Mit der pactris App den smart Kofferraum cleverer beladen

Dank intelligenter Vernetzung mit „pactris“ wissen smart Fahrer, wie sie ihre Einkäufe effizienter in ihrem Auto unterbringen.

Als ein junger Mann etwas ratlos vor seinem Auto steht – mitten auf dem Parkplatz eines schwedischen Möbelhauses –, nimmt die Sache ihren Anfang. Während des Einkaufs waren die Augen mal wieder größer gewesen als der Kofferraum. Die logische Folge: Das Auto war hoffnungslos überfüllt, beinahe hätte ein Paket wieder zurück zur Kasse gemusst. Dieses Erlebnis hinterließ einen bleibenden Eindruck – und dem jungen Mann, Gabriel Selbach, kam eine Idee: Wie wäre es, wenn das Smartphone bereits während des Einkaufs messen würde, wie viele Kartons in das Auto hineinpassen?

Gemeinsam mit Sebastian Thiemt und Toni Hoang machte sich Gabriel Selbach an die Ausarbeitung der Idee. Im Rahmen des ersten DigitalLife Day 2015 stellten die drei jungen Kollegen ihren Plan vor – und gewannen prompt den Wettbewerb unter den Daimler-internen Start-ups. Mit dem erfolgreich eingefahrenen Entwicklungsbudget von 25.000 Euro konnte ein erster App-Prototyp programmiert werden, mit dem sich die drei Urheber bei verschiedenen Konzernbereichen vorstellen konnten. „Als erstes Anwendungsgebiet schwebte uns zunächst der Einsatz bei Mercedes-Benz Vans vor“, erzählt Sebastian Thiemt. „Doch dann sagte smart voller Begeisterung noch schneller zu, als wir dachten.“

App seit Anfang September 2016 erhältlich

Die Zustimmung seitens smart sorgte für weiteres Entwicklungsbudget für die drei App-Erfinder. Die Anpassungen an die aktuelle smart-Modellpalette waren schnell gemacht – was den Kunden der praktischen Kleinwagen-Familie bereits heute zugute kommt. Die fertige App ist seit 2. September 2016 offiziell im Apple App Store erhältlich. Die Version für Android ist seit einigen Wochen im Play Store verfügbar.

„Es war immer unser Ziel, dass die App im Alltag so zuverlässig hilft, dass sie auch wirklich genutzt wird“, skizziert Gabriel Selbach den eigenen Anspruch des Teams. Der Einsatz von „pactris“ erfolgt in mehreren Schritten. Es beginnt mit der Erkennung des Ladeguts mithilfe der Smartphone-Kamera: Der Barcode wird abgescannt – immerhin ist nahezu jeder Karton in Mitnahme-Möbelhäusern oder Baumärkten entsprechend ausgezeichnet. Über die eingelesene einmalige Registrierungsnummer werden nun die Abmessungen des einzuladenden Gegenstands gesucht.

Bei der heutzutage gebotenen Produktvielfalt wäre eine vollständige Datenbank innerhalb der App unverhältnismäßig groß, weshalb ein sogenannter Web-Crawler das Internet nach den Daten hinter dem eingescannten Barcode durchforstet. Fast immer steht am Ende der Abfrage ein Treffer. Die App kann so die Abmessungen des zu kaufenden Gegenstandes nennen und weiß, ob er in das Auto passt oder nicht.

Der Algorithmus zur besten Einlade-Reihenfolge hat uns am meisten Entwicklungsaufwand gekostet

Sebastian Thiemt, Entwickler der „pactris“-App

Die Echtzeit-Unterstützung des Einladevorgangs nach dem Einkauf ist der weitaus schwierigere Teil der App. „Der Algorithmus zur besten Einlade-Reihenfolge hat uns am meisten Entwicklungsaufwand gekostet“, berichtet Sebastian Thiemt, der das Projekt „pactris“ derzeit hauptverantwortlich betreut.

Niemand muss auf dem Parkplatz zurückbleiben

Zwar gäbe es bereits einige Programme, die Gegenstände möglichst platzsparend im Raum anordnen, doch würden diese oft an den Anforderungen des Alltags scheitern. Immerhin muss das verpackte Regal ja nicht nur in den Innenraum des Autos passen, sondern erst mal durch die Heckklappe. Beim smart forfour werden darüber hinaus die umlegbaren Rücksitzlehnen ebenso berücksichtigt wie die klappbaren Sitzkissen der Sitze. Die App fragt auch ab, wie viele Mitfahrer unterwegs sind, und stellt so sicher, dass am Ende niemand auf dem Parkplatz zurückbleiben muss.

Auch an Einkaufsgegenstände, deren Abmessungen noch nicht im Internet hinterlegt sind, haben die drei jungen Entwickler gedacht: Bier- und Wasserkästen sind ebenso in der App gespeichert wie Umzugskartons und Einkaufskisten der größeren Supermarktketten. Weitere Gegenstände lassen sich ganz einfach per Größeneingabe hinzufügen.

Die dreidimensionale Ansicht des ausgewählten smart-Modells und des Ladeguts veranschaulicht die optimale Beladungsreihenfolge. „Um die Darstellung möglichst schön hinzubekommen, haben wir Hilfe aus dem smart-Design bekommen“, erklärt Sebastian Thiemt. „Interessant war es dabei, einen guten Kompromiss aus realistischer Darstellung und verfügbarer Rechenpower auf dem Smartphone zu finden.“

Andere Einsatzmöglichkeiten denkbar

Auf längere Sicht sollen nicht nur smart-Kunden von der praktischen App profitieren: Auch die Kunden von Mercedes-Benz werden eines Tages mit „pactris“ in Berührung kommen – möglicherweise sogar über eine Schnittstelle der „Mercedes me“-App.

Bis es so weit ist, machen sich die „pactris“-Entwickler daran, neue Aufgabengebiete für ihr Laderaum-Tetris zu entdecken. In der Werkslogistik von Daimler sieht das Team einen geeigneten Einsatzort: „Hier werden jeden Tag Unmengen an Gütern für genau geplante Transporte verladen“, sagt Sebastian Thiemt. „Eine Pro-Version unserer App würde beispielsweise dabei helfen, die Be- und Entladungsreihenfolge zu perfektionieren.“

Für eine effizientere Logistik

Der große Vorteil des Einsatzes in der Werkslogistik: Alle Ladungsbehältnisse samt Maßen sind bereits im IT-System erfasst. Gitterkörbe haben Normabmessungen, und auch die Laderäume von Lastwagen und Transportern weisen meist ein praktisches Rechteckformat auf. Hier setzt „pactris“ an: Der Weg eines einzelnen Teils könnte mit der App vom ersten Eintreffen am Werkstor bis zur Anlieferung am Band konstant verfolgt und bestmöglich geplant werden. Unnötige Pausen bei der kurzfristigen Umdisponierung von einem Behälter in den anderen würden dank des digitalen Beladungsassistenten fast komplett beseitigt.

pactris könnte auch für zukünftige Transport- und Logistik-Konzepte einen wertvollen Beitrag leisten

Steffen Kaup, Leiter des Teams Zukunftsforschung Transport und Logistik in der Daimler-Konzernforschung

„Die App pactris könnte auch für zukünftige Transport- und Logistik-Konzepte einen wertvollen Beitrag leisten“, prognostiziert Steffen Kaup, Leiter des Teams Zukunftsforschung Transport und Logistik in der Daimler-Konzernforschung. „Einer der großen Trends im Waren- und Gütertransport wird die Zerlegung von Gütern in kleinere Einheiten sein. Diese können sich dann auf unterschiedlichen Wegen durch ein bestehendes Verkehrsnetz navigieren, was auch als synchromodaler Transport bezeichnet wird. Für die Gesamtkonzeption dieser Art des Transports könnte die App pactris sich als ein nützlicher Baustein erweisen.“ Denn neben einem möglichst reibungslosen Zugang zu den Laderäumen der verschiedenen Verkehrsträger sei auch die Information über den jeweiligen Platzbedarf der einzuladenden Waren und Güter unbedingt notwendig.

Steffen Kaup sieht einen der großen Trends in immer höheren Anforderungen an eCommerce. Haushalte lassen sich mehr Waren nach Hause liefern und zwar mit höheren Anforderungen, was die Ausliefergeschwindigkeit und die Verkürzung von Wartezeiten angeht. Diesem Trend begegnen Crowd-Delivery-Dienste, d. h. eine Menge kleinerer Auslieferdienste oder gar Privatpersonen, welche den Warentransport in der Innenstadt unterstützen. Dies könnte ebenfalls als ein zukünftiges Einsatzgebiet für pactris gesehen werden, da diese Dienste auf ihren Routen durch den Innenstadtbereich nicht nur ausliefern, sondern auch Pakete einladen.

Es ist deutlich: Die immer weitergehende Vernetzung schafft völlig neue Möglichkeiten im Bereich der Logistik. Daran dachten die drei pactris-Pioniere bei ihrer ersten Idee noch nicht – doch zuletzt hat sich die neue App wohl nicht nur für smart-Kunden auf Shopping-Tour gelohnt, sondern auch für eine effizientere Logistik über die Werksgrenzen hinaus.

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