Die Zukunft fährt elektrisch

Die Elektromobilität nimmt in den kommenden Jahren an Fahrt auf und überholt die Verbrenner. Daimler reagiert mit der neuen Marke EQ auf die Herausforderung.

Die Elektromobilität wird sich in den kommenden Jahren zu einem Massenphänomen entwickeln. Diese Aussage mag angesichts der aktuellen Situation vermessen klingen, rollen die E-Mobile in den meisten Ländern doch in einer sehr überschaubaren Nische. Im vergangenen Jahr erreichten sie einen globalen Marktanteil von 1,1 Prozent.

Einen Blick in die nicht allzu ferne Zukunft der Elektromobilität gestattet allerdings Norwegen, wo im Juni erstmals mehr elektrifizierte Fahrzeuge als konventionell angetriebene Automobile (53 Prozent) zugelassen wurden. Und bis zum Jahr 2040 – darin sind sich viele Experten in ihren Prognosen einig – wird die Elektromobilität sich auf den wichtigsten Märkten durchgesetzt und die Verbrennertechnologie an den Rand gedrängt haben.

Auch die Mineralölkonzerne korrigieren ihre Schätzungen

In einer Studie von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) kommen die Analysten zu dem Ergebnis, dass weltweit noch vor dem Jahr 2040 mehr Elektrofahrzeuge als Verbrennermodelle abgesetzt werden. Auch die OPEC, naturgemäß daran interessiert, möglichst viele konventionell angetriebene Automobile mit fossiler Energie zu versorgen, hat ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Rechneten die Rohöl produzierenden Staaten vor einem Jahr noch mit 46 Millionen batterieelektrischen Modellen im Jahr 2040, so korrigierten sie die Zahl jetzt deutlich nach oben, nämlich auf 266 Millionen Modelle. Das bedeutet, eine um acht Millionen Barrel schrumpfende Tagesproduktion. Zum Vergleich: Dieser Verlust entspricht einer Million Barrel mehr als die tägliche Exportleistung Saudi-Arabiens.

Auch die Mineralölkonzerne haben ihre Schätzungen nach oben korrigiert. Shell rechnet mit 100 Millionen Elektromobilen im Jahr 2040 und BP mit 71,4 Millionen. Shell geht inzwischen sogar noch einen Schritt weiter und ist jetzt dem CharlN e. V. (Charging Interface e. V.) beigetreten. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, das Combined Charging System (CCS) als globalen Ladestandard zu etablieren. In den Niederlanden hat der Konzern jetzt damit begonnen, gemeinsam mit dem Unternehmen Allego ein Schnellladenetz an ausgewählten Tankstellen einzurichten.

Daimlers neue Produkt- und Technologiemarke EQ wird ein komplettes automobiles Ökosystem umfassen, das von Automobilen über Ladevorrichtungen und Services bis zu Home-Energiespeichern reicht

Daimler wird diesen Zukunftsmarkt mit der neu geschaffenen Technologie- und Produktmarke EQ bedienen. Dabei deckt EQ nicht nur die Mobilitätsbedürfnisse der Kundschaft ab. Vielmehr wird die Marke ein komplettes automobiles Ökosystem umfassen, das von Automobilen über Ladevorrichtungen und Services bis zu Home-Energiespeichern reicht. Als erstes EQ Automobil wird im Jahr 2019 ein SUV-Coupé auf den Markt rollen. Danach sollen bis zum Jahr 2022 zehn Elektromodelle folgen. Darüber hinaus plant Daimler sukzessive die Elektrifizierung seiner Modellpalette durch Teilelektrifizierung mit 48-Volt-Bordnetz und ISG/RSG sowie den intensiven Rollout weiterer Plug-In Hybride. Zudem wurde im Herbst auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt das erste Serienmodell mit Brennstoffzellenantrieb und Plug-In Hybridtechnologie vorgestellt.

Die Preise für Lithium-Ionen-Akkus werden schneller und früher sinken als die meisten Menschen erwarten.

Colin McKerracher, Bloomberg-Analyst

Den Auslöser für die künftigen dramatischen Zuwachsraten sehen die Bloomberg-Experten in den sich schnell verringernden Produktionskosten der Fahrzeuge. „Das ist ganz einfache Volkswirtschaftslehre. Die Preise für Lithium-Ionen-Akkus werden schneller und früher sinken als die meisten Menschen erwarten“, erklärt Bloomberg-Analyst Colin McKerracher. Seit dem Jahr 2010 sind die Preise für Lithium um 73 Prozent gefallen. Gleichzeitig rechnen die Bloomberg-Experten mit deutlichen Innovationen bei den Batterieproduzenten, sodass sich die Preise in den kommenden zwei Jahrzehnten noch weiter verringern werden. Nach diesen Berechnungen wird ein Energiespeicher, der 2010 noch 1.000 Dollar kostete, im Jahr 2030 nur noch 73 Dollar kosten.

Die Analysten erwarten, dass Elektrofahrzeuge bereits in acht Jahren das Preisniveau der Verbrennermodelle erreicht haben werden

Als Ergebnis dieser Entwicklung erwarten die Analysten, dass Elektrofahrzeuge bereits in acht Jahren das Preisniveau von Verbrennermodellen erreicht haben werden. Diese Entwicklung wird sich, so die Untersuchung, in eine weltweite Flotte von 530 Millionen Modellen im Jahr 2040 übersetzen. Gleichzeitig wird der Energiebedarf dieser Flotte entsprechend steigen und im Jahr 2040 bis zu 1.800 Terawattstunden erreichen, was einem Anteil von fünf Prozent am weltweiten Strombedarf entspricht. Im vergangenen Jahr lag der Bedarf noch bei sechs Terawattstunden. Außerdem wird sich auch die Akkuproduktion, laut Studien der Forscher von aktuell 90 Gigawattstunden auf 270 Gigawattstunden im Jahr 2021 verdreifachen. Die Autoren der Studie befürchten aber noch immer Infrastrukturprobleme, die das Wachstum der Elektromobilität bis Mitte der 2030er Jahre behindern könnten.

Weltweite Nachfrage

In den kommenden 25 Jahren werden die aktuell bedeutendsten Märkte China, USA und Europa die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen vorantreiben. Auch Indien plant inzwischen eine neue Energiepolitik, bei der batterieelektrische Elektrofahrzeuge eine zentrale Rolle einnehmen. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der Elektrofahrzeuge auf dem Subkontinent auf 100 Prozent wachsen. „Indien könnte das erste Land seiner Größe werden, dass 100 Prozent Elektrofahrzeuge betreibt“, erklärte der indische Minister für Energie, Kohle und erneuerbare Energien Piyush Goyal. Bloomberg sieht für diese Modelle einen Marktanteil von 67 Prozent in Europa und 58 Prozent in den USA. In China sehen die Experten einen Anteil von 51 Prozent voraus. Allerdings, so Bloomberg-Experte McKerracher, „werden die nächsten sechs bis acht Jahre entscheidend sein. Wenn der Absatz in diesem Zeitraum nicht den Erwartungen entspricht, werden einige der Kostenreduzierungen nicht zu realisieren sein, was sich wiederum auf die gesamte Entwicklung auswirken wird.

Auch in Deutschland gewinnt die Elektromobilität an Zulauf. Nach einer Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint ziehen zwei Drittel der Befragten den Kauf eines Elektromobils in Betracht. Allerdings fühlen sich die Interessenten eher schlecht informiert, was sich wiederum in der aktuellen Zurückhaltung ausdrückt. Neben der unzureichenden Infrastruktur, der vermeintlich eingeschränkten Reichweite und den hohen Fahrzeugkosten bemängeln die Befragten vor allem das Fehlen eines einheitlichen Bezahlsystems.

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