Sicherheit auf der Rennstrecke: Mercedes-Benz SL-Klasse als Safety-Car der Formel 1
Stuttgart
02.04.2012
  • Mercedes-Benz SL der Baureihe R 230 ist in vier Formel-1-Saisons Official F1™ Safety-Car
  • Seriensportwagen wird für den Einsatz in der Formel 1 aufwendig modifiziert
  • Kontinuierliche Tradition der Safety-Cars und Medical Cars von Mercedes-Benz in der Formel 1 geht auf das Jahr 1996 zurück
Stuttgart – Im ersten Rennen der Formel-1-Saison 2009 geht ein Mercedes-Benz SL 63 AMG als erster Wagen über die Ziellinie: Angetrieben von dem 386 kW (525 PS) starken 6,3-Liter-V8-Motor fühlt sich der Hochleistungs-Roadster, der aus dem Stand in nur 4,4 Sekunden auf 100 km/h sprintet, auf der Rennstrecke sichtlich wohl. Dennoch gehört der Sportwagen nicht etwa zu den Boliden, die in der Königsklasse des Motorsports um den Titel fahren. Vielmehr führt er als Safety-Car nach einer Kollision zwischen Sebastian Vettel und Robert Kubica das Feld bis ins Ziel an. Auch den Großen Preis von Italien 2009 beenden die Rennwagen hinter dem SL 63 AMG.
Seit 1996 stellt Mercedes-Benz in jeder Saison die Safety-Cars für ie Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft. Das erste „Official F1™ Safety Car“ aus Stuttgart ist der Typ C 36 AMG der Baureihe 202 – das erste Fahrzeug, das AMG und Mercedes‑Benz gemeinsam entwickelt und 1993 auf den Markt gebracht haben. Seitdem sind es immer die Top-Modelle der Performance-Marke AMG, die für die Sicherheit auf den Rennstrecken der Königsklasse des Motorsports sorgen. Gleich vier Jahre lang wird dabei die jeweilige Spitzenversion des R 230 eingesetzt: Zuerst ist es der SL 55 AMG in den Jahren 2001 und 2002, dann folgt der SL 63 AMG in den Saisons 2008 und 2009. Seit 2010 kommt als bisher neunte Generation der Mercedes-Benz SLS AMG als Safety-Car zum Einsatz.
Safety-Car mit Rennsport-Genen
Die Wahl der SL-Roadster für den Einsatz auf den berühmtesten Rennstrecken der Welt hat eine besondere historische Komponente. Immerhin beginnt die Geschichte der Mercedes-Benz SL-Klasse mit einem Rennsportwagen, dem SL 300 der Baureihe W 194 aus dem Jahr 1952. Und auch die Serien-Sportwagen sind erfolgreich im Wettbewerb: Der SL 300 (W 198 I) holt unter anderem den Klassensieg bei der Mille Miglia 1955. Mit dem 230 SL der „Pagoden“-Baureihe W 113 gewinnen beispielsweise Eugen Böhringer und Klaus Kaiser die Rallye Lüttich–Sofia–Lüttich des Jahres 1963. Und die erfolgreichen Mercedes-Benz Rallye-Fahrzeuge der Typen 450 SLC, 450 SLC 5.0 und 500 SLC der Jahre 1978 bis 1980 gehören ebenfalls zur Familie der SL-Klasse.
Im Vergleich zur Serie werden die SL-Typen der Baureihe R 230 für ihren Einsatz als Safety-Car in der Formel 1 deutlich modifiziert. Das betrifft einerseits die Signal- und Kommunikationstechnik, um schnell reagieren zu können und auch unter widrigen Bedingungen eindeutig wahrgenommen zu werden: Typische Veränderungen sind der Einbau einer Signallichtanlage (Gelb und Grün) auf dem Dach sowie die Installation von Frontblitzern und Blitzlichtern in den Rückleuchten. Dazu kommen zwei voneinander unabhängige Funkanlagen für digitalen und analogen Funkverkehr.
Aber auch Antrieb und Fahrwerk werden auf die besondere Herausforderung hin optimiert, das Feld der schnellen Formel-Rennwagen in den Safety-Car-Phasen auf der Rundstrecke anzuführen. Entsprechend vorbereitet tritt zur Saison 2008 der SL 63 AMG als neues Safety-Car an: Der 386 kW (525 PS) starke Roadster hat unter anderem eine neu entwickelte AMG Sport-Abgasanlage mit größerem Rohrdurchmesser und neuen Endschalldämpfern erhalten, die den AMG Hochdrehzahl-V8-Saugmotor mit 6,3 Liter Hubraum noch freier atmen lässt. Eine spezielle Soundabstimmung begeistert die Motorsportfans an den Rennstrecken ebenso wie an den Fernsehbildschirmen zu Hause.
Leistungs-Kur für den Einsatz auf der Grand-Prix-Strecke
Die Modifikationen für noch bessere Fahrleistungen und Fahrdynamik sind dabei kein Selbstzweck. Denn an das Safety-Car der Formel 1 und an seinen Fahrer werden sehr hohe Ansprüche gestellt, ein Pilot mit professioneller Rennerfahrung ist deshalb auch Voraussetzung. Er muss mit seinem Hochleistungs-Serienfahrzeug ein so schnelles Tempo für die Formel-1-Boliden vorgeben, dass deren Reifen auch während der Safety-Car-Phase nicht zu stark abkühlen. Dafür bringen die Spitzen-Versionen der
SL-Klasse und andere leistungsstarke AMG Versionen von Mercedes-Benz Fahrzeuge seit 1996 die richtigen Voraussetzungen mit.
An der Baureihe R 230 zielen die Verbesserungen auch darauf ab, die Standfestigkeit selbst bei tropischen Außentemperaturen und auf langen Strecken mit maximaler Leistung zu garantieren. So kommen beim SL 63 AMG größer dimensionierte und zusätzliche Kühler für Motor- und Getriebeöl, Kühlwasser und die Servolenkung zum Einsatz. Fahrdynamik pur garantiert das neu entwickelte AMG SPEEDSHIFT MCT 7-Gang-Sportgetriebe mit Lenkradschaltung, das Gangwechsel in nur 100 Millisekunden ermöglicht. Die Verbindung aus 3-Stufen-ESP® und Hinterachs-Differenzialsperre mit 35 Prozent Sperrwirkung sorgt für optimale Traktion unter allen Witterungsbedingungen. Das neu entwickelte, im Rennsport bewährte Aluminium-Gewindefahrwerk liefert dabei beste Rennstrecken-Performance, optimalen Fahrbahnkontakt und ein Sportwagen-typisches Einlenk- und Eigenlenkverhalten. Die zahlreichen Einstellmöglichkeiten von Fahrzeughöhe, Spur und Sturz erlauben zudem ein individuelles Fahrwerk-Setup für die jeweilige Rennstrecke.
Leichtbau für den Einsatz in der Formel 1
Für die schnellen Runden auf den Grand-Prix-Strecken soll das Safety-Car gegenüber der Serienausführung möglichst noch leichter sein. Vorder- und Hinterachse des SL 63 AMG tragen deshalb extraleichte 19-Zoll-Leichtmetallräder, die mit einer speziellen Schmiedetechnologie engefertigt werden. Auf den 8,5 Zoll und 9,5 Zoll breiten Felgen sind Reifen von Formel-1-Ausrüster Bridgestone im Format 255/35 (vorne) sowie 285/30 (hinten) montiert. Das Design der Felgen mit filigranen Doppelspeichen optimiert die Kühlung der hoch belasteten Bremsanlage ebenso wie die spezielle Kühlluftführung. Die AMG Hochleistungs-Bremsanlage ist rundum mit innen belüfteten Verbund-Bremsscheiben bestückt. An der Vorderachse arbeiten Sechskolben-Festsättel und Scheiben der Größe 390 x 36 Millimeter, an der Hinterachse Vierkolben-Festsättel mit Bremsscheiben der Größe 360 x 26 Millimeter.
Das Ergebnis der Optimierung kann sich sehen lassen: Der SL 63 AMG wiegt als Safety-Car 220 Kilogramm weniger als die Serienversion – und das trotz größerer Bremsanlage inklusive Bremsenkühlung, zusätzlichen Kühlmaßnahmen, Lichtanlage und Kommunikationsausrüstung. Für eine bestmögliche Rennstrecken-Performance haben die Experten von AMG die Motorhaube, die Front- und Heckschürze, die vorderen Kotflügel sowie den Kofferraumdeckel aus dem Motorsport erprobten Kohlefaser-Verbundwerksstoff CFK gefertigt. Und da das Safety-Car stets geschlossen gefahren wird, kann auch auf sämtliche mechanischen und hydraulischen Komponenten des Variodachs verzichtet werden. Auch die primär dem Fahrkomfort dienenden Dämmmaterialien entfallen.
Äußerlich unterscheidet sich das SL 63 AMG Official F1™ Safety-Car für die Jahre 2008 und 2009 von dem serienmäßigen AMG Hochleistungs-Roadster zunächst durch den Dachbalken mit Warnlichtern und den F1-Logos. Dazu kommt die neu gestaltete Frontschürze mit größeren Kühlluftöffnungen. Am Heck fällt der modifizierte Diffusor-Einsatz in der Heckschürze auf, in den die aktive Hinterachs-Kühlung integriert ist, die Temperaturspitzen im hoch belasteten Differenzialgetriebe kompensiert. Ganz neu ist auch das Nummernschild mit „Safety Car“-Schriftzug: Es kann mit 672 Leuchtdioden (LED) beleuchtet werden, das sorgt speziell bei Regen und Dunkelheit für noch bessere Sichtbarkeit und damit noch höhere Sicherheit.
SL-Premiere in der Formel 1
Seinen ersten Einsatz in der Formel 1 hat die Baureihe R 230 aber bereits als SL 55 AMG in den Jahren 2001 und 2002. Der Hochleistungs-Roadster mit dem neu entwickelten V8-Kompressormotor entwickelt aus 5,5 Liter Hubraum 350 kW (476 PS) und stellt schon ab 2650/min ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern bereit, das bis 4500/min verfügbar bleibt. Aus dem Stand beschleunigt der SL 55 AMG in 4,7 Sekunden auf 100 km/h. Zum Zeitpunkt seiner Vorstellung ist der Roadster der leistungsstärkste Personenwagen von Mercedes-Benz.
Dieses Safety-Car der Jahre 2001 und 2002 ist auch Vorbild eines Performance Package, das AMG im Jahr 2003 anbietet. Dabei wird der SL 55 AMG unter anderem mit stärkeren Bremsen ausgestattet, auch die Fahrwerkabstimmung und Rad-Reifen-Kombination werden verändert. So profitieren sportlich orientierte Privatfahrer von dem Setup, das Mercedes-Benz Pilot Bernd Mayländer auf den Grand-Prix-Rennstrecken der Welt im Safety-Car nutzt. Auch solche Details gehören zu dem von Mercedes-Benz wieder gepflegten Techniktransfer aus dem Rennsport in die Serie. Zu den berühmtesten Beispielen dieser Kultur gehört der Mercedes-Benz 300 SL Seriensportwagen W 198 I des Jahres 1954, der auf dem gleichnamigen Rennsportwagen von 1952 basiert.
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