Die Forschungsfahrzeuge von Mercedes-Benz
Stuttgart
17.10.2011
Souveräne Reiselimousine – Mercedes-Benz F 700
Fakten
  • Fahrzeug: Mercedes-Benz F 700
  • Vorstellung: September 2007
  • Ort: Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), Frankfurt am Main
  • Zielsetzung: Vereinigung von überragendem Fahrkomfort mit hoher Umweltfreundlichkeit und guten Fahrleistungen bei ungewöhnlich niedrigem Verbrauch
  • Vierzylinder-DIESOTTO-Motor (1,8 Liter Hubraum, 175 kW/238 PS) in Kombination mit einem Hybridmodul (15 kW/20 PS)
Technische Highlights
  • DIESOTTO-Motor, der die Stärken des emissionsarmen Ottomotors mit dem Verbrauchsvorteil des Dieselantriebs vereint
  • PRE-SCAN-Fahrwerk: Vorausschauende Erkennung des Fahrbahnzustands und entsprechende Steuerung des elektrohydraulisch geregelten Aktivfahrwerks
  • PRE-SCAN-Tür: Laser-Scanner im Spiegelfuß der Fahrertür zur Überprüfung des Türschwenkbereichs auf Hindernisse
  • SERVO-HMI: Neuartiges Bedienkonzept (Human Machine Interface)
  • Innovatives großzügiges und flexibles Interieurkonzept inklusive REVERSE-Sitz im Fond
  • Fahrlicht und Tagfahrlicht mit Leuchtdioden
  • Umlaufendes Konturlicht
Der Mercedes-Benz F 700 zeigt die Zukunft der souveränen Reiselimousine. Er weist innovative Wege und Technologien auf, wie sich nicht nur Ressourcen und Umwelt deutlich schonen lassen, sondern auch Fahrer und Passagiere komfortabel und entspannt reisen können.
Kernstück des F 700 ist der DIESOTTO-Motor – ein neuartiges Antriebssystem. Er verbindet die Vorteile des emissionsarmen Ottomotors mit den Verbrauchsvorteilen des Dieselantriebs: Mit der kontrollierten Raumzündverbrennung hält erstmals das Diesel-Prinzip der kontrollierten Selbstzündung Einzug beim Ottomotor. Aufgrund der homogenen Verbrennung bei reduzierten Reaktionstemperaturen entsteht ein sehr geringer Ausstoß an Stickoxiden.
Die Reduzierung von Hubraum und Zylinderzahl sorgt zudem für einen verbesserten Wirkungsgrad. Der Antrieb im F 700 ist ein kompakter Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum, der aber dennoch das souveräne Leistungsgefühl einer Oberklasse-Limousine gewährleistet: Ein zweistufiges Turbolader-System sorgt für gutes Ansprechen und drehmomentstarken Durchzug. Zusätzlich wird der Verbrennungsmotor beim Anfahren vom Elektromotor des Hybridmoduls unterstützt. Die maximale Leistung beträgt 175 kW (238 PS), der E-Motor leistet weitere 15 kW (20 PS), und das maximale Drehmoment des Systems liegt bei 40 Newtonmetern. Die Beschleunigungszeit für den Spurt von null auf 100 km/h in 7,5 Sekunden belegt die Dynamik des F 700; seine Höchstgeschwindigkeit ist auf 200 km/h begrenzt. Trotz dieser hervorragenden Leistungsdaten liegt der Verbrauch des F 700 im Normzyklus nur bei 5,3 Litern, was einem Kohlendioxid-Ausstoß von 127 Gramm entspricht – extrem niedrig für ein Automobil dieser Klasse.
Vorausschauende Intelligenz im Fahrwerk
Das Forschungsauto nimmt auch bei der Fahrwerktechnik einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft: Dank seines aktiven PRE-SCAN-Fahrwerks reagiert das Fahrzeug nicht nur höchst sensibel auf Unebenheiten in der Fahrbahn, es agiert vielmehr schon vorausschauend. Als „Augen“ nutzt PRE-SCAN zwei Laser-Sensoren in den Frontscheinwerfereinheiten. Sie liefern ein präzises Bild von der Oberflächenbeschaffenheit der Straße. Das Steuergerät errechnet daraus die Parameter für das Aktivfahrwerk, um besten Komfort zu erzielen – die Ingenieure sprechen nicht von ungefähr vom „fliegenden Teppich“.
Die Augen des F 700
Eine futuristische Umsetzung des markentypischen Vier-Augen-Gesichts sind die Scheinwerfer des F 700. Die Fahrlichtfunktionen übernehmen zwei senkrechte Reihen von Leuchtdioden-Linienscharen mit vorgeschalteter Optik. Eine dritte senkrechte Reihe aus einzelnen Hochleistungs-Leuchtdioden stellt das Tagfahrlicht dar. Zusammen mit der umlaufenden Konturbeleuchtung gibt es dem F 700 auch bei Nacht ein unverwechselbares Erscheinungsbild.
Auch die Fahrertür „beobachtet“ ihre Umgebung aufmerksam. Im Spiegelfuß dieser PRE-SCAN-Tür sitzt ein sehr kompakter Laser-Scanner, der den Schwenkbereich der Tür auf Hindernisse überprüft. Die Tür wird bei drohenden Kollisionen mit einem steuerbaren Hydraulikzylinder arretiert.
„Aqua Dynamic“ als neue Formensprache
Das Design des F 700 ist geprägt von weichen, fließenden Formen. „Aqua Dynamic“ nennen die Designer diese Formensprache, mit der sie die Strömungsdynamik bei Fischen in das Design eines besonderen Automobils übersetzten. Zudem zeigt das Design sofort, dass hier den Passagieren besonders viel Raum gegeben wird. Mit seiner Außenlänge von 5,18 Metern ist der F 700 etwas kürzer als die S-Klasse der Baureihe W 221 in der Langversion, mit seinem üppigen Radstand von 3,45 Metern übertrifft das Forschungsfahrzeug das Serienmodell allerdings um stolze 28,5 Zentimeter. Die Seitenansicht des F 700 ist geprägt von den stark gespannten Bögen der Dachkontur und der Schulterlinie.
Interieur mit Eleganz und Leichtigkeit
Das extrem großzügige und flexible Innenraumkonzept wird nicht nur durch den langen Radstand nach außen sichtbar. Optisch unterstützt wird die großzügige Gestaltung durch zwei große Glasflächen im Dach. Dank der Verwendung von natürlichen Materialien wie Leder und Kork und einer Farbharmonie von Braun- und Beigetönen wirkt das Interieur elegant-leicht und sehr hochwertig.
Die rechte Fondtür ist hinten angeschlagen. Diese „umgedrehte“ Öffnungsrichtung erleichtert den Einstieg in den REVERSE-Sitz – eine weitere Innovation im F 700. Der REVERSE-Sitz ist das Herzstück des neuartigen Sitzkonzepts und eine komplett neu erdachte Konstruktion für den rechten Fondsitz. Er löst die fest gefügte Platzordnung in einer Limousine auf und erlaubt stattdessen individuelle Sitz- und Ruhepositionen, sowohl in Fahrt- wie auch in Gegenrichtung.
Relax-Position und Kino-Atmosphäre
Vier Personen sitzen klassisch in Fahrtrichtung. Ist der Beifahrersitz nicht belegt, lässt sich auf Knopfdruck der rechte Fondsitz in eine Relax-Position fahren. Zudem lässt sich der REVERSE-Sitz so einstellen, dass der Passagier in Gegenrichtung sitzt. Er kann sich vis-à-vis mit seinem Nachbarn unterhalten, arbeiten, ruhen oder auch das audiovisuelle Entertainment genießen. Ein Monitor mit 51 Zentimeter Bildschirmdiagonale und 3-D-Technologie sowie ein Surround-Soundsystem schaffen Kino-Atmosphäre.
Angenehmere und leichtere Bedienung
Im F 700 wurde ein völlig neues Anzeigekonzept dargestellt und das bewährte COMMAND-Bedienkonzept mit einer ganzen Reihe von zukunftweisenden Innovationen weiterentwickelt. Dazu gehören unter anderem:
  • Das SERVO-HMI, das durch den großen Betrachtungsabstand die Augenermüdung verringert.
  • Die Spracherkennung mit einem virtuellen Bedienungs-Assistenten (Avatar) zur erleichterten Steuerung komplexer Funktionen über einen gesprochenen Dialog.
  • Reduzierte Bedienfunktionen durch verstärkte Automatisierung.
  • Der Dreh-Drück-Steller mit erweiterter Schiebefunktion.
  • Das Entertainment-System mit Road-View und räumlichem 3-D-Kino.
Als Beitrag zur Konditionssicherheit haben die Forschungsingenieure das SERVO-HMI (Human Machine Interface) entwickelt. Die darauf angezeigten Fahr- und Fahrzeuginformationen erscheinen am unteren Rand der Frontscheibe, sind optisch aber noch ein Stück weiter entfernt. Die Augen müssen somit beim Blick auf die Displays nicht mehr im heute üblichen Maße von Fern- auf Nahsicht umstellen und werden deshalb weitaus weniger beansprucht.
Die Bedienung von Navigation, Kommunikation und Telefon sowie Audio/Entertainment erfolgt mit einem Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole.
Klimatisches Wohlbefinden ist ein wesentliches Element des Komfortgefühls. Eine Klimaautomatik, die unauffällig reguliert und zugfrei arbeitet, wird über einen eigenen Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole bedient. Das Bedienelement erkennt automatisch, ob es vom Fahrer oder Beifahrer bedient wird und aktiviert entsprechend die Klimasteuerung für die linke oder die rechte Seite.
Für komplexere Eingabevorgänge gibt es als innovative Unterstützung den individuellen Assistenten, in der Computersprache Avatar genannt (eine Animation mit virtueller Identität). Im F 700 hat der Avatar die Gestalt einer jungen Frau. Sie tritt durch gesprochenen Dialog in Kontakt mit dem Fahrer, fragt beispielsweise im Navigationsmenü nach dem gewünschten Ziel und bestätigt die Spracheingabe. Ähnlich funktioniert die Auswahl eines Gesprächspartners aus dem Telefonbuch oder des gewünschten Radiosenders.
Diese Form des Dialogs vereinfacht die Sprachbedienung für den Fahrer und verbessert die Spracherkennung durch das System. Zudem ist der Umfang an Dialog-Assistenzfunktionen nahezu unbegrenzt erweiterbar. So könnte der Avatar als virtueller Assistent über eine Internet-Verbindung aus dem Fahrzeug auf Online-Datenbanken zugreifen, den Terminkalender des Fahrers ergänzen oder wichtige E-Mails vorlesen. Die Ablenkung bleibt durch die Bedienung über den gesprochenen Dialog auf ein Minimum reduziert, schließlich steht bei Mercedes-Benz die Fahrsicherheit immer im Vordergrund.
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