Der rettende Luftsack feiert Geburtstag
Stuttgart
23.09.2006
  • 23. Oktober 1971: Mercedes-Benz erhält Patent für den Airbag
  • 1966 hat die Entwicklung des neuen Sicherheitssystems begonnen
  • Serieneinführung 1981 in S-Klasse der Baureihe W 126
Mercedes-Benz erhält am 23. Oktober 1971 das Patent auf ein neues System zum Schutz von Pkw-Insassen bei einem Unfall: den Airbag. Die Entwicklung dieses neuen Sicherheitsmerkmals hat bei Mercedes-Benz schon fünf Jahre zuvor im Jahr 1966 begonnen. Entsprechende Praxisversuche gibt es ab 1967.
Das Patent markiert einen entscheidenden Schritt hin zur Serienreife des Airbags. Aus dem ersten Fahrer-Airbag, der in der S-Klasse der Baureihe W 126 von 1981 eingebaut wird, entsteht bis heute in den Fahrzeugen von Mercedes-Benz ein ganzes System schützender Luftpolster.
Integriertes Sicherheitskonzept
Mit der Serieneinführung des schützenden Luftsacks 1981 schließt Mercedes-Benz eine Entwicklung erfolgreich ab, die mit den frühesten Airbag-Konzepten der 1950er Jahre in den USA begonnen hat.
Mercedes-Benz verfolgt von Beginn der Forschung an jedoch ein anderes Ziel als die amerikanischen Ingenieure. Diese wollen auf Drängen der US-Regierung ein Rückhaltesystem entwickeln, das die Zahl schwerer Verletzungen bei Verkehrsunfällen senkt und den Insassen der Autos zugleich die Verantwortung für ihre Sicherheit abnimmt.
Die Überlegung dahinter: Während der Sicherheitsgurt nur funktionieren kann, wenn er bei jeder Fahrt angelegt wird, löst der Airbag grundsätzlich bei Unfällen aus. Doch Erfahrungen in den USA zeigen, dass gerade Beifahrer nur wenig von den ersten Airbags profitieren, die zu Beginn der 1970er Jahre in Autos eingebaut werden. Teilweise entstehen bei nicht angeschnallten Passagieren sogar neue Verletzungen aufgrund der sich plötzlich öffnenden Luftsäcke.
Die Ingenieure von Mercedes-Benz haben solche Probleme vorausgesehen. Schon in den 1960er Jahren steht für sie fest, dass der Airbag den Gurt nicht ablösen, sondern ergänzen soll. Davon zeugt auch 1981 das Kürzel „SRS“ auf dem Pralltopf des Lenkrads in der S-Klasse, unter dem sich der neue Airbag verbirgt. „Supplemental Restraint System“ oder „Ergänzendes Rückhaltesystem“ bedeutet die Abkürzung.
Grundlage aller Entwicklungen
Auch wenn vom Erteilen des Patents mit der Nummer DE 2152902 C2 am 23. Oktober 1971 bis zum Verkauf der ersten Mercedes-Benz Limousine mit Airbag noch fast zehn Jahre vergehen, so steht das Prinzip der neuen Technik bereits mit der Patentanmeldung fest: Ein Sensor registriert besonders starke Verzögerungen, wie sie für Kollisionen typisch sind, und löst den Airbagmechanismus aus. Dieser zündet eine Treibladung aus Natriumazid, Kaliumnitrat und Sand, die sich bei der Explosion vor allem in gasförmigen Stickstoff sowie je etwas Wasser- und Sauerstoff verwandelt.
Im Gegensatz zu Patronen, gefüllt mit Druckluft oder Treibgas, erweist sich die aus der Raketentechnik übernommene Treibladung als zuverlässiger und schneller Gaserzeuger. Der Stickstoff bläht in Sekundenbruchteilen den aus einem speziellen Gewebe bestehenden Luftsack auf, der nun als weiches Kissen die vom Aufprall nach vorn geschleuderten Passagiere abfängt. Die Dämpfung wird durch Schlitze im Gewebe des Airbags noch verstärkt: Durch sie kann beim Eintauchen des Oberkörpers in das Kissen das Gas schneller entweichen. Seine volle Leistung erreicht das neue Sicherheitssystem in Kombination mit dem Sicherheitsgurt.
Markteinführung 1981
Bestärkt durch erfolgreiche Versuche (insgesamt unter anderem 250 Crashtests und rund 2500 Fahrten mit dem Versuchsschlitten), beschließt 1974 der Vorstand der damaligen Daimler-Benz AG, dass der Airbag zur Serienreife entwickelt werden soll. Auf dem Internationalen Automobilsalon in Genf stellt Mercedes-Benz das neue Sicherheitssystem schließlich in der S-Klasse der Baureihe W 126 vor; ab Juli 1981 ist es als Sonderausstattung – zunächst nur als Fahrerairbag – für die Luxuslimousine erhältlich. 2 636 Käufer der S-Klasse entscheiden sich bereits im ersten Jahr für einen Airbag. Er kostet inklusive beifahrerseitigem Gurtstraffer zunächst 1525,50 Mark (umgerechnet rund 780 Euro).
Von 1981 an wird der Airbag bei Mercedes-Benz kontinuierlich weiterentwickelt und das Angebot in der Modellpalette ausgebaut: 1984 ist er auf Wunsch für alle Personenwagen der Marke lieferbar. 1985 wird der Fahrer-Airbag in den USA serienmäßig angeboten. 1987 präsentieren die Stuttgarter Ingenieure auf der IAA erstmals einen Beifahrer-Airbag. 1991 wird der Fahrer-Airbag zur Serienausstattung in der S- und der SL-Klasse sowie im 500 E; in den Zwölfzylindermodellen kommt ein serienmäßiger Beifahrer-Airbag hinzu. 1992 wird der Fahrer-Airbag zur Serienausstattung aller Mercedes-Benz Personenwagen, der Beifahrer-Airbag auch in S- und SL-Klasse.
Airbags für die Seite und fürs Fenster
1993 zeigt Mercedes-Benz auf dem Genfer Automobilsalon einen Seiten-Airbag als Studie, 1995 ist dieser „Sidebag“ erstmals in der E-Klasse auf Wunsch lieferbar. Eine automatische Kindersitz-Erkennung, die beim Einbau spezieller Kindersitze den Airbag ausschaltet, stellt Mercedes-Benz 1996 vor. 1998 folgt der „Windowbag“ in der E-Klasse und dazu in der S-Klasse der neu entwickelte adaptive Beifahrer-Airbag – er entfaltet sich je nach erwarteter Unfallschwere stufenweise. Adaptive Airbags für Fahrer und Beifahrer gehen 2000 in der C-Klasse in Serie, im Jahr darauf stellen die Stuttgarter im neuen SL (Baureihe R 230) Head-/Thorax-Seitenairbags vor.
Airbags gehören auch zur 2005 in der S-Klasse (Baureihe W 221) vorgestellten integrierten Sicherheits-Philosophie PRO-SAFE™. Das System besteht aus Elementen der aktiven und passiven Sicherheit (PERFORM-SAFE, PRE-SAFE®, PASSIVE-SAFE und POST-SAFE) und bringt die Vision vom unfallfreien Fahren ihrer Verwirklichung wieder ein Stück näher.
Solche zukunftsweisenden Konzepte wären heute kaum möglich ohne die Meisterleistungen der Ingenieure von gestern – eine davon ist der Airbag. Seit der Patenterteilung im Jahr 1971 hat der Luftsack tausenden Menschen bei Unfällen das Leben gerettet.
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