Unternehmen Hanomag-Henschel und Krupp Ende der 1960er-/Anfang der 1970er-Jahre wird Daimler-Benz zum größten Lkw-Hersteller der Welt. Das Jahr 1970 ist auch das Gründungsdatum der MTU Motoren- und Turbinen-Union, in der das MAN-Werk Allach und der Friedrichshafener Werkskomplex der Daimler-Benz AG vereinigt werden.
Mitte der 1980er-Jahre verfolgt die Unternehmensführung unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter die Strategie, aus dem reinen Automobilhersteller einen integrierten Technologiekonzern zu schaffen. Dazu soll Know-how aus der Elektronik- und der Luftfahrtindustrie gewonnen werden, um dadurch Synergieeffekte mit anderen Unternehmensbereichen zu erzielen. Im Jahr 1985 beteiligt sich Mercedes-Benz am Luft- und Raumfahrtunternehmen Dornier sowie an der AEG AG, deren Geschäftstätigkeit die Bereiche Energie-, Industrie- und Bahntechnik, Kommunikationssysteme sowie Hausgeräte umfasst. Das Fahrzeuggeschäft wird 1989 in die neu gegründete Mercedes-Benz AG eingebracht. Allein ihre Produkte, also die Fahrzeuge, tragen fortan den Stern auf alle Straßen der Welt. Die Aktivitäten in der Luft- und Raumfahrt von Dornier und MTU sowie der Telefunken Systemtechnik werden unter dem Dach der Deutschen Aerospace AG, kurz DASA, gebündelt, die 1995 in Daimler-Benz Aerospace umbenannt wird. Hinzu kommt die Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB). 1989 wird zudem der Aufbau der Daimler-Benz InterServices (debis) AG beschlossen, die Dienstleistungen rund um Softwareprodukte und Computer Communication Services über Finanzdienstleistungen und Versicherungen bis hin zu Mobilfunkdiensten und Marketing Services anbietet.
Doch die internationale Konjunktur bekommt Anfang 1990 einen Dämpfer. So werden von 1992 an umfangreiche Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen durchgeführt. Im Mai 1995 übergibt Reuter die Konzerngeschicke an seinen Nachfolger Jürgen E. Schrempp, der den Kurs des Konzerns ändert: Er stellt wieder das Fahrzeuggeschäft in den Mittelpunkt und richtet das Unternehmen internationaler aus. So setzt er beispielsweise Ende der 1990er-Jahre auf Beteiligungen des Konzerns an den asiatischen Autoherstellern Mitsubishi Motors mit 37 Prozent und Hyundai Motor Company mit 10 Prozent. 1998 gibt der Konzern den Zusammenschluss mit dem amerikanischen Automobilhersteller Chrysler Corp. bekannt. Die Finanzmärkte nehmen die Nachricht sehr positiv auf. Die wirtschaftliche Lage des amerikanischen Autoherstellers, der 1998 und 1999 sehr ertragsstark ist, verschlechtert sich jedoch. 2007 kommt es zum harten Schnitt: Dieter Zetsche, seit 1. Januar 2006 Chef von DaimlerChrysler, trennt sich von Chrysler. Von der Hauptversammlung am 4. Oktober 2007 an heißt das Unternehmen Daimler AG.
Traditionell erfolgreich
Heute ist die Daimler AG eines der erfolgreichsten Automobilunternehmen der Welt. Mit den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Mercedes-Benz Vans, Daimler Buses und Daimler Financial Services gehört der Fahrzeughersteller zu den größten Anbietern von Premium-Pkw und ist der größte weltweit aufgestellte Nutzfahrzeughersteller. Die Daimler Financial Services bieten darüber hinaus ein umfassendes Finanzdienstleistungsangebot mit Finanzierung, Leasing, Versicherungen und Flottenmanagement.
Unter Dieter Zetsche ist es unter anderem gelungen, im nicht immer einfachen Markt China Fuß zu fassen. Die Daimler AG vereinbart zudem im April 2010 eine weitreichende strategische Kooperation mit der Renault-Nissan Allianz, um beispielsweise gemeinsam an einer Kleinwagen-Architektur, der Erweiterung des Motoren-Portfolios sowie der Weiterentwicklung des Van-Segments zu arbeiten. Über die Daimler Financial Services AG ist der Konzern an der Toll Collect GmbH beteiligt, die die Lkw-Maut in Deutschland abrechnet. Daimler ist zudem an der European Aeronautic Defence and Space Company N.V., kurz EADS (European Aeronautic Defence and Space Company, Europäische Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtverteidigung) beteiligt, dem Mutterunternehmen unter anderem von Airbus und Eurocopter.
Innovationen für die Zukunft
Daimler investiert darüber hinaus in die Entwicklung alternativer Antriebe, um langfristig das emissionsfreie Fahren zu ermöglichen. Dabei setzt der Erfinder der modernen Mobilität als einziger Automobilhersteller der Welt sowohl in den Hybrid- als auch in den Elektromotor sowie in die Brennstoffzelle. Wie weitsichtig die Forscher der Daimler AG sind, sieht man unter anderem am kleinsten Personenwagen des Unternehmens, dem smart. Denn schon Anfang der 1970er-Jahre beginnt bei Mercedes-Benz die Arbeit an einer Studie zur automobilen Zukunft des Jahres 2000. Das Projekt eines Kompaktwagens der besonderen Art wird durch die Ölkrise forciert, die 1973 in Europa sogar zu Fahrverboten führt. Die Ingenieure und Designer des Mercedes-Benz Projektteams entwerfen ein besonders verbrauchsgünstiges, umweltfreundliches und kompaktes Fahrzeug für den städtischen Ballungsraum der Zukunft – ohne dass Fahrkomfort und Sicherheit auf der Strecke bleiben. 1998 kommt der erste smart auf den Markt, seit Ende 2009 rollt mit dem smart fortwo electric drive die zweiten Generation mit einer innovativen Lithium-Ionen-Batterie in Kleinserie vom Band.
„Plakativ könnte man sagen: Wir machen faszinierende Autos grüner und grüne faszinierender“, sagt Vorstandschef Dieter Zetsche im Geschäftsbericht 2009. „Das geht nur mit wegweisenden Technologien – und die haben wir. Bei Mercedes-Benz Cars konnten wir 2009 den CO2-Wert unserer Flotte um volle 13 Gramm auf 160 Gramm pro Kilometer senken.“
Im Jahr 2009 setzt der Konzern mit mehr als 256.000 Mitarbeitern 1,6 Millionen Fahrzeuge ab. Der Umsatz liegt in diesem Zeitraum bei 78,9 Milliarden Euro. Zum Stichtag 30. September 2010 beschäftigt der Konzern knapp 260.000 Mitarbeiter, hat von Januar bis September bereits knapp 1,4 Millionen Fahrzeuge verkauft, und der Umsatz allein im dritten Quartal 2010 steigt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf mehr als 25 Milliarden Euro.
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