Pressemappe: C-Klasse Historie
Stuttgart
25.03.2011
Die Vorgeschichte der Kompaktklasse von Mercedes-Benz
  • Überlegungen zu kompakten, komfortablen und sicheren Autos begleiten die Automobiltechnik von Anbeginn an
  • Die Vorentwicklung des Mercedes-Benz 190 beginnt bereits im Jahr 1971
Seit es das Automobil gibt, begleiten Überlegungen die Fahrzeug­technik, Komfort und Sicherheit auch in kleinere Fahrzeuge zu bringen. Die Unternehmen Benz & Cie. und Daimler-Motoren-Gesellschaft richten stets ihr Augenmerk nicht nur auf opulente Autos, sondern wenden den Blick zugleich kompakteren Modellen zu. Auch für die Daimler-Benz AG, die 1926 im Rahmen einer Fusion entsteht, ist der Bau eines kleineren Mercedes-Benz Personenwagens ein ständig latentes Thema, insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aus solchen Überlegungen heraus entstehen beispielsweise der Typ 170 (1931, W 15) und der Typ 170 V (1936, W 136).
Konkrete Anläufe, unterhalb der mittleren Fahrzeugkategorie ein neues Mercedes-Benz Modell zu etablieren, gibt es erst jedoch erst in den 1950er-Jahren (W 122) und Anfang der 1960er-Jahre (W 118/119). Beide Pläne haben aber Projektcharakter behalten und sind nicht zur Serienreife gekommen.
Anfang der 1970er-Jahre sieht die Autowelt dann deutlich anders aus. Es verdichten sich die Gerüchte, dass Rohöl knapper wird, auch werden abgasarme Fahrzeuge – insbesondere für den Export nach in Nordamerika – immer wichtiger. So beginnen erste technische Überlegungen für einen kleineren Mercedes-Benz Personenwagen in der Vorentwicklung bereits 1971 – eine Baureihenbezeichnung steht zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht fest. Die Ölkrise bekräftigt 1973 die Richtigkeit dieser Gedanken, und Ende des Jahres wird beschlossen, die Ideen mit großem Anspruch auf Realisierung weiterzuverfolgen. 1974 wird dann die Baureihenbezeichnung „W 201“ festgelegt. Im Daimler-Benz Vorstand jedoch bleibt es ein zähes Ringen, ob die Baureihe tatsächlich gebaut wird. Die Befürworter sind vollkom­men überzeugt, dass man ein Fahrzeug bauen kann, das selbst bei geringeren Außenabmessungen die für Mercedes-Benz typische Sicherheit sowie ein herausragendes Fahrverhalten und großen Fahrkomfort bietet. Die Gegenseite bezweifelt genau dies – und befürchtet zudem eine Verwässerung der Exklusivitäts-Maxime der Marke. Am Ende legen schlichtweg die äußeren Markt­bedingungen die Entscheidung für die Baureihe nahe. Sie wird 1977 gefällt: Die neue Baureihe W 201 wird gebaut – das ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen des Vorstands der damaligen Daimler-Benz AG. Für die Planer kommt sie nicht unerwartet. Professor Werner Breitschwerdt, der damalige Entwicklungschef und spätere Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, erinnert sich 2000: „Mitte der Siebzigerjahre wurde dieses Thema plötzlich hoch aktuell – vor allem wegen der amerikanischen Vorschriften über den Flottenverbrauch. Dafür erwies sich ein kleineres Modell als sehr nützlich.“ Ein Nebenaspekt bei allen Überlegungen ist zudem die bewusste Lancierung des neuen Modells als idealen Zweitwagen neben einer größeren Mercedes-Benz Limousine – mit identischem Sicherheitsstandard.
Wichtig für die Produktoffensive
Die Marke mit dem Stern will aber auch expandieren. Die Kompaktklasse soll mit Mercedes-Benz Potenzial neue Kunden gewinnen, vor allem junge Menschen. „Unsere neue Mercedes-Klasse ist ein großer Schritt nach vorn zur Ergänzung unseres derzeitigen Personenwagenprogramms um eine komplette zusätzliche Baureihe“, sagt Gerhard Prinz im Dezember 1982, damals Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG. „Damit eröffnen wir uns die Chance, weiteres Marktpotenzial zu erschließen und somit noch mehr interessierten Kunden ein attraktives Modell anzubieten. Nach Jahren, die mehr der Konsolidierung unseres Pkw-Geschäfts gewidmet waren, haben wir die Voraussetzungen geschaffen, nun auch wieder mit voller Offensive in den Markt hineinzugehen.“
Zum Zeitpunkt der Entscheidung ist bereits so viel konstruktive Vorarbeit geleistet worden, dass die Marktreife der Baureihe vergleichsweise schnell erreicht werden kann. 1978 starten bereits die Fahrversuche. Im Laufe der Entwicklung wird eine immense Zahl an Versuchswagen benötigt. Mit 25 Erprobungs­trägern wird begonnen, in der Außenhaut des Typ 200 dienen sie dem Ausprobieren neuer Aggregate, hauptsächlich Achsen. Es folgen 53 vollständig handgefertigte Vor-Prototypen und Proto­typen zur Erprobung des Gesamtfahrzeugs sowie schließlich eine Pilotserie von 25 bis 40 Fahrzeugen (je nachdem, ob man die zur Typprüfung notwendigen Wagen mitrechnet oder nicht).
Der Aufwand ist also immens. Allein für die Hinterachse werden nicht weniger als 8 Grundprinzipien mit insgesamt mehr als 70 Varianten konstruiert, von denen rund ein Drittel gebaut und im Versuch erprobt wird. Und die Herstellungskosten eines Erprobungsträgers belaufen sich auf rund 400 000 Mark (umgerechnet rund 205 000 Euro), ein Vor-Prototyp und ein Prototyp kostet gar zwei Millionen Mark (also etwa eine Million Euro) das Stück. Doch es lohnt sich.
Joachim-Hubertus Sorsche, damals Direktor der Pkw-Entwicklung, lobt vor allem die „unermüdliche Kleinarbeit, die letztendlich ein Automobil gut werden lässt. Dieses Erproben und Durchentwickeln über fünf Millionen Versuchskilometer, unzählige Prüfstands­versuche in enger Verzahnung mit der Konstruktionsarbeit, dieses Nicht-eher-Ruhen, bis das letzte Detail nicht nur für sich funktioniert, sondern in das Gesamtprojekt optimal eingepasst ist, dieses immer wieder In-die-Hand-nehmen auch von Kleinigkeiten, bis auch der kritischste Entwickler sagt, jetzt können wir uns damit sehen lassen, das ist es, was dieses Fahrzeug kennzeichnet und als Mercedes identifizierbar macht.“
1982 erlebt die Kompaktklasse ihre Premiere. Die Ingenieure haben ein Bravourstück der Technikgeschichte vollbracht: Alle Punkte des Lastenhefts, die als essentiell für den markentypischen Charakter anzusehen sind, werden erfüllt. Der neue
Mercedes-Benz glänzt mit exzellentem Fahrverhalten, einem Komfort über dem Klassendurchschnitt, höchster aktiver wie passiver Sicherheit und besten Verbrauchs- und Emissionswerten. Wie heißt es im Prospekt von 1983? „Mit dieser zusätzlichen Baureihe ist es gelun­gen, Mercedes-Spitzentechnik und Mercedes-Qualität erstmals in einem kompakten Automobil zu konzentrieren. Ohne Kompromiss, ohne Abstriche.“
Warum es kein Frontantriebs-Fahrzeug geworden ist? Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Erstens ist die gesamte Raumaufteilung bei einem Fahrzeug der angepeilten Größenklasse mit einem Heck­antrieb besser zu verwirklichen. Insbesondere ein quer eingebau­ter Motor hätte die Freiheit der Konstrukteure, verschiedene Motoren und Getriebe einzubauen, stark eingeschränkt. Zweitens legt die Entwicklungsabteilung viel Wert darauf, Antrieb und Lenkung zu trennen, um an Vorder- und Hinterachse eine größere Freiheit für die Abstimmung der Fahrqualitäten zu haben.
Ihr Presse-Kontakt
Birgit
Pillkahn
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
Tel.: +49 711 17-49049
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