Mercedes-Benz Werk Wörth: 50. Jubiläum im größten Lkw-Montagewerk der Welt
Wörth
19.11.2010
  • 2 Millionen Quadratmeter großes Grundstück 1960 gekauft
  • Erster Wörther Lkw rollt am 1. Oktober 1963 vom Band
  • Heutige Produktionskapazität beträgt über 100.000 Nutzfahrzeuge
Wörth – Vor genau einem halben Jahrhundert, am 17. November 1960, unterzeichneten Daimler-Benz und die pfälzische Gemeinde Wörth den Kaufvertrag über ein rund 2,5 Millionen Quadratmeter großes Gelände, auf dem über 100.000 Lastkraftwagen im Jahr gebaut werden können. Nach 50 Jahren ist das Mercedes-Benz Werk Wörth das größte Lkw-Montagewerk der Welt.
Das historische Datum war Anlass zu einem feierlichen Festakt, zu dem heute die Stadt Wörth in die Festhalle rund 200 Gäste aus Politik und Wirtschaft eingeladen hatte – darunter Vertreter der rheinland-pfälzischen Landesregierung, Wörths Oberbürgermeister Harald Seiter und Yaris Pürsün, Leiter des Mercedes-Benz Werk Wörth und Mercedes-Benz Special Trucks. Pürsün verwies in seiner Rede auf die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der Stadt Wörth und sagte: „Der globale Erfolg in den letzten 50 Jahren bestätigt: Wörther Lkw sind zum Synonym geworden für den Mercedes unter den Lkw.“
Anfangs nur ein Motorenwerk geplant
Im Gegensatz zur Grundstücksgröße fängt alles ganz klein an auf der so genannten Wörther Insel, einer ehemaligen Flussschleife des Rheins. Und das mit einer Belegschaft von nicht mehr als 100 Mann. Beim ersten Spatenstich auf dem 2 Millionen Quadratmeter großen Gelände im März 1962 ist zunächst nur ein Motorenwerk geplant. Doch Daimler-Benz ordnet bereits im Jahr 1963 die Fertigungsstrukturen seiner Werke neu und konzentriert die Produktion der Motoren und Omnibusse in Mannheim. So beginnt am 1. Oktober 1963 in Wörth die Produktion von Lkw-Fahrerhäusern. Aber noch liefert Wörth die grundierten Rohbauten zur Weiterbearbeitung an die klassischen Standorte Gaggenau (schwere Lkw) und Mannheim (mittlere Lkw). Auf gut 22.000 Rohkabinen bringt es Wörth im ersten Jahr. Ab Dezember 1964 kümmert sich das neue Werk zudem auch um den Innenausbau und die Fertiglackierung. 1964 fällt die endgültige Entscheidung, die gesamte Lkw-Produktion und -Endmontage in Wörth zu bündeln. Mitte 2008 entstand das Entwicklungs- und Versuchszentrum mit Schlechtweg- und zusätzlichen Erprobungsstrecken auf 550.000 weiteren Quadratmetern.
Volle Auslastung bereits 1969
Konzipiert ist das Werk in seinen Anfangszeiten für eine Jahreskapazität von
48.000 Lkw. Da ab 1966 die Fertigung der mittelschweren Lkw und der weltweite CKD-Versand (Completely Knocked Down: Fahrzeug-Bausätze) hinzukommt, ist diese Zahl schon drei Jahre später erreicht. Was einst als Motorenwerk gedacht war, ist nun selbst der Motor für die Internationalisierung des Nutzfahrzeuggeschäfts.
Verwaltungsgebäude, Lehrwerkstatt und Kantine geben dem neuen Werk allmählich seine Kontur, dessen zentrales Element aber die neue Montagehalle bildet: Mit 750 Meter Länge (heute auf 1000 Meter erweitert) und 50 Meter Breite zählt sie zu den größten Montagehallen im Fahrzeugbau weltweit. Die Fertigung ist von Beginn an äußerst flexibel. Namen tragen die Lkw damals noch nicht, die gängigen Bezeichnungen „leichte Wörther“ sowie „schwere Wörther“ verweisen aber auf ihren Ursprung.
100 000 Einheiten jährlich
Ab 1969 wird die Kapazität des Werks schrittweise auf 100.000 Einheiten jährlich erhöht. Zwei Mal wächst die Fabrik, bis diese Vorgabe mit exakt 105.200 Einheiten im Jahr 1975 erfüllt ist. Ab 1973 fertigt Wörth die strikt nach Baukastensystem konzipierten schweren Fahrzeuge der Neuen Generation. Zehn Jahre nach Produktionsbeginn verlässt der 500.000ste Lkw das Werk, bereits knapp 8.700 Mitarbeiter sind auf der Rheininsel beschäftigt.
In den 1980er Jahren wird aus der Neuen Generation die NG 80 und damit tritt auch die dienstälteste Wörther Fahrzeuggeneration ab. Aus den leichten LP wird ab 1984 die LK-Baureihe (Leichte Klasse), die von 6,5 bis 13,0 Tonnen Gesamtgewicht reicht. Vier Jahre später löst die legendäre SK-Baureihe die NG 80-Fahrzeuge in der schweren Klasse ab und wird sich als Enkel der Neuen Generation bis zum Jahr 1996 halten. In dieser Zeit ändert sich auch die Fertigung nahezu grundlegend. Klassische Automatisierungskonzepte sind nicht mehr geeignet, die zunehmend komplexen Aufgaben (ständig wachsende Varianten und schwankende Stückzahlen) zu meistern. Unter der Losung „Rohbau 2000“ entsteht 1992 eine integrationsfähige Gesamtanlage, in der alle Fahrerhaustypen geschweißt werden können. Die Idee einer flexiblen Rohbauanlage ist geboren.
Auch der Fahrerhaus-Innenausbau wird optimiert. Verbesserte Fertigungsabläufe und optimierter Materialfluss kennzeichnen den neu organisierten Bereich, der im Jahr 1995 die Arbeit effektiver und flexibler denn je aufnimmt. Beste Voraussetzungen für die kommenden Jahre:
1996: Start des von Grund auf neu konstruierten Schwer-Lkw Actros
1997: Umstellung der Baureihen LK und MK auf die neuen Leichten und Mittleren der Atego-Reihe
1998: Produktionsbeginn des Atego schwer, eine Kombination von Actros-Fahrgestell und Atego-Kabine
2001: Pilotserienfertigung des neuen Schwer-Lkw Axor, ein nutzlaststarker Lkw für mittleren Fernverkehr und schweren Verteilerverkehr
2002: Verlagerung der Unimog-Produktion von Gaggenau nach Wörth
2003: Serienstart der 2. Actros-Generation und Produktionsverlagerung des Kommunalspezialsten Econic von Zwickau nach Wörth
2004: Fertigung des neuen weiterentwickelten Axor und Atego
2008: Eröffnung des Entwicklungs- und Versuchszentrums für Lkw
Kapazität für mehr als 100.000 Einheiten
Im Werk Wörth herrscht inzwischen ein hoher Taktschlag. Über drei Millionen Nutzfahrzeuge tragen seit 1963 das Signet „Made in Wörth“. Die Produktionsfläche hat sich auf 480.000 Quadratmeter vergrößert. Bis zu 470 Lkw verlassen jeden Tag die Montage des Werkes – alle drei Minuten rollt bei voller Auslastung ein Fahrzeug vom Band, in bis zu 70.000 verschiedenen Variationen.
Damit das reibungslos beziehungsweise „just in time“ funktioniert, transportieren täglich rund 1.000 Lieferanten etwa 4.000 Tonnen Material ins Werk. Acht wichtige Lieferanten produzieren sogar direkt vor Ort. Dazu wurde vor zehn Jahren mit Unterstützung des Landkreises Germersheim auf dem Werksgelände der „Industriepark Wörth“ eingerichtet. Hier wird auf 40.000 Quadratmetern „just in sequence“ gefertigt. So stehen die richtigen Teile in der richtigen Qualität zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Einsatzort zur Verfügung. Ein entscheidender Erfolgsfaktor wie Werkleiter Yaris Pürsün feststellt: „Wir setzen Standards in Qualität und Zuverlässigkeit, die wir in fünf verschiedenen Baureihen mit unseren Mitarbeitern und Partnern für unsere Kunden realisieren.“
Diese Kunden sitzen überall auf der Welt: Rund 60 Prozent der Wörther Produktion werden in mehr als 150 Länder exportiert, und fast jeder zweite in Deutschland zugelassene Lkw stammt aus Wörth.
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