Dieseldebatte: Es ist besser, den Diesel zu verbessern statt ihn zu verbieten

Warum wir auch in Zukunft einen Antriebs-Mix brauchen, welche Rolle moderne Dieselmotoren dabei spielen und warum wir auf Innovationen statt Verbote setzen.

Nach wie vor wird in den Medien und der Öffentlichkeit kontrovers über den Diesel und Fahrverbote diskutiert. Und als Automobilhersteller stehen wir selbstverständlich in der Verantwortung, wenn es darum geht, individuelle Mobilität, Klimaschutz und Luftreinhaltung miteinander in Einklang zu bringen. Als Unternehmen, das es sich seit über 130 Jahren auf die Fahne geschrieben hat, Menschen mobil zu machen, lehnen wir Fahrverbote und damit eine zwangsverordnete Einschränkung der Mobilität ab. Wir sind davon überzeugt, dass Stickoxid-Emissionen auch in den Städten in den Griff zu bekommen sind – ohne Fahrverbote und mit dem modernen Diesel. Die sachlichen Gründe und technischen Fakten für unsere Position sind nachfolgend genauer aufgeführt. Zusammenfassend gilt:

Wir stehen zum modernen Diesel als Teil des Antriebs-Mix für die Zukunft:

• Erstens ist der Dieselmotor seit Jahren keine wesentliche Quelle für Feinstaub mehr.

• Zweitens, hat Mercedes-Benz mit der neuen Diesel-Motorengeneration schon 2016 aufgezeigt, wie die NOx-Herausforderung bei Diesel-Pkw technisch gelöst werden kann. Mit den Erfahrungen der letzten Jahre können wir zudem bei vielen älteren Fahrzeugen die NOx-Emissionen im Feld durch Software-Updates deutlich und vergleichsweise schnell verbessern.

• Und drittens, ist die Verbesserung des Dieselantriebs mittelfristig ein wirksamer Hebel zur Erreichung der Klimaziele durch weniger CO₂ im Straßenverkehr. Ihn nicht als Technologie auf den Weg zur Elektromobilität einzusetzen, wäre daher auch ein klimapolitisches Eigentor.

Kurz gesagt: Den Diesel gerade jetzt abzuschaffen, wäre aus ökologischen wie ökonomischen Gründen ein Fehler.

1. NOx-Emissionen gehen auch dank neuer Motorentechnik kontinuierlich zurück

Die Unterschiede zwischen Labor- und Straßenmessungen im Schadstoffausstoß von Diesel-Fahrzeugen haben verständlicherweise viele Fragen ausgelöst. In dieser Debatte entsteht allerdings häufig der Eindruck, dass die Stickoxid (NOx)-Belastung in Deutschland so hoch sei wie nie zuvor. Das Gegenteil ist aber der Fall: Seit 1990 ist die Belastung durch den Verkehr laut Umweltbundesamt um mehr als 70 Prozent gesunken. Und dies, obwohl das Verkehrsaufkommen im selben Zeitraum deutlich gewachsen ist. Die Entwicklung ist also klar: Der Verkehr wird mehr, die Luft gleichzeitig besser.

Klar ist, dass die NOx-Grenzwerte an vielen verkehrsnahen Stationen noch überschritten werden. Fakt ist aber auch, dass es seit 2015 keine Grenzwertüberschreitungen an den städtischen Hintergrundmessstellen mehr gegeben hat.

In der öffentlichen Debatte um die Luftqualität in den Innenstädten werden Feinstaub und NOx zudem nach wie vor häufig vermengt. Das Problem motorbedingter Feinstaub-Emissionen beim Diesel konnte jedoch mit der Einführung des Partikelfilters gelöst werden. Mercedes-Benz hat 1985 erste Diesel-Pkw mit Filtern ausgestattet. Die Erfahrungen aus diesem Programm waren die Grundlage für die Entwicklung neuartiger Filtertechnologien mit einem sehr hohen Wirkungsgrad. Bei Mercedes sind diese Filter seit 2005 Serienausstattung in Diesel-Pkw. Auch bei den Benzinern setzen wir auf den großflächigen Einsatz von Partikelfiltern. Seit Sommer 2018 haben wir in Europa nahezu alle Benziner mit einem Ottopartikelfilter ausgestattet.

Natürlich sind auf der Straße auch ältere Fahrzeuge im Einsatz. In Summe sind die Feinstaub-Emissionen aus Motoren im Vergleich zu anderen Quellen dennoch gering. Am Neckartor, eine der verkehrsreichsten Straßen in Deutschland, sind Motoren laut dem Umweltbundesamt und der Stadt Stuttgart nur für weniger als 10 Prozent der Feinstaub-Emissionen verantwortlich. Die Quellen für Feinstaub sind vielfältig und können lokal sehr unterschiedlich sein: In Deutschland sind insbesondere Landwirtschaft, Industrie, Baumaßnahmen, Kleinfeuerungsanlagen in Privathaushalten sowie Aufwirbelungen und Abrieb von Fahrzeugreifen und -bremsen zu nennen.

Insgesamt sind auch die Feinstaub-Emissionen in Deutschland in den letzten Jahren weiter zurückgegangen. Für das feine PM 2,5 gilt seit 2010 in Europa ein Zielwert von 25 µg/m³ im Jahresmittel in der Außenluft. Seit 2015 ist dieser Wert verbindlich einzuhalten. Die letzte Überschreitung dieses Wertes wurde laut Umweltbundesamt im Jahr 2010 festgestellt. Seitdem wurden in Deutschland keine Überschreitungen des Grenzwertes registriert.

Beim gröberen PM 10 gilt seit 2005 zum einen ein Jahresmittelwert von 40 µg/m³. Bei diesem Wert wurde zuletzt 2011 eine Überschreitung gemessen. Bei PM 10 gilt zudem ein Tagesgrenzwert von 50 µg/m³, der nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden darf. Mit einer einzigen Ausnahme (an einer industrienahen Messstation in Lünen) wurden dieser Grenzwert für Feinstaub in Deutschland damit in 2018 eingehalten.

Der positive Trend insbesondere bei der Entwicklung der NOx-Emissionen wird sich aus unserer Sicht in der nächsten Zeit noch einmal deutlich verstärken. Dafür sind vor allem drei Entwicklungen ausschlaggebend: Erstens durchdringen Fahrzeuge mit Diesel-Motoren der neuesten Generation den Markt, zweitens werden immer mehr Fahrzeuge angeboten, die nach den neueen Abgasnormen Euro 6d-TEMP und Euro 6d zertifiziert sind. Und drittens entfalten die Maßnahmen, die Autohersteller und die Politik in den letzten Jahren angestoßen haben, ihre Wirkung.

a. Neue Motorengeneration

Mercedes-Benz bietet die entscheidenden Innovationen in der Weiterentwicklung der Diesel-Technologie bereits seit 2016 in Serie: So wurde mit dem Vierzylinder Dieselmotor OM 654 etwa die Kombination aus motornaher Abgasnachbehandlung, Stufenmulden-Brennverfahren und einer weiterentwickelten Mehrwege-Abgasrückführung bereits im April 2016 in der E-Klasse eingeführt.

Seitdem hat Mercedes-Benz das Produktportfolio konsequent auf die neue Dieselmotoren-Generation umgestellt. Dafür hat das Unternehmen rund drei Milliarden Euro in Entwicklung und Produktion investiert. Nach der Einführung der neuen Dieselmotoren-Generation in der E-Klasse (Vierzylinder OM 654) und der S-Klasse (Sechszylinder OM 656) startete im Mai 2018 der Vierzylinder OM 608 in der neuen A-Klasse A 180 d (Kraftstoffverbrauch kombiniert 4,5-4,1 l/100 km, CO₂-Emissionen kombiniert 118-108 g/km)*. Damit sind die neuen Dieselmotoren von Mercedes-Benz von der Kompakt- bis zur Oberklasse verfügbar.

Fahrzeuge mit diesen Motoren haben auch auf der Straße niedrige NOx-Emissionen: Bei vielen Fahrten nach dem Messverfahren Real Driving Emissions (RDE) liegen sie sogar deutlich unter dem derzeitigen Laborgrenzwert von 80 Milligramm. So berichtet die Fachzeitschrift auto motor und sport in der Ausgabe 13/2019 (Heft 13, 6. Juni 2019) nach Abgasmessungen an zwölf Testwagen unterschiedlicher Marken, dass das getestete Mercedes C 300 d T-Modell (Kraftstoffverbrauch kombiniert 5,6-5,0 l/100 km, CO₂‑Emissionen kombiniert 147-133 g/km)* „nahezu NOx-frei“ war. Im Text werden die Messergebnisse präzisiert: „Er setzt sich mit gerade einmal 13 Milligramm NOx an die Spitze unserer Saubermann-Hitliste. Bis vor Kurzem schien es undenkbar, dass Diesel überhaupt solche Werte schaffen. […] Der neue, OM 654 genannte Zweiliter-Diesel wurde jedoch konsequent auf reduzierte Emissionen getrimmt. Das NOx-Problem vieler Städte dürfte sich also lösen, sobald mehr neue Autos zugelassen werden.“

Das Beispiel zeigt: Aktuelle Fahrzeuge, die mit der neuesten Dieseltechnologie ausgestattet sind, können bei einzelnen RDE-Messungen auf der Straße NOx-Emissionswerte erreichen, die in einem sehr niedrigen zwei- und teilweise sogar einstelligen Bereich liegen.

Der OM 654.

Solche Einzelmessungen illustrieren, dass die NOx-Herausforderung mit der neuen Motorengeneration auch bei Diesel-Fahrzeugen technisch gelöst werden kann. Die durchschnittlichen Emissionen eines Fahrzeugs über viele Tausende Kilometer Laufleistung sind in dieser Beziehung jedoch noch wesentlich aussagekräftiger: Hier erreichen Mercedes Benz Pkw mit der neuesten Diesel-Technologie durchschnittliche Werte von 20 bis 30 mg NOx pro Kilometer unter RDE-Bedingungen.

Welche wesentlichen Innovationen haben diese deutliche Weiterentwicklung bei Diesel-Motoren ermöglicht? Die Effektivität der Abgasnachbehandlung bei den neuen Motoren konnte durch die Motornähe des Systems und ein weiterentwickeltes Abgastemperaturmanagement bei geringen Motorlasten, also etwa niedrigen Geschwindigkeiten, erheblich ausgedehnt und so die Wirksamkeit in der Stadt deutlich gesteigert werden. Auch der Temperaturbereich, in dem die Abgasbehandlung besonders effektiv arbeitet, konnte bei der neuen Motorengeneration deutlich ausgeweitet werden, ohne dass Bauteile beschädigt werden. Durchschnittliche NOx-Werte, die zum Teil deutlich unter dem Laborwert von 80 mg/km liegen, werden daher im normalen Fahrbetrieb auch bei niedrigen Temperaturen erzielt.

TÜV und der DEKRA PEMS Messungen bei unterschiedlichen Temperaturen mit den Diesel-Motoren OM 656 und OM 654 in Mercedes Benz Fahrzeugen aus dem Jahr 2016. Die Werte lagen schon damals auch bei niedrigen Temperaturen deutlich unter dem Laborgrenzwert von 80 mg/km und dem RDE Grenzwert EU6d-Temp (Stufe 1) von 168 mg/km. Mittlerweile wurde die Motorentechnologie noch weiter verbessert.

Und auch die Motoren der neuen Generation haben immer noch Potenzial für zukünftige Verbesserungen, sodass wir davon ausgehen, die NOx-Emissionen weiter senken zu können. Das Ziel für 2020 ist, bei durchschnittlichen NOx-Emissionen um die 30 Milligramm pro Kilometer in RDE-Fahrten der Stufe 2 zu landen und in den Jahren danach Mittelwerte in Richtung 20 Milligramm zu erreichen. Dabei streben wir diese Werte insbesondere auch für RDE-Fahrten in der Stadt an.

Stellhebel ist dabei zum einen die stetige Verbesserung des Zusammenspiels der unterschiedlichen Komponenten im Gesamtsystem – zu dem insbesondere auch die hochkomplexe Motorsteuerung gehört. Zum anderen wird in den nächsten Jahren auch neue und weiterentwickelte Hardware zum Einsatz kommen.

b. EURO 6d-TEMP und Euro 6d-Zertifizierung

Die Erneuerung des Bestands mit neuen Diesel-Fahrzeugen, die nach Euro 6d-TEMP oder Euro 6d zertifiziert sind, ein sehr wirksames Mittel, die NOx-Emissionen im Straßenverkehr weiter zu senken. Dies zeigte schon eine Studie aus dem Jahr 2016, die unter anderem vom Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt und dem VDA unterstützt wurde. Bei Mercedes-Benz Cars ist seit Juni 2019 die gesamte Pkw-Flotte für Europa mindestens nach Euro 6d-TEMP zertifiziert. Außerdem haben wir mit der neuen B-Klasse mit Zweiliter-Diesel sowie dem neuen GLE mit Dreiliter-Sechszylinder-Diesel bereits im Herbst 2018 erste Modelle vorgestellt, die bereits Euro 6d erreichen. Möglich macht es die erweiterte Abgasnachbehandlung mit zusätzlichem Unterflur-SCR-Katalysator. Die Anzahl der Modelle von Mercedes-Benz, die bereits nach der ab dem 1.1.2020 für Neutypen vorgeschriebenen Euro 6d-Norm zertifiziert sind, wächst stetig.

Die Grenzwerte für NOx in den Abgasmessungen – bei Euro 6d liegen diese auch bei RDE-Fahrten bei 80 Milligramm pro Kilometer – sind sogenannte „not to exceed“ Grenzwerte, die bei jeder gültigen RDE-Fahrt eingehalten werden müssen. Das bedeutet: Ein Fahrzeug darf auch unter den ungünstigsten Kombinationen der RDE-Bedingungen den Wert nicht überschreiten – beispielsweise bei starker Beladung, einem hügeligen Geländeprofil und ungünstigen Temperatur- und Verkehrsbedingungen. Dabei gilt das Limit nicht nur für ein Neufahrzeug, sondern auch für Fahrzeuge mit Laufleistungen von über 100.000 Kilometern. Bei realen Tests auf der Straße wird der Grenzwert 80 Milligramm pro Kilometer häufig deutlich unterschritten, was die oben erwähnten Messungen von externen Organisationen illustrieren.

2. Die Maßnahmen der „Diesel-Gipfel“ wirken

Neben der beschriebenen Einführung von Fahrzeugen, die die strengeren Emissionsgrenzwerte im Rahmen der RDE-Anforderungen erfüllen, tragen wir mit einer Reihe weiterer Maßnahmen dazu bei, die Luftqualität weiter zu verbessern – immer auch mit dem Ziel, dass unsere Kundinnen und Kunden nicht durch Fahrverbote beeinträchtigt werden.

Maßnahmen auf einen Blick:

1. Einführung von Fahrzeugen, die die strengeren Emissionsgrenzwerte im Rahmen der RDE-Anforderungen erreichen.

2. Software-Updates für einen Großteil der Euro 5 und Euro 6 Diesel-Fahrzeuge in Europa.

3. Unterstützung des Konzeptes der Bundesregierung für saubere Luft mit attraktiven Umtauschprämien von bis zu 10.000 Euro für Diesel-Fahrzeuge sowie der Beteiligung an einem Hardwarenachrüstungs-Programm in den definierten Schwerpunktregionen.

4. Beteiligung am Mobilitäts-Fonds („Sofortprogramm Saubere Luft“) der Bundesregierung.

5. viele weitere lokale und regionale Maßnahmen insbesondere in der Region Stuttgart.

a. Software-Updates

Um das Emissionsverhalten von EU5 und EU6 Fahrzeugen in Europa schnell zu verbessern, hatten wir bereits vor dem „ersten“ Diesel-Gipfel vom August 2017 die Ausweitung der freiwilligen Servicemaßnahmen mit Software-Updates auf über 3 Millionen Fahrzeuge angekündigt. Seitdem hat das Unternehmen den Umfang der Aktion auch auf weitere Pkw-, Van- und Transporter-Modelle ausgeweitet. Zudem führt Daimler seit 2018 auf Anordnung des KBA verpflichtende Rückrufe durch, bei denen ebenfalls Software-Update aufgespielt werden. Bei beiden Maßnahmen kommen Software-Updates zum Einsatz. Damit verbessert das Unternehmen für einen Großteil der Mercedes-Benz Euro 5- und Euro 6-Fahrzeuge in Europa das NOx-Emissionsverhalten im normalen Fahrbetrieb um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent.

Insgesamt entwickelt Daimler für die angekündigten Feldmaßnahmen mehrere hundert Software-Varianten. Daimler hat wie bekannt nach einer ersten Freigabe im September 2018 mit dem Aufspielen von Software-Updates bei Mercedes-Benz Diesel-Fahrzeugen der Abgasnorm Euro 6 begonnen. Bei diesen Fahrzeugen sind in Deutschland mittlerweile schon über 90 Prozent mit der aktuellen Software aktualisiert. Weitere Updates für Euro 5 bzw. Euro 6 Fahrzeuge werden seit Anfang 2019 sukzessive im Feld umgesetzt.

Viele fragen sich, warum wir die Emissionen von Feldfahrzeugen erst jetzt und dann so deutlich alleine durch Software-Updates verbessern können. Auch dafür gibt es eine Erklärung: Unsere Entwickler arbeiten ständig daran, die unterschiedlichen Komponenten und Funktionen besser aufeinander abzustimmen. Das gilt auch für die hochkomplexe Motorsteuerung. In diesem Bereich haben wir in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt: Für die Updates haben unsere Ingenieure unter anderem aktuelle Erkenntnisse aus der Entwicklung der neuen Dieselmotorenfamilie sowie Erfahrungen aus dem Feld und den bereits laufenden Maßnahmen genutzt. So können wir bei vielen Fahrzeugen näher an Systemgrenzen gehen, ohne dass dabei die Qualität der Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen wird.

b. Unsere Position zu Hardware-Nachrüstungen

Daimler hat bereits nach dem Koalitionsbeschluss Anfang Oktober 2018 angekündigt, sich im Rahmen des Konzeptes der Bundesregierung für saubere Luft und die Sicherung der individuellen Mobilität auch an einem Hardware-Nachrüstungsprogramm für Diesel-Fahrzeuge in den festgelegten Schwerpunktregionen zu beteiligen.

Das Unternehmen hat konkret einen signifikanten Betrag von bis zu 3.000 Euro (brutto) je Fahrzeug als finanziellen Zuschuss in definierten Schwerpunktregionen zugesagt, um damit genehmigte Hardware-Nachrüstungen für Diesel-Pkw und -Vans mit M1-Zertifizierung („Pkw-Zertifizierung“) zu fördern. Zu diesem Versprechen stehen wir selbstverständlich. Daimler wird dabei selbst keine Hardware-Lösungen für Euro 5 Diesel-Fahrzeuge anbieten oder einbauen und überlässt dies Drittanbietern („Nachrüstfirmen“). Dabei unterstützen wir die Nachrüstfirmen mit technischen Informationen zu unseren Fahrzeugen.

Erste Anbieter haben bereits kommuniziert, eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) des KBA für die Hardware-Nachrüstung von bestimmten Mercedes-Benz Modellen erhalten zu haben. Um den Antragsprozess für den Daimler-Zuschuss möglichst effizient und einfach zu gestalten, haben wir eine Webseite aufgebaut und online gestellt: https://hw-zuschuss.daimler.com. Auf dieser Seite finden sich auch weitere Informationen zu diesem Thema.

c. Umtauschprämie

Daimler unterstützt das Konzept der deutschen Bundesregierung für saubere Luft und die Sicherung der individuellen Mobilität auch mit einem Prämienprogramm: Wenn sich in den Schwerpunktregionen Besitzer von Euro 1 bis 5 -Diesel-Pkw für einen neuen Mercedes-Benz Benziner, Diesel oder Hybrid der Abgasnorm Euro 6d, Euro 6d-TEMP oder Euro 6c entscheiden, erhalten sie eine Umtauschprämie in Höhe von bis zu 10.000 Euro. Entscheidet sich der Kunde für einen Jungen Stern, beträgt die Prämie bis zu 5.000 Euro. Beim Kauf eines neuen Vans mit der Abgasnorm Euro 6 erhalten Kunden eine Umtauschprämie in Höhe von bis zu 6.000 Euro. Beim Kauf eines „Junge Sterne Transporters“ beträgt die Prämie bis zu 3.000 Euro. Weitere Details zum Umtauschprogramm auch außerhalb der Schwerpunktregionen finden sich hier.

d. Mobilitätsfonds

Wir haben unsere ursprünglich geplante Beteiligung am Mobilitäts-Fonds („Sofortprogramm Saubere Luft“) der Bundesregierung aus dem Jahr 2017 deutlich aufgestockt: Gemeinsam mit BMW und Volkswagen tragen wir nun den gesamten Anteil der Automobilindustrie in Höhe von 250 Millionen Euro vollständig. Unseren finanziellen Anteil haben wir im Jahr 2018 absprachegemäß geleistet.

e. Lokale Maßnahmen

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) unterstützt Städte und Gemeinden in Deutschland bei Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Daimler ist, wie auch die anderen Automobilhersteller, an diesen Gesprächen beteiligt. Schwerpunkte sind unter anderem Maßnahmen zur Optimierung des Verkehrsflusses, die Prüfung des Ausbaus einer E-Ladeinfrastruktur sowie die weitergehende Vernetzung und Digitalisierung des Verkehrs.

Daimler fokussiert sich bei den lokalen Maßnahmen insbesondere auf Stuttgart. Beispielsweise unterstützen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie S-Bahn, Stadtbahn oder Bus zur Arbeit fahren. An aktiven Feinstaubalarmtagen in Stuttgart unterstützt Daimler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Daimler Beschäftigte können seit dem 1. November 2019 mit dem Werksausweis den öffentlichen Nahverkehr im VVS-Tarifgebiet für die Fahrt zwischen Wohnort und Arbeitsplatz sowie für Dienstfahrten kostenlos nutzen. Daimler übernimmt die Kosten für diese Fahrten.

Die Konzerninitiative F.L.O.W. bündelt diese Maßnahmen und entwickelt zusätzlich geplante oder bereits in Pilotprojekten gestartete neue Mobilitätskonzepte für Daimler-Mitarbeiter. F.L.O.W. steht für Fortbewegung, Lebensweise, Ökologie und Wirtschaft. Mitarbeiter von Daimler haben künftig zudem die Möglichkeit, sich über die App „Flex Location“ einen Arbeitsplatz an einem Daimler-Standort näher an ihrem Wohnort zu reservieren, um den Verkehr im Stadtgebiet Stuttgart zu entlasten. Ziel ist, zukünftig auch andere Unternehmen, Städte und Gemeinden für die Initiative F.L.O.W. zu gewinnen.

3. Elektromobilität ist auf dem Vormarsch

Klar ist: Wir wollen den Verbrennungsmotor weiter verbessern. Noch besser als wenige Emissionen, sind aber möglichst gar keine lokalen Emissionen. Deswegen drücken wir auch beim Thema Elektromobilität aufs Tempo, und mittlerweile sind auch die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten dafür gegeben: Die Energiedichte der Batterien steigt.

Bis 2022 wird Mercedes-Benz 10 vollelektrische Fahrzeuge in den Markt bringen.

Gleichzeitig sinken die Produktionskosten. Ein E-Antriebsstrang könnte bis 2025 kostenseitig annähernd auf Verbrenner-Niveau sein.

Die Daimler AG treibt die Transformation zur emissionsfreien Mobilität mit Nachdruck voran. Unter der Überschrift „Ambition 2039“ haben wir die Ziele für den Pkw-Bereich konkretisiert: Bereits 2030 peilt das Unternehmen mehr als 50% des Pkw-Absatzes mit Plug-In Hybriden oder rein elektrischen Fahrzeugen an. Bis 2039 soll die Neuwagenflotte von Mercedes-Benz Cars dann CO₂-neutral werden. Was bedeutet das? Einen fundamentalen Wandel für das Unternehmen in weniger als drei Produktzyklen. Das ist kein langer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass fossile Treibstoffe unsere Industrie dominierten, seit Carl Benz und Gottlieb Daimler vor mehr als 130 Jahren das Auto erfunden haben. Aber als Unternehmen, das von Ingenieuren gegründet wurde, glauben wir: Technologie kann dazu beitragen, eine bessere Zukunft zu gestalten. Der Weg zur nachhaltigen Mobilität ist Innovation. Und da wollen wir Treiber sein: Mit E-Fahrzeugen, die die Kunden nicht kaufen müssen, sondern die sie auch kaufen wollen, weil sie attraktiv sind.

Und auch bei unseren Nutzfahrzeugen ist das Thema E-Mobilität in vollem Gange: Mercedes-Benz Vans arbeitet an der Elektrifizierung aller gewerblichen Baureihen. Den Anfang machte 2018 der eVito, der eSprinter folgte in diesem Jahr (2019). Mit dem FUSO Elektro-Lkw sammelt Daimler bereits seit dem Jahr 2010 Erfahrung und hat seit vergangenem Jahr seinen ersten in Kleinserie gefertigten vollelektrischen Lkw auf dem Markt und in Kundenhand: den leichten Lkw FUSO eCanter. Der vollelektrische Mercedes-Benz eActros für den schweren Verteilerverkehr beweist sich seit September 2018 im Einsatz, Mercedes-Benz Trucks hat den ersten von insgesamt zehn eActros der sogenannten Innovationsflotte an einen Kunden für den Einsatz im Alltagsbetrieb übergeben. Im Dezember 2018 hat die Tochtergesellschaft Daimler Trucks North America (DTNA) den ersten mittelschweren Lkw Freightliner eM2 an einen Kunden übergeben und damit die Praxistests für schwere und mittelschwere e-Lkw in den USA gestartet; auch der Freightliner eCascadia für den schweren Verteilerverkehr ging im August 2019 in die Erprobung. Im Bus-Segment hat die Serienproduktion im Herbst 2018 begonnen. Schon heute, ein Jahr später, können wir Bestellungen des eCitaro im dreistelligen Bereich verzeichnen.

Auch wenn es bisweilen heißt, die deutsche Autoindustrie klammere sich an den Status Quo, statt den Wandel voranzutreiben, so sieht die Realität bei Daimler doch ganz anders aus: Im Jahr 2016 hat Daimler insgesamt 2.175 Patente angemeldet; davon 761 für die CASE-Themen. Konnektivität, automatisiertes Fahren, Mobilitätsdienstleistungen wie das Carsharing und E-Mobilität. Im Pkw-Bereich haben wir die Investitionen in Forschung und Entwicklung seit 2010 mehr als verdoppelt, Investitionen in die genannten Zukunftsfelder sogar vervierfacht.

Fazit

Es gibt eine Reihe anderer Maßnahmen, die wesentlich sinnvoller als Fahrverbote sind, um Stickoxide kurz- und mittelfristig weiter zu reduzieren: die Weiterentwicklung moderner Verbrennungsmotoren bei gleichzeitiger Forcierung der Elektromobilität und neuer Mobilitätskonzepte, das Aufspielen von Software-Updates bei Diesel-Fahrzeugen in Kundenhand und Umtauschprämien, ein verbesserter Verkehrsfluss in den Städten, eine stärkere Zusammenarbeit von Kommunen, Zulieferern und Automobilherstellern sowie die Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs und des Verteilerverkehrs.

Als Automobil- und Nutzfahrzeughersteller arbeiten wir auch weiter dafür, dass Menschen gerade auch in den Städten individuell mobil bleiben und mit Gütern des täglichen Bedarfs beliefert werden.

Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt im November 2019 aktualisiert.

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