Fahrerloses Parken. Automated Valet Parking

12. Oktober 2020 - Parken lassen, statt zum Flieger hasten: Bosch, Mercedes-Benz und der Parkraumbetreiber Apcoa wollen Fahrzeuge am Flughafen Stuttgart künftig fahrerlos und vollautomatisiert parken lassen. Dafür soll das von Bosch und Mercedes-Benz entwickelte Automated Valet Parking (AVP) zur Serienreife gebracht werden.

Die neue Mercedes-Benz S-Klasse ist schon so weit: Sie ist das weltweit erste Serienfahrzeug mit der notwendigen Technik an Bord für einen künftigen infrastrukturbasierten AVP-Betrieb. Das Unternehmen spricht bei dieser Sonderausstattung von der Vorrüstung für den INTELLIGENT PARK PILOT. Damit ist die S-Klasse vorbereitet, künftig per Smartphone-Befehl fahrerlos zu einem reservierten Stellplatz zu fahren. „Mit der neuen S-Klasse wird nicht nur das Fahren, sondern selbst das Parken zum Luxus“, sagt Dr. Michael Hafner, Leiter Automatisiertes Fahren der Mercedes-Benz AG.

Pilotparkhaus für den geplanten Serienbetrieb des automatisierten Parkservice ist das P6 am Flughafen Stuttgart. Dort erproben die Unternehmen das Zusammenspiel der Fahrzeugtechnik der S-Klasse mit der intelligenten Infrastruktur von Bosch sowie der digitalen „Flow“-Plattform von Parkraumbetreiber Apcoa. Dank dieser Plattform funktioniert der Parkvorgang komplett ohne Ticket und Bargeld. „Gemeinsam wollen Apcoa, Bosch, Mercedes-Benz und der Stuttgarter Flughafen das Parken zum vollautomatisierten Parkerlebnis machen“, sagt Christoph Hartung, Mitglied des Bereichsvorstandes von Connected Mobility Solutions bei Bosch. Aktuell laufen im Flughafenparkhaus die Vorbereitungen zum Start des geplanten Pilotbetriebs von Automated Valet Parking. Ziel des Testbetriebs am Flughafen Stuttgart mit neuen S-Klasse Fahrzeugen ist es, das reibungslose Zusammenspiel von Fahrzeug, Infrastrukturtechnik und Parkhausbetreiber zu erproben und optimal auf den Kunden anzupassen.

Die S-Klasse bei der Erprobung am Stuttgarter Flughafen.

Weltweit erste Level 4-Parkfunktion in einem Serienfahrzeug

Im Juli 2019 haben Bosch und Mercedes-Benz die weltweit erste Ausnahmegenehmigung für einen AVP-Betrieb ohne Sicherheitsfahrer mit ausgewählten E-Klassen im realen Parkhaus-Mischverkehr des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart erhalten. Die neue Mercedes-Benz S-Klasse ist mit der Vorrüstung für den INTELLIGENT PARK PILOT nun als erstes Serienfahrzeug mit der AVP-Technologie ausgerüstet und kann somit fahrerlos parken. Voraussetzung dafür ist aber, dass künftig mit der erforderlichen Infrastruktur ausgerüstete Parkhäuser verfügbar sind und der nationale Gesetzgeber diesen AVP-Betrieb erlaubt. Das Fahrzeug ist damit weltweit das erste mit einer Vorrüstung für eine Fahrfunktion der zweithöchsten Autonomiestufe nach SAE, Level 4. „Mit Automated Valet Parking zeigt Mercedes-Benz, dass automatisiertes Parken bald zur Realität gehören wird“, sagt Hafner.

Für die neue Art des Parkens per Knopfdruck wird direkt hinter der Einfahrt des Parkhauses P6 ein großzügiger Drop-off- und Pick-up-Bereich eingerichtet. Hier können AVP-Nutzer künftig ihr Fahrzeug bequem abstellen. Während sie bereits zum Terminal laufen und einchecken, parkt die S-Klasse – auf Basis der Informationen der Infrastrukturtechnik – selbständig im Untergeschoss. Das bedeutet: Kein Rangieren und keine Verrenkungen mehr beim Aussteigen, wenn der sonst mühsam gefundene Parkplatz zu eng ist. „Automated Valet Parking ist ein echter Komfort- und Zeitgewinn für unsere Passagiere. Das gilt ganz besonders, wenn sie in Eile sind und am Flughafen schnell ihr Auto loswerden wollen“, sagt Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH. Im P6 stehen während der nun startenden Testphase zunächst zwei Parkplätze für selbstparkende Fahrzeuge bereit. Mit dem Start des künftig geplanten fahrerlosen Serienbetriebs und steigender Nachfrage sollen weitere Parkplätze dazukommen.

Intelligente Infrastruktur und digitale Plattformen

Im Pilotparkhaus am Stuttgarter Flughafen kommen anstelle der bisher eingesetzten LIDAR-Sensoren erstmals neue Videokameras von Bosch zum Einsatz, die freie Parkplätze erkennen, den Fahrkorridor sowie dessen Umfeld überwachen und Hindernisse oder Personen auf der Fahrspur erfassen. In einer eigens im Parkhaus installierten Computerzentrale wird die Route der Fahrzeuge zum freien Parkplatz berechnet. „Unsere intelligente Parkhaus-Infrastruktur ist die Basis für das fahrerlose Parken der Zukunft“, sagt Hartung von Bosch. Die Informationen der Kameras machen es sogar möglich, dass die Autos eigenständig innerhalb des Parkhauses fahren können – auch auf engen Rampen, was den Wechsel zwischen verschiedenen Stockwerken möglich macht. Die Fahrzeugtechnik setzt die Informationen der Infrastruktur selbstständig in Fahrmanöver um: Wenn die Kameras in der Infrastruktur beispielsweise ein überraschendes Hindernis detektieren, bremst das Fahrzeug blitzschnell in den sicheren Stillstand.

Beim fahrerlosen Parken am Flughafen Stuttgart soll künftig auch die digitale Plattform „Flow“ vom Parkhausbetreiber Apcoa eine entscheidende Rolle spielen. Bereits heute nimmt sie Autofahrern die sonst lästige Abwicklung des Parkvorgangs ab. Das beginnt mit der verbindlichen Buchung eines Stellplatzes und geht über die berührungslose Einfahrt bis hin zur vollautomatisierten Bezahlung, Rechnungsstellung und der ebenfalls berührungslosen Ausfahrt. Das System erkennt das Kundenfahrzeug und die Schranken öffnen automatisch – ein Ticket und der Gang zum Kassenautomaten sind nicht mehr erforderlich. „Apcoa möchte der erste Parkraumbetreiber werden, der in einem seiner Parkhäuser einen automatisierten Parkservice basierend auf der AVP-Technologie vollumfänglich unterstützt und ermöglicht“, sagt Frank van der Sant, Chief Commercial Officer der Apcoa Parking Holdings GmbH.

Mehr Fahrzeuge, mehr Parkhäuser

Mehr Zeit durch einen Hol- und Bringdienst fürs Auto und keine langen Wege bis zum eigenen Fahrzeug mehr: Kunden sollen künftig in den Genuss eines fahrerlosen Parkservice kommen – sobald entsprechend ausgestattete Parkhäuser verfügbar sind und nationale Gesetze einen AVP-Betrieb erlauben. Die Voraussetzungen dafür haben Bosch und Mercedes-Benz mit ihrer weltweit ersten infrastrukturgestützten Lösung für einen automatisierten Vorfahr- und Einpark-Service nach SAE Level 4 im realen Mischbetrieb bereits geschaffen. Einheitliche Standards und Schnittstellen sorgen für eine reibungslose Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und der Infrastrukturtechnik.

Ziel von Bosch ist es, künftig weitere Parkhäuser mit der AVP-Infrastrukturtechnik auszustatten. Als Europas größte Betreiberfirma hat Apcoa strategisches Interesse, innovative Premiumservices wie AVP in weiteren Parkhäusern anzubieten. „Künftig wollen wir AVP weiteren Kunden an ausgewählten Apcoa Standorten ermöglichen“, sagt van der Sant von Apcoa. Das Unternehmen betreibt in 13 Ländern mehr als 9 500 Standorte mit zusammen rund 1,5 Millionen Stellplätzen. Bei einem steigenden Anteil des fahrerlosen und vollautomatisierten Parkservice passen künftig bis zu 20 Prozent mehr Fahrzeuge auf die gleiche Fläche. Zudem bieten sich insbesondere enge, abgelegene und damit wenig attraktive Parkflächen dafür an, dort Autos fahrerlos abzustellen.

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