Will der Mensch, was die Technik kann?

Man sieht, die Technik kann und der Mensch will – grundsätzlich jedenfalls. Dennoch wird das autonome Fahren nicht schon morgen unser Straßenbild prägen.

Autonom fahrende Vehikel gibt es in zum Teil kuriosen Ausprägungen schon lange: Selbstfahrende Landmaschinen, Staubsauger, Rasenmäher und Roboter, die wir auf den Mond schicken. Also immer dann, wenn der Mensch nicht in der Lage ist, sein Ziel zu erreichen, weil es fremd, unkomfortabel oder schlicht unmöglich ist, oder ihm die Aufgabe zu mühsam und eintönig erscheint, schickt er seine Roboter vor. Doch jetzt will er selber mit – im selbstfahrenden Auto-Roboter. Warum? Weil uns das Autofahren eben gelegentlich zu mühsam oder zu eintönig ist. Weil wir in den wachsenden Metropolen dieser Welt nicht noch länger unnütz und unterfordert hinter dem Steuer sitzen wollen, sondern unsere immer knapper werdende Zeit mit spannenderen Dingen wie Zeitung lesen oder E-Mails schreiben verbringen möchten.

Oder aber auch, weil wir rechtzeitig im Kino ankommen wollen und das Auto lieber allein auf Parkplatzsuche schicken. Wer hätte nicht gerne einen schlauen KITT wie in Knight Rider? Mit dem autonomen Fahren verwischen die Grenzen zum öffentlichen Personennahverkehr: Auch Kinder, Senioren oder Menschen mit Behinderung, die noch nicht oder nicht mehr Auto fahren können, wären im selbstfahrenden Fahrzeug mobil.

Loslassen können

All dies setzt voraus, dass der Mensch noch mehr als jetzt bereit ist, die Kontrolle abzugeben. Warum noch mehr? Weil wir das jetzt schon in vielfältigen Situationen tun: als Beifahrer an den Fahrer; im Bus an den Busfahrer, im Zug an den Lokführer oder im Flieger an den Piloten.

In all diesen Situationen denkt man erstaunlich wenig darüber nach – ganz anders, wenn sich das Lenkrad plötzlich selbständig vor einem dreht. Liegt es daran, dass man einem anderen Menschen mehr vertraut, als einer Maschine? Und das obwohl über 90 Prozent der Unfälle im Straßenverkehr auf menschliche Fehler zurückzuführen sind?

Fakt ist, Fahrerassistenzsysteme kennen keine Schrecksekunde und sind immer konzentriert und ausgeruht. Und für alle diejenigen, die grundsätzlich an die Überlegenheit des Menschen über die Technik glauben: Einer Maschine oder Technologie zu vertrauen, heißt letztendlich auch, den Menschen zu vertrauen, die sie entwickelt oder programmiert haben. Um dieses Vertrauen stückweise zu gewinnen, benötigen viele jedoch noch den „Aus-Knopf“.

Der Autopilot muss jederzeit vom Fahrer ausgeschaltet werden können. Auch aus diesem Grund stellen die verschiedenen Stufen des autonomen Fahrens nicht nur gesetzliche Vorgabe oder Schritte der Entwicklung, sondern vor allem auch Stufen der Vergesellschaftung einer Technologie dar. „Unsere autonomen Systeme machen dem Fahrer ein Angebot zur Unterstützung und Entlastung. Wer selbst fahren möchte, kann das heute und auch in Zukunft jederzeit tun“, so Daimler-Entwicklungsvorstand Prof. Dr. Thomas Weber.

Klar ist: Das autonome Fahren wird kommen!

Und das bringt nicht weniger, sondern mehr Freiheit mit sich. Weil der Mensch besser und freier über das kostbare Gut Zeit entscheiden und dabei mobil bleiben kann. Für die Gesellschaft ist es wichtig, dass wir langfristig mit autonomen Fahrzeugen das Unfallrisiko deutlich minimieren. Und für die Hersteller wird langfristig entgegen vieler Stimmen in den Medien nach wie vor Design, Ausstattung und das Markenversprechen über die Kundenpräferenz entscheiden. Denn auch wenn das Fahrzeug autonom fährt, wird der Kunde diejenige Marke wählen, die am besten zu seiner Lebenswelt passt.

Die Vorboten einer neuen Welt Erfahren Sie in diesem Themenspecial alles über Fahrzeuge, Technik sowie rechtliche und gesellschaftliche Fragestellungen rund um selbstfahrende Pkw und Lkw.

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Future Mobility: autonomous

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