Mit dem Kapitalmarkt am Tisch. Mercedes-Benz Cars Kapitalmarkttag 2017

Mercedes-Benz Cars ist auf Erfolgskurs. Das erste Halbjahr 2017 schloss mit Bestwerten ab und für das Gesamtjahr erwartet das Geschäftsfeld ein deutliches Plus bei Absatz, Umsatz und EBIT. Gleichzeitig treiben wir unsere Elektrooffensive mit Plug-In Hybriden, dem GLC F-Cell und unserer neuen Marke EQ weiter voran. Doch den Aktienkurs lässt das scheinbar kalt. Viele Investoren sorgen sich beispielsweise über die hohen Investitionen in die Zukunft oder darüber, dass Pkw-Märkte wie die USA möglicherweise auf dem Zenit sind und sich der chinesische Markt abkühlen könnte.

Die Transformation der Automobilbranche treibt folglich nicht nur die Medienlandschaft um, sondern auch den Kapitalmarkt. Mit einer offenen Kommunikation und einer inhaltlichen Diskussion stärkt Investor Relations das Vertrauen in unser Unternehmen. Dazu veranstalteten wir im September einen Kapitalmarkttag mit Fokus auf das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars. Nahezu 70 Analysten und Investoren kamen dazu ins Center of Excellence nach Sindelfingen.

Fit für die Zukunft?

Mit der Elektromobilität, strengeren Emissionszielen, neuen Wettbewerbern und veränderten Kundenanforderungen stehen der gesamten Automobilbranche große Veränderungen bevor – das ist uns allen bewusst. Wie begegnet Mercedes-Benz Cars diesen Herausforderungen? Und wie profitabel ist dann die Sparte? Denn neue Technologien erfordern mehr Investitionen.

Uns ist klar: Wir steigen in die Elektromobilität voll ein. Gleichzeitig stärken wir unser Kerngeschäft, das uns überhaupt ermöglicht, in unser neues Geschäftsmodell rund um CASE zu investieren. Für die Pkw-Sparte streben wir weiterhin eine Marge von zehn Prozent an. In der Transformationsphase bleiben wir auch bei E-Autos mit einer Marge von acht bis zehn Prozent sehr profitabel. Das Programm „Fit For Leadership“ bleibt dabei unser Rückgrat für kontinuierliche Optimierungen. Die neueste Entwicklungsstufe heißt „Fit For Leadership 4.0“. Insgesamt sollen dabei über vier Milliarden Euro eingespart werden. Wir werden wie in der Vergangenheit Effizienzen heben ohne Arbeitsplatzabbau und uns auf strukturelle Verbesserungen über die gesamte Wertschöpfungskette konzentrieren. Darüber informierte Mercedes-Benz Finanzchef Frank Lindenberg die Analysten und Investoren in seinem Vortrag.

Richtiges Erwartungsmanagement

Investor Relations steht weltweit auf Konferenzen, Roadshows und Kapitalmarkttagen im ständigen Kontakt mit Analysten und Investoren. In ihren Publikationen bewerten sie die Attraktivität der Daimler-Aktie und sind somit wichtige Multiplikatoren im Dialog mit Investoren.

Das Programm des Kapitalmarkttags begann mit Vorträgen von Dr. Dieter Zetsche, Ola Källenius, Britta Seeger und Frank Lindenberg mit anschließendem Q&A. Die Audio-Aufzeichnung können Sie sich auf unserer Corporate Website anhören. Die Präsentationsfolien finden Sie als Download unter dem Webcast.

Audio-Aufzeichnung des Mercedes-Benz Cars Kapitalmarkttags

Für Live-Zuhörer endete der Webcast nach dem Q&A. Für die Teilnehmer vor Ort gab es danach nochmal eine inhaltliche Vertiefung. In fünf Workshops zeigten Themenexperten auf, wie wir aus unserer Sicht bestmöglich für die Zukunft gewappnet sind. Hier ein kurzer Überblick:

Flexibilität in der Produktion als Antwort auf die Mobilität von morgen

Konnektivität, autonomes Fahren, Sharing und E-Mobilität – so lauten die vier großen Megatrends in der Automobilindustrie. In ihrer Kombination entstehen ganz neue Möglichkeiten rund ums Auto. Klar ist: Der technologische Wandel kommt, aber er kommt in vielen Schritten und über einen langen Zeitraum. Das heißt: Wir gehen die Zukunftsthemen mit voller Power an, wissen aber zugleich, dass unser traditionelles Kerngeschäft noch für Jahre der zentrale Schlüssel für Wachstum und Gewinn bleiben wird. Für die Produktion ist dieser Spagat eine gewaltige Herausforderung, fordert er ihr doch ein Maximum an Flexibilität bei gleichzeitiger Stabilität in den Fabriken ab. Wir sind sicher: Das geht nicht, ohne die neuen Erfordernisse zuallererst am Menschen auszurichten, der in der Produktion tätig ist. Bei Mercedes-Benz Cars Operations stellen wir ihn bewusst in den Mittelpunkt von Industrie 4.0. Konkret: Es geht darum, dass Menschen und Maschinen sich so ergänzen und unterstützen, dass Arbeit in Zukunft nicht nur effektiver und flexibler ist, sondern auch attraktiver für jeden Einzelnen wird. So werden wir nicht zuletzt auch dank unseres Baukastensystems und unserer flexiblen Anlagen in der Lage sein, Fahrzeuge mit herkömmlichem Verbrennungsmotor und Elektrofahrzeuge der EQ-Generation auf einer Linie zu produzieren. Wir verfügen zudem über ein Produktionsnetzwerk, das blitzschnell und hoch flexibel auf die Bedarfe in den Märkten reagieren kann und über Batteriefabriken, in denen wir im zweistelligen Gigawatt-Bereich produzieren werden. Wir sind gerüstet. Die Zukunft kann kommen – wir bauen sie.

Markus Schäfer, Bereichsvorstand Produktion und Einkauf Mercedes-Benz Cars.

Digitalisierung heute

Das Wettbewerbsumfeld verändert sich zunehmend. Wir sehen uns neuen Wettbewerbern aus dem Silicon Valley und aus Asien gegenübergestellt. Um als Mercedes-Benz weiterhin an der Spitze der Automobilindustrie zu bleiben treiben wir die Digitalisierung unserer Fahrzeuge immer weiter voran. Wir arbeiten daran, die Schlüsseltechnologien wie „Artificial Intelligence“, „Machine Learning“, „Big Data“ ins Fahrzeug zu bringen und unser Fahrzeug mit dem „Internet of Things“ zu vernetzen. Beispielsweise haben wir bereits alle 2016er und 2017er Mercedes-Benz-Modelle mit Alexa- und Google Home-Unterstützung ausgestattet.“

Kunden wollen in Zukunft ein Fahrzeug, das sich möglichst intuitiv und einfach bedienen lässt. Die Systeme sollen schnell auf Bedieneingaben reagieren und sich intelligent an die Kundenbedürfnisse anpassen. Bei der Entwicklung unserer zukünftigen Infotainment-Generationen ist es unsere höchste Priorität, all diese Kundenanforderungen zu bedienen um unseren Kunden das wertvollste Gut zurück zu geben – Zeit.

Sajad Khan, Vice President Digital Vehicle & Mobility.

Car-to-X Kommunikation

Mit der 2016 in der E-Klasse eingeführten Car-to-X Kommunikation können Fahrer anderer Fahrzeuge über Gefahren im Verkehr voraus gewarnt werden.Diese werden von der Sensorik automatisch erkannt oder können vom Fahrer manuell gemeldet werden. Die Datenübertragung erfolgt über Mobilfunk an das Daimler Vehicle Backend, wo Car-to-X die Gefahrenmeldungen verarbeitet und an Fahrzeuge im Umkreis verschickt. In Zukunft werden diese Gefahrenmeldungen bei der Steuerung von automatisch fahrenden Fahrzeugen berücksichtigt werden. Dadurch wird der Betrieb von automatisch fahrenden Fahrzeugen noch sicherer und neue Funktionen werden ermöglicht. Diese Fahrzeuge können mit ihrer verbesserten Sensorik weitere Ereignisse erkennen, die dann automatisch an alle Fahrzeuge in der Car-to-X Flotte gesendet werden. So können dann zum Beispiel Objekte auf der Straße, Geisterfahrer und Sichtbehinderungen erkannt werden.

Crowd Data ermöglicht neue Funktionen für automatisches Fahren

Modularer Antriebsstrang

Die unterschiedlichen Kunden- und Marktbedürfnisse stellen unsere Entwicklungsarbeit für den Antriebsstrang vor neue Herausforderungen. Um diesen durch möglichst große Flexibilität gerecht zu werden, gibt es bei Mercedes-Benz vier verschiedene Ansätze der Modularität , die anhand der Pkw mit Längsantrieben dargestellt werden:

Modularität in der Fahrzeugintegration: Ist die technische Möglichkeit, Aggregate und Triebstränge in beliebiger Kombination in eine möglichst hohe Anzahl an Fahrzeugderivaten ohne nennenswerte geometrische Anpassungen einsetzen zu können.

Modularität in der Produktion: Meint eine flexible Produktion, die sich schnell und unkompliziert an sich verändernde Rahmenbedingungen anpassen lässt.

Modularität durch konventionelle Technologien: Beinhaltet unseren traditionellen Ansatz, skalierbare Antriebe durch Änderungen von klassischen Komponenten in verschiedenen Leistungsstufen zu bauen.

Modularität durch elektrifizierte Technologien: Variation zwischen 12-Volt-, 48-Volt- und Hochvolt-Technologien in unterschiedlichen Ausprägungen mit dem Ziel, den gesamten Antriebsstrang in unterschiedlichen Ausbaustufen zusätzlich zu elektrifizieren, um einerseits den Verbrauch zu senken und andererseits Leistung und Komfort zu steigern.

Mit dieser Antriebsstrategie sind wir stärker, sparsamer, sauberer und gleichzeitig flexibler aufgestellt. Außerdem können wir eine große Bandbreite an Antrieben anbieten – von hocheffizienten Verbrennungsmotoren mit Optionen der Elektrifizierung bis hin zu Hochvolt-Plug-in-Antrieben und Brennstoffzellen-Anwendungen. So kann der Powertrain modular für jedes Fahrzeug passend dimensioniert werden.

Dr. Thorsten Eder. Leiter Kompetenzcenter Motoren

Flexibilität im Einkauf

Jährliches Einkaufsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich, verantwortlich für die Qualität aller Kaufteile. In Kurzform präsentierte Ekhard Kaltenbrunner (Leitung MP/E) im MP-Workshop die Aufgabenstellung des Bereichs Mercedes-Benz Cars, Einkauf & Lieferantenqualität (MP). Für die Finanzanalysten besonders interessant: Wie hält man beim schnell fortschreitenden technischen Wandel, insbesondere bei CASE, die Kosten im Griff? Klar ist, die Innovationszyklen werden immer kürzer, verbunden mit deutlich kürzeren Entwicklungs- und Vergabezyklen. MP kombiniert dabei die Vergaben für herkömmliche Bauteile und Zukunftstechnologien möglichst flexibel. Stückzahlschwankungen bei CASE-spezifischen Bauteilen werden durch Vorverhandlung von Teilepreisen abgesichert, unter Berücksichtigung von verschiedenen Stückzahlbändern. Interessant für den Einkauf ist, dass sich auch das traditionelle Lieferantenumfeld wandelt. Viele etablierte Lieferanten aus dem konventionellen Bereich nutzen die Chance, gemeinsam mit Mercedes-Benz innovative Ideen zu realisieren und dadurch neue Geschäftsfelder zu erschließen. Hinzukommen neue Player aus dem Consumer Bereich (z.B. Endgeräte). Die Herausforderung hier besteht darin, die Qualität der innovativen Bauteile abzusichern. Insbesondere hinsichtlich Sicherheit, Dauerhaltbarkeit und Funktionsfähigkeit bei extremer Hitze und Kälte.

Ekhard Kaltenbrunner, Director Mercedes-Benz Cars Procurement and Supplier Quality.

Dass die Analysten und Investoren die offene Kommunikation wertschätzen, zeigt sich an den veröffentlichten Reports:

"We appreciate that Daimler provided some idea of its expectations for the mid-term margin development at MBC considering the challenges posed by e-mobility and digitalization. Although the company could not rule out slightly lower profitability in the transitional period while ramping up e-mobility, current estimates and the valuation of the company imply that a margin dilution of just up to 2pp would be much less severe than feared".

- Warburg Research

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