Innenräume für E-Fahrzeuge

Das Interieur von Elektrofahrzeugen passt sich dem neuen Antrieb an. Hartmut Sinkwitz, Leiter Interieur Design der Daimler AG erklärt, wie das aussehen wird.

Die Elektromobilität bringt nicht nur Ingenieure zu neuen Denkweisen. Auch die Exterieur- und Interieur-Designer müssen neue Lösungen suchen. Mit dem Wechsel von den vertrauten Otto- und Dieselantrieben zu den Elektroaggregaten verändert sich das Automobildesign. Bei Mercedes-Benz wurde eigens eine neue Elektro-Ästhetik definiert, die in den kommenden Jahren die Formensprache der E-Mobile in den verschiedenen Segmenten bestimmen wird.

Erstes Beispiel ist der Elektro-SUV EQ, der als seriennahe Studie im vergangenen Jahr auf dem Pariser Automobilsalon gezeigt wurde und der in zwei Jahren auf den Markt rollen wird. Wie vor gut 130 Jahren, als die zunächst von den Automobilpionieren übernommenen Formen der Kutschenzeit von der neuartigen Antriebstechnik ins Abseits gedrängt wurden, und gleichzeitig ein neuartiges Automobildesign erdacht wurde - so entsteht auch heute eine innovative Formensprache für die Mobilität der Zukunft.

Eine eigenständige, coole und futuristische Elektro-Ästhetik, die gleichzeitig die typischen Werte von Mercedes-Benz verkörpert

Dabei wird sich nicht nur die Außenhaut der Modelle der neuen Designsprache anpassen. Auch bei der Gestaltung des Interieurs wird das Elektro-Thema auf seine Art fortgeschrieben. „Wir setzen uns bei unseren Entwürfen das Ziel, eine eigenständige, coole und futuristische Elektro-Ästhetik zu erschaffen und dabei gleichzeitig die typischen Werte von Mercedes-Benz zu verkörpern“, erklärt Hartmut Sinkwitz, Leiter Interieur Design. „Auch der Innenraum ist von unserer Designphilosophie der Sinnlichen Klarheit geprägt, dabei avantgardistisch und funktional gestaltet. Es entsteht eine extrem coole Ausstrahlung, die zugleich hoch emotional ist.“

Diese Ausrichtung zeigt sich vor allem bei der Gestaltung der Instrumententafel, die, so Sinkwitz, als „flächiges Flügelprofil gestaltet und aus einem Volumen aufgebaut ist. Ihr asymmetrisches Design ist perfekt auf den Fahrer zugeschnitten.“ Bisher wird die Eleganz der Mercedes-Benz-Modelle durch eine Aufgliederung des Instrumententrägers in ein Ober- und Unterteil betont. In Zukunft werden sich die Elektro-Modelle davon abheben.

Unser Ziel bleibt, dem Kunden das hochwertigste Interieur-Erlebnis im Wettbewerb zu bieten. Das gilt natürlich auch für unsere Elektrofahrzeug-Familien.

Hartmut Sinkwitz, Leiter Interieur Design

Trotz der progressiv modernen Gestaltung, das zeigt bereits die seriennahe EQ-Studie, verkörpert auch das künftige Interieur der Elektromodelle die traditionellen Mercedes-Werte. Schließlich wird auch die Umsetzung der neuen Elektro-Ästhetik nichts an dem Selbstverständnis der Design-Abteilung ändern: „Wir sehen uns als Marke, die einen modernen Luxus verkörpert, und mehr als nur Premium darstellt. Unser Ziel ist dabei stets , dem Kunden das hochwertigste Interieur-Erlebnis im Wettbewerb zu bieten. Und das gilt natürlich auch für unsere Elektrofahrzeug-Familien“, beschreibt Hartmut Sinkwitz die Aufgabe des Interieur-Designs.

Die Elektromobilität bringt nicht nur Ingenieure zu neuen Denkweisen. Auch die Exterieur- und Interieur-Designer müssen neue Lösungen suchen.

Die EQ-Studie zeigt mit ihrem bläulichen Lichtband, das von Tür zu Tür reicht, die Richtung, die sich beim Seriendesign in veränderter Form wiederfinden wird. Das Interieur wirkt dabei fast wie ein Kokon, der Fahrer und Passagier umfasst ohne ihn einzuengen. Das Ambiente ist vielmehr luftig und frisch. Statt der bisher üblichen Schalter breiten sich vor dem Fahrer am Steuer nun berührungsempfindliche Bedienflächen aus.

Klassische Materialien in modernem Look

Auch bei den ausgewählten Materialien wird sich der Wechsel zur Elektromobilität wiederspiegeln. So kommt zum Beispiel eine neue technischer wirkende Farbkombination zum Einsatz, die mit dem heute bereits eingesetzten Aluminiumfinish kombiniert wird.

Gleichzeitig „wollen wir dem Kunden die Möglichkeit geben, auch in Zukunft die klassischen Materialien Metall, Leder und Holz wählen zu können, die ein Wohlfühlgefühl auslösen, aber der neuen Designsprache angepasst werden.“ Zudem kommen Kunststoffoberflächen zum Einsatz, die im Rahmen der Elektroästhetik deutlich technoider gestaltet werden. „ Bei weich kaschierten Oberfllächen“, so Sinkwitz, „gehen wir einen neuen Weg und haben eine Oberfläche entwickelt, die den technisch modernen Charakter des Fahrzeugs unterstreicht.“

Die neuen Farbspiele der Elektrofahrzeuge erklärt Sinkwitz so: „Wir erzeugen eine progressive Ästhetik, ein neues Innenraumerlebnis, schlagen aber zugleich die Brücke zu den klassischen Werten des Mercedes-Benz-Interieurs.“

Design ist nicht vorhersehbar.

Hartmut Sinkwitz

Wir verfolgen in jedem Falle den Ansatz, erklärt Sinkwitz, „dass Design nicht vorhersehbar ist . Die Designmannschaft mit ihren Studios in Sindelfingen, Peking, Como, sowie Carlsbad und Sunnyvale in Kalifornien will auch in Zukunft, wenn die Elektroästhetik in anderen Segmenten übernommen wird, mit ihren Entwürfen vor allem überraschen.

„Wir schaffen“, sagt Sinkwitz, „neuartige Erlebniswelten, die aus dem Zusammenspiel von eigenständigen Designkonzepten und einer reduzierten Formensprache entstehen.“ Dazu trägt auch die veränderte Akustik-Situation bei. Die E-Fahrzeuge bieten im Innenraum eine bisher unbekannte Ruhe, die wiederum „zu einem noch klareren, aufgeräumten und ruhigeren Gestaltungskonzept“ führt, bei dem sich das Auge entspannen und gleichzeitig interessante Details entdecken kann. „Wir wollen zugleich erreichen, dass die Insassen nie gelangweilt werden.“

Wir legen großen Wert darauf, dass die Insassen nie gelangweilt werden.

Hartmut Sinkwitz

Und wie übersetzt sich die neue Ästhetik bei den nächsten Modellgenerationen? In den kommenden Jahren sollen immerhin mehr als 20 neue Mercedes-Benz-Elektromodelle auf den Markt kommen. „Wir werden den kompakten Modellen ein etwas jugendlicheres Gefühl mitgeben und uns bei den größten Fahrzeugen einem auf maximale Hochwertigkeit fokussiertes Design konzentrieren“, erklärt Sinkwitz die Designstrategie für die Zukunft. Und: „Wir achten bei allen Aspekten der Gestaltung darauf, die Potenziale und den Ausdruck der Elektro-Ästhetik zu unterstreichen.“

Eine besondere Herausforderung für die Designer wird in den kommenden Jahren die Kombination von elektrisch und autonom fahrenden Modellen darstellen. „Wir haben dann die Freiheit, Räume vollkommen neu zu entwerfen und einen offenen Bereich für die Kommunikation mehrerer Menschen zu gestalten. Möglicherweise gibt es eine lounge-artige Sitzlandschaft zum Entspannen. In diesem Lebensraum- auch „third place“ genannt - lassen sich viele Tätigkeiten der sonstigen Lebensbereiche verrichten, beispielsweise arbeiten oder mit Freunden telefonieren Der Fond wird an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus wird es im Interieur der Zukunft mehr modulare Elemente geben“, prognostiziert Hartmut Sinkwitz. „Es kommen auf jeden Fall große Herausforderungen und neue Freiheitsgrade auf uns zu, auf die ich mich schon jetzt freue“.

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