"Design unterliegt kontinuierlichem Wandel". Interview mit Design-Chef Gorden Wagener

Gorden Wagener leitet seit Mitte 2008 den weltweit tätigen Designbereich bei Daimler. Für ihn ist Design markenprägend und der ganzheitliche Gestaltungsansatz essentiell, da sowohl die Produkte als auch die Marken bei Daimler perfekt inszeniert werden müssen. Daher gestaltet sein international aufgestelltes Team sämtliche Marken und Produkte des Unternehmens - von den Automobilen bis hin zum holistischen Corporate Design aller Konzernmarken.

In Fokus seiner Arbeit steht die Marke Mercedes-Benz. Hierfür wurde unter seiner Leitung 2009 die neue Design-Philosophie der sinnlichen Klarheit entworfen, die kontinuierlich weiterentwickelt wird. Die progressive Formensprache definiert modernen Luxus und bringt einen wesentlichen Aspekt der Marke Mercedes-Benz - die Bipolarität aus Intelligenz und Emotion - exakt auf den Punkt.

Gorden Wageners Handschrift als Designchef tragen unter anderem die neue E-Klasse, die Modelle der C- und S-Klasse, die Geländewagen GLE Coupé und GLC, der Mercedes-AMG GT und darüber hinaus smart sowie die Nutzfahrzeuge des Konzerns.

Herr Wagener, was ist Design und wie unterscheidet es sich zur Kunst?

Ich denke, die Übergänge zwischen Design und Kunst können fließend sein. Das Automobil-Design ist ein künstlerisch, sinnlich orientiertes Schaffen, wird jedoch von entsprechenden Parametern bestimmt und kann hinsichtlich „gut“ oder „schlecht“ beurteilt werden. Die Kunst ist dagegen sehr frei.

Stellen Sie sich vor, Sie stoßen beim Frühjahrsputz auf eine Skizze aus den Anfängen Ihrer Karriere. Was würden Sie heute darüber denken?

Ich würde vermutlich denken, dass ich mich gut weiterentwickelt habe.

Warum waren die Autos in den 80ern eckig, warum wurden sie in den 1990ern wieder abgerundeter? Warum ist Design stets im Wandel?

Der Mensch entwickelt stetig neue Bedürfnisse und so unterliegt auch das Design einem kontinuierlichen Wandel. In der Mode zum Beispiel werden alljährlich mindestens vier neue Kollektionen präsentiert. Bei uns im Automobildesign entsteht grob gesagt in jeder Dekade etwas Neues. Zugleich müssen Fahrzeuge aber langlebiger sein als andere Produkte - sie sind schließlich viele Jahre auf unseren Straßen zu sehen - und dem jeweils vorherrschenden, aber sich veränderndem Schönheitsideal entsprechen. Denn dieses definiert die Wünsche unserer Kunden.

Gorden Wagener – Chief Design Officer Daimler AG | (copyright) 2015 - Michael Dannenmann

Halten Sie es für realistisch, dass sich bestimmte Designtrends aus den vergangenen Jahrzehnten in Zukunft erneut durchsetzen werden? Was zum Beispiel?

Vergangene Trends wiederholen sich immer wieder mal. Wobei ich hoffe, dass dies in Bezug auf die 80er nicht allzu oft der Fall sein wird. Allerdings inspiriert gutes Autodesign auch die Inszenierung der Marke, wenn sie deren Tradition in die Moderne überträgt. Wir haben beispielsweise einen traditionellen in einen modernen Luxus überführt und die Marke dadurch neu interpretiert, ohne den Anschein von „Retro-Design“ zu erwecken.

Design ist ja bekanntlich auch Geschmackssache. Wie bringen Sie Branchentrends, Kundenfeedback und eigene Vorstellungen in Einklang?

Das ist die Herausforderung! Mit unserer Designphilosophie der sinnlichen Klarheit haben wir eine Formensprache entwickelt, mit der wir unsere Produkte perfekt in Szene setzen: Sie müssen hot & cool sein, das meint sie müssen schön, sexy und zudem modern und technisch sein – sprich: sie sollen den modernen Luxus von Mercedes-Benz optimal repräsentieren.

Was wird sich im Automobil-Design zukünftig grundsätzlich ändern?

Der Innenraum des Automobils wird in Zukunft vehement an Bedeutung gewinnen, er wird zum „third place“, neben dem „Home“ und „Office“. Gerade im Zeitalter des autonomen Fahrens und der Digitalisierung ist dies der Ort, an dem die Passagiere zunehmend modernen Luxus genießen wollen.

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