Im Gespräch mit der Cloud

Sprachsteuerung ist das dominierende Thema der CES 2018. Mit der Stimme lassen sich intelligente Dienste von der Küchenmaschine bis zum Carsharing steuern.

Einmal abgesehen von futuristischen Concept Cars, niedlichen Roboten und extrem hochauflösenden Riesen-Fernsehern – die Elektronikmesse CES in Las Vegas dreht sich in diesem Jahr vor allem um Dinge, die man weder sehen noch anfassen kann.

Unsere Umwelt wird zunehmend von künstlicher Intelligenz bestimmt. In Verbindung mit Sprachsteuerung können Verbraucher damit Geräte und Dienste in ihrem Alltag bedienen. Und immer mehr lassen sich damit nicht nur profane Hausarbeiten, sondern auch komplexe Aufgaben erledigen.

Endlich kocht der Herd selbstständig

Die in Las Vegas vorgestellten Neuigkeiten reichen von Rauchmeldern, die zum Bestandteil eines unendlich erweiterbaren Unterhaltungssystems eines Smart Home werden, über Küchengeräte, die auf Zuruf selbstständig kochen und Wäsche waschen. Bis hin zur neuen Personalized User Experience von Mercedes-Benz, mit der ein Fahrzeug seine Insassen erkennen und deren Anforderungen voraussehen kann.

Die treibende Kraft hinter all diesen Neuerungen bilden drei Grundvoraussetzungen: ein konstanter Netzzugang, eine Flut an Datenströmen sowie Plattformen zur Spracherkennung und -steuerung wie Amazon Alexa, Google Assistant und Mercedes-Benz MBUX.

Dank dieser Gegebenheiten können große und auch kleine Hardware- und Softwarehersteller mühelos auf intelligente Backend-Systeme zugreifen, in denen modernstes Machine Learning und leistungsfähigste Spracherkennung bereits laufen. „Intelligence as a service“ breitet sich deshalb schnell in fast alle Bereiche des Lebens aus von Arbeit und Freizeit über Gesundheit und Unterhaltung bis hin zur Mobilität. Zudem werden die unauffälligen Butler des 21. Jahrhunderts ständig besser, schließlich kann ihr IQ jederzeit drahtlos aus der Ferne aktualisiert werden.

Daten werden unsere Lebenserfahrung neu definieren.

Brian Krzanich, CEO Intel

In seiner Eröffnungsrede zur CES 2018 versuchte Intel-Chef Brian Krzanich die großen Trendlinien auf den Punkt zu bringen. „Daten werden unsere Lebenserfahrung neu definieren“, sagte er und verwies auf die ständig wachsenden Datenströme, die Menschen und Maschinen generieren.

Im Jahr 2020 wird ein Mensch jeden Tag rund 1,5 Gigabyte an Daten erzeugen. Und selbst diese Zahl nimmt sich im Vergleich zu den vernetzen Maschinen klein aus. Ein autonomes Fahrzeug kommt auf eine Datenmenge von 4 Terabyte pro Tag, ein modernes Flugzeug auf 40 Terabyte und eine intelligente Fabrik sogar auf 1 Petabyte.

Im Jahr 2020 wird ein Mensch jeden Tag rund 1,5 Gigabyte an Daten erzeugen. Ein autonomes Fahrzeug kommt auf eine Datenmenge von 4 Terabyte pro Tag

Bringt man diese Datenströme mit künstlicher Intelligenz zusammen, legt man das Fundament für zukünftige Innovation, so Krzanich. Wer etwa ein Sportstadion oder ein Filmstudio mit dutzenden oder gar hunderten von HD-Kameras ausrüstet, kann die Wirklichkeit auf vollkommen neue Art und Weise einfangen und jeden Zuschauer zum Schauspieler oder zum Athleten machen. Solche sogenannten „Immersive Experiences“ werden zur „neuen Normalität“ werden, prophezeit der Intel-Chef.

Bei diesen volumetrischen Videos werden Milliarden von Datenpunkten im dreidimensionalen Raum aufgezeichnet. Voxels, also Gitterpunkte in einem dreidimensionalen Raster, schaffen auch einen neuen Standard, wie autonome Fahrzeuge ihre Umgebung „sehen“ und sich inmitten von anderen, menschlichen Verkehrsteilnehmern im Stadtleben zurechtfinden.

„Autonome Fahrzeuge“, so Krzanich, „bilden eines der ehrgeizigsten Datenprojekte der Gegenwart.“ Sobald Fahrzeuge mit unterschiedlichem Selbstständigkeitsgrad fester Bestandteil des Mobilitätsangebots seien, könnten sie in einem Feedback-Kreislauf Daten einspeisen und auswerten. Dies werde Menschenleben retten sowie Zeit und Treibstoff sparen. Autonome Fahrzeuge, erklärte Krzanich, sind „kein Experiment, sondern ein Weg in die Zukunft“, auf dem wir bereits weiter vorangekommen seien, als die meisten Menschen glaubten.

Autonome Fahrzeuge sind eines der ehrgeizigsten Datenprojekte der Gegenwart.

Brian Krzanich, CEO Intel

Die Sprachsteuerung ist dabei ein entscheidender Meilenstein im Umgang zwischen Mensch und Maschine. „Die menschliche Stimme ist die natürlichste Schnittstelle“, sagte Charlie Kindel, der bei Amazon Alexa die Produktentwicklung für das Smart Home leitet, auf der CES. „Ich persönlich habe mehr als 200 Geräte zu Hause, die ich alle mit meiner Stimme steuere.“

Jedes Unternehmen sollte deshalb darüber nachdenken, wie es Sprachsteuerung in seine Produkte und Dienste integrieren könne, um die gestiegenen Erwartungen der Kunden zu erfüllen, sagte Kindel.

Ich persönlich habe mehr als 200 Geräte zu Hause, die ich alle mit meiner Stimme steuere.

Charlie Kindel, Leiter Smart Home Produkt Entwicklung für Amazon Alexa

Ein Argument, das der Messe-Veranstalter, die Consumer Technology Association mit aktuellen Statistiken untermauerte. Danach hat sich der Absatz von Lautsprechern mit eingebauter Sprachsteuerung im vergangenen Jahr verdreifacht und wird 2018 allein in den USA rund 44 Millionen Geräte erreichen. Das sind 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz wird sich im laufenden Jahr auf vier Milliarden Dollar verdoppeln.

Bis autonome Fahrzeuge oder gar persönliche Flugtaxis mit einem Klick auf die App zur Haustür bestellt werden können, mag es noch etwas dauern. In der Zwischenzeit kann Virtual Reality (VR) dabei helfen, die Mobilität von Morgen handfest vor Augen zu bekommen. Auch diese Technologie breitet sich langsam aber sicher im Massenmarkt aus.

Alltägliches mit VR-Technolgie erledigen

Eine Umfrage, die die Berater von Accenture in 19 Ländern durchgeführt und am Rande der CES vorgestellt haben, belegt dabei, dass Verbraucher VR-Technologie keineswegs vor allem für Spiele, sondern lieber für handfeste Alltagsanwendungen einsetzen wollen. Zwei von drei Befragten gaben an, dass sie Artificial Reality verwenden möchten, um mehr über Reiseziele zu erfahren, sich neue Fähigkeiten anzueignen oder Kleidung virtuell anzuprobieren.

Und wer den Stand von Bell Helicopter auf der CES in Las Vegas besucht hat, konnte sich eine VR-Brille aufsetzen, um mit eigenen Augen und Ohren zu erleben, wie sich der Fahrdienstvermittler Uber die Zukunft vorstellt. Mittels Brille präsentierte der Mobilitätsanbieter seine Flotte individualisierter Air Taxis, die in ein paar Jahren in Städten wie Los Angeles, Dallas-Fort Worth und Dubai fliegen soll.

Das deutsche Startup Volocopter, an dem Daimler finanziell beteiligt ist, lockte mit seinem elektrischen Fluggerät ebenso große Besucherscharen an. Der weiße Volocopter mit 18 Rotoren ist bereits in Deutschland und Dubai getestet worden.

Die Zukunft ist ganz Ohr

Kurzum: Was lässt sich vom Technik-Rummel in Las Vegas mit seinen fast 200.000 Besuchern mitnehmen?

Von der Spülmaschine, die auf Sprachkommandos reagiert. Über den Filter, der selbstständig die Luftqualität in der Wohnung misst und nach dem Reinigen eine Aromatherapie-Session startet. Bis zum Flugtaxi, das den Stau am Boden überfliegen kann. Fast alle Geräte und Dienste, die die knapp 4.000 Firmen auf der CES präsentierten, benötigen einen kontinuierlichen Datenstrom und Zugang zu intelligenten Diensten in der Cloud, um nicht nur die menschliche Sprache zu verstehen, sondern auch unsere Absichten. Die Zukunft ist ganz Ohr.

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