Ein Lebensretter feiert Geburtstag: Vor 30 Jahren ging der Airbag in Serie
Stuttgart
24.09.2010
Vor 30 Jahren fuhr bei Mercedes-Benz in Sindelfingen das erste Serienautomobil mit Airbag von der Montagelinie: eine Limousine der S-Klasse. Damit endete die mehr als 13-jährige Entwicklungszeit des ersten Fahrerairbags bei Mercedes-Benz und eine neue Epoche der Fahrzeugsicherheit begann. Laut der amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde (National Highway Traffic Safety Administration, NHTSA) hat der Airbag insgesamt bisher in den USA über 28.000 Menschen das Leben gerettet.1 Mercedes-Benz bot den Airbag lange vor anderen Fahrzeugherstellern in Serienfahrzeugen an und hat bis heute Millionen von Fahrzeugen mit diesem Schutzsystem ausgestattet. Seit Oktober 1992 gehört der Airbag auf der Fahrerseite zur Serienausstattung aller Personenwagen mit dem Stern.
Dass immer mehr Fahrzeuge mit dem Lebensretter Airbag ausgestattet sind, ist eine der Ursachen für die schnell und kontinuierlich sinkende Zahl von Verkehrsopfern in Deutschland. Gerade gab das Statische Bundesamt vorläufige Zahlen dazu für das erste Halbjahr 2010 bekannt: „Nach vorläufigen Ergebnissen kamen von Januar bis Ende Juni 2010 im deutschen Straßenverkehr 1.675 Menschen ums Leben. Das waren 291 Personen und 15 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2009. Diese Abnahme ist umso bemerkenswerter, da auch schon im ersten Halbjahr des Vorjahres ein starker Rückgang zu beobachten war. Mit dieser sehr positiven Entwicklung in den ersten sechs Monaten 2010 ist zu erwarten, dass in diesem Jahr die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr erstmals unter 4.000 liegen wird.“2
In einer aktuellen Studie3 der Nationalen Verkehrssicherheitsbehörde der USA (NHTSA) wird die Gurt- und Airbageffizienz untersucht. Eindrucksvolles Ergebnis: „Verglichen mit einem nicht angeschnallten Insassen in einem Fahrzeug ohne Airbag ist die statistische Wahrscheinlichkeit einer tödlichen Verletzung mit Airbag und Sicherheitsgurt um 61 Prozent geringer.“ In der Studie macht die NHTSA aber auch darauf aufmerksam, wie wichtig die Vermeidung von Unfällen mit sehr hohen Kollisionsgeschwindigkeiten ist.
Erkenntnisse, die die Mercedes-Benz Unfallforschung längst gewonnen hat und die daher im ganzheitlichen Sicherheitsansatz der Marke schon lange Berücksichtigung finden:
  • Auch bei Fahrsicherheitssystemen wie ESP® war Mercedes-Benz der weltweite Pionier. Hier geht es darum, Unfälle zu vermeiden, bei denen der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat.
  • Mit PRE-SAFE®, seit 2002 exklusiv in Mercedes-Modellen verfügbar, verfolgt das Unternehmen die Zielrichtung, durch vorausschauende Sicherheitsmaßnahmen Unfälle ganz zu vermeiden, ihre Schwere zu verringern und die Insassenbelastungen zu reduzieren.
  • Verbesserung und Ausbau der Schutzsysteme: Nach Fahrer- und Beifahrerairbag entwickelte Mercedes-Benz Seiten- und Kopfairbags zum Schutz beim Seitenaufprall – mit Erfolg: Nach Erkenntnissen der hauseigenen Unfallforschung sinkt die Wahrscheinlichkeit von schweren oder tödlichen Verletzungen im Falle einer Seitenkollision bei mit Kopfairbag ausgerüsteten Fahrzeugen um mehr als die Hälfte: Der Anteil Schwerverletzter und Getöteter in Seitenkollisionen verringerte sich in den untersuchten Fällen signifikant.
  • Die Schutzsysteme werden immer intelligenter: Gurtstraffer verbessern die Schutzwirkung der Sicherheitsgurte. Mehrstufige Airbags reagieren abgestimmt auf die Schwere des Unfalls. Insgesamt besitzen die Steuerungssysteme der Sicherheitssysteme heute die Rechenkraft von Computern, wie sie vor 25 Jahren noch als Supercomputer in der Weltraumfahrt eingesetzt wurden.
Trotz der großen Zahl von geretteten Leben und der kontinuierlichen Verbesserung der Schutzsysteme wird von Skeptikern noch immer gelegentlich die Frage gestellt: Kann der Airbag auch schaden? Eine Frage, die die Entwicklung des Lebensretters schon in der Frühzeit fast stoppte: Bei ersten Versuchen Anfang der 1970er-Jahre war es in den USA zu einem Todesfall gekommen. Daraufhin zogen sich alle Autohersteller zunächst aus der Entwicklung zurück. Nur Mercedes-Benz glaubte weiterhin an die Schutzwirkung und Realisierbarkeit der Luftsäcke – und führte 1980 nach intensiver Entwicklungsarbeit, die von viel Pioniergeist geprägt war, die ersten serienreifen Fahrerairbags in Mercedes-Benz Fahrzeuge ein.
Mittlerweile zeigen viele Studien die Effektivität von Airbagsystemen. So zeigt die NHTSA in einer im Januar 2009 veröffentlichten Untersuchung4 das große Schutzpotenzial auf: Airbags haben seit ihrer Einführung in den USA insgesamt 28.244 Leben gerettet: 23.127 Fahrer (davon 13.999 nicht angeschnallt) und 5.117 Beifahrer (davon 2.883 nicht angeschnallt) verdanken dem Luftsack ihr Leben.
Alle Sicherheitsexperten stimmen aber darin überein, dass der Airbag die Verwendung von Sicherheitsgurten nicht ersetzen kann. Erst in Verbindung mit dem Sicherheitsgurt stellt er ein optimal aufeinander abgestimmtes System dar und trägt bei schweren Unfällen nachweislich und maßgeblich dazu bei, schwere bis tödliche Verletzungen der Insassen zu vermeiden.
Dies zeigt auch eine Untersuchung der deutschen Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)5. Dort wird festgestellt: „Bei Unfällen mit entgegenkommenden Fahrzeugen vermindert passive Sicherheitsausstattung zum Beispiel durch Airbags und Gurte die Unfallschwere in Neufahrzeugen mit 42 Prozent besonders deutlich gegenüber 14 Prozent bei älteren Fahrzeugen.“
1 NHTSA, DOT HS 811 104, “Counts of Frontal Air Bag Related Fatalities and Seriously Injured Persons”, Januar 2009, www.nhtsa.dot.gov
 
2 Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes Deutschland vom 19.8.2010
 
3 NHSTA, DOT HS 811 202, “Fatalities in Frontal Crashes Despite Seat Belts and Air Bags”, September 2009, www.nhtsa.dot.gov
 
4 NHTSA, DOT HS 811 104, “Counts of Frontal Air Bag Related Fatalities and Seriously Injured Persons”, Januar 2009, www.nhtsa.dot.gov
 
5 Einfluss verbesserte Fahrzeugsicherheit bei Pkw auf die Entwicklung von Landstraßenunfällen, Bergisch Gladbach, Bundesanstalt für Straßenwesen, 2008 (Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Unterreihe „Fahrzeugtechnik“, Heft F70, Dezember 2008)
 
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