Der Mensch entscheidet

Wertesysteme für Technologienutzung, Autonomes Fahren und Mobilität in der modernen Gesellschaft – das waren Themen einer Talkrunde im Mercedes-Benz Museum.

Der Mobilitätswandel stellt Hersteller wie Gesellschaft vor große Herausforderungen. Ihn zu begreifen und zu gestalten – dazu hat die Deutsche Telekom ihre „Museumstalk“-Reihe zur digitalen Verantwortung initiiert. Diese war Mitte November mit dem Thema „Mobilität der Zukunft: Vernetzt, autonom und smart“ in Stuttgart zu Gast. Das Mercedes-Benz Museum öffnete die Türen für eine angeregte Experten-Talkrunde und mehr als 200 Zuhörer.

Dank VR (Virtual Reality) gelang manchem schon an diesem Abend der Blick in die Zukunft. VR-Brillen zum Ausprobieren ermöglichten den Besuchern des Museumstalks den virtuellen Ausflug mitten in ein pulsierendes Sportereignis hinein mit 360-Grad-Rundumblick in die komplette Szenerie. VR-Brillen sind vernetzte Geräte und weisen schon heute darauf hin, was die digitale Technik von morgen für uns bereit hält.

Mit der VR-Brille mitten ins Fußballstadion

Im Jahr 2020 werde es weltweit mehr als 20 Milliarden vernetzte Geräte geben, zitierte Steffen Braun, Leiter des Geschäftsfelds Mobilitäts- und Stadtsystemgestaltung am Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO), gängige Prognosen. In dieser Zahl enthalten: Autos. Denn schon heute nehmen moderne Fahrzeuge Kontakt untereinander und zur Infrastruktur auf. „Die Vernetzung nimmt in allen Branchen, im öffentlichen Leben und im Privathaushalt zu“, erklärte Braun, „diese Entwicklung ist unaufhaltsam.“ Es werde oft diskutiert, ob das gut oder schlecht sei, auch ob autonomes Fahren gut oder schlecht sei. Doch Technologie selbst sei in sich neutral, so der Wissenschaftler – entscheidend sei, wie der Mensch sie nutze und mit ihr umgehe. Deshalb müsse er auch das Wertesystem legen. „Wir haben es in der Hand, wie wir Mobilität gestalten wollen“, sagt Braun.

Wir haben es in der Hand, wie wir Mobilität gestalten wollen.

Steffen Braun, Leiter des Geschäftsfelds Mobilitäts- und Stadtsystemgestaltung am Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO)

Talkmasterin Astrid Maier, Leiterin des Ressorts Innovation und Digitales bei der „WirtschaftsWoche“, fragte nach: „Brauchen wir eine Ethik für den Umgang mit Technologie?“ Anette Bronder, Geschäftsführerin der Digital Division von T-Systems und Telekom Security und verantwortlich für vernetzte Mobilität, schlug den Bogen zur Mobilität der Zukunft: „Eine Ethik ist fürs autonome Fahren ganz wichtig. Beispielsweise, um passende Regeln für dieses neue Miteinander im Straßenverkehr aufzustellen.“ Aber generell seien Wertesysteme für neue Technologien bedeutsam, sagte die Managerin und führte das Beispiel Datennutzung an: „Den Kunden muss jederzeit klar sein, ob sie Datenlieferanten für eine kommerzielle Nutzung sind – oder ob sie die Hoheit über ihre persönlichen Daten haben.“

Kooperatives Miteinander

„Künftige autonome Fahrzeuge sollten so gestaltet sein, dass wir sie verstehen“, sagt Alexander Mankowsky, Zukunftsforscher der Daimler AG mit Spezialisierung auf Innovationen für die Mobilität von Morgen. „Ob für Fahrer oder Passanten, das Tun der Fahrzeuge muss klar erkennbar sein. Es geht um ein kooperatives Miteinander – das gilt letztendlich für alle automatisierten Gegenstände, die es geben wird.“

Beim autonomen Fahren werde nicht per se alles verwirklicht, nur weil die Technologie es ermögliche, so Mankowsky. „Und eine vollständige Vernetzung aller Verkehrsträger oder eine vollständige Abdeckung der kompletten individuellen Mobilität mit autonomen Fahrzeugen werden wir niemals haben.“ Denn es werde immer einen Mix aus älteren und modernsten Fahrzeugen geben. Und auch nicht für jeden Nutzerkreis sei autonome Mobilität praktikabel.

Maßgeschneiderte Mobilität

Das Auto der Zukunft müsse smart sein, so Ghazaleh Koohestanian, Gründerin und Geschäftsführerin von Re2you mit dem Unternehmensziel, die vernetzte Welt ins Automobil zu bringen. „Es erkennt beispielsweise meine Körpergröße und stellt den Sitz und alle Bedienelemente automatisch passend ein.“ Mobilität selbst habe weiterhin eine immense Bedeutung: „In unserer modernen Gesellschaft ist es wichtig, dass wir beweglich sind, um beispielsweise individuelle Zeitpläne einzuhalten.“

Doch vom Besitz eines eigenen Autos müsse man vermutlich Abstand gewinnen. Koohestanian: „Zwar ist es bequem, ein eigenes Auto zu besitzen, aber nicht immer umweltfreundlich.“ Autos werde es sicherlich weiterhin geben, so die Tech-Entrepreneurin, doch eher als Teil einer umfassenden Mobilitätsplattform mit verschiedenen Verkehrsträgern – man kaufe sich die für die jeweilige Strecke passende Mobilität.

Es wird weiterhin eine Entscheidungsfreiheit über die eigene Mobilität geben.

Alexander Mankowsky, Zukunftsforscher der Daimler AG mit Spezialisierung auf Innovationen für die Mobilität von Morgen

Zur Sprache kamen beim Museumstalk auch die enormen Herausforderungen an die Autohersteller, um den technologischen und wirtschaftlichen Wandel zu gestalten. „Ein Unternehmen kann nur bestehen, wenn es gute Ideen hat. Damit überzeugt es dann Mitarbeiter und Kunden“, sagt Alexander Mankowsky und führt als ein Beispiel die Mercedes-Benz Unternehmensstrategie CASE an, die für die Begriffe Connected, Autonomous, Shared & Service und Electric Drive steht. „Es ändert sich gerade sehr viel im Unternehmen. Viele alte Regeln und Gewohnheiten fallen“, berichtet er. „Es herrscht Aufbruchstimmung. Und die wird sich auch auf künftige Mobilitätsprodukte übertragen.“ Wie diese in ihrer Bandbreite oder auch im Detail aussehen werden, sei noch offen. Aber eins sei sicher: „Es wird weiterhin eine Entscheidungsfreiheit über die eigene Mobilität geben.“

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