Pressemappe: Mercedes-Benz - Innovation als Tradition
Stuttgart
20.11.2007
Der Weg zur passiven Sicherheit (seit 1951)
1951 meldet Daimler-Benz ein Patent unter dem Namen „Kraftfahrzeuge, insbesondere zur Beförderung von Personen“ an. Dahinter verbirgt sich die Erfindung der Knautschzone – ein Patent, das in den folgenden Jahrzehnten den Karosseriebau der gesamten Automobil-Industrie revolutioniert. Genialer Vordenker dieser Idee ist Béla Barényi, dem die geltende Maxime überhaupt nicht passt, wonach ein sicheres Auto stabil sein muss und nicht labil sein darf. Barényi erkennt, dass kinetische Energie bei einem Aufprall durch Verformung abgebaut werden muss, um die Insassen zu schützen. Folgerichtig teilt er den Wagenkörper in drei Zonen ein: Weiches Vorderteil, gestaltfeste Fahrgastzelle, weiches Hinterteil. Am 23. Januar 1952 wird das Patent DBP 854 157 erteilt.
Das Jahr 1953 markiert für Daimler-Benz im Pkw-Bau die Zäsur zwischen Tradition und Moderne. Auf der Bildfläche erscheint der Typ 180 als direkter Nachfolger der 17 Jahre gebauten Modellreihe 170. Der 180er ist der erste Mercedes-Benz mit einer selbsttragenden Pontonkarosserie. Sie bietet erhebliche Vorteile gegenüber dem Vorgänger, nicht nur in der Ausnutzung der Grundfläche. Unter dem Blech befindet sich die sensationell neue „Rahmenbodenanlage“, eine aus Kastenträgern mit verbindenden Blechen geformte tragende Plattform, die alle Aggregate aufnimmt und mit der Karosserie zu einer Einheit verschweißt ist. Vorteile dieser Bauart sind höhere Steifigkeit, rund 70 Kilogramm weniger Gewicht gegenüber der Rahmenversion und ein optimierter Flankenschutz.
Dem Patent des Knautschzonen-Prinzips folgen weitere Jahre der Grundlagenforschung. Barényis Erfindung wird bei Daimler-Benz zur Serienreife entwickelt. Die im August 1959 vorgestellte Baureihe W 111 mit den Typen Mercedes-Benz 220, 220 S und 220 SE geht als weltweit erstes Serienautomobil mit integrierten Knautschzonen und hochfester Fahrgastzelle in die Automobilgeschichte ein. Die so genannte Heckflosse weist noch andere innovative Sicherheitsmerkmale auf. Besonders fällt der erstmals in einem Pkw realisierte, vollständig entschärfte Innenraum auf: Harte und scharfkantige Bedienelemente sind verschwunden, stattdessen hat der W 111 versenkte Türgriffe, ein stoßnachgiebiges Armaturenbrett, gepolsterte Fensterleisten, Fensterkurbeln, Armlehnen sowie Sonnenblenden und ein Lenkrad mit einer großflächigen Prallplatte. Bei heftiger Berührung löst sich der Innenspiegel aus seiner Halterung.
Sicherheitsgurt und Airbag: Elemente der passiven Sicherheit (seit 1958)
Erstmals kündigt Mercedes-Benz Sicherheitsgurte im Jahr 1957 für den 300 SL Roadster (W 198 II) an. 1958 wird das neue Rückhaltesystem erst in dem Sportwagen, dann in allen Personenwagen mit vorderen Einzelsitzen als Sonderausstattung angeboten. Die ersten Modelle sind Bauch- oder Becken-Zweipunktgurte, 1962 folgen Schulter-Zweipunktgurte. Seit 1961 werden alle Mercedes-Benz Personenwagen Gurtbefestigungen an den Vordersitzen ausgerüstet, ab 1962 auch im Fond. Ende der 1960er Jahre setzt sich schließlich als endgültige Form des Sicherheitsgurtes für Personenwagen der Dreipunktgurt durch, der die konstruktive Verbindung aus Becken- und Schultergurt darstellt. Durch eine Aufrollfunktion ergänzt, wird er zum Sicherheits-Automatikgurt. 1973 führt Mercedes-Benz diese Form des Sicherheitsgurtes als Serienausstattung auf den Vordersitzen ein, 1979 wird der Einbau von Dreipunkt-Sicherheitsgurten auch auf den Fondplätzen serienmäßig. Durch konstruktive Details wie der dreistufigen Höhenverstellung des Gurts lässt sich das Sicherheitssystem den Passagieren immer besser anpassen und entfaltet so bei einer Kollision seine maximale Wirkung.
Der Airbag hat 1981 in der Mercedes-Benz S-Klasse W 126 Weltpremiere. 13 Jahre lang haben die Konstrukteure der Stuttgarter Marke an dem revolutionären Rückhaltesystem geforscht. Der neue Airbag schützt den Fahrer vor den Folgen eines schweren Unfalls, indem unmittelbar nach dem Crash in Bruchteilen einer Sekunde ein Stoffsack in Bruchteilen einer Sekunde aufgeblasen wird und den Aufprall des Fahrers auf dem Lenkrad abfedert. Mercedes-Benz löst mit dem Airbag den Sicherheitsgurt nicht ab, sondern ergänzt beide Systeme zu einem wirkungsvollen Rückhaltesystem. Das unterstreicht 1981 die Einführung eines neuartigen Gurtstraffers (serienmäßig 1984), der bei einem Unfall die Wirkung des Sicherheitsgurtes verstärkt. Dem Fahrer-Airbag, der serienmäßig seit 1992 in alle Mercedes-Benz Personenwagen eingebaut wird, folgt der Beifahrer-Airbag (1987 in der S-Klasse vorgestellt,1994 in allen Baureihen serienmäßig) und weitere Systeme wie Sidebag und Window-Bag.
In neuen Mercedes-Benz Modellen manifestiert sich immer wieder die gesamte Sicherheitsentwicklung der Marke. Das gilt im Jahr 2000 zum Beispiel für die C-Klasse, deren Sicherheitskonzept von der Unfallvermeidung bis zum größtmöglichen Insassenschutz bei schweren Karambolagen reicht. 2002 folgen mit der Einführung der neuen E-Klasse weiterentwickelte intelligente Rückhaltesysteme, die sich dank zusätzlicher Sensoren noch präziser der Unfallschwere anpassen. Zu den adaptiven Frontairbags mit zweistufigen Gas-Generatoren gesellen sich erstmals neuartige Leistungs-Gurtstraffer, zweistufige Gurtkraftbegrenzer, eine automatische Gewichtsklassifizierung des Beifahrers und ein Überschlagsensor.
Assistenzsysteme für die aktive Sicherheit (seit 1978)
Die Konstrukteure von Mercedes-Benz verbessern kontinuierlich das hohe Niveau der Fahrsicherheit ihrer Automobile. Ein epochaler Schritt in diese Richtung ist 1978 die Weltpremiere des Anti-Blockier-Systems (ABS) in der Mercedes-Benz S-Klasse W 116. Durch das gemeinsam mit Bosch entwickelte Assistenzsystem bleibt der Wagen auch bei einer Vollbremsung lenkfähig. Bei herkömmlichen Bremsen blockieren die Räder in solchen Fällen und übertragen keine Seitenkräfte mehr. So gerät das nicht mehr lenkbare Auto ins Schleudern. ABS verhindert diesen Kontrollverlust, indem das System beim Bremsen mit Raddrehzahlsensoren jedes einzelne Rad kontrolliert und beim Blockieren kurz den Bremsdruck löst. Von 1992 an ist ABS serienmäßige Ausstattung aller Mercedes-Benz Modelle.
Weitere Assistenzsysteme für die aktive Sicherheit stellt
Mercedes-Benz in den 1990er Jahren vor: ESP®, BAS, ABC und DISTRONIC. 1995 hat in einer S-Klasse der Baureihe W 140 das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP® Premiere. ESP® bremst bei kritischen Fahrsituationen gezielt einzelne Räder ab und reduziert die Motorleistung, um das Fahrzeug zu stabilisieren. Das System überprüft das Fahrverhalten anhand der Daten eines Giergeschwindigkeitsmessers und Messungen der Räder. Je nach Situation und Bedarf bremst ESP® daraufhin eines oder mehrere Räder gezielt ab und reduziert das Drehmoment des Motors. Seit 1999 sind alle Personenwagen von Mercedes-Benz mit ESP® ausgerüstet.
Der Bremsassistent BAS interpretiert das Bremsverhalten des Fahrers und baut in einer erkannten Notbremssituation automatisch die volle Verzögerungskraft auf, auch wenn der Fahrer zaghaft auf die Bremse tritt. Diese 1996 eingeführte Entwicklung beruht auf der Erkenntnis der Mercedes-Benz Unfallforschung, dass in kritischen Situationen Autofahrer zwar schnell, aber nicht kräftig genug auf das Bremspedal treten.
Die Active Body Control ABC wird 1999 eingeführt. Dieses aktive Federungs- und Dämpfungssystem passt die Fahrwerkseinstellung automatisch der jeweiligen Fahrsituation an. Dabei werden die Aufbaubewegungen des Fahrzeugs beim Anfahren, bei Kurvenfahrt sowie beim Bremsen bedarfsgerecht verringert und optimal gedämpft. Hochdruck-Hydraulik, eine schnelle Recheneinheit und aufwändige Sensorik sorgen in allen Fahrsituationen für eine stabile Position der Karosserie. ABC unterdrückt fast vollständig die sonst beim Anfahren und Bremsen zeitweise auftretenden Nickbewegungen und das Wanken bei Kurvenfahrten.
Die DISTRONIC wird ebenfalls 1999 präsentiert. Mit dieser Abstandsregelautomatik erweitert Mercedes-Benz die Leistungen des TEMPOMAT: Die DISTRONIC hält automatisch den Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern konstant, indem sie über ein internes Radar die Distanz zu vorausfahrenden Fahrzeugen misst und diesen Wert mit der eigenen Geschwindigkeit vergleicht. Daraus errechnet die DISTRONIC ihre Reaktion, behält die Geschwindigkeit bei oder reduziert das Tempo. Die nächste Entwicklungsstufe des Systems ist die DISTRONIC PLUS, die Mercedes-Benz 2005 in der S-Klasse W 221 vorstellt. Die DISTRONIC PLUS arbeitet in Kombination mit dem Bremsassistenten Plus und deckt einen Geschwindigkeitsbereich vom Stillstand bis 200 km/h ab. Auch im stockenden Verkehr hält die DISTRONIC PLUS damit kontinuierlich Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und bremst bei Bedarf bis zum Stillstand ab.
Integrierte Sicherheit (seit 2002)
In den 1990er Jahren verknüpft die Sicherheitsentwicklung von Mercedes-Benz zunehmend passive mit aktiven Elementen und setzt auf die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen. Den aktuellen Stand dieser vernetzten Systeme der integrierten Sicherheit markiert 2005 die S-Klasse W 221. In dem Fahrzeug stellt Mercedes-Benz seine innovative Sicherheitsphilosophie PRO-SAFE™ vor, bestehend aus den Elementen PERFORM-SAFE (aktive Sicherheit, Fahrsicherheit, Wahrnehmungs- und Konditionssicherheit), PRE-SAFE® (vorbeugende Sicherheitssysteme, die Folgen eines Unfalls vorausschauend mildern), PASSIVE-SAFE (passive Sicherheit, innere Sicherheit) und POST-SAFE (Assistenzsysteme, die nach einem Unfall weitere Schäden verhindern). Im Jahr 2007 ersetzt die Bezeichnung „Integrales Sicherheitskonzept von Mercedes-Benz“ den Begriff PRO-SAFE™ mit seinen vier Elementen.
Das Sicherheitssystem PRE-SAFE® führt Mercedes-Benz 2002 ein. Es bereitet bei einer Vollbremsung oder kritischen Fahrsituationen die Passagiere so gut wie möglich einen Unfall vor: Wenn PRE-SAFE® durch die Sensoren von ESP® und BAS die Anzeichen eines Unfalls erkennt, werden die mechanischen Gurtstraffer durch Elektromotoren vorgespannt, Sitz und Lehne eine besonders sichere Position gestellt und das Schiebedach sowie die Fenster geschlossen. Das Konzept von PRE-SAFE® basiert auf Ergebnissen der Mercedes-Benz Unfallforschung, wonach bei mehr als 60 Prozent aller Unfälle vor dem eigentlichen Aufprall noch genügend Zeit ist, um präventive Schutzmaßnahmen einzuleiten.
Innovationen für die integrierte Sicherheit, die 2005 in der S-Klasse W 221 Premiere haben, sind auch die bei einer Notbremsung pulsierenden Bremslichter und der Nachtsicht-Assistent. Der neuartige Nachtsicht-Assistent arbeitet mit Infrarot-Scheinwerfern, die bei Dunkelheit einen deutlich größeren Bereich der Fahrbahn beleuchten als das Abblendlicht. Dargestellt wird das erweiterte Nachtsichtbild auf dem Display des Kombiinstruments.
Im Jahr 2006 kommt in der S-Klasse und im CL-Coupé die PRE-SAFE®-Bremse auf den Markt. Erkennen die in der Fahrzeugfront untergebrachten Sensoren die akute Gefahr eines Auffahrunfalls und reagiert der Fahrer nicht selbst, nimmt das System eine automatische Teilbremsung vor. So wird Aufprallenergie und damit die Unfallschwere deutlich gemindert.
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