Der Unimog von Mercedes-Benz – der Erfolg einer Idee
Stuttgart
23.05.2011
Von 1963 bis 1992: Der Unimog wächst zum Komplettprogramm
  • 1963: Unimog 406 - Start der mittleren Baureihe
  • 1966: Das Programm wird neu zusammengestellt
  • 1974: Der U 120 läutet die schwere Unimog-Baureihe ein
  • 1976: Programmerweiterung und neue Verkaufsbezeichnungen
  • 1985: Start der neuen Unimog-Baureihen 407 bis 437

Den gesteigerten Komfortansprüchen und teilweise veränderten Marktan­forderungen genügt der kleine „Basis-Unimog“ Anfang der 60er Jahre nicht mehr. Auch der Unimog S als überwiegend militärisches Fahrzeug ist nicht immer die richtige Alternative für den zivilen Bedarf. So gesellt sich ab 1963 unter der Bezeichnung 406 erstmals eine mittlere Baureihe hinzu. Der Rad­stand des neuen Mercedes-Benz Unimog beträgt 2380 mm.
Die Baureihe 406, Aufstieg in eine neue Leistungs- und Größenklasse
Erstmals finden sich größere Dieselmotoren unter der kurzen Haube des Unimog wieder: 65 PS (48 kW) aus einem Triebwerk mit sechs Zylindern, bald darauf sogar aus dem legendären, großvolumigen Sechszylinder-Dieselmotor OM 312 mit 5,7 Litern Hubraum – dies ist der neue Standard der Motorleistung. Nach seiner PS-Zahl ist der neue Unimog benannt und daher auch unter der Bezeichnung U 65 bekannt. Mit der zusätzlichen Baureihe 406 ergänzt Daimler-Benz das Programm um einen echten Alleskönner für Gelände und Straße, der dem Universal-Motor-Gerät ganz neue Möglichkeiten eröffnet, zum Beispiel als leistungsstarke Zugmaschine.
Zur Baureihe 406 gesellen sich schnell weitere Baureihen
1966 ordnet das Unternehmen das Unimog-Programm neu. Zum kleinen Mercedes-Benz-Unimog U 34 aus der Gründerzeit kommt nun die mittlere Baureihe 406 mit dem Typ U 70 dazu, der später weiter entwickelt wird zu U 80 und U 84. Parallel dazu baut Daimler-Benz die Baureihe 416 mit 2900 mm Radstand auf, entsprechend dem Unimog S.
Zwischen den „Ur-Unimog“ und die mittlere Baureihe platziert Daimler-Benz überdies die leichte Baureihe 421/403, später ergänzt durch die Reihe 413. Die einzelnen Typen unterscheiden sich im Radstand und bei den Motoren, die zum einen vom Pkw abgeleitet sind (Reihe 421/U 40 mit 2,2 Litern Hubraum) und zum anderen aus dem Nutzfahrzeug-Programm stammen (403/U 54 mit 3,8 Litern Hubraum).
Baureihe 425 - die Schwere Unimog-Baureihe
Die nächste Unimog-Modellreihe erblickt 1974 das Licht der Welt. Die Serienproduktion beginnt im Jahr darauf. Mit dem U 120 der Baureihe 425 krönt Daimler-Benz das Programm der vielseitigen Zug- und Arbeitsmaschinen durch eine zusätzliche, schwere Leistungsklasse. Auffällig ist das neue, kantige Fahrerhaus mit einer großen, in der Frontpartie kaum abfallenden Motorhaube. Die Optik dieser Kabine ist in ihren Grundzügen mehr als ein Vierteljahrhundert lang unverändert geblieben.
Die Baureihe 425 beginnt mit 120 PS (88 kW) kurz darauf 125 PS (92 kW) als U 125, 2810 mm Radstand und 9,0 t zulässigem Gesamtgewicht. Für die Bundeswehr beginnt ebenfalls 1976 die Fertigung der Baureihe 435 als Nachfolger des Unimog S.
Neue Typenbezeichnungen werden festgelegt
Im selben Zeitraum strukturiert Daimler-Benz die Typenbezeichnungen neu. In der inzwischen klassischen runden Form laufen die Modelle U 600 L, U 800 L, U 900 und U 1100 L vom Band. Die neue, kantige Form kennzeichnet die Modelle Unimog U 1000, U 1300 L, U 1500 und das Flaggschiff U 1700 L mit 124 kW (169 PS) Motorleistung. Der Buchstabe „L“ steht für die Typen mit langem Radstand.
Laufen die Unimog mit rundem Fahrerhaus als leichte Baureihe, so differen­zieren sich die neuen Baureihen nach ihrem zulässigen Gesamtgewicht in eine mittlere und schwere Baureihe. Und schließlich ergänzt immer noch der altgediente Unimog S, wenn auch mit deutlich abnehmender Stückzahl, unverändert als einziger Benziner das Programm.
Scheibenbremsen lange vor den Lastkraftwagen
Besonderer Erwähnung bedarf ein technisches Highlight: Mit Ausnahme des Einstiegsmodells verfügen zum Zeitpunkt der Neuordnung der Typen-Bezeich­nungen bereits alle Mercedes-Benz Unimog über Scheibenbremsen rundum – lange Jahre, bevor diese Sicherheitsausstattung bei Lkw üblich wird. Die Bemühungen der Unimog-Verantwortlichen, jeder Kundenanforderung mit einem passenden Fahrzeugtyp gerecht zu werden, mündet überdies in einer neuen Rekordzahl: 1977 verlässt der Unimog mit der Nummer 200 000 das Werk in Gaggenau.
Komplette Erneuerung mit den Baureihen 407, 417 und 427
In den Jahren darauf bleibt das Unimog-Programm weitgehend unverändert. Doch von 1985 bis 1988 geht es in der Modellpolitik wieder Schlag auf Schlag: Mit den Baureihen 407, 417, 427 und 437 erneuert Daimler-Benz sein Unimog-Programm komplett. Basis ist die Kabine aus der mittleren und schweren Baureihe. Veränderte Maße, Radstände, Fahrwerke, Gewichte und Motoren ergeben in ihrer Summe komplett neue Fahrzeuge.
Das Programm reicht jetzt vom kleinen, kompakten Mercedes-Benz Unimog U 600 mit einer Leistung von 44 kW (60 PS) und einem zulässigen Gesamt­gewicht von 4,5 t bis hin zum Unimog U 2400. Dessen Maschine holt aus sechs Litern Hubraum die neue Rekordleistung von 177 kW (240 PS).
Die Leistung hat sich seit Beginn fast verzehnfacht
Die Krönung des Programms ist ab 1993 der Unimog U 2450 L 6x6, ein allradgetriebener Dreiachser. Von einem solchen Typ hatten die Entwickler des
Ur-Unimog mehr als 40 Jahre zuvor mit Sicherheit nicht einmal zu träumen gewagt. Allein ein Vergleich der Motorleistung lohnt: Sie hat sich beim neuen Topmodell gegenüber dem ersten Unimog nahezu verzehnfacht.
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