Ingenieurin in der Oberflächenbearbeitung Interview mit Stella Steisel

Der schönste Bereich im Werk? Für Stella Steisel ist das ganz klar die Lackierung. Sie ist Betriebsingenieurin in der Oberflächenbearbeitung bei Daimler und ist für neue Produktionsanläufe im Mercedes-Benz Werk Rastatt zuständig. Was man dabei genau macht und wie ihr Arbeitsalltag aussieht, erklärt die 31-Jährige im Interview.

Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Ich bin 31 Jahre alt und gelernte Diplom-Verfahrenstechnikerin. Seit Oktober 2017 arbeite ich in Rastatt im Bereich Oberflächenbearbeitung als Betriebsingenieurin. Davor war ich als Planerin im Anlagenbau tätig.

Warum haben Sie sich für Daimler als Arbeitgeber entschieden?

Als Teenager wollte ich einen Mercedes fahren (C-Klasse) und war schon immer von der Qualität und dem Design unserer Autos begeistert. Der Slogan „The best or nothing“ mag für den ein oder anderen gewagt sein, aber für mich entspricht das genau meiner Einstellung zum Beruf. Es macht einfach Spaß mit Menschen zu arbeiten, die für diese Marke „brennen“. Unabhängig davon ist Daimler für mich ein Arbeitgeber mit unbegrenzten Möglichkeiten. Die abwechslungsreichen Aufgaben bieten die Chance sich weiter zu entwickeln und viel Erfahrung zu sammeln. Was kann man sich als junge Ingenieurin bzw. junger Ingenieur mehr wünschen?

Sie sind für internationale Produktanläufe bei Daimler zuständig. Was heißt das genau?

Unter Produktionsanlauf versteht man die Einführung und den Hochlauf von einem neuem Produkt oder einer neuen Baureihe im Werk. Der gesamte Prozess muss an das neue Produkt angepasst werden, darunter fallen zum Beispiel die Verfahrenstechnik sowie eine Vielzahl technischer Prozesse. Mein Job ist es, dass alle notwendigen Qualifizierungen durchgeführt werden und der reibungslose Ablauf sichergestellt ist.

Sie arbeiten im Bereich „Oberfläche“. Was verbirgt sich dahinter?

Oberfläche steht für die Lackierung. Für mich der schönste Bereich im gesamten Werk. Denn hier bekommen unsere Autos ihren farblichen Touch. Letztendlich sind wir für den Farbwunsch des Kunden, den Korrosionsschutz und die Dichtigkeit von allen Karossen zuständig.

Wann kommen Sie ins Spiel, wenn ein neues Modell eingeführt wird?

Die Einführung eines neuen Modells ist sehr aufwendig und komplex. Bevor eine Karosse überhaupt in Serienproduktion geht, finden im Vorfeld eine Vielzahl an Produktionstests statt, die durch alle Bereiche (Rohbau, Oberfläche und Montage) geprüft und bewertet werden. Nach jedem Produktionstest werden die Ergebnisse gemeinsam ausgewertet und die Maßnahmen zur Optimierung eingeleitet. Ich hatte das große Glück, dass ich die Einführung der neuen A-Klasse bei uns im Werk begleiten und den Qualitätscheck sowie die Maßnahmendefinition mit allen Verantwortlichen miterleben durfte. Dazu gehört eine präzise Vorbereitung der Kennzahlen und Dokumentation der Ergebnisse.

Und wieso ist das ganze international?

Nun, Rastatt ist das Lead-Werk für die Kompaktwagen und unterstützt alle Kompaktwagenwerke weltweit mit Qualifizierungen, Baubarkeitsuntersuchungen und Know-how. Zu den internationalen Werken gehören beispielsweise Werke in China, Mexiko, Ungarn oder Finnland.

Das heißt, beim Produktanlauf der neuen A-Klasse haben Sie auch die internationalen Kollegen unterstützt?

Ja genau, wir sind beispielsweise als 11-köpfiges Team für zwei Wochen nach Mexiko (Aguascalientes) gereist, um den Kollegen vor Ort bei der Einführung zu helfen. Die Reise war sehr bereichernd für mich. Gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort haben wir die Baubarkeit des Fahrzeugs abgesichert, Erfahrungen aus dem Erstanlauf weitergegeben und Optimierungsmaßnahmen in Bezug auf das neue Produkt besprochen. Mit unserem Know-how durch den Produktanlauf in Deutschland konnten wir in Mexiko wertvolle Tipps und damit unser Wissen weitergeben. Genau darum geht es auf solchen Reisen: Wissenstransfer und Netzwerkbildung.

Wie würden Sie Ihren Job in einem Satz beschreiben?

Einer der drei Substantive kann man täglich bei mir vorfinden: Abwechslung, Verantwortung, Herausforderung.

Ein spannendes Projekt ist die Entwicklung einer App, um Papierverbrauch in der Produktion zu reduzieren. Das klingt erstmal nicht nach einem klassischen Ingenieurs-Job. Wie sind Sie dazu gekommen und was genau machen Sie hier?

Wir wollen mit dem Projekt „Papierlose Fabrik“ einen Beitrag zu Industrie 4.0 leisten. Das Team setzt sich aus sechs Projektingenieuren zusammen mit dem Ziel unsere Fabrik innovativer und effizienter zu gestalten. Konkret heißt das, dass wir die Anzahl der Ausdrucke minimieren und die Prozesse immer mehr digitalisieren wollen. Das schont gleichzeitig auch die Umwelt.

Wie gehen Sie hier vor?

Wir schauen uns die Prozesse an und erarbeiten Optimierungsvorschläge. Zum Beispiel werden in Qualifizierungsbereichen häufig Evaluationsbögen ausgedruckt und an Mitarbeiter zum Ausfüllen verteilt. Anschließend werden die Bögen gesammelt, eingescannt, per Email verschickt und die ausgefüllten Formulare vernichtet. Mit einer digitalen Lösung, wie beispielsweise einer Evaluations-App, könnte dieser Prozess deutlich verbessert werden. Sowohl was den Arbeitsaufwand als auch den Papierverbrauch angeht. Solche Projekte erscheinen auf den ersten Blick eher klein, sind letztendlich aber immens wichtig, um unser Unternehmen voranzubringen.

Erzählen Sie uns bitte ein bisschen mehr über Ihr Team und Ihre Aufgaben. Wie setzt sich das Team zusammen?

Als Betriebsingenieur ist es immer von Vorteil, wenn man viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen kennt. Da meine Aufgaben sehr abwechslungsreich sind, arbeite ich sowohl mit Produktionsmitarbeitern als auch mit Betriebsingenieuren und Führungskräften zusammen. Wir teilen unser Wissen und unsere Erfahrung. Aus meiner Sicht ist das nicht immer selbstverständlich, macht aber gerade ein tolles Team aus. Und in so einem arbeite ich.

Welche Profile werden verstärkt in Ihrem Bereich gesucht?

Es ist von Vorteil, wenn Bewerber Erfahrungen aus den Bereichen der Lackierung mitbringen oder ein allgemeines technisches Studium gemacht haben. Allerdings sind die Soft-Skills aus meiner Sicht noch viel wichtiger. Als guter Ingenieur im Bereich Oberfläche stelle ich mir eine Person vor, die Herausforderungen gerne annimmt, flexibel und wissensbegierig sowie ein Teamplayer ist, die Aufgaben konstruktiv löst und einen „Stern im Herzen trägt“.

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