Die Forschungsfahrzeuge von Mercedes-Benz
Stuttgart
17.10.2011
Wegbereiter der Zukunft – Mercedes-Benz F 500 Mind
Fakten
  • Fahrzeug: Mercedes-Benz F 500 Mind
  • Vorstellung: 2003
  • Ort: Tokyo Motor Show
  • Zielsetzung: Erprobung des Hybridantriebs, neuartiges Türen- und Innenraumkonzept, elektronisches Fahrer-Informationssystem
  • Hybridantrieb: V8-Dieselmotor (4,0 Liter Hubraum, 184 kW/250 PS) in Kombination mit einer Elektromaschine (50 kW/68 PS) 
Technische Highlights
  • Hybridantrieb (Kombination aus Diesel- und Elektromotor)
  • Variables Türkonzept mit zwei verschiedenen Öffnungsmöglichkeiten
  • Elektronische Pedale für Gas und Bremse
  • Elektronisch gesteuerte Lenkung
  • Nachtsichtsystem mit Infrarot-Laser-Scheinwerfern, Serieneinführung als Nachtsicht-Assistent NightView in der Mercedes-Benz S-Klasse (2005, Baureihe W 221)
  • Neuartiges Bedien- und Anzeigekonzept
  • Multivision-Display
  • Fahrer-Informationssystem auf Ultraschall-Basis
  • Klappbarer Labortisch mit Computer zum Überwachen der Fahrzeugsysteme
Die Zukunft hört nicht auf, spannend zu sein. Dafür steht auch der Mercedes-Benz F 500 Mind, der 2003 auf der Tokyo Motor Show präsentiert wird. Der als moderne Schrägheck-Limousine konzipierte Viertürer dient als rollendes Forschungslabor und zeigt mehr als ein Dutzend technischer Ideen für Sicherheit, Antrieb und Komfort künftiger Mercedes-Benz Personenwagen.
Das beginnt beim Hybridantrieb, dem ersten im oberen Fahrzeugsegment. Er vereint die Möglichkeit, verschiedene Antriebsenergien zu nutzen. Ist viel Kraft gefordert, treibt ein V8-Dieselmotor mit 184 kW (250 PS) den F 500 Mind an und lädt gleichzeitig die Batterien auf. Denn ein Elektroantrieb mit 50 kW (68 PS) steht zusätzlich zur Verfügung, der allein oder gemeinsam mit dem Verbrennungsmotor zu Werke geht. Für das perfekte Zusammenspiel beider Motoren sorgt eine elektronische Steuerung je nach Verkehrslage und Fahrweise. So übernimmt der Elektromotor beispielsweise beim Anfahren, im Stop-and-go-Verkehr oder in anderen Situationen den Antrieb, wenn der Verbrennungsmotor prinzipbedingt nicht seinen optimalen Wirkungsgrad erreicht. Ruft der Fahrer eine höhere Motorleistung ab, schaltet sich der V8-Motor zu und sorgt für kraftvolle Beschleunigung. Die unter der Fahrgastzelle platzierte 300-Volt-Batterie des Elektroantriebs wird beim Bremsen nachgeladen. Das Ergebnis dieser aufwendigen Technik: ein bis zu 20 Prozent geringerer Treibstoffverbrauch, vor allem im Stadtverkehr, und erheblich geringere Emissionswerte im Vergleich zu einem herkömmlichen Antrieb. Mit diesem Konzept greift der F 500 Mind zukünftigen Abgasbestimmungen voraus.
Türen: Durchgehend geöffnet
Auch für ein noch komfortableres Ein- und Aussteigen haben die Entwickler neue Ideen verwirklicht: ein variables Türkonzept, das – ganz nach Wunsch – zweierlei Möglichkeiten der Türöffnung bietet: konventionell oder gegenläufig nach dem sogenannten Schmetterlingsprinzip.
Bei der bekannten Methode schwenken die großen Türen unabhängig voneinander in einem Winkel von maximal 90 Grad nach vorne auf. Ist ein noch komfortablerer Einstieg in den Fond gewünscht, lässt sich nach dem Öffnen der vorderen Tür die am Seitenschweller befestigte, verkürzte B-Säule entriegeln. Sie schwenkt dann zusammen mit der Fondtür um bis zu 90 Grad nach hinten, sodass ein 1,9 Meter breiter Öffnungsbereich ohne störende B-Säule entsteht. Die B-Säule ist über ein elektromechanisches Schlosssystem fest mit der Karosserie verbunden und lässt sich mittels einfachen Tastendrucks elektrisch entriegeln.
Karosseriestruktur: Zentrale Dachsäule im Innenraum
Das einzigartige variable Türkonzept und der Verzicht auf durchgehende B-Säulen stellen die Forschungsingenieure bei der Konstruktion des Karosserierohbaus vor eine besondere Herausforderung. Ihre Aufgabe ist es, eine Alternative für die B-Säulen zu finden, die normalerweise einen wichtigen Beitrag zur Struktursteifigkeit und Crashsicherheit einer Karosserie leisten. Dachsäulen und -rahmen mit größeren Querschnitten kommen dafür indes nicht infrage, denn sie würden die Rundumsicht des Autofahrers und den Einstiegskomfort beeinträchtigen.
Computerberechnungen auf Basis der Finite-Elemente-Methode (FEM) bringen die Stuttgarter Fachleute schließlich auf die Idee einer zentralen Dachsäule im mittleren Bereich der Karosserie. Sie dient als stabiles Bindeglied zwischen dem Mitteltunnel und der Y-förmigen Dachstruktur. Im Zusammenspiel mit einem zusätzlichen Querverbund im Bodenblech und massiven Schwellerprofilen, die beim Seitenaufprall wirksam werden, sorgt die Zentralsäule für eine hohe Biege- und Torsionssteifigkeit.
Ihr spezielles Design verdankt das neuartige Strukturelement einer eigens durchgeführten Untersuchung über die Sichtverhältnisse des Autofahrers. Ergebnis: Durch die leicht geschwungene Form der Zentralsäule ist gewährleistet, dass sein Blick zur Seite oder nach hinten nicht zusätzlich beeinträchtigt wird.
Zudem bietet die Idee einer Zentralsäule neue Möglichkeiten für die Klimatisierung: Die Ingenieure integrieren Luftkanäle in die Säulenverkleidung und führen sie nach oben bis in den mittleren Dachträger. Hier sind individuell einstellbare Belüftungsdüsen für die Fondpassagiere untergebracht. Spezielle Leuchtflächen, die ebenfalls in der Zentralsäule Platz finden, setzen den Innenraum zusammen mit der indirekten Beleuchtung des Mitteltunnels dezent aber dennoch wirkungsvoll ins Licht.
Für ein lichtdurchflutetes Interieur sorgt das Ganzglas-Dach. Bei einer Karosserielänge von 5,09 Metern und einem Radstand von 2,97 Metern bietet das Fahrzeug im Fond deutlich mehr Beinfreiheit als andere Limousinen dieser Fahrzeugklasse. Der Fortschritt beruht auf dem Einsatz neuartiger elektronischer Pedale für Gas und Bremse. Sie bestehen aus kraftsensitiven Flächen, deren Sensoren die Befehle des Fahrers als elektrische Impulse an Motor und SBC™-Bremssystem übertragen. Je stärker der Fuß eine Druckplatte berührt, desto schneller wird beschleunigt oder stärker gebremst. Die Pedale erfordern weniger Platz im Vergleich zu einer normalen Pedalerie und ragen kaum in den Innenraum hinein, was den vorderen Fußraum um 12 Zentimeter vergrößert. Dementsprechend können die Sitze von Fahrer und Beifahrer vorverlagert werden und geben den Fondpassagieren mehr Raum. Gleichzeitig erhöht sich die passive Sicherheit, denn die Pedale werden bei einem Aufprall nicht in den Innenraum hineingedrückt. Auch die Lenkung des Forschungsfahrzeugs ist elektronisch gesteuert.
Neuartiges Anzeige- und Bedienkonzept
Das Multivision-Display im Cockpit des F 500 Mind bildet den Mittelpunkt eines neuartigen Bedien- und Anzeigekonzepts, das dem Autofahrer mehr Möglichkeiten der Information bietet und ihn gleichzeitig entlastet. Die Anzeigeinstrumente auf dem Display sind frei programmierbar, ihre Bildinformationen lassen sich mit Hilfe eines halbdurchlässigen Spiegels optisch überlagern oder miteinander kombinieren. So kann der Autofahrer mittels Tastendrucks am Lenkrad zahlreiche Informationen abrufen, die stets gut im Blickfeld liegen und somit nicht ablenken. Ein weiteres Display oberhalb der Mittelkonsole ist mit einem berührungsempfindlichen Touchpad gekoppelt, dessen Bedienfläche ebenso gegliedert ist wie die Displayanzeige. Hier steuert der Autofahrer Navigation, Autoradio, Klimaanlage, Telefon und andere Systeme durch leichtes Antippen.
Weitere Schalter und Taster sind mit speziellen Sensoren ausgestattet, die bereits auf einige Zentimeter Entfernung erkennen, wenn sich die Hand des Autofahrers nähert. In diesem Fall schaltet das Zentral-Display sofort auf die entsprechende Funktion um und erleichtert somit die Bedienung.
Eine weiterentwickelte Sprachbedienung und ein auf Ultraschalltechnik basierendes Fahrer-Informationssystem bieten zusätzlichen Bedienkomfort. Die Ultraschalltechnik ermöglicht es, dass nur der Fahrer die Hinweise des Navigationssystems, Verkehrsnachrichten und andere akustische Informationen hört – Beifahrer und Fondpassagiere des F 500 Mind werden dadurch nicht gestört.
Nachtsichtsystem für höhere Fahrsicherheit bei Dunkelheit
Bei Dunkelheit oder schlechten Sichtverhältnissen erscheint auf dem rechten Display des Kombi-Instruments das Bild des neuartigen Nachtsicht-Assistenten NightView. Es besteht aus zwei Infrarot-Laser-Scheinwerfern in der Fahrzeugfront, deren nicht sichtbares Licht die Fahrbahn bis zu 150 Meter weit ausleuchtet. Eine Kamera an der Frontscheibe des F 500 Mind nimmt das von anderen Fahrzeugen, Radfahrern oder Fußgängern reflektierte Licht dieser Scheinwerfer auf und wandelt es in eine deutliche Schwarzweiß-Darstellung um, die im Multivision-Display erscheint. Der Fahrer erkennt dadurch etwaige Gefahrenstellen weitaus früher als mit normalem Abblendlicht, das rund 40 Meter weit leuchtet.
Arbeitsplatz auf der Beifahrerseite
Als rollendes Forschungslabor ist der Innenraum des F 500 Mind mit einem speziellen, nach hinten klappbaren Labortisch inklusive Computer ausgestattet. So kann der im Fond mitreisende Forscher während der Versuchsfahrten die Systeme des Fahrzeugs überwachen, steuern und Messungen durchführen. Denn das Fahrzeug dient unter anderem intensiven Akzeptanzuntersuchungen des neuartigen Bedien- und Anzeigekonzepts, aber auch einer Fahrerprobung des Diesel-Hybridantriebs oder des Nachtsicht-Assistenten NightView.
Ihr Presse-Kontakt
N.
N.
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
Tel.: +49 711 17-49049
Fax: +49 711 1790-97310
Download gesamter Text
Aktionen
© 2014 Daimler AG. Alle Rechte vorbehalten. Anbieter | rechtliche Hinweise | CookiesDatenschutz | Nutzungsbedingungen