Der vernetzte Fuhrpark

„connect business“ bietet erstmals Konnektivitätsdienste für Flotten- und Geschäftskunden. Ein Interview mit Kevin Barbian und Sten Rauch.

Das Produkt „connect business“ ist der erste Aufschlag der Mercedes-Benz Connectivity Services GmbH. – Was steckt hinter der neuen Gesellschaft?

Kevin Barbian: Die Nachfrage nach vernetzten Diensten steigt nicht nur bei den Privat-, sondern auch bei unseren Geschäftskunden. Die Mercedes-Benz Connectivity Services GmbH wurde eigens als Tochtergesellschaft der Daimler AG gegründet um die Kompetenzen rund um das Thema Flottenkonnektivität zu bündeln.

Sten Rauch: Die Entwicklungszeit von neuen Online-Diensten ist viel kürzer als bei einem kompletten Fahrzeug – zudem verändert sich ein Dienst während seines Lebenszyklus’ mitunter mehrmals. Darauf reagieren wir mit der neuen Gesellschaft, mit einer neuen Arbeitskultur und neuen Entwicklungsprozessen. Unsere Geschäftsprozesse sind auf die Produkte ausgerichtet. Die GmbH positioniert sich als Startup innerhalb des Daimler Konzerns. Sie ist dadurch agil und flexibel und vermittelt das auch nach außen.

Kevin Barbian, Leiter Vertrieb & Marketing Mercedes-Benz Connectivity Services

Wie hat dieses Projekt seinen Anfang genommen?

Barbian: Im Jahr 2014 bekam ich einen Anruf von meinem zukünftigen Vorgesetzten, dem Leiter Customer Management Mercedes-Benz Cars. Die entscheidende Frage des Telefonats lautete damals: "Hey, wir wollen Konnektivitätsdienste für Geschäftskunden machen – bist Du dabei?“ In Europa sind Geschäftskunden enorm wichtig für Daimler: Sie machen immerhin mehr als die Hälfte des Absatzes aus. Da war für mich klar, dass das etwas Großes werden wird und ich auf jeden Fall an Bord sein möchte.

Rauch: Anfangs waren wir zu zweit, heute sind wir ein motiviertes, junges Team und können schnell auf Kundenwünsche reagieren. Wir sind derzeit 18 Kolleginnen und Kollegen und vier Praktikanten. Das Durchschnittsalter liegt bei etwas über 29 Jahren.

Sten Rauch, Leiter Produktmanagement & Operations Mercedes-Benz Connectivity Services

Worin unterscheidet sich „connect business“ von anderen Konnektivitätsdiensten wie „Mercedes me connect“ oder den Lösungen von „FleetBoard“?

Rauch: Die Funktionen von FleetBoard sind für Trucks konzipiert, für große Transport- und Logistikunternehmen. „Connect business“ hat Pkw-Flotten im Blick, ist aber so flexibel, dass jede Branche bedient werden kann. Mit „connect business“ erschließen wir erstmals die Kundengruppe Pkw-Flotten- und Geschäftskunden sowie deren Nutzer und Betreiber.

Barbian: Für uns steht immer der Mehrwert für den Geschäftskunden, eine Effizienzsteigerung, im Vordergrund. Komfortfunktionen, auf die beispielsweise Privatkunden Wert legen, spielen im Flottengeschäft eine geringere Rolle.

Wie hoch ist der technische Mehraufwand für die Nutzung der neuen Dienste?

Rauch: Im Auto nutzen wir ausschließlich Serientechnik. Aktuell funktioniert „connect business“ in allen Fahrzeugen von Mercedes-Benz mit den seit September 2014 verbauten Kommunikationsmodulen. Die Geräte sind mit einer SIM-Karte ausgestattet und dadurch auf Wunsch ständig online. Das ist eine Grundvoraussetzung für unsere Konnektivitätsdienste.

Aber die meisten Geschäftskunden haben doch nicht ausschließlich Modelle von Mercedes-Benz, sondern auch andere Marken …

Barbian: Das ist korrekt. Und genau daran arbeiten wir zur Zeit. Schon bald wollen wir mit einer Nachrüstlösung 99 Prozent aller Neufahrzeugtypen abdecken – auch die anderer Automobilhersteller.

Rauch: Mit unserem Mehrmarken-Ansatz betreten wir absolutes Neuland. Denn die Idee, eine Mercedes-Benz-Pkw-Lösung auch für Fremdfabrikate anzubieten, gab es – abgesehen vom Daimler Fleet Management – für digitale Pkw-Dienste noch nie im Konzern.

Mit unserem Mehrmarken-Ansatz betreten wir absolutes Neuland.

Sten Rauch, Head of Product Management & Operations, Mercedes-Benz Connectivity Services GmbH

Welche einzelnen connect business-Dienste gibt es aktuell?

Barbian: Wir sind Anfang April 2017 mit drei Diensten gestartet. Mit Vehicle Monitoring & Maintenance können Fuhrparkmanager ihre Flotte im webbasierten „connect business“-Portal verwalten und erhalten einen detaillierten Überblick über ihre Fahrzeuge. Der Dienst Vehicle Logistics bietet karten- und GPS-basierte Funktionen an, die ein effizientes Einsatz- und Auftragsmanagement ermöglichen.

Rauch: Ein echtes Highlight ist für mich unser Dienst „Digital Driver’s Log“, ein intelligentes, digitales Fahrtenbuch. Gleichzeitig nutzen wir die Auflagen des Bundesministerium für Finanzen, um während Privatfahrten auch die Privatsphäre der Fahrer zu schützen.

Ein echtes Highlight ist für mich unser Dienst „Digital Driver’s Log“, ein intelligentes, digitales Fahrtenbuch.

Sten Rauch

Schauen wir in die Zukunft: Welche neuen Dienste sind mittelfristig geplant – und was ist langfristig denkbar?

Rauch: Wir haben noch viel vor. Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck am Thema Mehrmarken-Funktionalität. Außerdem entwickeln wir „Driver Messaging“, mit dem Textnachrichten zu den einzelnen Fahrern geschickt werden können – zunächst nur auf die App, später sogar direkt ins Kombi-Instrument.

Barbian: Heute fungieren unsere Dienste, die sich alle einzeln und je Fahrzeug buchen lassen, als Flotten-Optimierer. Künftig sehen wir sie eher als Flottenmanagement-Optimierer. Ein erster Schritt in diese Richtung wird der Carsharing-Dienst sein, an dem wir gerade mit Hochdruck arbeiten. Die Idee dahinter nennen wir SHARING2.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Rauch: Darunter verstehen wir die Weiterentwicklung des Sharing, wie wir es heute kennen – zwischen Privatpersonen und innerhalb eines Unternehmens. Künftig, so glauben wir, wird es auch einen Austausch zwischen Privatpersonen und Unternehmen oder zwischen verschiedenen Unternehmen geben.

Warum sollte mein Dienstwagen, der tagsüber viele Stunden ungenutzt auf dem Mitarbeiterparkplatz steht, nicht von anderen Menschen genutzt werden können?

Kevin Barbian, Head of Sales & Marketing, Mercedes-Benz Connectivity Services GmbH

Barbian: Folgendes Beispiel: Warum sollte mein Dienstwagen, der tagsüber viele Stunden ungenutzt auf dem Mitarbeiterparkplatz steht, nicht von anderen Menschen genutzt werden können? Damit werden die Ressourcen, in dem Fall die Fahrzeuge, bestmöglich genutzt und die Standzeiten reduziert. Etwas abstrahiert könnte man sagen, wir befinden uns auf dem Weg zu einer großen, global vernetzten Flotte.

Rauch: Und letztlich wollen wir nicht nur Fahrzeuge vernetzen, sondern auch andere Datenquellen wie bspw. Infrastruktur- und Wetterdaten, Unternehmen und Werkstätten. Denn nur die Verbindung von verschiedenen Daten bietet einen wirklichen Mehrwert für den Kunden.

Wie wollen Sie Privatleute davon überzeugen, ihr Auto für eine globale Flotte zur Verfügung zu stellen?

Barbian: Dazu müssen die einzelnen Vorteile und Funktionen intelligent miteinander vernetzt werden und für den Nutzer unkompliziert und einfach handzuhaben sein. Ein weiterer Motivator können natürlich finanzielle Anreize sein. Erste Erfahrungen aus den USA zeigen, dass es durchaus interessant für Privatleute ist, ihr eigenes Auto zeitweise zu vermieten. Die von Mercedes-Benz initiierte Carsharing-Plattform Croove macht es ja bereits vor.

Rauch: Wichtig für so ein Modell ist natürlich auch die Masse, daher ergibt es Sinn, solch ein Angebot auf alle Marken auszuweiten. Zudem wird der Ansatz damit auch für Geschäftskunden interessant. Wir sind davon überzeugt, dass auf dem Gebiet der Mobilität künftig sowohl bei Geschäfts- als auch bei Privatkunden intelligente Algorithmen und Data Analytics eine zentrale Rolle spielen werden. Und genau dafür haben wir „connect business“ ins Leben gerufen.

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