Pressemappe: Mercedes-Benz Bus-Historie
Stuttgart
30.10.2008
Vielseitiges Konzept: der Verwandlungskünstler O 405
  • Nahverkehrskomfort auf neuer Basis
  • Vorreiter für alternative Antriebe
  • Kontinuierlicher Ausbau zur Bus-Großfamilie
Ende der siebziger Jahre hat der Standard-Stadtlinienbus Mercedes-Benz O 305 mit seinen Geschwistern O 305 G und O 307 einerseits einen enormen Reifegrad erreicht, andererseits ist es Zeit, einen Nachfolger zu entwickeln. Herausragendes Komfortmerkmal von Stadtbussen mit ihrem häufigen Fahrgastwechsel auf Kurzstrecken ist ein niedriger Wagenboden mit entsprechend einfachem Einstieg. Dies gilt nicht nur für mobilitätsbehinderte Fahrgäste sondern fördert auch für alle anderen Passagiere den schnellen und sicheren Ein- und Ausstieg.
„S 80“ heißt der Prototyp einer neuen Generation von Mercedes-Benz Stadtbussen, die im Jahr 1980 in den Testbetrieb gehen. Ihre Technik ist festgelegt von einem Ausschuss des Verbands öffentlicher Verkehrsbetriebe (VÖV, heute Verband deutscher Verkehrsbetriebe, VDV), in dem Betreiber und Hersteller gemeinsam das einheitliche Konzept der standardisierten Omnibusse in einem Lastenheft erarbeiten. Die neuen Busse jedoch sind ihrer Zeit voraus: Probleme bereiten die Niederquerschnittsreifen, weil sie zu hohe Temperaturen erreichen. Infolgedessen ist neben der Laufleistung der Reifen auch die Standzeit der Bremsen reduziert.
Aus diesen Erfahrungen heraus werden die Anforderungen an den neuen Standard-Stadtlinienbus reduziert, die Reifen werden größer gewählt, doch zwei anstelle von bisher drei Einstiegstufen bei der ersten Generation gestalten den Einstieg bei den neuen Linienbussen deutlich komfortabler. Optisch ist 1983 der neue Standard-Stadtlinienbus Mercedes-Benz O 405 nahe am S 80 angesiedelt. Typisch ist der 11,5 Meter lange, kubisch gestaltete Aufbau mit großzügiger Verglasung und dem wuchtigen Zielschildkasten oberhalb der Frontscheibe sowie einem markanten,
U-förmigen Stoßfänger, der die rechteckigen Scheinwerfer umfasst. Steh- und Sichthöhe sind deutlich gewachsen, der O 405 wirkt innen weitaus großzügiger als sein Vorgänger. Ein verbessertes Heizungs- und Lüftungssystem temperiert den Innenraum. Die Motorleistung beginnt anfangs bei 150 kW (204 PS) aus einem liegend im Heck eingebauten Reihensechszylinder.
Die NAW steuert eine spezielle Midi-Version bei
Ein Jahr später rundet der kompakte Midibus Mercedes-Benz O 402, optisch ein verkürzter O 405, das Stadtbusprogramm mit 50 Fahrgastplätzen nach unten ab. Das Fahrgestell stammt von der Schweizer Beteiligungsgesellschaft NAW Nutzfahrzeuggesellschaft Arbon & Wetzikon, Nachfolger der traditionsreichen schweizerischen Nutzfahrzeughersteller Saurer und FBW. Ein italienischer Karossier stellt, ebenfalls ab 1985, auf Basis des NAW-Fahrgestells für Daimler-Benz überdies den kompakten Reisebus Mercedes-Benz O 301 her. Er schließt die Lücke zwischen dem O 309 und dem O 303. Beiden Midibussen ist jedoch kein langes Leben beschieden.
1985 ist ein großes Jahr der Innovationen für die Linienbusse mit Stern. Der O 405 erhält mit dem Schubgelenkbus O 405 G einen großen Bruder. Analog zur Vorgängerbaureihe präsentiert Daimler-Benz den knapp zwölf Meter langen Standard-Überlandbus (StÜLB) mit der Bezeichnung O 407, der optisch wie technisch vom Stadtbus O 405 abgeleitet ist. Er unterscheidet sich vom O 405 unter anderem durch die einteilige Frontscheibe und den höheren Wagenboden mit einem darunter liegenden Gepäckraum sowie eine einflügelige Einstiegstür vorn. 100 Jahre nach der Erfindung des Automobils durch Gottlieb Daimler und Carl Benz präsentieren sich die Omnibusse des Unternehmens mit den tragenden Säulen O 303 und O 405 bestens in Form.
Erster Gelenkbus mit dieselelektrischem Antrieb
Nur ein Jahr später debütieren weitere Varianten des Mercedes-Benz O 405: Da wäre der Trolleybus O 405 T sowie als Versuchsträger der Duobus O 405 GTD, ein Gelenkbus mit dieselelektrischem Antrieb. Die Innovationskraft zeigt sich unter anderem 1989: Auf der IAA feiern gleich zwei neue Omnibusse ihre Premiere. Der Niederflur-Stadtlinienbus O 405 N läutet mit einem Einstieg ohne Stufen an Vorder- und Mitteltür sowie einem durchgehend niedrigen Boden bis zur Hinterachse ein neues Kapitel beim Komfort des öffentlichen Personennahverkehrs ein. Zwischen Linien- und Reisebus schiebt Daimler-Benz den O 408. Dieser Kombi eignet sich für Linie und Ausflug, ist also ein Bus für den täglichen Einsatz rund um die Uhr. Er basiert auf dem O 407 und trägt auch dessen kantigen Gesicht mit dem wuchtigen U-förmigen Stoßfänger, verfügt jedoch über eine große gewölbte und ungeteilte Frontscheibe mit innenliegendem Zielschildkasten. Auch reichen die Seitenfenster bis hinauf zum Dach. Vorn kommt eine einflügelige, voll verglaste Tür zum Einsatz, in der Mitte eine Doppeltür. Eine Ausflugsbestuhlung mit hohen Rückenlehnen auf Podesten sowie Gepäckablagen kennzeichnen den O 408 als ausflugstauglich. Dafür steht auch ein Antriebsstrang mit bis zu 220 kW (299 PS) und Sechsganggetriebe. Für den Linieneinsatz genügen im Zweifelsfall 184 kW (250 PS) und fünf Gänge.
Die Palette der Linienbusse vervollständigt Daimler-Benz 1992 mit dem Niederflur-Gelenkbus O 405 GN und zwei Jahre später mit einem weiteren Niederflurbus, dem
O 405 NÜ für die Überlandlinie.
In den neunziger Jahren gewinnt auch das Thema Alternativantriebe wieder an Gewicht. Da wären bereits Anfang des Jahrzehnts Versuche im Linieneinsatz mit Wasserstoffantrieb. Als ersten erdgasgetriebenen Niederflur-Stadtbus Europas präsentiert Daimler-Benz 1994 den Gelenkbus O 405 GNG. Parallel dazu gibt es auch den Solostadtbus O 405 NG und den Überlandbus O 405 ÜNG. Die Gasbusse werden in einem bundesweiten Versuch mit insgesamt 15 Fahrzeugen bei Verkehrsbetrieben im Praxiseinsatz getestet.
Typisch für die Gasbusse ist ein Buckel auf dem Dach, einem Dachkoffer ähnlich. Er enthält die Gasflaschen, deren Inhalt auf 200 bar Druck komprimiert wird. Die speziell konstruierten Stahlflaschen mit einer Umwicklung aus Aramaidfasern halten sogar 500 bar aus. Der Motor basiert auf dem liegenden Reihensechszylinder OM 447 hA als klassischem Dieselmotor mit Aufladung, er ist jedoch auf einen Ottomotor mit Fremdzündung umgestellt. Die Leistung wird über eine Drosselklappe geregelt. Großes Plus der Erdgasfahrzeuge: Sie unterschreiten die Schadstoffemission des künftigen Abgasstandards Euro 2 bereits zwei Jahre vorher um mehr als die Hälfte. Die Reich-weite der neuen Erdgasbusse beläuft sich auf rund 300 Kilometer.
Im gleichen Jahr feiert der Prototyp des Duo-Gelenkbusses O 405 GNTD Premiere: Der Niederflur-Gelenkbus verfügt über einen Dieselmotor sowie einen elektrischen Radnabenantrieb. Er kann auch als Trolleybus konzipiert werden. Der Diesel steckt in diesem Duobus an ungewohnter Position: quer im Heck. Er macht damit Platz für eine Tür mit Niederflureinstieg nach der Hinterachse. Die ungewöhnliche Position ist möglich, weil der GNTD ohne Getriebe und Differenzial auskommt: Die vom Dieselmotor über einen Generator produzierte, oder alternativ aus dem Stromnetz eingeleitete Energie wird an jeweils zwei luftgekühlte Radnabenmotoren an Mittel- und Hinterachse geleitet. Sie leisten zusammen 300 kW und dienen gleichzeitig zur Generatorbremsung und damit als Betriebsbremse.
Im Mittelpunkt stehen 1996 auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover zahlreiche Neuheiten. Die Familie des O 405 entwickelt sich in reifen Jahren Stück für Stück zur Großfamilie. Da wäre der O 405 NÜL, eine zweiachsige Langausführung des Niederflur-Überlandbusses mit zwei Achsen und 13,4 Meter Länge. Er zeigt, was machbar ist, nimmt künftig erlaubte Maße vorweg. In Gegenrichtung fährt der kurze Stadtbus O 405 NK: Mit 10,4 Meter Länge zählt er schon zu den Midis. Und ist bereits mit Erdgasmotor zu bekommen. Für Omnibusse, die mit Biodiesel fahren, stellt Mercedes-Benz im Rahmen eines Großversuchs 500 Oxidationskatalysatoren zur Verfügung. Ein Kombi für Überlandlinie und Ausflug ergänzt die Familie O 405/407 und löst den etwas streng blickenden O 408 ab: Der O 550 Integro ist der erste neue Bus aus dem noch jungen EvoBus-Verbund. Und es ist der erste Omnibus von Mercedes-Benz, der einen Namen trägt.
Premiere der Brennstoffzelle im Linienbus
1997 geht es mit den Neuheiten Schlag auf Schlag weiter. NEBUS heißt ein
Mercedes-Benz O 405 mit einem neuartigen Antrieb: Es ist der weltweit erste linientaugliche Bus mit Brennstoffzellenantrieb. Er weist neue Wege in eine umweltfreundliche Zukunft: Der NEBUS emittiert keine Abgase, aus dem Auspuff kommt nur noch Wasser. NEBUS steht für den Begriff „New Electric Bus“, könnte aber auch für „No Emission Bus“ stehen. Der Treibstoff des revolutionären Fahrzeugs besteht aus Wasserstoff, der, analog zu den Gasbussen, in Flaschen auf dem Dach gelagert wird. Im Heck des Busses stecken zehn Brennstoffzellen-Stacks mit einer Leistung von jeweils 25 kW. Sie wandeln Wasserstoff in einer elektrochemischen Reaktion in elektrischen Strom um, der wiederum Radnabenmotoren antreibt. Der neue Bus fährt extrem leise, die Beschleunigung ist sehr dynamisch, die Abgasemissionen bestehen vor Ort ausschließlich aus harmlosem Wasserdampf.
Der NEBUS ist Höhepunkt und Endpunkt der Entwicklung des O 405 zugleich, dessen überaus erfolgreiche Laufbahn sich nach mehr als einem Dutzend Jahren allmählich dem Ende nähert. Geboren als Standardbus der zweiten Generation, hat der O 405 eine fast unglaubliche Entwicklung hinter sich gebracht: Er hat als Niederflurbus eine zweite Karriere eingeschlagen und dabei mit seiner Fahrgastfreundlichkeit seinen zunächst geplanten Vorläufer S 80 sogar übertroffen. Aus seinem ursprünglichen Lastenheft sind zahlreiche Varianten gewachsen; mit unterschiedlichen Antriebssystemen bis hin zur Brennstoffzelle weist er technisch weit in die Zukunft.
Der große Erfolg der O 405 lässt sich am besten in Zahlen messen: rund 12.000 Solobusse, mehr als 3.700 Gelenkbusse, etwa 5.000 Überlandfahrzeuge einschließlich O 407 und O 408 ergeben zusammen die stolze Zahl von 20.488 Linienbussen aus einer einzigen Familie. Damit legt der O 405 die Messlatte für seinen Nachfolger enorm hoch. Der aber hat die Chance, den O 405 sogar zu übertreffen, denn mit dem Citaro präsentiert Mercedes-Benz 1997 ein revolutionäres Konzept für Linienbusse.
 
Ihr Presse-Kontakt
Birgit
Pillkahn
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
Tel.: +49 711 17-49049
Fax: +49 711 1790-97310
Download gesamter Text
pdf-Datei
(0,45 MB)
Aktionen
© 2014 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten. Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen