Pressemappe: Mercedes-Benz Bus-Historie
Stuttgart
30.10.2008
Der O 303 : Busse aus dem Baukasten
  • Sachliches Design in kubischer Gestalt
  • Sechs Radstände, sieben Längen
  • Kraft aus großvolumigen V-Motoren
Der Omnibus der Baureihe Mercedes-Benz O 302 mit seinen klaren Linien entpuppte sich ein Jahrzehnt lang als großer Hit, übertraf sogar die großen Erfolge des Vorgängers O 321 H deutlich. Was also liegt bei der Entwicklung seines Nachfolgers näher, als diesen Erfolg fortzuschreiben? Nicht nur die Namensgebung O 303 verdeutlicht bei seiner Vorstellung im Jahr 1974 die enge Verwandtschaft der beiden Omnibusgenerationen, auch die Optik des O 303 baut klar auf dem Vorgänger auf.
Der Bug übernimmt die klare Gestaltung des Vorgängers. Der Rahmen um den Stern und die wiederum rechteckigen Scheinwerfer ist noch ein wenig geradliniger (im Laufe der Karriere entfällt der Rahmen, wird 1982 durch ein erhabenes Teil aus Kunststoff ersetzt), eine ins Blech eingepresste breite Sicke auf der Frontpartie ersetzt das glänzende und umlaufende Schmuckband, rahmt die Blinkleuchten ein. Fast kerzengerade wächst die Windschutzscheibe nach oben, deren Unterkante vorne wieder eine Linie mit den Türfenster bildet. In den ersten Jahren teilt noch ein schmaler Steg senkrecht die Frontscheibe.
Der Bug mitsamt Fahrerplatz ist oben wieder etwas abgesetzt, die Stoßstange ist nicht mehr aufgesetzt sondern bildet eine Einheit mit der Bugschürze. Und die gewölbten, doppelt verglasten Seitenfenster – jetzt ohne Chromrahmen, je nach Lackierung werden die Stege gern unauffällig-dunkel abgesetzt – reichen bei allen Varianten bis ins Dach hinein. Die Mittel- oder Hecktür verfügt oben wieder über ein Füllfenster.
Erinnerte das rundliche Heck des O 302 mit den Dreiecksfenstern davor noch an die Formensprache der fünfziger Jahre, so ragt die Heckpartie des O 303 fast kerzengerade empor. Mit Ausnahme des gewölbten Dachrands zugunsten der Aussicht der Fahrgäste kennzeichnet den O 303 eine sachliche und kubische Form. Er ist, um ihn mit den Pkw jener Jahre zu vergleichen, mehr Strich acht und W 123 als
S-Klasse – Voraussetzung für eine lange Lebensdauer.
Konzentration auf Überland-, Kombi- und Reiseeinsatz
Ganz wie die Lkw aus dieser Zeit bedient sich der neue Bus O 303 eines Baukastensystems. Der O 303 kann als Prototyp dieser rationellen Bauweise gelten. Mit gleich sechs Radständen und sogar sieben Längen deckt der Omnibus alle denkbaren Größenvarianten von 8,7 bis 12,0 Meter Länge ab – mehr gab es nie, und mehr wird es wohl auch nie geben. Von neun bis 15 Reihen ist alles dabei, was Omnibusunternehmer im In- und Ausland einsetzen könnten. Jedoch konzentriert sich der O 303 auf Überland-, Kombi- und Reiseeinsätze – das Thema Stadtbus deckt längst der Standardbus O 305 ab. Für den Überlandverkehr gibt’s den davon abgeleiteten O 307, der schlichten Ansprüchen an Optik und Komfort Genüge tut.
Der Mercedes-Benz O 303 dagegen ist das rechte Fahrzeug für den privaten Busbetreiber: Überlandeinsätze in der Woche, dazu Ausflugsfahrten übernimmt der
O 303 in seinen einfacheren Varianten als Kombi. Für den reinen Reiseverkehr zeichnen derweil die gehobenen Ausgaben mit hohem Boden und entsprechend großen Gepäckräumen im Bauch wie der O 303 RHH, später RHS, zuständig. Und mit den Kurzausgaben O 303/9 und O 303/10 bietet
Mercedes-Benz erstmals einen ansehnlichen Clubbus für kleine Gruppen auf exklusiven Reisen.
Eine weitere wesentliche Variante vermissen jedoch in den ersten Jahren gerade die privaten Busunternehmer: Für den großen Ferienzielreiseverkehr über Langstrecken fehlt ein Fernreise-Hochdecker im Programm. Diese Omnibusse – zu erkennen an einem Mitteleinstieg, dessen Tür aufgrund des hohen Wagenkörpers nicht über die Brüstungshöhe hinausreicht – gibt es Mitte der 70er-Jahre bei allen namhaften Reisebusherstellern. Sie verfügen über große Stauräume und für die große Fahrt ganz selbstverständlich über kompakte Bordküchen und Bordtoiletten. Den Hochdecker liefert Mercedes-Benz erst ab 1979, dann starten die beiden längsten Varianten des
O 303, der 14 RHD und 15 RHD. Sie messen in der Höhe 3,4 Meter, während die anderen Varianten – wie der Vorgänger O 302 – nur knapp über drei Meter emporragen.
Zum Baukastensystem des neuen O 303 gehört auch eine enge Verwandtschaft der Motoren mit den Lastwagen von Mercedes-Benz. Hier profitiert der O 303 bei seiner Premiere von der nur ein Jahr zuvor präsentierten „Neuen Generation (NG)“. Fuhr der
O 302 mit relativ schwachbrüstigen Reihensechszylindern und eher knapp bemessener Motorisierung vor, so kommen bei Omnibussen wie Lastwagen jetzt großvolumige V-Motoren zum Einsatz. Es handelt sich in den ersten Jahren durchweg um Saugmotoren, auf Turbodiesel setzt Mercedes-Benz erst in der zweiten Hälfte des langen Lebens des O 303.
Im Heck der kompakten Varianten des O 303 bis 10,6 Meter Länge stecken kurz bauende V6-Motoren mit 9,6 Liter Hubraum, V8-Triebwerke mit 12,6 und sogar der V10 mit rund 16 Liter Hubvolumen befeuern in aller Regel die beiden längeren Ausgaben. Zusammen mit der Vorstellung des Hochdeckers RHD und der Einführung der ungeteilten Windschutzscheibe hält im Jahr 1979 eine neue Motorengeneration Einzug. Der V6 schöpft jetzt 159 kW (216 PS) aus elf Liter, ein V8 mit 14,6 Liter Volumen und 206 kW (280 PS) treibt nun die mittleren und großen Varianten an. Erst Mitte der achtziger Jahre gibt es einen V6-Turbo mit 184 kW (250 PS) und einen V8-Turbo
(243 kW/330 PS). Ende der achtziger legen die Motoren noch einmal zu, die stärkste Variante leistet dann 260 kW (354 PS).
Versetzte Hubzapfen verbessern die V6-Laufkultur
Während sich der V8 als gleichermaßen bulliger wie laufruhiger Geselle großer Beliebtheit erfreut, erreicht der V6 nie so recht die Herzen der Busunternehmer und Fahrer: Der unruhige Motorlauf will nicht so recht zu komfortbetonten Omnibussen passen. Diesen Eindruck kann erst im laufe der achtziger Jahre eine Weiterentwicklung des Sechszylinders mit versetzten Hubzapfen zugunsten gleichmäßigerer Zündabstände verbessern.
Die Kraftübertragung übernehmen Getriebe mit fünf und sechs Gängen oder wahlweise Viergang-Automatikgetriebe. Dazwischen siedelt Mercedes-Benz ab 1987 die elektro-pneumatische Halbautomatik EPS an. Diese Vorstufe heutiger automatisierter Getriebe verfügt zwar noch über ein Kupplungspedal, doch ersetzt ein Joystick rechts am Fahrersitz den herkömmlichen Schalthebel mit seinen weiten Wegen – jetzt reicht ein Klapps zum Schalten.
Wie bei den Motoren, so bleibt Mercedes auch beim Fahrwerk des O 303 konservativ: Zwar ist eine Luftfederung beim O 303 selbstverständlich, doch wie gehabt kommen eine starre Vorderachse und Trommelbremsen rundum zum Einsatz. Ebenso basiert die Konstruktion des Omnibusses wie zuvor auf einer selbsttragenden Rahmenbodenanlage. Indes macht Mercedes-Benz 1985 als erster Omnibushersteller mit einem Antiblockiersystem Furore. Als Sonderausstattung stehen darüber hinaus Retarder zur Verfügung.
Im Vergleich zum schlichten Fahrerplatz des O 302 verfügt der O 303 über ein veritables Cockpit. Die großflächige Armaturenanlage ist gewölbt, die Aufteilung der Instrumente – mit jeweils einem großen Tachometer und Kombiinstrument sowie einem kleineren Drehzahlmesser dazwischen – tritt indes klassisch auf.
Das Ende seiner Tage erreicht der Mercedes-Benz O 303 mit einem überschaubaren, aber doch sehr vielseitigen Programm. Die Varianten KHP-A und KHP-L decken mit sechs Längen den Bereich Überlandlinie und Kombi ab. Den RHS gibt es in zwei kurzen Varianten als Clubbus, die beiden längeren Varianten dienen als Hochboden-Reisebusse. Der Hochdecker RHD steht in zwei Längen zur Verfügung. Hinzu kommen Ausgaben des O 303 wahlweise mit Heck- oder Mitteltür für die Fahrgäste sowie unterschiedlichen Bestuhlungen.
18 Jahre up to date
Der O 303 kommt den Busunternehmern als verlässliches und konservatives Fahrzeug durchaus recht: Mit aufwändig ausgestatteten, irgendwo zwischen edel und frech lackierten Sondermodellen wird der Mercedes-Benz O 303 über eine rekordverdächtige Laufzeit frisch und am Leben erhalten. Erst 1992 geht er nach langen 18 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand – damit erreicht diese Weiterentwicklung des O 302 im Grunde genommen sogar zwei Omnibusleben. Doch auch mehr als ein Dutzend Jahre danach begegnet man auf den Straßen und Omnibusparkplätzen immer noch bestens erhaltenen O 303. Und während er am Ende seiner langen Laufbahn doch sichtlich in die Jahre gekommen war, zählt er als Youngtimer inzwischen längst wieder zu den Sympathieträgern.
Als zählbares Ergebnis steht am Ende der langen Karriere gar ein neuer Weltrekord: 38 018 Omnibusse, aufgeteilt in etwa zwei Drittel Komplettbusse und ein Drittel Fahrgestelle haben in fast zwei Jahrzehnten das Licht der Omnibuswelt erblickt.
 
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