Doktorand in der Batterieentwicklung Interview mit Martin Frey

Welche Einstiegsmöglichkeiten für Chemiker bietet Daimler? Und was macht die Arbeit als Chemiker in der Automobilbranche besonders interessant? Über diese und weitere Fragen haben wir uns mit Doktorand Martin Frey unterhalten, der nach seinem Chemiestudium nun seine Promotion in der Grundlagenforschung zu Batterien bei Daimler macht.

Hallo Herr Frey, bitte stellen Sie sich den Leserinnen und Lesern kurz vor.

Mein Name ist Martin und ich bin 27 Jahre alt. Ich habe an der Universität Stuttgart Chemie auf Bachelor und Master mit der Spezialisierung in Polymer-und Elektrochemie studiert. Heute bin ich als Doktorand in der Grundlagenforschung zu Batterien am Standort Ulm und Sindelfingen tätig.

Warum haben Sie als Chemiker sich für einen Berufseinstieg bei Daimler entschieden?

Daimler ist bei mir schon seit der frühen Kindheit präsent, da ich in der „Gottlieb-Daimler-Stadt“ Schorndorf aufwuchs und damit auch früh bei mir die Begeisterung für das Automobil und die Marke Mercedes-Benz geweckt wurde. Für mich war schon früh klar, dass ich aktiv bei Daimler die Mobilität von morgen gestalten möchte. Wenn man also wirklich etwas bewegen möchte, dann braucht man einen starken Partner. Für mich ist das ganz klar Daimler!
Wie kommt man also als Chemiker in ein ingenieurgeprägtes Unternehmen? Ganz einfach: indem man sich interessant macht! Und genau das habe ich auch schon aktiv während meines Studiums der Chemie betrieben – durch Kurse und Spezialvorlesungen zu Themen, die relevant für ein Unternehmen wie Daimler sind. Das Sahnehäubchen stellte dann meine Masterarbeit dar, welche ich am Institut für Polymerchemie der Uni Stuttgart angefertigt habe. Hier konnte ich dann meine Fähigkeiten bündeln und ein neuartiges Kathodenkonzept für Lithium-Schwefel-Batterien entwickeln. Das blieb auch nicht unbemerkt: So kam es dann, dass ich meinen jetzigen Kollegen und Betreuer meiner Doktorarbeit bei Daimler traf, der das Potential meiner Arbeit sofort erkannte und mich zur Promotion einstellte. Ich konnte also nahtlos vom Studium in die Promotion bei Daimler übergehen, genauso wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich würde sagen: “Mission accomplished“.

Wie sieht Ihr bisheriger Weg bei Daimler aus – beginnend beim ersten Tag im Unternehmen bis heute?

Begonnen habe ich im Team elektrochemische Schichten. Der Weg war für mich von Tag Eins an klar: die Thematik meiner Masterarbeit im Rahmen der Doktorarbeit weiter ausbauen und für den Einsatz im Automobil optimieren. So kam es dann, dass ich thematisch bedingt ins E-Drive Center ins Team Grundlagen HV-Batterie gewechselt habe. Denn genau das ist meine Aufgabe als Chemiker: Die Grundlagen der Batteriechemie zukünftiger Batteriegenerationen zu ergründen, zu verstehen und vor allem für unsere zukünftigen Produkte nutzbar zu machen!

Was reizt Sie als Chemiker an der Automobilbranche? Was ist das Besondere daran als Chemiker im Automobilbereich und speziell bei Daimler zu arbeiten?

Interessant ist, dass die moderne Chemie in unserer heutigen Welt allgegenwärtig ist und unser Leben, wie wir es heute kennen, maßgeblich mitgestaltet hat – so auch im Automobil. Das wird offensichtlich, wenn wir uns alternative Antriebskonzepte anschauen. Batterie und Brennstoffzelle sind natürlich die Schlagworte, die wir sofort mit Chemie verbinden. Jedoch spielt sich die Chemie nicht nur in Energiespeichern oder Energiewandlern ab, sondern z.B. auch bei der Abgasreinigung. AdBlue ist zum Beispiel ein Harnstoff der einen großen Beitrag zur Umwelteffizienz unserer Fahrzeuge leistet. Oder die Themen Leichtbau und Faserverbundwerkstoffe, welche Interieur und Exterieur unserer Produkte sehr elegant aussehen lassen. Oder auch Lacke, die ohne moderne Chemie undenkbar wären.
Die Chemie ist im Automobil an vielen Stellen sichtbar und unsichtbar vertreten, diese Liste ließe sich weiter fortführen. Daher reizt es mich so sehr, meine Expertise bei Daimler breit aufgestellt einsetzen zu können. Aber genauso ist die Expertise meiner Kollegen für mich sehr wertvoll. Bei Daimler habe ich die Möglichkeit, auf ein Netzwerk von Spezialisten aus nahezu jedem Themengebiet zurückzugreifen, wenn es notwendig ist. Ich erfahre aus erster Hand, welche Anforderungen meine Kollegen z.B. bei der Auslegung einer Batterie haben – ihren Input nehme ich mit ins Labor, um Fragestellungen mit Hilfe der Chemie entweder zu lösen oder gar nicht erst auftreten zu lassen. Für mich ist klar: „Das Beste oder Nichts“ beginnt beim Molekül.

Foto: DRIVE-E 2015 / Wolfgang Reiher

Könnten Sie uns ein bisschen mehr über das Thema Ihrer Doktorarbeit erzählen?

In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich mit „Neuen Hochenergiematerialien für die Batterietechnik“. Elektromobilität ist ein sehr wichtiges Zukunftsthema – dabei ist es entscheidend, weiter an Batterien zu forschen und zu entwickeln. Die Elektrifizierung des Antriebstranges ist „keine Kür, sondern Pflicht“, wie Prof. Dr. Thomas Weber, Vorstandsmitglied für Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung bei Daimler, sagte. Hier setze ich mit meiner Doktorarbeit an: Ich beschäftige mich mit der Entwicklung von Energiespeichermaterialien für zukünftige Batteriegenerationen. Dabei stehen nicht nur bessere Batterien im Fokus, welche deutlich mehr Leistung und damit Reichweite mit sich bringen, sondern auch Batterien, die sicher sind und eine lange Lebensdauer haben. Hierbei spielen vor allem die Kosten eine erhebliche Rolle. Diese muss ich immer im Auge behalten, wenn ich neue Materialien im Labor entwickle. Denn am Ende des Tages muss ein positiver Business Case gegeben sein. Ein heißer Anwärter für so eine Batterie ist die Lithium-Schwefel-Technologie. Meine Herausforderung besteht darin, mit möglichst einfachen Mitteln in einem möglichst einfachen Prozess den Schwefel in der Batterie zu „zähmen“ um eine hochpotente Lithium-Schwefel-Batterie zu entwickeln.

Martin Frey zusammen mit Nobelpreisträger Richard R. Schrock

Welche Erfolge konnten Sie durch Ihre Forschung bereits verzeichnen?

Bei meiner Arbeit geht es darum, die Technologieführerschaft auf dem Gebiet der Lithium-Schwefel-Technologie für Daimler zugänglich zu machen. Dies kann man in Form von Patenten sehr effektiv tun, weswegen in eineinhalb Jahren Doktorarbeit mittlerweile 4 Patente auf dem Gebiet der Lithium-Schwefel-Technologie entstanden sind. Ein Highlight war die Auszeichnung meiner Forschung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Fraunhofer-Gesellschaft mit dem Drive-E-Studienpreis in der Kategorie „Energiespeicher“. Zudem konnte ich im Januar 2015 auf dem Doktorandenmarktplatz Prof. Dr. Thomas Weber persönlich meine Forschung präsentieren. Auch durch diverse Posterpräsentationen und Vorträge auf Fachkonferenzen konnte ich mit meiner Doktorarbeit überzeugen. Im April 2015 bekam ich die Möglichkeit, dem Nobelpreisträger in Chemie aus dem Jahr 2005, Prof. Dr. Richard Schrock, meine Forschung vorzustellen.
Der größte Erfolg ist für mich jedoch, dass meine Kollegen aus dem Forschungs- und Entwicklungsbereich sowie von Mercedes-Benz Research & Development North America auf mich zukommen und meine fachliche Meinung zu den Geschehnissen in der Batteriewelt einfordern. Das zeigt mir, dass die Kollegen und damit Daimler, Interesse an meiner Arbeit haben.

Verwendung von Cookies

Um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwendet Daimler Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.