Hör mal, wer da spricht!

Serie: Kommunizierende Geräte, Teil 1: Unsere sprechenden Helfer oder was intelligente Programme zur Spracherkennung mit uns machen. Eine Glosse.

Wischen war gestern. Fummeln am Handy hat sich erübrigt. Im technikaffinen Haushalt herrscht nun Kasernenton. „Tür zu! – Licht aus! – Leiser!“ wird quer durch die Wohnung gebrüllt, auch wenn die Kinder in der Schule sind. Digitale Butler heißen unsere frisch eingezogenen Mitbewohner. Auf Zuruf steuern sie Geräte, Haus und Auto, erledigen Einkäufe, beantworten Fragen und sind jederzeit für ein Schwätzchen zu haben.

Dennoch wird ihnen Schwerhörigkeit und Dummheit unterstellt. Beides trifft immer weniger zu. Wenn sie selbst auf Beschimpfungen ruhig und freundlich antworten, danken wir dies der Künstlichkeit ihrer Intelligenz. Anders als wir Menschen werden die „Chatbots“ von ihren Emotionen nicht übermannt.

Inzwischen verstehen digitale Assistenten sogar schwäbisch und schweizerdeutsch

Robotersprache nennt man, wenn ein Mensch abgehackt spricht. Aber inzwischen verstehen die neuesten digitalen Assistenten sogar schwäbisch und schweizerdeutsch. Verständigungsprobleme erlebt nur noch, wer zehnmal hintereinander „Mach die Musik lauter!“ gesagt hat. Aus einer solchen Falle rettet die Gestensteuerung, sofern sie gelernt hat, Ohrenzuhalten im richtigen Kontext zu interpretieren. Oder diese vom Aussterben bedrohte Art: der Knopf.

Die Intelligenz von Automaten liegt in ihrer Lernfähigkeit. Diese ist zugleich ihre Schwachstelle. Was nützt dem Roboter der größte Schatz an Worten, wenn der realexistierende Mensch, mit dem er kommuniziert, davon nur 3.000 zur Verfügung hat? Ingenieure rätseln noch, wie sie selbstlernende Programme davor bewahren können, unsere Unvernunft, Gier, Schlampigkeit und Aggressivität zu übernehmen. Auch über Nannyfilter für einen gewissen Wortschatz wird bereits nachgedacht. Wer hier der wahre Blechtrottel ist, wird sich zeigen.

Die Lernfähigkeit der Automaten ist zugleich ihre Schwachstelle

Alexa, Cortana, Siri, - Unsere virtuellen Gesprächspartner sind meistens weiblich. Natürlich lassen sich alle werksseitigen Einstellungen des e-Papageis ändern, dem Wunsch nach Geschlechtsumwandlung wird ohne Zögern entsprochen. Welche Folgen allerdings zusätzliche Partner auf Paarbeziehungen und Familien haben werden, ist psychologisch noch wenig erforscht. Kein menschliches Wesen ist so geduldig, nachsichtig, wohlwollend und devot wie eine Maschine. Kein Lebenspartner hört ununterbrochen zu, erfüllt alle Wünsche, ist immer daheim, begrüßt stets freundlich und wird einen niemals verlassen.

Wer sich mit dem Roboter befehdet, muss nicht mehr mit dem Partner streiten

Gerade darin liegt die Chance für zwischenmenschliche Beziehungen: Sprachroboter entlasten vom lästigen Bemutterungs- und Mahnwesen: „Bist du warm genug angezogen? Du fährst zu schnell! Vergiss nicht Omas Geburtstag!“ – Wer sich mit dem Roboter befehdet, muss nicht mehr mit dem Partner streiten. Und die Liebe blüht wieder auf.

Wer all das für neu hält, sollte bedenken, dass bisher schon 17% der Deutschen ihren Autos Namen gegeben haben, die Mehrheit mit ihnen gesprochen hat. Begrüßung, Beschimpfung, Dank und Aufmunterung unterstreichen seit jeher, dass die Beziehung zum Gefährt so persönlich ist, wie die zum Gefährten. Und spätestens beim Aussteigen wird jeder Wagen verraten, woher er kommt. Dann sagt das deutsche Auto „Tschüss“, das amerikanische „Ich liebe Dich!“

In unserer Serie „Kommunizierende Geräte“ widmen wir uns in loser Reihenfolge dem Thema künstliche Intelligenz.

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