Der auf Anhieb erfolgreiche Mercedes-Benz 190 wird im Jahre 1993 von der komplett neuen C-Klasse (W 202) abgelöst. Sie gilt als letzte Modellreihe, die konsequent der 1980 vorgestellten, im Vergleich zu anderen Automobilmarken strengen Mercedes-Benz Design-Philosophie folgt. Mit markenspezifischer, moderat modernisierter Front fügt sie sich den Richtlinien der vertikalen Affinität harmonisch in die zeitgenössische Produktpalette ein.
Wohl wissend um die wachsende Komplexität der Mercedes-Benz Wertewelt in Folge der anstehenden Produktoffensive, lockert Bruno Sacco die Gesetzmäßigkeiten der Design-Philosophie. Durch eine Differenzierung der Kühlermasken ist man um eine übersichtliche Struktur bemüht. Gleichzeitig werden vom Design produktspezifische neue Scheinwerfer-Radhaus-Pakete geschnürt, um die Eigenständigkeit der Modellreihen zu stärken. Die Zäsur wird mit Erscheinen der E-Klasse der Baureihe W 210 im Jahre 1995 öffentlich. Das so genannte Vieraugen-Gesicht der Coupé-Studie des Genfer Automobilsalons von 1993 geht damit in Serie.
Dass die Studie von Genf im Jahre 1997 ins neue Mercedes-Benz CLK Coupé (C 208) mündet, verwundert damals nurmehr wenige Skeptiker, die einen Exklusivitätsverlust der Marke Mercedes-Benz fürchten. Sie werden durch die starke Individualität, die harmonische Verbindung von purer Fahrfreude und den eleganten Auftritt, aber auch durch die harmonische Integration des Viersitzers in die Mercedes-Benz Produktfamilie von seiner Existenzberechtigung überzeugt. Das ein Jahr später vorgestellte CLK Cabriolet unterstreicht diesen Anspruch weiter: der Mercedes-Benz CLK hat eine eigenständige Modellreihe etabliert.
Designtrends entstehen durch Vorstellungskraft und den Mut, Risiken einzugehen. Mercedes-Benz wagt mit der Anfang 1997 präsentierten M-Klasse (W 163), die Eleganz eines Kombis mit der herben Sportlichkeit eines Geländewagens zu vereinen. Es gelingt, große Bodenfreiheit mit Rädern in weiten Radhäusern sowie eine erhöhte Sitzposition der Passagiere in eine Designsprache zu kleiden, die deutliche Anleihen bei Mercedes-Benz Limousinen zeichnet. Der neue Mercedes-Benz ML gerät zu einem „Sport Utility Vehicle“ (SUV) der gehobenen Klasse.
Gerade so viel vertikale Affinität und horizontale Homogenität wie nötig habe er von den Designern des Mercedes-Benz SLK (Baureihe R 170) verlangt, der 1996 eine Sensation am Sportwagenmarkt generiert, gibt Bruno Sacco zu Protokoll. Der neue Roadster orientiert sich an der ästhetischen Qualität des größeren Bruders Mercedes-Benz SL, zitiert mit Powerdomes auf der Motorhaube aber auch Stilmerkmale des legendären 300 SL von 1954. Seine langgestreckte Form mit kurzen Überhängen vorn und hinten symbolisiert den Wunsch, vorwärts zu drängen. Das innovative Klappdach setzt im modernen Automobilbau neue Maßstäbe in den Disziplinen formale Kreativität, Alltagstauglichkeit und Funktionssicherheit.