Wie die Energiewende gelingt

Eine Konzentration auf batterieelektrische Fahrzeuge bringt um das Jahr 2050 Entspannung fürs Klima, sagt eine Studie des European Alternative Fuels Observatory.

Die Europäische Union hat sich in der Klimapolitik ehrgeizige Ziele gesetzt, die sich ohne drastische Eingriffe in die automobile Gesellschaft nicht verwirklichen lassen werden. Der Verkehrssektor steht dabei vor besonders herausfordernden Aufgaben: Bis zum Jahr 2050, so sehen es wenigstens die Brüsseler Planungen vor, sollen in diesem Bereich 60 Prozent der Treibhausgase eingespart werden.

Wie das gelingen kann? Nach einer im November 2017 veröffentlichten Untersuchung der Brüsseler Beobachtungsstelle European Alternative Fuels Observatory (EAFO), ein Projekt der Europäischen Kommission, kann das Ziel nur erreicht werden, wenn die Pkw-Flotte der Europäischen Union in den kommenden Jahrzehnten vollständig entkarbonisiert wird. In ihrem Bericht, der den europäischen Entscheidern als Hilfe bei künftigen klimapolitischen Vereinbarungen dienen soll, beschreiben die Experten ein Szenario, nachdem vom Jahr 2035 an nur noch Nullemissions-Automobile neu zugelassen werden dürfen. Nur so ließe sich das Klimaziel im Jahr 2050 tatsächlich erreichen. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 15 Jahren pro Automobil würde die europäische Pkw-Flotte an diesem Datum so gut wie nahtlos in eine Nullemissions-Flotte übergehen.

Das Ziel: ein karbonfreier Transportsektor

Als optimale Lösung für eine schnelle Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen betrachten die Brüsseler Experten dabei den Übergang zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Die Plugin-Technik, von vielen Zeitgenossen als Übergang in eine vollkommen elektrische mobile Zukunft geschätzt, sehen die Autoren eher als Bremsklotz. Diese würde den Zuwachs an Nullemissions-Modellen behindern, sodass später größere Anstrengungen notwendig werden würden, die Klimaziele zu erreichen. „Weil Pkws wesentlich leichter entkarbonisiert werden können, als andere Fahrzeuge wird von ihnen ein proportional höherer Anteil an einem entkarbonisierten Transportsektor erwartet“, heißt es in der Untersuchung. In ihrer Studie beschäftigen sich die Brüsseler Autoren vor allem mit Personenwagen – den Bereich der Nutzfahrzeuge klammern sie aus.

Als optimale Lösung für eine schnelle Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen betrachten die Brüsseler Experten den Übergang zu batterieelektrischen Fahrzeugen

Auf diese Weise, so die EAFO-Untersuchung, könnten in Europa bei einer vollständigen Umsetzung vom Jahr 2050 an jährlich 1,74 Milliarden Barrel Öl eingespart werden, was sich in eine Einsparung von 78 Milliarden Euro übersetzt (bei einem Preis von 45 Dollar je Barrel). Außerdem werden zwischen den Jahren 2020 und 2050 zwischen 2,2 und 3,9 Gigatonnen CO2 eingespart. Nachdem sich die europäischen Energiekonzerne zu einer weitgehenden Entkarbonisierung ihrer Stromerzeugung bis zum Jahr 2050 verpflichtet haben, ergeben sich daraus noch weitere Umweltentlastungen. Diese wurden in der EAFO-Untersuchung allerdings noch nicht berücksichtigt.

Der Absatz von Elektrofahrzeugen wird sich nach diesem Szenario in den kommenden Jahren vermutlich allein deshalb beschleunigen, weil sich die aktuell noch spürbaren Preisunterschiede gegenüber den Modellen mit Verbrennungsmotoren angeglichen haben werden. Die Brüsseler Autoren gehen davon aus, dass sich die Anschaffungskosten zwischen den Jahren 2022 und 2026 angleichen werden. Die batterieelektrischen Fahrzeuge könnten in den Jahren danach sogar ein Preisniveau unterhalb der konventionell angetriebenen Modelle erreichen. Die Parität bei den Gesamtbetriebskosten wird sich danach sogar bereits zwei bis vier Jahre früher einstellen. Finanziell wäre der Wechsel, so die Untersuchung, für die europäischen Autofahrer also durchaus positiv.

Hinzu kommt, dass nach den EAFO-Berechnungen vom Jahr 2030 an jeder gefahrene Elektrokilometer wegen des geringeren Wartungs- und Reparaturaufwands um vier bis sechs Cents preiswerter sein wird als bei einem Benziner- oder Diesel-Fahrzeug. Elektrofahrzeuge besitzen weniger mechanische Teile als Modelle mit Verbrennungsmotoren, was sich in den Unterhaltskosten bemerkbar macht.

Wenn die Frage der Reichweite gelöst ist, wird die Nachfrage steigen

Die industriellen Folgen für den Energiebedarf der europäischen Elektroflotte bewegen sich allerdings im Gigabereich. Eine weitgehend klimaneutrale Flotte benötigt in Zukunft Batteriefabriken mit einer Kapazität von 400 bis 600 Gigawattstunden, was ungefähr zehn bis 14 Produktionsanlagen mit einer für Europa noch unbekannten Größenordnung entspricht. Für diese Berechnung legten die Autoren eine durchschnittliche Batteriegröße von 30 bis 45 Kilowattstunden und einen Batteriepreis von 100 Euro je Kilowattstunde zugrunde. „Der Übergang“, so die Autoren, „kann auch zusätzlich von der Nachfrage angetrieben werden, wenn erst einmal die aktuellen Hindernisse in Form von Preis, Reichweite und Infrastruktur beseitigt sind.“

Der Wechsel zu Nullemissions-Fahrzeugen wird eine deutliche Investition in die Energie-Infrastruktur verlangen, um die Elektromobile oder die Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu versorgen.

Die Zukunft der klimaneutralen Mobilität wird sich nicht zum Nulltarif verwirklichen lassen. „Der Wechsel zu Nullemissions-Fahrzeugen wird eine deutliche Investition in die Energie-Infrastruktur verlangen, um die Elektromobile oder die Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu versorgen“, erklären die EAFO-Experten. Wie hoch diese Kosten tatsächlich ausfallen werden, haben die Autoren der Untersuchung nicht analysiert.

Angesichts der in den kommenden Jahren deutlich wachsenden Elektroflotte werden die Fahrzeuge auch zunehmend in die Energiespeicherung integriert werden – da sind sich die Autoren sicher: „Die Zunahme der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne erzeugt einen zusätzlichen Bedarf für die Speicherung. Hier können die mit dem Netz verbundenen Batterien der E-Mobile als Puffer für die Netzstabilität und Speicherung eingesetzt werden, was sich wiederum als zusätzlicher Wertfaktor für die Besitzer auswirkt.“

Die Zunahme der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne erzeugt einen Bedarf für die Speicherung. Hier können die mit dem Netz verbundenen Batterien der E-Mobile als Puffer für die Netzstabilität und Speicherung eingesetzt werden, was sich wiederum als zusätzlicher Wertfaktor für die Besitzer auswirkt.

Schließlich wird eine vollkommen elektrisch angetriebene Personenwagenflotte neben den geringeren Belastungen durch Treibhausgase und Feinpartikel auch die Lebensqualität in den Städten verbessern. Das Geräuschniveau des Verkehrs wird deutlich reduziert, das macht die urbanen Zentren wieder lebenswerter.

 

Das European Alternative Fuels Observatory (EAFO) oder übersetzt die Europäische Beobachtungsstelle für alternative Kraftstoffe sammelt Daten zu Verkaufszahlen von Fahrzeugen mit alternativen Antriebstechniken und den dazugehörenden Infrastrukturen. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission finanziert. Die Datensammlung umfasst Statistiken, die sich mit den neuen Antrieben von Hybrid bis Brennstoffzelle beschäftigen. Erfasst werden die Daten in allen europäischen Ländern.

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